26,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Gebundenes Buch

Als im Juli 1914 Zeitungen die Mobilisierung der Habsburgermonarchie gegen Serbien verkünden, kehrt der Idealist Bálint Abády nach Siebenbürgen zurück. Er kümmert sich um seine Genossenschaften, bringt die Korrespondenz in Ordnung und geht noch einmal durch Herrenhaus und Schloss. Den Flügel, den er mit der Liebe seines Lebens bewohnen wollte, meidet er. Wenig später, im Feldgrau des Regiments, lässt sich Bálint von einem Wagen zu seinem Regiment der Vilmos-Husaren bringen. Zerbrochene Pläne, vernichtete Träume, verblichene Erinnerungen: In Stücke gerissen werden in Miklós Bánffys Trilogie der…mehr

Produktbeschreibung
Als im Juli 1914 Zeitungen die Mobilisierung der Habsburgermonarchie gegen Serbien verkünden, kehrt der Idealist Bálint Abády nach Siebenbürgen zurück. Er kümmert sich um seine Genossenschaften, bringt die Korrespondenz in Ordnung und geht noch einmal durch Herrenhaus und Schloss. Den Flügel, den er mit der Liebe seines Lebens bewohnen wollte, meidet er. Wenig später, im Feldgrau des Regiments, lässt sich Bálint von einem Wagen zu seinem Regiment der Vilmos-Husaren bringen. Zerbrochene Pläne, vernichtete Träume, verblichene Erinnerungen: In Stücke gerissen werden in Miklós Bánffys Trilogie der Traum vom Glück zweier Menschen und die lange als unumstößlich geltende Welt von gestern.
  • Produktdetails
  • Siebenbürger Geschichte Bd.3
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag
  • Originaltitel: They Were Divided
  • Artikelnr. des Verlages: 551/05633
  • Seitenzahl: 400
  • Erscheinungstermin: 23. Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 144mm x 35mm
  • Gewicht: 595g
  • ISBN-13: 9783552056336
  • ISBN-10: 3552056335
  • Artikelnr.: 41863851
Autorenporträt
Bánffy, Miklós
Miklós Bánffy wurde 1873 in Klausenburg geboren, studierte Jus, leitete von 1912 bis 1918 die Budapester Oper und das Nationaltheater und war 1921/22 ungarischer Außenminister. Zeit seines Lebens setzte er sich für eine ungarisch-rumänische Annäherung ein, 1926 optierte er für die rumänische Staatsangehörigkeit. Er starb 1950 verarmt in Budapest.

Oplatka, Andreas
Andreas Oplatka wurde 1942 in Budapest geboren und kam 1956 in die Schweiz. Studium der Germanistik und Geschichte in Zürich und Wien. Von 1968 bis 2004 außenpolitischer Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung, deren Korrespondent er in Stockholm, Paris, Moskau und Budapest war. Bei Zsolnay erschienen Graf Stephan Széchenyi. Der Mann, der Ungarn schuf (2004), Der erste Riss in der Mauer (2009) und im Herbst 2019 die Biografie über den Dirigenten Adam Fischer Die ganze Welt ist ein Orchester.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 12.05.2015

