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Bewertungen

Insgesamt 191 Bewertungen
Bewertung vom 21.03.2017
DEMUT / Harry Svensson Bd.1
Olsson, Mats

DEMUT / Harry Svensson Bd.1


ausgezeichnet

So turbulent hat sich Harry Svensson seinen Ausstieg aus der Journalistenbranche eigentlich nicht vorgestellt. Er träumt von einem neuen Leben als Kneipenbesitzer. Auf der Suche nach Spirituosen und Weinen läuft er Ulrika Palmgren über den Weg. Die Weinhändlerin hat er auf einschlägigen Spanking-Seiten im Internet kontaktiert und plant nach der Weinverkostung ein gemütlichen (Teppichklopfer schwingenden) Ausklang des Abends mit ihr. Der endet dann allerdings nicht wie erhofft, sondern er bekommt von Ulrika einen üblen Nasenschwinger, der ihn erst in die Notaufnahme und dann zurück in sein Hotel führt. Dort stellt er fest, das die Tür vom Nebenzimmer offen steht, neugierig tritt er ein und findet dort den abgehalfterten Möchtegern Blues-Sänger Tommy Sandell im Bett vor, neben ihm liegt eine Tote. Der Journalist in ihm übernimmt jetzt das Weitere, Fotos werden gemacht und sein ehemaliger Arbeitgeber kontaktiert, bevor Harry die Polizei ruft. Damit setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihn auch in den Fokus des Mörders rücken.

Mats Olsson verfügt über eine außerordentlich begnadete Schreibkunst, denn obwohl für einen Thriller viel zu wenig Spannung vorhanden ist, folgt man der Geschichte fast ohne Pause. Über ein Jahr dauern die nachfolgenden Taten bzw. die Feststellung des Täters, in dieser Zeit ermittelt Harry nicht nur auf eigene Faust, sondern der Autor gibt über gewisse Sexpraktiken Auskunft, die nicht jedem vertraut sein dürften. Er gibt ebenfalls über weite Strecken einen gesellschaftlichen Einblick in die verschiedensten Landschaften und Großstädte Schwedens und Dänemarks. Hellhörig wurde ich dann immer wenn von Malmö die Rede war, meine Erinnerungen gaukeln mir eine Postkartenidylle vor, Mats Olsson beleuchtet größtenteils die Schattenseiten einer schwedischen Großstadt.
Eigentlich würde ich für einen Thriller, der über weite Passagen relativ wenig Spannung aufbaut eher drei Sterne geben, allerdings hat mich bei diesem Buch der Schreibstil, der Humor und der Zynismus des Autors dermaßen in seinen Bann gezogen, so dass ich hier die volle Punktzahl vergebe. Ein Beispiel für den besonderen Witz des Mats Olsson möchte ich an diesem Beispiel aus dem Buch verdeutlichen:“… er tappte nicht nur sehenden Auges in jede Falle, er stellte darin auch noch ganze Couchlandschaften auf, hängte Bilder an die Wände und machte es sich so richtig gemütlich.“ Eine sehr lustige Erweiterung einer Redewendung, die in meinen Augen jedoch nicht zu übertrieben oder aufdringlich wirkt.

Bewertung vom 01.03.2017
Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4
Börjlind, Cilla; Börjlind, Rolf

Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4


ausgezeichnet

Die Flüchtlingswelle in Schweden will einfach nicht abreißen. Tag für Tag stranden am Stockholmer Hauptbahnhof Hunderte Geflohene. Luna, die Lebensgefährtin von Tom Stilton und Olivia seine Arbeitskollegin und Freundin, sind fast täglich da um zu helfen. Wie viele andere auch. Zunehmend, bemerken beide Frauen unabhängig voneinander, ist die Zahl der allein flüchtenden Kinder und Jugendlichen. Währenddessen bekommt Tom Stilton , ein früher hervorragender Ermittler bei der Mordkommission ,eine neue berufliche Chance. Nach Jahren der Abstürze, bis hin zur Obdachlosigkeit, ist er jetzt einigermaßen stabil, so dass ihm seine Freundin Mette Olsäter einen Beraterjob in ihrem Team beim Landeskriminalamt vorschlägt. Den er auch annimmt. Denn der neue Fall den Lisa, Olivia und Bosse unter der Leitung von Mette bearbeiten ist nicht nur grauenvoll sondern auch äußerst verzwickt, denn die Ermittlungen gehen weit über die Landesgrenzen von Schweden hinaus. In einem Wald in der Nähe der Hauptstadt wird durch Zufall die Leiche eines Jungen gefunden. Wer ist dieses Kind und welchem Täter ist er zum Opfer gefallen? Bekommt Mettes Team es mit einem Pädophilen zu tun? In dieser Gegend sind gleich mehrere Personen auffällig geworden. Oder geht die Aufklärung in eine ganz andere Richtung?

