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Die 16-jährige Mifti lebt seit dem Tod ihrer Mutter in Berlin und im heranwachsenden Ausnahmezustand. Als ''pseudo-belastungsgestörtes'' Problemkind tanzt, vögelt und kokst sie sich durch die Hauptstadtszene. Das Besondere an Mifti ist ihre Hypersensibilität und ihr offener, fragender Blick auf ein Elterngeneration, die weder auf sich noch ihre Kinder aufpassen kann. Hin- und hergerissen zwischen Genie und Wahn entlarvt Mifti Sprache, Lebensentwürfe und Konventionen der Erwachsenen als das ''allgemeine Dahinschimmeln'' ihres wohlstandverwahrlosten Umfelds. Der Jungregisseurin Helene Hegeman…mehr

Produktbeschreibung

Die 16-jährige Mifti lebt seit dem Tod ihrer Mutter in Berlin und im heranwachsenden Ausnahmezustand. Als ''pseudo-belastungsgestörtes'' Problemkind tanzt, vögelt und kokst sie sich durch die Hauptstadtszene. Das Besondere an Mifti ist ihre Hypersensibilität und ihr offener, fragender Blick auf eine Elterngeneration, die weder auf sich noch ihre Kinder aufpassen kann. Hin- und hergerissen zwischen Genie und Wahn entlarvt Mifti Sprache, Lebensentwürfe und Konventionen der Erwachsenen als das ''allgemeine Dahinschimmeln'' ihres wohlstandverwahrlosten Umfelds.
Der Jungregisseurin Helene Hegemann ist ein wildes und bewegendes Debüt gelungen.
Sie ist 17 Jahre alt und der Shooting-Star des deutschen Films: Ihr erster Film Torpedo lief bundesweit im Kino und wurde mit dem renommierten Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.
  • Produktdetails
  • Verlag: Universal Music
  • ISBN-13: 9783899036947
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3899036948
  • Best.Nr.: 28005962
  • Laufzeit: 242 Min.

Autorenporträt

Birgit Minichmayr, geboren 1977 in Linz, ist derzeit als freischaffende Theaterschauspielerin für das Wiener Burgtheater, das Münchner Residenztheater, die Berliner Volksbühne und das Hamburger Schauspielhaus tätig. Sie ist aber auch in der Filmwelt zuhause: Sie hatte Rollen in der Bestseller-Adaption Das Parfüm , in Kirschblüten-Hanami von Doris Dörrie, in "Gnade" von Matthias Glasner und in "Das weiße Band" von Michael Haneke. 2009 wurde Minichmayr der Darstellerpreis der Berlinale für ihren Part in Maren Ades Alle Anderen verliehen, 2013 erhielt sie den Kurt-Meisel-Preis. Im Hörverlag ist sie zu hören in den Hörspieladaptionen von Die Blendung von Elias Canetti und Ulysses von James Joyce, sowie als Zelda Fitzgerald in Wir waren furchtbar gute Schauspieler.

Trackliste

CD 1
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Rezensionen

Besprechung von 07.10.2012
Rappen im Séparée der Süchtigen

Vor zwei Jahren erhitzte ihr Roman "Axolotl Roadkill" den deutschen Literaturbetrieb. Inzwischen ist die Autorin volljährig. Ein Abend in Berlin-Mitte mit Helene Hegemann

Ein bisschen Selbstzerstörung ist vollkommen angemessen." Helene Hegemann spricht nicht vom exzessiven Ketamin- oder Kokain-durch-die-NaseZiehen, das sie in ihrem Roman "Axolotl Roadkill" beschreibt, sondern von der täglichen Packung Zigaretten. Die Schriftstellerin ist bekennende Kettenraucherin. Mittags in einem französischen Restaurant auf der Torstraße beginnt ein Treffen, das am späten Abend in einem gesetzten Alkoholrausch enden soll. Zunächst aber alles wahnsinnig gesittet: Wasser, Rotwein und Entrecote - und natürlich die Frage, ob Hegemann den rufschädigenden Medienwirbel um ihre Person mittlerweile verkraftet hat. Denn nach der Veröffentlichung ihres Romans wurde die Schriftstellerin zunächst als Literaturwunderkind gehypt; als aber bekannt geworden war, dass sie sich ohne Hinweis einiger Sätze fremder Autoren bedient hatte, verwandelte sich der feuilletonistische Zuspruch in ein Gewitter aus Empörung, Schadenfreude und Beleidigungen.

