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Bewertungen

Insgesamt 200 Bewertungen
Bewertung vom 19.07.2017
Bea macht blau
Hennig, Tessa

Bea macht blau


sehr gut

Bea, Anfang fünfzig, verheiratet mit Matthias und Mutter einer gerade erwachsenen Tochter, freut sich wie verrückt auf deren Abiball. Sie platzt fast vor Stolz, hat ihre „Lütte“ doch einen traumhaften Zensuren Durchschnitt, der es ihr ermöglicht sich in München einschreiben zu lassen, damit ist sie zwar von zu Hause weg, aber nicht so weit, dass man sich nicht gegenseitig fix besuchen könnte, auch an den Unterhaltskosten kann die Familie so sparen. Doch Beas blumige Tagträume werden jäh zerstört, denn ihre Tochter denkt gar nicht daran nach München zu gehen. Sie geht nach Passau mit ihrem Freund! Nachdem Bea diesen Schock noch nicht ganz verdaut hat, und ihr der Trennungsschmerz sehr zu schaffen macht, findet sie heraus, dass ihr Mann sich seit geraumer Zeit auch mit einer anderen Frau vergnügt. Der Eine unterstellt ihr auch nicht mehr glücklich in der Ehe gewesen zu sein, die Andere wirft ihr einen mütterlichen Kontrollzwang vor. Tief verletzt will Bea eigentlich nur noch fort, an einen Ort wo sie wieder Kraft und Energie tanken kann. Da fällt ihr ihr Lieblingsort aus der Kindheit ein, San Sebastian im Baskenland. Früher war sie jeden Sommer dort, zusammen mit ihrer Schwester. Hals über Kopf bricht sie auf.
Tessa Hennigs Bücher sind mir durch vorablesen bekannt und auch ein wenig ans Herz gewachsen. Die Autorin schafft es Alltägliches gut zu verpacken und unterhaltsame Romane mit viel Humor zu kreieren. In "Bea macht blau" kommt ein Thema zur Sprache, das mich auch schon seit einiger Zeit umtreibt: die Kinder werden flügge und brechen in ihr eigenes selbständiges Leben auf. Mein Fall in das berühmte Loch wird abgepuffert durch einen Vollzeitjob, bei der Protagonistin eher nicht.
Was mir sehr deutlich aufgefallen ist, sind die wirklich vielen Aneinanderreihungen von Klischees vom untreuen Ehemann, über die aufmüpfige Tochter, die zankhafte Schwester bis hin zur Helikopter-Mama. Ich empfinde das nicht ganz unrealistisch und Tessa Hennig versteht es auch sehr gut aus all diesem trotzdem ein sehr unterhaltsames Buch zu machen. Besonders gefallen haben mir die Beschreibung der Naturschönheiten, der Kunst und Kultur und auch der kurze politische Abriss des Baskenlandes. Da wurde meine Neugier doch sehr geweckt. Etwas zu dick aufgetragen, und deshalb ziehe ich der sonst ganz gut gelungenen Story einen Punkt ab, ist die wirklich haarsträubenden Aufklärung der Familienverhältnisse der Protagonistin.

Bewertung vom 18.07.2017
Du sollst nicht leben / Marina Esposito Bd.6
Carver, Tania