Ein neuer Fall vom Autorenteam Cilla und Rolf Börjlind. Abermals ist es den Beiden gelungen mich mit einem sehr komplexen, durch seine Aktualität bestechend realistischen Krimi regelrecht zu fesseln. Viele Erzählstränge, gerade zum Beginn eines Buches führen bei mir oft dazu, mich zu verwirren. Auch die Börjlinds bedienen sich dieser Erzählweise, jedoch laufen alle ihre Erzählstränge verständlich zu einem komplexen und vielschichtigem Plot zusammen.
Das Autorenduo greift in seinem neuesten Fall sehr brisante Themen auf, die enormen Anstrengungen die mit dem immensen Zustrom von Flüchtlingen einhergeht, Ausländerfreundlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Menschenhandel und Pädophilie. Aus all diesen schaffen sie es, gepaart mit einer packenden Story, akribischer Recherche und ausgefeilten Charakteren einen wirklich packenden Kriminalroman zu konzipieren.
Da dies jetzt mein zweites Buch um die Ermittlungstruppe „Olsäter“ ist, kam ich sehr viel besser mit den Geschichten um die Protagonisten zurecht. Alle Beteiligten sind sehr gut gezeichnet und ihre Lebensweise und ihr Lebensalltag nimmt fast ebenso viel Raum ein wie der aufwühlende Fall. Dies ist aber keine Kritik, das macht diese Geschichte so komplex und spannend, so dass ich das Buch, trotz seiner über 500 Seiten nicht aus der Hand legen wollte und konnte.

Bewertung vom 21.02.2017
Spreewaldtod / Klaudia Wagner Bd.2
Dieckerhoff, Christiane

Spreewaldtod / Klaudia Wagner Bd.2


ausgezeichnet

Eine unschöne Trennung von ihrem Mann und Arbeitskollegen sorgte dafür, dass es Kommissarin Klaudia Wagner vom Ruhrpott in den Spreewald verschlug. Noch kann sie sich mit ihrem neuen Umfeld nicht so ganz anfreunden. Der erste Fall, den sie hier bearbeitete, war hochdramatisch und einhergehend mit unauslöschlichen Veränderungen für ihren Kollegen und Vermieter Uwe. Starke Zweifel hat sie deshalb, ob sie in der beliebten Urlaubsregion wirklich sesshaft werden möchte. Ihre neue Arbeitskollegin Wibke von der „Spusi“ versucht sie immer wieder etwas rauszulocken, und so gehen beide Frauen auf das „Hechtfest“ in Lübbenau und versuchen den Alltagstrott etwas hinter sich zu lassen. Eine Schlägerei gehört auf solchen Festen, wo jeder jeden kennt, ja immer wieder mal dazu und so werden Klaudia und Wibke auch Zeuginnen eines solchen Vorfalls. Ein rumänischer Erntehelfer wird von einem mutmaßlichen Neonazi übel verprügelt, selbst als Klaudia dazwischen geht, lässt der Ungehobelte von dem inzwischen am Boden Liegendem nicht ab. Durch ihr mutiges Einschreiten bewahrt sie den Rumänen zwar von Schlimmeren, sich selber macht sie sich damit keinen Gefallen, denn den Schläger hat sie sich jetzt zum Feind gemacht. Am nächsten Morgen entdeckt ein Paddler im Fließ einen Toten. Die Kommissarin macht sich zusammen mit ihrem Kollegen Demel auf den Weg. Beim Eintreffen stellt sie fest, dass der Tote der junge Rumäne ist, der am Abend zuvor so übel attackiert wurde.