Wenn die Eisnadeln schmelzen
„In Stücke gerissen“ – Der Abschlussband der großen Siebenbürgen-Trilogie von Miklós Bánffy führt in den Ersten Weltkrieg
Was an einem farbentrunkenen Spätsommernachmittag begonnen hatte, endet im Lichte eines Abendhimmels, dessen untere Ränder blutrot entflammt sind: „Träge, violette, dunkle Berge erhoben sich vor dem karmesinroten Himmel.“ Die Menschen darunter sind schon feldgrau gewandet und dabei, aus der Landschaft ihrer Heimat zu verschwinden. Der Blick erfasst „lange Bergkämme mit Steilhängen. Riesige Särge, die Särge von Völkern.“ Während sich 1914 die Unheilsdrohung, die den ungarischen Originaltiteln seiner dreibändigen „Siebenbürger Geschichte“ eingeschrieben war, zu erfüllen beginnt und sein Protagonist, der Graf Bálint Abády in den Krieg zieht, beweist Miklós Bánffy (1873-1950) noch einmal, dass er als Autor ebenso von seiner Ausbildung als Maler profitiert hat wie von seinen Erfahrungen als Politiker und Jurist und Leiter der Oper und des Nationaltheater in Budapest.
  „Du wurdest gewogen“, „Und zu leicht befunden“, „In Stücke wirst du gerissen“ ließen sich jene drei Titel übersetzen. So flammend dieses Menetekel über der Trilogie steht, so feinsinnig beschreibt Bánffy, wie die „Farbe der Nachtviolen“ in einem neuen Morgen schwindet: „Das Violett wich einem Grauton, der ins hauchdünn Grüne überging, in eine bei ihrer Mattigkeit in der Höhe nicht mehr ausdrückbare Farbe.“ Inmitten der Wälder Siebenbürgens badend, erscheint die immer wieder verlorene Geliebte des Helden als Nymphe, ja als Artemis: „Die Flut, die an ihrer Schulter auseinanderspritzte, zerfiel in den dünnen Sonnenstrahlen in unzählige Diamanten. Und dann zeichnete sich im Hintergrund jäh ein Regenbogen ab, als hielte sie ihn mit ihren Händen in die Höhe.“
  Die ästhetische Verklärung der verlorenen Heimat, verlorenen Jugend und verlorenen Liebe, die hier auf die Spitze getrieben wird, steht in Kontrast zu Bánffys Verdammungsurteil über Ungarns Führungsschicht und seine eigene Klasse, die all dies – oft im wörtlichen Sinne – verspielt hatte. „Weder die besitzende aristokratische Oberschicht noch insbesondere die verarmte, in Staatsämtern untergekommene adelige Gentry erkannte die außenpolitische Gefährdung der Monarchie und die Gebrechlichkeit ihrer Vorherrschaft innerhalb des eigenen Landes“, urteilt Andreas Oplatka im Nachwort zu seiner glänzenden, oft ironisch funkelnden Übersetzung.
  Bánffys Kritik setzt da an, wo der Glanz der Adelsbälle und Jagdgesellschaften sich im elenden Alltag des Budapester Parlaments, in lähmender Obstruktionspolitik und kindischer Rechthaberei verliert. So erklärte im ersten Band der rumänische Abgeordnete Timişan dem Grafen Abády, der für die Befreiung der Landbevölkerung aus der Zinsknechtschaft kämpft, warum er die Ausplünderung seines Volkes durch dessen aufstrebende Eliten dulde: „Ihre Vorfahren, Herr Graf, machten ihre Eroberungen mit dem Schwert, woraus der ungarische Grundbesitz entstanden ist. Heute gibt es andere Mittel. Wir brauchen eine besitzende Klasse.“ Gewiss sei der Aufstieg des ungarischen Adels „dekorativer und malerischer“ gewesen als die Landnahme durch Wucherzinsen, meint der Abgeordnete ironisch: „Doch wir, bitte, sind graue, bescheidene, moderne Leute!“
  Gar nicht grau ist der pausbäckige, unrettbar anglophile Istike Kamuthy. Er bringt einen Klausenburger Ball, auf dem die adligen Damen und Fräuleins Siebenbürgens um die originellste Kopfbedeckung wetteifern, durcheinander, als er in einem feuerroten Rock für Hundejagden erscheint – einem „wundervollen Rock aus so hartem Stoff wie Blech“. Der kleine Isti ist eines der vielen Prachtexemplare aus der Meute adliger Trottel, Säufer, Schürzenjäger und Schwadroneure, die Bánffys Trilogie vorführt. Aber hinter der Larve des Lächerlichen und Erbärmlichen lugt immer wieder auch das Tragische hervor.
  Lászlo, der musisch hochbegabte Jugendfreund des Grafen Abády, kommt nicht darüber hinweg, dass seine Mutter ihn als Kind verlassen hat. Er trinkt, er verspielt sein Vermögen und schwindet am Ende dahin – geliebt und bemuttert nurmehr von der Tochter eines jüdischen Krämers, der er in all seinem Elend doch wie ein Märchenprinz erscheint. Dass die letzten Liebesbekundungen einem Vertreter der alten Oberschicht Ungarns ausgerechnet von einer Jüdin zuteil wurden, musste im Erscheinungsjahr 1940 als deutliches Statement verstanden werden.