Du sollst nicht leben / Marina Esposito Bd.6


ausgezeichnet

Darren Richards, seines Zeichens Kleinkrimineller und immer high, erwacht in einem ihm unbekannten Raum, vor ihm steht ein Mann der sich mit einer Gasmaske unkenntlich gemacht hat. Sein erster Gedanke ist Flucht. Doch das lässt sich nicht in die Tat umsetzen, denn er ist mit Isolierband an den Stuhl, auf dem er sitzt, gefesselt. Sein Entführer verlangt von ihm Gerechtigkeit. Darren hat vor längerer Zeit einen unverzeihlichen Fehler mit tödlichem Ende begangen, nur durch einen Verfahrensfehler entging er einer (gerechten) Haftstrafe. Der Entführer verlangt nun Gerechtigkeit von Darren. Als Erpressungsmittel dienen ihm Darrens Freundin Cloe und das gemeinsame Baby Shannon. Kurze Zeit später erhält Detective Inspector Phil Brennan einen Anruf. Der Anrufende beordert ihn in den Birminghamer Stadtteil Hockley in welchem sich ein Tatort befinden soll. Auf die Frage von Phil nach dem Namen des Anrufers, erwidert dieser nur „Nemisis“.
Unterdessen befindet sich die Profilerin und Ehefrau von Phil Brennan, Marina Esposito, auf dem Weg nach Colchester, in die psychiatrische Klinik „Finister House“. Hier soll sie auf Bitten ihrer Freundin Anni Hepburn die weibliche Insassin Joanna Marsh, eine Frau die acht Babyleichen vergrub, begutachten. Doch nicht nur dies macht Anni zu schaffen. Es gibt eine weitere Insassin, eine Frau die verstörende Ähnlichkeiten mit einer verstorbenen Psychopathin aufweist, und schlimmer noch, sie gibt sich als diese aus und verlangt Marina zu sprechen.

Das Autorenduo Tania Carver ist einfach ein Garant für Spannung und Nervenkitzel. Seit ihrem ersten Buch verfolge ich ihre Serie um Phil Brennan und Marina Esposito und es ist immer noch so, dass die Geschichten mich packen und ich das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis ich endlich weiß wer der Täter ist und aus welcher Motivation er heraus diese Taten begeht. Dieses Mal jedoch musste ich mich dabei ertappen, dass ich am Anfang fast ein wenig Sympathie mit dem Täter hatte. Bestraft er doch Menschen die sich grober Vergehen strafbar gemacht haben ohne dafür belangt worden zu sein bzw. belangt werden zu können. Gut die Umsetzung der „gerechten Strafe“ ist mir dann doch zu grausam und zu blutig. Genau das machen allerdings die Bücher von Carver aus. Wie im vorherigen Buch gibt es wieder parallel verlaufende Handlungsstränge, die sich nur an einer winzigen Schnittstelle kreuzen. Ansonsten erleben Marina und Phil auf ganz unterschiedliche Weise die Abgründe menschlichen Denkens und Handelns.
Ich verwende den Begriff Pageturner nur selten. Auf dieses Buch trifft er jedoch vollkommen zu. Ein Buch das mich zwei Stunden gefesselt hat. Jedes Mal wenn die Dramatik in einem der beiden Erzählstränge nachließ, wechselte die Perspektive und der jeweils andere Strang wurde weiter erzählt. Dadurch blieb die Spannung die ganze Zeit erhalten.
Im Gegensatz zu „Morgen früh wenn du willst“ gefallen mir die Titelwahl und die Covergestaltung deutlich besser. Also volle Punktzahl für diesen Nervenkitzel.