Dies ist mein zweites Buch von Christiane Dieckerhoff mit ihrer Protagonistin Klaudia und ich stelle fest, dass mir ihre Kriminalreihe sehr gefällt. Zwar wirkt ihre Hauptfigur auf mich etwas spröde, unnahbar und dezent unsympathisch, ihre Kriminalfälle sind jedoch sehr spannend und entwickeln sich immer zu einem richtig fesselnden Finale. Speziell gefallen mir ihr flüssiger Schreibstil und im Besonderen die zahlreichen Beschreibungen der Lebens- und Arbeitswelt in dieser für mich persönlich so idyllischen Oberlausitz.
Ich bemängele oft an Krimis/ Thrillern eine gewisse Nachlässigkeit in Bezug auf die Recherche im medizinischen Bereich. Als gelernte Kinderkrankenschwester hat die Autorin vielen anderen ihrer Zunft einiges zum Glück voraus. Da wird zum Beispiel bei der Autopsie darauf geachtet, dass die Kriminalisten, die der Leicheneröffnung beiwohnen, sich komplett die Schutzkleidung anlegen. Etwas was ich sehr oft vermisse in diversen anderen Büchern.
Das für mich interessante an Kriminalreihen ist, das man mit jedem Buch die Geschichte der Protagonisten weiterverfolgen kann. Ich hoffe dass die Autorin dies tut, denn ich bin schon sehr gespannt auf eine Fortsetzung.

Bewertung vom 30.01.2017
Glücksmädchen / Ellen Tamm Bd.1
Bley, Mikaela

Glücksmädchen / Ellen Tamm Bd.1


gut

Auf der Suche nach einer neuen Schlagzeile, vermutet der Chefredakteur des Nachrichtenkanals TV4 hinter der Meldung um ein vermisstes achtjähriges Mädchen ein „Missing pretty Girl Syndrom“. Er setzt die Kriminalreporterin Ellen auf die Story an, obwohl er eigentlich wissen müsste, dass diese psychisch an ihre Grenzen bei diesem Fall gehen könnte, da es in ihrer eigenen Lebensgeschichte einen ähnlich dramatischen Fall gegeben hatte. Mit acht Jahren verlor Ellen ihre Zwillingsschwester Elsa bei einem Unfall, noch immer gibt sie sich die Schuld an diesem tragischen Ereignis.
Der Fall der verschwundenen Lycke liegt jedoch etwas anders. Sie verschwand vor der Königlichen Tennishalle, die aber wegen Restaurationsarbeiten gar nicht geöffnet war. Warum wusste dies die Stiefmutter, die sie dorthin begleitete, nicht? Aufgefallen ist das Verschwinden erst, als die leibliche Mutter ihre Tochter am Abend erwartete, da sie mit dem Vater der Kleinen verabredet hatte, das Lycke das Wochenende ausnahmsweise bei ihr verbringen sollte.

Das Debüt von Mikaela Bley ist in meinen Augen kein Psychothriller sondern allerhöchstens ein Kriminaldrama. Aus verschiedenen Perspektiven wird das Leben eines Kindes geschildert, das zwar einen glücklichen Vornamen hat, aber keineswegs eine glückliche und wohlbehütete Kindheit. Ihre Familie besteht zu großen Teilen aus Egozentrikern und Egomanen, die sich keineswegs um die Belange eines kleinen Mädchens kümmern, oder kümmern können. Dieses für mich unendlich traurige Schicksal versteht die Autorin ganz geschickt dem Leser zu verdeutlichen. Das ist dann allerdings schon das einzig positive was ich sagen kann. Ich bin leider weder mit Ellen noch allen anderen Personen richtig warm geworden. Ellen war mir eher unsympathisch, da sie die Arbeit der Polizei nicht nur als dilettantisch darstellt sondern sich im Vermisstenfall zu sehr einmischt. Etwas das sie aus ihrer Position heraus gar nicht machen kann. Die ganze Geschichte hatte durchaus Potenzial, wirkte für mich aber arg konstruiert, wenig realitätsbezogen und für einen Psychothriller sind fast gar keine Spannungsbögen vorhanden.
Ebenso unglücklich gewählt finde ich den Titel des Buches, beruhend wahrscheinlich auf der Übersetzung des Mädchennamens Lycka, die als solche aber komplett irreführend ist.