  Ein anderer Bekannter Abádys hat sich mit den Resten seines Erbteils auf einen verfallenen Herrensitz zurückgezogen und unternimmt mit Hilfe von Landkarten und Büchern imaginäre Weltreisen, während der Balkankrieg schon das Ende seiner Welt einläutet. Abádys Mutter stirbt als die kleine Königin, die sie immer war, im Kreise ihrer Pferde, und im letzten Abschiedswinken ihres Sohnes öffnet sich eine Perspektive, die über den zeitlichen Rahmen der Erzählung hinausweist. Denn was der Held am Ende ahnt, den Zerfall des Reichs, die Zerstückelung Ungarns im Vertrag von Trianon und damit den Verlust der Siebenbürgischen Heimat an Rumänien, war für Miklós Bánffy durchlebte Geschichte, als er 1934, 1937 und 1940 seine Trilogie veröffentlichte.
  Als der Abschlussband erschien, der nun auf deutsch „In Stücke gerissen“ heißt, hatten sich hinter den Särgen des Ersten Weltkriegs schon neue Massengräber aufgetan. So war Bánffys Trilogie Verurteilung und Mahnung zugleich. Weil deren Vergeblichkeit dem Autor wohl klar war, kulminiert seine Ästhetisierung der verlorenen Heimat in einem Bild, das Abády und Adrienne „wie das erste menschliche Paar im Garten Erden“ erscheinen lässt. Bisweilen war in der Triloge – etwa in jener Szene des zweiten Bandes, in der einige Vertreter der Jeunesse dorée Siebenbürgens beschwipst und in voller Balltoilette - eine Kuh entführen – das Leben bisweilen wie ein Spiel erschienen. Im Schlussband nun verabschiedet sich der wunderliche Baron Gazsi, der damals eine komische Hauptrolle spielte, ohne viel Aufhebens von einer Welt, die er zugleich als zu leicht und zu schwer befunden hat: „Kann sein, dass es scheußlich ist,“ so sein schriftlicher Kommentar zum Abschiedsgeschenk für Abády, „aber wenn du es nicht magst, brauchst du es nicht zu benutzen.“ Das gilt wohl nicht nur für das beigefügte Zigarettenetui, sondern auch für das Leben, wie Baron Gazsi es sah.
  Draußen im Garten liegt da noch Schnee: „Wie wundervoll ist der Schnee zu solcher Zeit, bevor er verschwindet“, denkt Abády. Und so subtil Bánffy die Farben seiner Welt beherrschte, so virtuos fasst er hier die Vanitas in ein funkelndes Schwarzweißbild: „Er zerfällt in winzige Spitzen aus Eis, es sind Tausende glänzender, schaumartiger Nadeln, die sich alle der Sonne, dem Sonnenlicht zuwenden . . . als würde er von einer heimlichen Sehnsucht, einem vergeblichen und tödlichen Wunsch dem Licht, der Helle und dem Glanz entgegengeschleudert. Bálint kam es beinahe wie ein Gleichnis vor, während er an seinen Freund, den Selbstmörder, dachte.“
  Jene winzigen Spitzen aus Eis erscheinen als ein Gleichnis nicht nur für den verlorenen Freund, sondern auch für Ungarns Adel, der die Fülle seines privilegierten Lebens auskostet, doch im Lichte einer neuen Zeit politisch versagt. Bánffys Trilogie war bei ihrer Entstehung vor allem Urteilsspruch und Mahnung davor, dass die Katastrophe sich fortsetzen könnte. Aus heutiger Sicht aber erscheint ihr Menetekel relativiert; ist ihr Protagonist doch ein Mann, der seine Privilegien auch als Verpflichtung verstand. So ist die Siebenbürger Geschichte dann auch ein großer Abschied, ein Abgesang, eine Verklärung jener Welt von Gestern, der Grandezza und Leichtigkeit ihres Seins, deren so opulente wie subtile Schönheit dem allgemeinen Grauen noch immer widersteht.
ULRICH BARON
Hinter der Larve des Lächerlichen
und Erbärmlichen lugt die
Trauer um das Verlorene hervor
Miklós Bánffy:In Stücke gerissen.
Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka. Zsolnay Verlag, Wien 2015.
400 Seiten, 26 Euro. E-Book 19,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Auch wenn Rezensent Wolfgang Schneider keine makellose Jahrhundertliteratur im Abschlussband von Miklos Banffys Siebenbürgen-Trilogie erblicken möchte, ein bewegendes Epos mit zeithistorischer Bedeutung scheint es ihm doch zu sein. Neben der verdienstvollen Übersetzung überzeugen ihn vor allen die politischen Kapitel sowie die atmosphärischen Natur- und Landschaftsschilderungen in diesem Band. Die Schicksalsschläge seiner Figuren, die der Autor laut Schneider parallel zur kritischen weltpolitischen Lage bis hin zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs schildert, die große Gereiztheit, es erinnert den Rezensenten mitunter an den "Zauberberg". Die märchenhafte Rührseligkeit beim Auserzählen auflodernder Leidenschaften ist allerdings typisch Banffy, meint Schneider.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.02.2016