Bewertung vom 29.06.2017
Tiefe Schuld / Toni Stieglitz Bd.2
Obermeier, Manuela

Tiefe Schuld / Toni Stieglitz Bd.2


ausgezeichnet

Geocaching, was im heimischen Kinderzimmer noch total aufregend und spannend klang, ist nach wiederholtem umherirren im Wald, auf der Suche nach dem versteckten Schatz, für Fabian und Cem ziemlich Nerv tötend. Da sie beide aber unbedingt ein Erfolgserlebnis brauchen, trennen sie sich und jeder sucht auf seine Weise. Bis Cem einen markerschütternden Schrei von Fabian hört, panisch vor Angst macht er sich auf die Suche nach seinem Freund.
Unterdessen sitzt Kommissarin Toni Stieglitz bei ihren Eltern zum verkrampften Anstandsbesuch mit Kaffeekränzchen als der von ihr sehnlichst herbeigewünschte Anruf aus dem Dezernat tatsächlich eintrifft. In einem Waldstück im Westen von München , in der Aubinger Lohe, wurde von zwei Jungs die geocachen waren, die Leiche einer Frau gefunden. Toni muss mit Entsetzen feststellen das die Frau, anhand ihrer multiplen Blutergüsse und Brandnarben, Opfer schwerster Misshandlungen wurde. Eine Parallele zu ihrer Vergangenheit wird ihr schmerzlich bewusst. Hätte sie auch so enden können, wenn sie bei ihrem gewalttätigen Freund Mike geblieben wäre? Sehr zum Unmut ihres Vorgesetzten schießt sich Toni deshalb auch sofort auf den Ehemann der Toten ein. Doch sind die Dinge wirklich so wie sie scheinen?
Ich war sehr überzeugt vom Debüt der Autorin und auch der Nachfolger konnte mich vollkommen überzeugen. Auf der einen Seite finde ich es immer sehr reizvoll, wenn eine Fachfrau (Fachmann) sich dem Schreiben widmet, weil ich dann das Gefühl bekomme mehr Wahrheit als Fiktion zu lesen. Der Einstieg in diesen Fall ist ebenso spannend und fesselnd geschrieben. Allein wie die Jungs in dem doch etwas düster wirkendem Wald umherirren verursacht schon eine ganz schöne Gänsehaut.
Die Spannungsbögen sind ebenfalls gut gesetzt und der Leser wird immer wieder herausgefordert, weil die Autorin geschickte Wendungen einsetzt. Sehr gut ausgeleuchtet finde ich die verschiedensten Arten von körperlicher und seelischer Misshandlungen und das man diese nicht auf den ersten Blick erkennt.
Das Dezernatsleben insbesondere das Interagieren mit den Kollegen stellt Manuela Obermeier für mich sehr authentisch dar. Die Kollegen arbeiten allesamt viel und lange, aber nicht ununterbrochen. Ein Aspekt der mir in einigen Krimis immer negativ auffällt und unrealistisch ist, wenn man das Gefühl bekommt, der Protagonist arbeitet 48 Stunden pro Tag.
Auf der anderen Seite bin ich bei Krimiserien in der Regel immer am Privatleben der Protagonisten interessiert. Die Figur der Toni, die strebsame, erfolgreiche, charakterlich nicht ganz umgängliche ist etwas Besonderes. Die Szene in der sie ihren Eltern an den Kopf schleudert, das ihr Mann sie misshandelt empfinde ich als Leserin auch ein wenig als Befreiungsschlag, weil die Dinge endlich auf den Tisch sind und nicht ewig versteckt werden (und sich vielleicht auf folgende Bücher noch ewig hinziehen). Das gefällt mir auch am Schreibstil der Autorin: klar, flüssig ohne Schnörkel und trotzdem (oder gerade deshalb) spannend.

Ein Manko gibt es jedoch bei diesem Buch. Ich war, als ich es das erste Mal in der Hand hielt, irritiert das dieses Buch 399 Seiten haben soll, von der Dicke hätte ich es um 100 Seiten weniger geschätzt. Die Seiten sind wirklich extrem dünn, das Umblättern muss demzufolge sehr vorsichtig passieren damit keine Seite eventuell zu Schaden kommt. Das steht für mich in keinem Verhältnis zu dem Preis. Da wünsche ich mir vom Ullstein Verlag ein Umdenken in Sachen Kosteneffizienz.

Bewertung vom 18.05.2017
Die zwei Leben der Florence Grace
Rees, Tracy

Die zwei Leben der Florence Grace


ausgezeichnet

Die zwei ....... Leben der Florence Grace

Die raue Landschaft Cornwells mit ihren Hügeln und Mooren ist die Heimat der jungen Florrie Buckley. Ihre Mutter verlor sie schon kurz nach ihrer Geburt, ihren geliebten Vater mit acht Jahren. Nun wächst sie wohlbehütet und mit Liebe überschüttet bei ihrer Großmutter Nan auf, wird sowohl von der jungen engagierten Lehrerin Lacey und der alten Rilla, der Dorfhexe, unterrichtet. Doch Nan’s Gesundheitszustand verschlechtert sich mit den Jahren. Am Sterbebett, Florrie ist jetzt ein Teenager, eröffnet ihr die Großmutter, das es noch eine andere Familie gibt, berüchtigt und sehr wohlhabend, und Nan diese kontaktiert hat, um Florrie in deren Hände nach ihrem Tod abzugeben. Nach Nan’s Tod findet sich Florrie plötzlich in der Metropole Londons wieder, die sich so völlig von ihrem bisherigen Leben auf dem Land unterscheidet, wieder. Von Anfang an glaubt sie hier in der reichen, unnahbaren und fast feinseligen Familie nie glücklich zu werden. Lediglich ihre beiden Cousins Sanderson und Turlington geben ihr in dieser Zeit ein wenig Halt.