Bewertung vom 18.01.2017
Kein Sterbensort / Lockyer & Bennett Bd.2 (eBook, ePUB)
Donoghue, Clare

Kein Sterbensort / Lockyer & Bennett Bd.2 (eBook, ePUB)


gut

Detective Sergeant Jane Bennett wird zum Ende ihres Dienstes von ihrer Freundin Sue angerufen. Sue’s Ehemann Mark ist verschwunden, zuerst glaubt Jane noch an eine Midlife-Crisis, dann an einen Selbstmord, den Mark schien mit seiner Pensionierung psychisch nicht gut klar zu kommen. Mysteriös ist das viele Blut im Hauswirtschaftsraum und keinen einzigen Hinweis auf den Verbleib des ehemaligen Kollegen. Warum fuhr Mark nicht mit Sue und den Kindern zusammen in die Osterferien? Alles Hinweise, denen Jane jetzt nachgehen muss. Als ein blutiger Schuh Marks im nahegelegenen Elmstead Woods Park gefunden wird, wird das Gelände akribisch untersucht und auch ein Bodenradar kommt zum Einsatz, dabei wird eine Höhle entdeckt, in der ein menschlicher Körper liegt. Nachdem das Grab geöffnet wurde, finden Jane und ihre Kollegen eine weibliche Leiche. Hängen Marks Verschwinden und das Verbrechen an dem jungen Mädchen zusammen?

Ich erhoffte mir anhand des Klappentextes einen spannungsgeladenen Thriller, denn das Buch hatte für mich einiges zu bieten: Eine spannende Covergestaltung, einen beängstigenden Prolog, eine charakterlich nicht uninteressante Protagonistin und einen Plot der in seinen Ansätzen recht vielversprechend war. Leider erfüllte dieser Thriller meine Erwartungen nicht. Generell kritisiere ich bei diesem Buch die allzu abrupten Szenewechsel. Jeder Thrillerfan liebt doch eigentlich gut gesetzte Spannungsbögen. Das ist hier nicht der Fall, es wird zwar Spannung aufgebaut, zum Beispiel bei der Verfolgung vielversprechender Spuren oder beim Festsetzen von Verdächtigen, aber statt den Leser am Verhör teilhaben zu lassen, endet die Szene und wird irgendwann im Nachgang erläutert. Das mag ja mal recht abwechslungsreich sein, jedoch nicht wenn dadurch sämtlich Spannung zwischen den Seiten verpufft. Genauso wenig konnte ich mit den Protagonisten warm werden. Die Autorin lässt durch Jane verlauten, das Lokyer und Jane eine Nacht zusammen verbracht haben, da kann ich ihren jetzigen Umgang miteinander, das ständige gegenseitige gesieze sowie Janes Unterwürfigkeit ihrem Kollegen gegenüber überhaupt nicht nachvollziehen. Zum Schluss möchte ich noch eine von vielen Ungereimtheiten in der Geschichte erwähnen. Es wird noch ein weiteres Grab in Elmstead gefunden und das nur weil ein Verdächtiger am helllichten Tag in einem hochfrequentierten und sehr weitläufigem Park gesehen wurde. Nur auf Grund dieses Hinweises wird erneut das Bodenradar eingesetzt und oh Wunder ein weiteres Grab entdeckt. Das ist irgendwie nicht nachvollziehbar. Ich habe diesen Seitenabschnitt mehrmals gelesen, weil ich das Gefühl hatte, hier definitiv etwas übersehen zu haben. Das Ende bzw. die Lösung des Falles ist dann, wie so vieles in diesem Buch nicht ganz nachvollziehbar. Schade, hier habe ich definitiv mehr erwartet.

Bewertung vom 11.01.2017
Stiefkind
Tremayne, S. K.

Stiefkind


gut

Drum prüfe, wer sich ewig bindet.
Rachel Daly, eine junge Londonerin um die dreißig verliebt sich Hals über Kopf in den zehn Jahre älteren, gut betuchten Anwalt David Kerthen. Ausschlaggebend für Rachel’s schnellen Entschluss, Davids Heiratsantrag anzunehmen, war neben der finanziellen Absicherung, denn sie selbst kommt aus ärmlichen Verhältnissen, jedoch das Kennenlernen des kleinen Jamie‘s, Davids Sohn aus erster Ehe. Zwei Monate später zieht sie nach Cornwall. Davids Familie lebt schon seit Jahrhunderten dort und besitzt ein traumhaftes, allerdings renovierungsbedürftiges Herrenhaus. Rachel soll die Restauration des Anwesens fortführen, während David unter der Woche weiter in London arbeitet. Doch das Einleben in die raue, karge Landschaft, die zudem noch zerfurcht ist, von der Jahrhunderte alten Tradition des Bergbaus fällt Rachel alles andere als leicht. Auch Jamie, dieser liebenswerte, lustige kleine Bursche, wirkt, seitdem sie im „Carnhallow House“ wohnen, still und in sich gekehrt. Die wenigen Male die er jetzt mit Rachel kommuniziert, sind geprägt von düsteren Vorahnungen, die so weit gehen, das Rachel beschließt den Jungen einem Psychiater anzuvertrauen, gegen Davids Willen. Doch die Aussage des Jungen, das Rachel zu Weihnachten stirbt und die tote Mutter des Jungen wiederkommen soll, erschreckt Rachel doch zutiefst.