Helene Hegemann sagt, dass sie schnell begriffen habe, dass das Geschriebene nichts mit ihr als Mensch oder mit ihrem Roman zu tun hat, und sie die Verrisse daher ignorieren konnte. Tatsächlich wurde ihr "Axolotl Roadkill" immer wieder völlig falsch und gerne als eine Stellvertreter-Geschichte über da verhurte Berliner Nachtleben verstanden. Nun ist aber der Roman nicht das Buch einer Generation, sondern eher eine Performance, welche die Klischees pseudojugendlicher Wildheit parodiert. Der Roman schwebt zwischen Theater und Film: In einer Reihe aneinandergeklebter Szenen erzählt "Axolotl Roadkill", brutal aufgeschrieben, die Geschichte der 16-jährigen Mifti, die in Berlins "versnobter Kaputtheit" herumirrt. Die Missverständnisse der Rezeption gründen vermutlich darin, dass sich die Schriftstellerin ab und zu der Settings des Berliner Nachtlebens bediente und ältere Kritiker die Überzeichnungen des Geschilderten nicht begriffen. "Natürlich ist es leichter und unterhaltsamer, eine Szene zu schreiben, die im ,Berghain' und nicht in einer Reihenhaussiedlung in Mecklenburg-Vorpommern spielt, vor allem weil man eine Person, die jenseits der vorgegebenen Standards versucht zu existieren, sehr viel besser in einer Welt porträtieren kann, die nichts mit Standards zu tun hat."

Helene Hegemann zündet sich die nächste Zigarette an und gesteht, dass sie nicht immer so cool auf die Kritiken reagieren konnte: "Manchmal, wenn mir Bekannte ungefragt aus Artikeln zitierten, wollte ich doch sehr gerne das Gartenhaus des einen oder anderen bayerischen Chefredakteurs abfackeln." Die Schriftstellerin lächelt, spricht leise und verfällt manchmal ins Radikale, das durch ihren Gestus aber merkwürdig elegant klingt. Im Gespräch sind ihre Sätze oft so sperrig und durchdacht wie die im Roman. Und genau das ist das Besondere an "Axolotl Roadkill": die Sprache. Der Sound bleibt stets rhythmisch, egal ob es ums Ficken oder um Agamben geht. Es ist eine blutrünstige und apokalyptische Sprache, die nicht die geringste Furcht vor den schrecklichsten Perversionen zeigt. So beschreibt Mifti ihre Gewaltphantasien gegen Ende des Romans folgendermaßen: "Mir bereitet es keine Schwierigkeiten, dabei zuzusehen, wie einer Sechsjährigen bei vollem Bewusstsein gleichzeitig mit kochendem Schwefel die Netzhaut ausgebrannt und irgendein Schwanz in den Arsch gerammt wird, und danach verblutet sie halt mit weit geöffneten Augen auf einem Parkplatz." Sätze wie diese zeigen auch, dass es sich bei "Axolotl Roadkill" um eine Performance handeln muss, denn laut Kunsttheorie ist das performative Konzept ja dazu da, jegliche Regelästhetik zu überschreiten.

Die Performance ist Ausdruck einer künstlerischen Lebenssituation, welche die Trennbarkeit von Künstler und Werk befragt. So wie "Axolotl Roadkill". Nun könnte sich spätestens an dieser Stelle und nach der zweiten Flasche Wein die Frage aufdrängen, wie viel Mifti in Helene Hegemann steckt. Oberflächlich betrachtet, gibt es in ihrer Biographie durchaus Parallelen zu der ihrer Protagonistin, dennoch sind diese vollkommen irrelevant, denn der Roman wäre ebenso bemerkenswert, wenn die Schriftstellerin tatsächlich ein Abbild der destruktiven und wilden Heranwachsenden aus "Axolotl Roadkill" wäre.

Die Schriftstellerin, so zurückhaltend, erwachsen und ehrlich, wie sie mir im Restaurant gegenübersitzt, kann aber auf keinen Fall das Berlin-Mitte-Wesen Mifti darstellen. Ihre Protagonistin ist ein Mädchen, das sich bewusst zum Leben im Exzess entschließt und auch nicht einfach so aus unglücklichen Umständen in eine Heroinsucht abrutscht wie einst Christiane F. in "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". In Sätzen wie "Ich bin wild aufgewachsen, und ich will wild bleiben" wird klar, dass Miftis Entscheidung für das braune Pulver eine bewusste Entscheidung für ein Leben abseits der Norm ist. Mitleid ist daher unangebracht.

Wild wirkt Helene Hegemann nicht gerade. Sie trägt einen grauen Pullover zu Jeans und pflegt einige fast kleinbürgerliche Züge. So sucht sie zurzeit nach einer ordentlichen Putzfrau: "Es gibt so schreckliche Momente im Leben, alles ist kurz vor dem kompletten Zerfall, alles läuft schief, und dann zertrümmerst du noch unabsichtlich einen Teller, und in diesen Situationen gibt der Gedanke daran, dass jemand kommt und zumindest die Wohnung in Ordnung bringt, wirklich Halt." Helene Hegemann reagiert auf jede Frage so schnell, wie sich die Gespräche in ihrem Roman abspielen: Die Dialoge in "Axolotl Roadkill" sind präzise, ehrlich und rabiat - egal, ob es um Aids, die tote Mutter oder nur um ein kaputtes Regal geht.