Tracy Rees hat mich schon mit „Amy Snow“, ihrem Debüt sehr berührt, so dass ich auch ihr zweites Buch unbedingt lesen wollte. Auch in diesem entführt sie uns ins viktorianische Zeitalter und erzählt eine Aschenputtel Geschichte mal anders und ganz neu. Auf der einen Seite das karge, entbehrungsreiche jedoch glückliche Leben auf dem Land und auf der anderen Seite die gesellschaftlichen Zwängen und Dogmen einer fast falsch verstandenen Heraufbeschwörung von Traditionen in einer Familiendynastie, in dem jedes Familienmitglied seine dunklen Geheimnisse hat und eigene manchmal fast undurchschaubare Ziele verfolgt. Eine wunderbare Geschichte um Liebe, Familie und Freiheitswillen. Gerade letzterer ist für eine junge Frau am Ende des 19. Jahrhunderts fast unmöglich bis unwahrscheinlich ihn auszuleben. In ihrem mitreißenden Schreibstil lässt ihn die Autorin, durch ihre bezaubernde Protagonistin, möglich werden.
Das „alte“ London ersteht in diesem Roman wieder auf, sowohl die dunklen berüchtigten Orte als auch die noblen Viertel. Tracy Rees beweist hier durch viele kleine Erzählstränge eine außerordentlich gründliche Recherche des damaligen Lebens. Ebenso begeistert war ich von den Naturschönheiten Cornwells. Ein bisschen eine Darstellung von Licht und Schatten, man ahnt das letzteres wohl eher auf London zutrifft. Eine tragische, verzehrende und fast aussichtslose Liebe runden das Bild einer zauberhaften Lektüre ab, in der man sich regelrecht vergraben kann.

Bewertung vom 11.05.2017
Die Grausamen
Katzenbach, John

Die Grausamen


ausgezeichnet

Zwei vom Schicksal gebeutelte Detektives , denen man eine (letzte) Chance gibt, finden ihre neue Arbeitsstelle im Keller. „Cold Cases“, ungelöste alte Mordfälle, damit dürfen sich die Beiden jetzt beschäftigen. Für Gabe, der bei einem tragischen Segelbootunfall seinen Schwager, den Zwillingsbruder seiner Frau verlor, und mit ihm im Nachhinein auch seine ganze Familie, besteht ebenfalls die Verpflichtung sich seinem Alkoholproblem zu stellen. Marta Rodriguez-Johnson hat mit anderen Dämonen zu kämpfen. Die alleinerziehende Witwe eines Marines erschoss ohne Absicht ihren langjährigen Partner wären einer Drogenrazzia. Ein Trauma über das weder sie noch ihre Kollegen aus dem Drogendezernat hinweg kommen.
Beide sichten jetzt die schier endlosen Aktenstapel alter ungelöster Mordfälle, haben allerdings Schwierigkeiten Anknüpfungspunkte für ein erneutes Aufrollen der Fälle zu finden. Bis Marta nach schier endlosen Wochen des Aktenstudiums vier Fälle auffallen, die eine gewisse Ungewöhnlichkeit darstellen. Vier Mordfälle aus dem Jahr 1997 die anscheinend von unterschiedlichen Tatwaffen und Mördern begangen wurden. Die einzige Gemeinsamkeit sind bei allen vier Fällen dieselben ermittelnden Beamten. Das ist das eigentlich ungewöhnliche, die beiden Beamten hatten eine immense Erfolgsquote, galten als unschlagbares Duo und nur diese vier Mordfälle konnten sie nicht aufklären? Bei ihren weiteren Nachforschungen stoßen sie außerdem auf den Fall der Vermissten Tessa. Ein dreizehnjähriges Mädchen die aus einer noblen Wohngegend verschwunden ist, und deren Leiche auch Jahre später nie gefunden wurde. Hängen die Fälle zusammen? Kaum jedoch das Marta und Gabe versuchen die losen Enden zu verknüpfen gibt es auch schon den ersten Toten…