Dieser Psychothriller beinhaltet ganz genregemäß alles was den Leser neugierig macht. Eine traditionsreiche mit vielen dunklen Tragödien ausgestattete Umgebung, eine uralte Familiengeschichte die streckenweise bis zum Diesseits mit dunklen Geheimnissen aufwarten kann, ein ebensolcher uralter Familienbesitz, aufgebaut auf den Ruinen eines Klosters und Protagonisten die jederzeit darum kämpfen ihre düsteren Geheimnisse nicht zu offenbaren. So wird aus anfänglicher Liebe Hass, es entsteht Misstrauen und Neid -ein rasanter Nervenkitzel kann beginnen. So ganz zum Pageturner, wie von vielen Kritikern ausgelobt, entwickelt sich dies für mich jedoch nicht. Streckenweise sind mir die Passagen, die Rachel aus der Ich- Perspektive erzählen lassen zu langatmig. Eine gute Abwechslung ist die zwischenzeitliche Wortmeldung Davids, denn auch aus seiner Sicht werden Dinge geschildert, für mich sind diese jedoch etwas zu kurz gekommen und manchmal waren die Handlungen Davids für mich daher nicht nachvollziehbar.
Die Schilderungen des Autors über die Geschichte Cornwalls bezüglich der vielen Zinn- und Kupferminen, die bis heute die Landschaft prägen, war zum Anfang sehr interessant, leider werden diese Dinge immer wieder präsentiert. Das waren mir einfach zu viele Wiederholungen. Etwas unglücklich charakterisiert fand ich die Mutter David’s. Eine ältere Dame mit beginnendem Alzheimer die über einen regen und wachen Geist verfügt? Das ist nicht recht glaubhaft.
Versöhnlich stimmte mich da schon eher das Ende, das war für mich wirklich unvorhersehbar.

Fazit: Ein solider Thriller mit leichten dramaturgischen Schwächen und einem überraschenden Ende.

Bewertung vom 11.01.2017
Blinde Schatten (eBook, ePUB)
Martens, Anna

Blinde Schatten (eBook, ePUB)


sehr gut

Nachdem Erwachen aus einem wirklich beängstigendem Alptraum, muss die junge Goldschmiedin Johanna erkennen, dass sie sich in einem noch größerem Dilemma befindet. Statt in ihrer Wohnung, in ihrem Bett, erwacht sie mit zerschundenem Körper im Krankenhaus. Der, durch die Krankenschwester herbeigerufenen Stationsarzt versucht ihr behutsam beizubringen, dass ihr Leben, nach einem schweren Überfall durch einen Unbekannten, nur noch am seidenen Faden hing. Nicht nur diese Erkenntnis wiegt schwer, sondern es stellt sich auch heraus, dass ihr Erinnerungen von mehreren Monaten fehlen. Hilfe erhofft sie sich von ihrem Freund Luca und von ihren Arbeitskolleginnen Daria und Kathrin. Die Situation verkompliziert sich jedoch drastisch, als Johanna von dem leitenden Kriminalbeamten Max Buchholz zu erfahren bekommt, dass sich Luca schon vor geraumer Zeit von ihr getrennt hat. Ihre Partnerin und Kollegin Kathrin ist ebenfalls nicht gut zu sprechen auf sie und bereitet ihr eine unschöne Szene am Krankenbett, lediglich Daria, ihre andere Kollegin benimmt sich wie immer. Doch wem kann Johanna jetzt noch trauen, hat ihr der Kriminalbeamte doch klargemacht, das sich Johanna einen mächtigen Feind geschaffen hat, der in ihrer unmittelbaren Umgebung zu suchen ist, denn der Täter ist auf freiem Fuß und könnte jederzeit einen weiteren Angriff starten.