Auf einen Digestif folgt unsere Entscheidung, das "Grill Royal" an der Friedrichstraße anzusteuern. Auch dieses Restaurant findet in "Axolotl Roadkill" Erwähnung. Kurz nach dem Betreten des Etablissements stellt Hegemann fest: "Das alles hier ist wie ein großer Autounfall, eigentlich ganz schrecklich, aber man muss trotzdem hinschauen." Entschlossen geht sie in Richtung Raucherbereich. Im Séparée für die Süchtigen sitzt zum Glück niemand. Jetzt also Gin Tonic. Nach einem großen Schluck schließt die Jungautorin mit beachtlicher Selbstverständlichkeit ihr zertrümmertes iPhone an die Boxen der Anlage an und - zum ersten Mal ist sie abseits der Norm, weil betrunken - rappt zu einem Song von Azealia Banks, perfekt auf Takt, Wort und Geste. Die Schriftstellerin kann es sich selbst nicht erklären, warum sie es mit ihrem Vorsingen bei "Starsearch" im Alter von elf nicht ins Fernsehen geschafft hat. "Dafür ist Bill Kaulitz in derselben Staffel weitergekommen." Die Geschichte um Helene Hegemanns Teenagerdasein als Castingshow-Junkie ist ebenfalls Indiz dafür, dass es keinen Grund gibt, sie mit ihrer wohlstandsverwahrlosten Protagonistin zu verwechseln. Sie ist, bis auf die Tatsache, dass sie die Schule geschmissen und mit 16 einen genialen Bestsellerroman geschrieben hat, vollkommen normal. Heute Nacht allerdings betrunken. Auch das ist vollkommen normal, denn alles andere wäre nach den Mengen von Alkohol das Bekenntnis einer versierten Trinkerin.

ANNA PRIZKAU

Helene Hegemann: "Axolotl Roadkill". Roman. Ullstein 2010, 208 Seiten, 14,95 Euro

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Die Hegemann ist ein Wunderkind! Die Hegemann ist eine Betrügerin! Zwei Sätze, die in etwa die Bandbreite der Meinungen abdecken, mit denen die jugendliche Autorin seit Erscheinen ihres Debütromans konfrontiert wurde. Die tatsächliche Qualität von "Axolotl Roadkill", der zunächst als Porträt einer ganzen Generation gehandelt und kurz darauf als teilweise plagiiert entlarvt wurde, war dabei zuletzt kaum noch Thema. Gut, sie hat also abgeschrieben. Trotzdem ist "Axolotl Roadkill" ein eigenständiges Kunstwerk mit einer sehr einzigartigen Hauptfigur: der 16-jährigen Halbwaisin Mifti, die sich durch ihren Berliner Szenealltag vögelt, drogt und philosophiert. Ein Prototyp ist diese mit autobiografischen Details versehene Göre bestimmt nicht; eher eine anstrengende Kulmination all der potenziellen Ängste und Nöte, mit denen ein pubertierender Großstadtbewohner konfrontiert werden kann. Zu großen Teilen liest sich das wie eine dahingerotzte Sammlung von Assoziationen und Eindrücken, angereichert mit Bildungs- und Fäkalsprache zu jeweils gleichen Anteilen. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde ein Autor, doppelt so alt wie Hegemann, für dieses Produkt abgewatscht werden. Helene Hegemann aber ist gerade 18 Jahre alt geworden - und darf sich über eine Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse freuen. Aus literarischer Sicht hätte sie eine solche Auszeichnung nicht verdient; umso mehr dafür, dass sie viele längst überflüssige Diskussionen angefacht hat. (jul)
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(c) bunkverlag

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Begeistert zeigt sich Peter Michalzik von Helene Hegemanns Debüt "Axolotl Roadkill". Das Buch der 17-jährigen Berlinerin, das derzeit sämtliche Feuilletonisten enzückt, sieht der Rezensent ganz klar als Coming-of-Age-Buch, das für ihn "eher Halluzination als Geschichte, mehr Vision als Roman" ist und sich irgendwo zwischen Roman und Tagebuch bewegt. Schon lange hätte es keinen Erstling mehr gegeben, der einen derart intensiven "eigenen Sound" entwickle und die Gegenwart mit einem Mal so intensiv erlebbar mache, schwärmt Michalzik. Die Stärke von "Axolotl Roadkill" liege nicht nur in Hegemanns Sprachgebrauch, sondern auch in ihrem Mut, ihre "denkgeile Phantasie" weiterzuspinnen, meint Michalzik. Im Zentrum des Buches steht die 16-jährige Mifti, die ein Berliner Boheme-Leben zwischen Drogenrausch und Sex-Abenteuern führt, wie der Rezensent weiß. Michalzik lobt die "reaktionsschnelle, sperrangelweit offene, kämpferische, halluzinogene Ultrasensibilität", mit der die Autorin umzugehen weiß, und bringt diese in Verbindung mit zwei wichtigen Personen aus ihrem Umfeld: mit ihrem Vater, dem Dramaturgen Carl Hegemann, und Christoph Schlingensief.

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