John Katzenbach gehört mit Recht zur Elite der Thrillerautoren. Mich wunderte nur die allzu offensichtliche Ähnlichkeit zu Jussi Adler-Olsons Dezernat Q. Ungelöste Mordfälle, Büro im Keller (Verlies) und aufs Abstellgleis verbannte Ermittler. Allerdings zeichnet er beide Protagonisten so ausführlich dass dieses kleine Manko, mir zwar auffiel mich allerdings nicht weiter störte. Der eigentliche Fall (Fälle) ist so verworren und komplex, das man als Leser zusammen mit Marta und Gabe vor einem schier aus unendlichen Teilen bestehenden Puzzles steht. Immer wenn man glaubt in welche Richtung die Auflösung vielleicht liegen könnte, kommt die nächste Wendung. Zwischenzeitlich gibt man die Hoffnung ganz auf, und dann kommt Katzenbachs unglaublich guter Schreibstil dazu, man fliegt förmlich durch die Seiten, das sind mit über 550 Seiten nicht wenige.

Fazit: Ein unglaublich spannender Thriller mit einer komplexen Story und einem etwas außergewöhnlichem Motiv des Täters.

Nachtrag: Ich könnte schwören, das das Spinnennetz vom Cover nachts im Dunkeln leuchtet.

Bewertung vom 11.05.2017
Die unbekannte Schwester / Carlotta Fiore Bd.3
Prammer, Theresa

Die unbekannte Schwester / Carlotta Fiore Bd.3


weniger gut

Lotta Fiore und Konrad Fürst, das Duo aus den ersten beiden Büchern ermittelt wieder.
Nachdem Konrad aus dem Koma erwacht ist und seine Reha abgeschlossen hat, werden er und Lotta wieder in den Polizeidienst aufgenommen, so wie ihnen das der Polizeichef Krump versprochen hat. Nur sollen sie gar nicht die Kollegen unterstützen, eher sollen sie aus der Schusslinie sein und sich um Vorträge über Ermittlungsarbeit kümmern. Damit sind beide nicht wirklich einverstanden und daher bietet sich die Gelegenheit, dem Büroalltag zu entfliehen, als sie zum suizidalen Ableben eines Reporters berufen werden. Beim zufälligen Durchsehen der Post des Toten, fällt Lotta ein Zettel in die Hände auf dem nicht nur ihr richtiger Name sondern auch ihr Entführungsdatum steht. Woher wusste der Tote dies? Panische Angst macht sich in Lotta breit. Wird das Unfassbare passieren und ihre wahre Geschichte ans Licht kommen und womöglich von der Presse und der Öffentlichkeit zerrissen werden?