Anna Martens gelingt hier ein außerordentlich spannender Psychothriller, den ich regelrecht verschlungen habe. Der Schock, den die Protagonistin durch den Überfall und die später nachfolgenden Situationen erleidet, ist fast mit den Händen greifbar. Die Verunsicherung und das Misstrauen auf der einen, aber auch der unbändige Überlebenswille auf der anderen Seite finde ich sehr authentisch dargebracht. Sehr gut fand ich ebenfalls die ausführlichen Beschreibungen der diversen Panikattacken und den daraus entstehenden, nicht immer rationalen Entscheidungen der Protagonistin. Ich habe regelrecht mit gefiebert mit der Akteurin, und genau wie bei ihr war mir auch jeder irgendwann mehr oder weniger verdächtig. Ein packendes psychologisches Katz- und Mausspiel. Da es allerdings eine Reihe von Verdächtigen gab, wurde mir auch erst sehr spät bewusst wer der eigentliche Täter/ Täterin sein könnte, da kam für mich das Ende ein wenig abrupt und ein klein wenig unplausibel. Ein weiterer kleiner Minuspunkt war dann das Ende, einfach weil für mich zu viele Fragen bezüglich der Zukunft der Protagonistin offen blieben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Autorin Johanna zwar immer wieder um eine ungewisse Zukunft bangen lässt, am Ende aber nur zu wenige Details verrät oder prognostiziert.

Bewertung vom 11.01.2017
Mooresschwärze: Thriller
Shepherd, Catherine

Mooresschwärze: Thriller


sehr gut

Eigenwillig, hochkonzentriert, geradlinig, distanziert- ungefähr so könnte man die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz charakterisieren. Dabei ist sie um so vieles mehr. Den Beruf hat sie nach einer familiären Tragödie gewählt und arbeitet nun verbissen daran, den Ermittlern so viele Hinweise zu liefern, dass diese den Täter dingfest machen können. Dabei schreckt sie auch nicht davor zurück, die Arbeit der Kriminalkommissare gleich mit zu übernehmen. Zum Glück drücken sowohl ihr Chef im Rechtsmedizinischem Institut, als auch Kriminalkommissar Florian Kessler, mit dem sie oft Fälle zusammen bearbeitet, oft ein Auge zu. An einem heißen Sommertag werden beide zu einem Leichenfund im Moor gefunden. Die Tote war blutjung und noch nicht allzu lange dem Moor ausgesetzt. Der Täter hatte sie auf einem Holzbrett befestigt, so dass sie oben trieb. Ein Tattoo mit speziellen Symbolen und Farben, das die Tote unterhalb ihres Bauchnabels trug, weckt sofort Julias Interesse. Doch im Institut angekommen, muss sie feststellen, dass die Leiche während eines Tankstopps, den der Leichenwagen einlegen musste, verschwunden ist. Auf eigene Faust beginnt Julia selbst zu ermitteln, und begibt sich zurück ins Moor. Durch ihre Hinweise wird am nächsten Tag zwar nicht die verschwundene Moorleiche entdeckt, jedoch eine weitere tote junge Frau, die noch bizarrer zur Schau gestellt wurde. Julia und Florian erwägen ernsthaft die Tatsache, dass hier ein Serientäter am Werk sein könnte.