Ein Krug wird hingerichtet
Abgeschlossen: Miklós Bánffys Siebenbürgen-Trilogie

Eines Tages wird man auch über unsere Zeit Epochenromane verfassen, die Bürgern, Intellektuellen und Politikern rückwirkend die Symptome des Versagens auf den Leib schreiben. Die uns Heutigen im Detail nachweisen werden, dass wir uns über die falschen Dinge aufgeregt und das Gegenteil von dem getan haben, was der Zukunft zuliebe geboten gewesen wäre. Romane, die unserem beflissenen, wohlmeinenden Alltag die Fatalität einschreiben werden, die wir selbst nicht wahrnehmen. Werke, die der zwischen 1935 und 1940 entstandenen Romantrilogie des Ungarn Miklós Bánffy gleichen, die am Beispiel Siebenbürgens genau das leistet für die österreich-ungarische Untergangsgesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg.

Nach "Die Schrift in Flammen" und "Verschwundene Schätze" ist nun der Abschlussband "In Stücke gerissen" erschienen, in dem Graf Bánffy seine Figuren dem bitteren Ende entgegenstolpern lässt. Die Schicksalsschläge, die sie treffen, sind literarische Parallelaktionen zum historisch-politischen Verhängnis; eines spiegelt sich im andern. Und wie in Thomas Manns "Zauberberg" macht sich die "große Gereiztheit" umso mehr geltend, je näher der Kriegsausbruch rückt. Da reist ein französischer Prinz nach Budapest, um für die von ihm gegründete "Anti-Duell-Liga" zu werben. Feierlich wird er empfangen, Männer mit Riesenschnäuzern "wie Blutwürste" hören ihm zu bei seiner friedfertigen Rede gegen das barbarische Ritual; nur leider, zwei von ihnen geraten kurz darauf in heftigen Streit um die richtige Aussprache eines englischen Wortes. Rot vor Zorn fordern sie sich gegenseitig zum Duell - bemühen sich aber immerhin, den edlen Prinzen nichts merken zu lassen.

Schwadroneure, Schwerenöter und Schürzenjäger, Trinker, Trottel und Trauerklöße - das adlige Nebenfigurenkarussell dreht sich auch im dritten Band wieder munter und sorgt neben der melodramatischen Hauptlinie der mal verhinderten, mal wild auflodernden Leidenschaft zwischen Bálint Abády und Adrienne Uzdy für einprägsame, oft komödienhafte Episoden. Der trinkfreudige Pityu Kendy inszeniert einen Schauprozess gegen den Alkohol - ein großes Spektakel, bei dem die Folgen des Saufens beschworen werden, bevor Kendy mit dem Revolver ein Fünf-Liter-Trinkgefäß symbolisch hinrichtet. Todesfälle und Selbstmorde häufen sich; eine der sympathischsten Gestalten, der Baron Gazsi, schafft sich mit Strychnin aus der Welt, den Mund zu einem letzten spöttischen Lächeln verzogen. Bálints herrische, königinnenhafte Mutter stirbt im Angesicht ihrer Pferde, von freundlichem Wahn umnebelt.