Ich konnte dem Erscheinungsdatum dieses Kriminalromans gar nicht genug entgegenfiebern, freute ich mich doch auf ein Wiedersehen mit all den Protagonisten, die mir, wenn schon nicht sympathisch, doch äußerst fascettenreich beschrieben wurden und somit für mich sehr interessant waren.
Der Einstieg und die „Tatortbegehung“ auf den ersten Seiten entsprachen dann ganz meinen Erwartungen. Doch leider sollte dies in meinen Augen schon genug Spannung sein, die nächsten annähernd zweihundert Seiten verliert sich die Autorin zu sehr in der Vergangenheitsbewältigung ihrer Protagonistin. Was mir in den ersten beiden Büchern spannungsreich und unterhaltend zugleich erschien, war mir jetzt nicht mehr ansprechend genug. Die endlosen Gedankenschleifen um die so übergroße Mutter der Protagonistin wurden mir zu viel. Das nicht ganz nachvollziehbare Verhalten von Lotta, die aus allem und jedem ein übergroßes Geheimnis macht, Dinge verschweigt, extrem eifersüchtig ist, allerdings von allen anderen um sie herum erwartet sich rational zu verhalten, ermüdete mich zwischenzeitlich so stark, dass ich mehrfach das Buch weglegen musste und ernsthaft bezweifelte es je zu Ende zu lesen. Einen Kriminalroman kann und sollte man nicht mit einem Thriller gleichsetzen, doch ein paar Spannungsbögen erwarte ich hier doch und das nicht nur auf den letzten zwanzig Seiten. So ausführlich das Seelenleben der Protagonisten teilweise geschildert wird, fehlt mir diese Ausführlichkeit dann am Schluss, das Motiv des Täters war für mich nicht wirklich nachvollziehbar.

Bewertung vom 27.04.2017
Man lernt nie aus, Frau Freitag!
Frau Freitag

Man lernt nie aus, Frau Freitag!


sehr gut

Frau Freitag, die engagierte Lehrerin nimmt sich eine Auszeit um selber wieder die Schulbank zu drücken. Für ihr Sabbatjahr hat sie sich vorgenommen den Führerschein zu machen. Obwohl sie seit über dreißig Jahren ganz gut mit U-Bahn ,Bahn weniger mit Fahrrad, dann doch lieber zu Fuß, durchs Leben gezogen ist, soll es jetzt mit fast über Fünfzig der Führerschein sein. Ursprünglich wollte sie ihn zusammen mit ihrem Lebensabschnittsgefährten machen, doch der kneift bei der Anmeldung in der Fahrschule. Da Frau Freitag aber schon ganz andere Sachen „gelernt“ hat, ist sie wild entschlossen auf das Abenteuer Fahrschule…

Frau Freitags Bücher sind für mich immer ein Garant für unterhaltsame (Urlaubs)Lektüre. Ihr witziger, ironische und auch selbstironischer Schreibstil gefallen mir. Jeder der seine „Fleppen“ gemacht hat, kann bestimmt das ein oder andere Anekdötchen erzählen oder bestätigen. In einer fast reinen Männerdomäne (Fahrschulen haben anscheinend noch keine Frauenquote) muss sie sich als Fahranfängerin beweisen. Ständig der versteckten Kritik wegen ihrem Geschlechts oder Alters ausgesetzt. Und sie verfällt, wie wahrscheinlich viele ihrer Schüler, der Gier nach viel Lob und wenig Tadel. Doch da ist sie beim ersten Fahrlehrer an der falschen Adresse. Anders als ihre Schüler hat sie jedoch die Möglichkeit ihren Lehrer zu wechseln, was sie auch macht. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Selbstreflektion gewünscht, nicht nur die Einsicht das man als Lehrer auch kleine Erfolge mal loben kann (und soll)um den Zögling bei Laune zu halten, sondern auch die Erkenntnis, dass nicht jeder Lehrer ein Optimum an Pädagogik darstellt. Alles in allem aber ein sehr unterhaltsames Büchlein das ich in einem Rutsch verschlugen habe.

Bewertung vom 04.04.2017
Sie werden dich finden
Rayburn, James

Sie werden dich finden


gut

Sie hatte es geahnt und befürchtet: Ihre Tarnung als junge alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Mädchens, in einer Kleinstadt in Kanada ist soeben aufgeflogen. Ihr ehemaliger Mitstreiter bei der CIA, Lucien Benway hat sie gefunden und will Rache. Er schickt zwei jugendliche Söldner in die kanadische Provinz um Mutter und Tochter zu töten, getarnt als Amoklauf. Doch Kate Swift alias Holly Brenner sieht sie kommen und kann sich und ihre Tochter in Sicherheit bringen. Sie fliehen, wieder einmal. Dieses Mal nach Thailand, denn dort lebt ein brillanter Agent im Ruhestand. Ein Mann der während Kates Ausbildung ihr berufliches Idol war. Doch kann er den beiden Frauen helfen?