Zuallererst möchte ich ein Wort über das Cover und die Gestaltung verlieren. Dies erwähne ich in vielen meiner Rezensionen in der Regel nicht, weil mir der Inhalt eines Buches immer wichtiger und spannender erscheint. Catherine Shepherd’s Thriller zeichnet sich jedoch nicht nur durch eine sehr gelungene, Genre übliche Schwarz-Weiße Farbgestaltung aus, sondern das ganze Buch wird noch durch ein sehr spezielles Lesezeichen und die persönliche Signatur ausgezeichnet. Ein handsigniertes Exemplar ist für mich etwas ganz Besonderes.
Meine Meinung:
Mit der Wahl, ihre erste Leiche ausgerechnet im Moor auffinden zu lassen, fühlte ich mich gleich ein wenig an Edgar Wallace erinnert, und tatsächlich in Sachen Skurrilität haben beide Autoren durchaus ein wenig Ähnlichkeit. Der Prolog ist beklemmend und düster, man erlebt die letzten Minuten einer jungen Frau und es hinterlässt eine Gänsehaut. Catherine Sheperd inszeniert in ihrer neuesten Thrillerreihe eine skurrile Mordserie, in der die Protagonisten Julia und Florian, sieht man einmal von der Bergung der Leichen ab, fast allein ermitteln. Allzu oft kommt da allerdings Kommissar Zufall zu Hilfe. Für meine Begriffe jedoch ein paar Mal zu viel. So waren einige Handlungen der Beiden für mich nicht nachvollziehbar oder zu mindestens nicht ganz glaubwürdig. Die eigentliche Story ist packend inszeniert mit vielen Spannungsbögen, Wendungen und etlichen Fallstricken. Ganz besonders gut gefallen hat mir die Darstellung der handelnden Teenager. Ihr agieren im Internet, ihre Ängste und Sorgen, aber auch Wünsche und Träume sind sehr realistisch dargestellt. Das sie dadurch zu Opfern, gerade im Internet werden, entspringt leider nicht nur der Phantasie einer Thrillerautorin sondern ist leider schon allzu oft Realität geworden. Ich fand diese Passagen überaus überzeugend dargestellt.
Fazit: Ein überaus düsterer Thriller mit einer packenden Story.

Bewertung vom 11.01.2017
Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8
Neuhaus, Nele

Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8


sehr gut

Vor fünfundvierzig Jahren verschwanden im kleinen Örtchen Ruppertshain, das zahme Füchschen von Oliver von Bodenstein und auch sein bester Freund. Der elfjährige Arthur und seine Familie hatten es in dem kleinen Örtchen nicht leicht, nicht nur das sie Zugewanderte waren, sondern erschwerend kam hinzu, dass sie aus der Sowjetunion hierher in den Taunus zogen. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft kannte keine Gastfreundschaft, und nur Oliver und ein weiterer Junge freundeten sich mit Arthur an. Da auch die Kinderclique, zu der einst Oliver gehörte, Arthur bei jeder Gelegenheit mobbte und verprügelte, hat sich Oliver zu Aufgabe gemacht immer auf ihn aufzupassen. Bis zu diesem einen verhängnisvollen Abend. Ein Tag an dem er Arthur nicht nach Hause begleitete. Arthur blieb verschwunden und auch die zögerliche und viel zu spät eingeleitete Suche nach dem Verschwundenen brachten keine Gewissheit.

Oliver von Bodenstein muss sofort an sein junges Ich denken, als im Wald bei Ruppertshain ein Wohnwagen zur Explosion gebracht wird. Die damaligen Ereignisse sind sofort wieder präsent als sich dann noch herausstellt das es ein Opfer gibt und dieses ein ehemaliger Schulkamerad von Oliver ist. Kann er sowohl das heutige als auch das damalige Verbrechen aufklären? Seine Kollegin Pia ist davon jedenfalls nicht sehr überzeugt, denn sie hält Oliver für zu befangen.


Ich ahnte schon das dieser Fall sehr verzwickt sein würde, denn schon auf den ersten Seiten präsentiert uns Nele Neuhaus sowohl ein Landkarte vom kleinen Örtchen mit allen aufgezeichneten Wohnorten der jeweiligen Beteiligten als auch eine Legende über die wichtigsten Personen. Und diese ist nicht kurz. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Großteil der damaligen Schulkameraden untereinander in der Zwischenzeit verheiratet oder zu mindestens verschwägert ist. Ich muss zugeben, dadurch habe ich mehrmals den Faden verloren und konnte der Geschichte nicht ganz so aufmerksam folgen. Gefallen hat mir aber die Beschreibung der dörflichen Gemeinschaft die wirklich alles bietet von Liebe, Verrat, Intrigen und sonstige menschliche Abgründe. Ein psychologisch ausgereiftes Ränkespiel hat die Autorin da entworfen. Die Aufklärung schlussendlich fand ich jetzt nicht ganz so spektakulär, vielleicht, weil ich mich mehrmals revidieren musste, bezüglich meiner Täteridentifizierung. Die Banalität, weswegen gemordet wurde ist verstörend und erschreckend.

Fazit: Ein sehr spannender Krimi der aber sehr viel Aufmerksamkeit erfordert.