Ein heiliger Trinker mit einer "Glorie ums Haupt" ist László Gyeroffy, der im ersten Band noch das Zeug zur zweiten Hauptfigur hatte; früh von der Mutter im Stich gelassen, wurde er vom Liebesunglück in die Spiel- und Alkoholsucht getrieben. Am Ende steht ihm nur ein jüdisches Kind zur Seite: Regina lauscht seinen Erzählungen aus einer besseren, für immer verlorenen Zeit, versorgt ihn mit Lebensmitteln, die sie aus dem Laden ihres Vaters entwendet, und empört sich über die verworfenen Gestalten und "Freunde", die László immer tiefer ins Elend bringen. Was von Bánffy mit märchenhaftem Rühreffekt inszeniert ist, empfindet heute vielleicht mancher eher als rührselig - solche aufopferungsvolle Engel sind uns suspekt geworden. Aber der Band erschien 1940, und die überaus positive Darstellung des jüdischen Mädchen muss vor dem Hintergrund des Rassenwahns und der antisemitischen Verfolgungen gesehen werden.

Es mag auch irritieren, dass zu den Versäumnissen Österreich-Ungarns, die der Roman in den politischen Kapiteln beklagt, an vorderer Stelle die mangelnde Aufrüstung gehört. Während "der Zar sich dank Milliarden aus Frankreich bewaffnete", sei man immer mehr ins Hintertreffen geraten - ähnlich liest man es inzwischen aber auch in Christopher Clarks "Schlafwandlern".

Die Ungarn ergeben sich dem Nationalismus, der auch Kroaten und andere Minderheiten wie ein Rausch erfasst hat. Erfordernisse der Außenpolitik werden ignoriert. "Was jenseits der Grenze geschah, lieferte nur einen Anlass zu mehr oder weniger gelungenen Scherzen - als spräche man über Marsbewohner." Immerhin schickt man Glückwunschtelegramme an die Serben, Bulgaren und Griechen, die sich in den Balkankriegen aus dem Kadaver des Osmanischen Reichs saftige Stücke herausschneiden: "Irgendein wirrer Ton der Verbrüderung dominierte die ganze Argumentation." Die politischen Kapitel des Abschlussbandes überzeugen wieder mehr als die des zweiten Teils, die überladen waren mit Detailproblemen der siebenbürgischen Landespolitik.

Beeindruckend sind die atmosphärischen, wehmütigen Natur- und Landschaftsschilderungen, fragwürdiger die Beschreibungen von Bálints Geliebter Adrienne, der bleichen Schönheit mit dem "schwarzen Haar", dem "Elfenbeinleib" und dem "roten Mund". Sie und Bálint erleben noch manches "Crescendo der Liebe", es gibt wildromantische Szenen in den Wäldern und an rauschenden Bergbächen. Am Ende aber steht das Diminuendo der Entsagung.

1700 Seiten umfasst Miklós Bánffys Trilogie in der verdienstvollen Übersetzung von Andreas Oplatka. Ein Jahrhundertwerk wie "Krieg und Frieden"? Nicht ganz. Makellose Literatur? Auch das nicht. Ein großes, bewegendes Epos mit zeithistorischer Bedeutung? Auf jeden Fall.

WOLFGANG SCHNEIDER

Miklós Bánffy: "In Stücke gerissen".

Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka. Zsolnay Verlag, Wien 2015. 400 S., geb., 26,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
"Bánffy entwirft Sprach-Zeichnungen aus Landschaft, Liebe und Licht, die wahrlich ihresgleichen suchen." Cornelius Hell, Ö1 ex libris, 12.04.15

"Die Beschreibung der letzten Jahre der Doppelmonarchie macht Bánffys Werk zu einer unverzichtbaren historischen Lektüre." Walter Kier, Wiener Zeitung, 18.04.15

"Ein großer Abschied, ein Abgesang, eine Verklärung jener Welt von Gestern, der Grandezza und Leichtigkeit ihres Seins, deren so opulente wie subtile Schönheit dem allgemeinen Grauen noch immer widersteht." Ulrich Baron, Süddeutsche Zeitung, 12.05.15