Die ersten 10- 12 Kapitel sind unheimlich spannend und fesselnd geschrieben und ich war überzeugt davon dass dies auch über die gesamte Länge des Buches so sein würde, doch leider ist dem nicht so.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einem habe ich nicht verstanden, was genau Kate als sogenannte Whistleblowerin nun verraten haben soll. Irgendwie war das für mich zu wenig klar dargestellt, der Autor verliert sich darüber ständig in Andeutungen und Erinnerungsfetzen die seine Protagonisten ständig zum Besten geben. Es ergibt für mich jedoch kein Gesamtbild. Die eben angesprochenen Erinnerungsfetzen betreffen nicht nur Kates Vergangenheit, sondern auch eigene Agententätigkeiten, man erfährt aber nie die ganze Geschichte. Das sind bei den vielen Protagonisten ein Haufen Hinweise die völlig nebensächlich sind, mit der Geschichte nichts zu tun haben und mich als Leser ständig verwirrten. Irgendwann ab dem zwanzigsten Kapitel ging mir auch die zunehmende obszöne Ausdrucksweise gehörig gegen den Strich.
Für mich ist dieser Thriller ein wildes Durcheinander von Intrigen, Ränkeschmieden und Schachzügen klischeehaft anmutender Spione. Eine Phrasendrescherei gespickt mit allerlei pornographischen Details.

Bewertung vom 29.03.2017
Ragdoll - Dein letzter Tag
Cole, Daniel

Ragdoll - Dein letzter Tag


ausgezeichnet

Ohnmächtig vor Hass, außer sich vor Zorn, rasend vor Wut greift Detektive William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, im berühmten Gerichtssaal „Court One“ den gerade freigesprochenen Angeklagten Naguib Khalid an, mit dem Ziel ihn zu töten. In letzter Sekunde kann dies verhindert werden. Doch Wolf ist überzeugt das Khalid der Feuerbestatter ist, ein Serientäter der 27 weibliche Opfer zwischen 14- 16 Jahren bei lebendigem Leib angezündet hat. Doch Recht und Gerechtigkeit sind nicht dasselbe und durch geschickte Verfahrensprozesse, vermutlicher Falschaussagen von Zeugen, verunreinigte Beweise und nicht zuletzt die Verfahrensbeschwerden gegen Wolf, wird der Angeklagte von den Geschworenen für nicht schuldig befunden. Wolf wandert in eine psychiatrische Einrichtung, die Medien schlachten sein Leben und seine psychische Verfassung aus , seine Ehe geht in die Brüche und seine Kollegen sind geschockt über Wolfs Verhalten und Khalids Freispruch. Monate später wird Khalid dennoch als der Feuerbestatter verhaftet, neben der brennenden Leiche eines kleinen Mädchens…
Vier Jahre später, Wolf ist wieder in den Dienst versetzt worden, werden er und seine Kollegen zu einem Leichenfund, ganz in der Nähe von seiner Wohnung gerufen. Eine bizarre Leiche die an fast unsichtbaren Fäden von der Decke schwebt, schnell ist ersichtlich das die Leiche aus unterschiedlichen Leichenteilen, sowohl männlicher wie weiblicher zusammengesetzt wurde, eine Flickenpuppe. Fast gleichzeitig erhält Wolfs Ex-Frau eine Liste mit Namen von Personen und deren genauem Sterbedatum. Eine Todesliste und ganz unten steht Wolfs Name…