3 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.01.2016
Der Teufel von New York / Timothy Wilde Bd.1
Faye, Lyndsay

Der Teufel von New York / Timothy Wilde Bd.1


ausgezeichnet

Als Geschwisterliebe kann man die Beziehung der Brüder Valentine und Timothy Wilde nicht gerade bezeichnen, sie sind immer noch schwer traumatisiert vom Tod ihrer Eltern, die bei einem Brand vor vielen Jahren ums Leben kamen. Jeder versucht auf seine Weise mit dem Verlust umzugehen. Während der Ältere Valentine, als Feuerwehrmann, sich geradezu in jedes Feuer stürzt, keine Prügelei auslässt und sich hemmungslos Wein, Weib und Morphium hingibt, versucht Timothy jedem Brand aus dem Weg zu gehen und seinem Leben einen seriösen anstrich zu geben. Das gelingt ihm bis zur Feuersbrunst im Juli 1845. Danach im Gesicht durch eine unschöne Brandnarbe gezeichnet, steht er vor dem existenziellen Nichts. Seine 400 Dollar, die er sich als Barkeeper angespart hat, um seine große Liebe heiraten zu können, sind im Feuer verschmolzen, seine Bar gibt es nicht mehr. Da Val durch seinen Dienst als Feuerwehrmann auch gute Beziehungen in die Politik hat, verschafft er Tim einen Posten in der neu gegründeten Polizei, den dieser widerwillig annimmt. Doch kaum beginnt er im 6. Bezirk, ein etwas heruntergekommenes Stadtteil von New York, läuft im ein blutbesudeltes kleines Mädchen in die Arme, kurze Zeit später wird die Leiche eines Jungen gefunden, dem neben dem Blut auch die Milz fehlt, und der wie Abfall im Müll landete.Diese beiden Ereignisse sind kein Zufall! Tim nimmt die Ermittlungen auf, und sieht sich bald noch mehr grausam entstellten Kinderleichen gegenüber. Die Alt- New Yorker Bevölkerung wird, dank des „Harolds“, alsbald über die geschändeten Kinderleichen informiert, ihr ganzer Hass richtet sich jetzt gegen die irischen Einwanderer. Eine tief verwurzelte Feindseligkeit zwischen Protestanten und Katholiken bricht sich einen Damm. In dieser aufgeheizten Stimmung versucht Tim, zusammen mit der kleinen Kindermusche, den Täter zu fassen. Eins hatten alle Kinder gemeinsam, sie waren in einem Bordell tätig.

Lyndsay Faye gelingt mit ihrem Erstlingswerk wirklich ein fulminanter Roman. Gefallen hat mir außerordentlich, ihr historisches Wissen und das Gespür für die Lebensweise der damaligen Bevölkerung. Ihr Roman ist auch eine Huldigung an das berühmte NYPD, obwohl es sich in der Anfangszeit eher um einen bunt zusammengewürfelten Haufen aus Raufbolden, älteren Wachtmeistern und Gestrandeten handelte und noch so gar nichts mit ihrer heutigen Berühmtheit zu tun hat. Ihre Protagonisten sind allesamt vielschichtig, mit zahllosen interessanten Charaktereigenschaften, allen voran Timothy Wilde, lediglich aus der Figur der Mercy Underhill bin ich nicht ganz schlau geworden. Originell fand ich auch das Einbringen der „Gaunersprache“. Hierbei ist mir aufgefallen, dass ich einige Begriffe durchaus kenne und auch anwende (z. Bsp. Schäks für Freund oder Liebhaber), entweder das liegt an der Übersetzung oder diese Begrifflichkeiten sind wirklich schon so alt.
Dieses Buch legt einen längst vergessenen, dafür umso erschütternden Bericht über die katastrophalen Umstände der irischen Einwanderer ab. Geächtet von den Alteingesessenen, vertrieben durch Hunger und Not aus der Heimat, stranden sie an Amerikas Küste, um hier ein besseres Leben zu beginnen, unter manchmal erbarmungswürdigen Umständen. Die Hetzpredigten des Harolds, die vor jedem Kapitel stehen legen ein erschütterndes Zeugnis dar und lassen sich problemlos in die jetzige Zeit transportieren, denn gegenwärtig fürchten wir anscheinend nichts mehr als die „Sozialschmarotzer“ (ein Begriff aus der aktuellen Debatte um die gelockerten Zuwanderungen von Bulgaren und Rumänen in die EU).