Erkennst du ein Monster wenn du es auf der Straße siehst?
Erkennst du den „Wolf im Schafpelz“?
Unter diese Maxime hat der Autor sein Debüt gestellt. Wahrlich ein ganz beachtliches Buch das sich auf dem wohl äußerst umkämpften Markt behaupten wird und Daniel Cole in die Riege namhafter Thrillerautoren katapultiert. Dabei spielt auch er mit den üblichen Klischees dieses Genres. Den brillanten Ermittler, jedoch physisch und psychisch am Ende seiner Kräfte. Die ebenso hart arbeitende Kollegin, zickig und mit extrem spitzen Ellbogen ausgestattet .Ein Kollegen der sich unverhofft als Hilfsprofiler entpuppt sowie die weitere Teammitglieder die irgendwie nicht wie ein Team sondern auf eigene Faust ermitteln ohne Rücksicht auf Verluste, gerade die eigene Gesundheit betreffen. Und doch Daniel Cole vermag mich mit seiner Geschichte und vor allen Dingen mit der Aufklärung überzeugen, gepaart mit einem flüssigen und unterhaltsamen Schreibstil. Gefallen haben mir auch die detaillierten Beschreibungen der Beteiligten ( Cole verfügt über eine sehr gute Beobachtungsgabe, die er sehr verständlich wiedergibt), es werden im Laufe der Geschichte zwar immer mehr, trotzdem behielt ich sehr gut den Überblick.

Ein fulminanter Thriller an dessen Seiten man förmlich klebt.

Bewertung vom 21.03.2017
DEMUT / Harry Svensson Bd.1
Olsson, Mats

DEMUT / Harry Svensson Bd.1


ausgezeichnet

So turbulent hat sich Harry Svensson seinen Ausstieg aus der Journalistenbranche eigentlich nicht vorgestellt. Er träumt von einem neuen Leben als Kneipenbesitzer. Auf der Suche nach Spirituosen und Weinen läuft er Ulrika Palmgren über den Weg. Die Weinhändlerin hat er auf einschlägigen Spanking-Seiten im Internet kontaktiert und plant nach der Weinverkostung ein gemütlichen (Teppichklopfer schwingenden) Ausklang des Abends mit ihr. Der endet dann allerdings nicht wie erhofft, sondern er bekommt von Ulrika einen üblen Nasenschwinger, der ihn erst in die Notaufnahme und dann zurück in sein Hotel führt. Dort stellt er fest, das die Tür vom Nebenzimmer offen steht, neugierig tritt er ein und findet dort den abgehalfterten Möchtegern Blues-Sänger Tommy Sandell im Bett vor, neben ihm liegt eine Tote. Der Journalist in ihm übernimmt jetzt das Weitere, Fotos werden gemacht und sein ehemaliger Arbeitgeber kontaktiert, bevor Harry die Polizei ruft. Damit setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihn auch in den Fokus des Mörders rücken.

Mats Olsson verfügt über eine außerordentlich begnadete Schreibkunst, denn obwohl für einen Thriller viel zu wenig Spannung vorhanden ist, folgt man der Geschichte fast ohne Pause. Über ein Jahr dauern die nachfolgenden Taten bzw. die Feststellung des Täters, in dieser Zeit ermittelt Harry nicht nur auf eigene Faust, sondern der Autor gibt über gewisse Sexpraktiken Auskunft, die nicht jedem vertraut sein dürften. Er gibt ebenfalls über weite Strecken einen gesellschaftlichen Einblick in die verschiedensten Landschaften und Großstädte Schwedens und Dänemarks. Hellhörig wurde ich dann immer wenn von Malmö die Rede war, meine Erinnerungen gaukeln mir eine Postkartenidylle vor, Mats Olsson beleuchtet größtenteils die Schattenseiten einer schwedischen Großstadt.
Eigentlich würde ich für einen Thriller, der über weite Passagen relativ wenig Spannung aufbaut eher drei Sterne geben, allerdings hat mich bei diesem Buch der Schreibstil, der Humor und der Zynismus des Autors dermaßen in seinen Bann gezogen, so dass ich hier die volle Punktzahl vergebe. Ein Beispiel für den besonderen Witz des Mats Olsson möchte ich an diesem Beispiel aus dem Buch verdeutlichen:“… er tappte nicht nur sehenden Auges in jede Falle, er stellte darin auch noch ganze Couchlandschaften auf, hängte Bilder an die Wände und machte es sich so richtig gemütlich.“ Eine sehr lustige Erweiterung einer Redewendung, die in meinen Augen jedoch nicht zu übertrieben oder aufdringlich wirkt.