Die zehn Gebote - Deuser, Hermann
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Du sollst - du sollst nicht. Die biblischen zehn Gebote sind als Grundlagentexte in Bewußtsein und Erinnerung eines jeden Menschen eingegraben, der in der jüdisch-christlich-abendländischen Kulturtradition aufwuchs oder aufwächst. Sie gehören zu den folgenreichsten und wichtigsten Texten der Welt, auch wenn sich viele dessen nicht mehr richtig bewußt sind. Hermann Deuser erläutert in einer knappen Einführung für alle Nicht-Fachleute den Dekalog in seinem alttestamentlichen Kontext, in Überlieferung und in Übersetzungstraditionen, und er streicht die Bedeutung dieser uralten ethischen Regeln innerhalb der aktuellen Ethik-Diskussionen heraus.…mehr

Produktbeschreibung
Du sollst - du sollst nicht. Die biblischen zehn Gebote sind als Grundlagentexte in Bewußtsein und Erinnerung eines jeden Menschen eingegraben, der in der jüdisch-christlich-abendländischen Kulturtradition aufwuchs oder aufwächst. Sie gehören zu den folgenreichsten und wichtigsten Texten der Welt, auch wenn sich viele dessen nicht mehr richtig bewußt sind. Hermann Deuser erläutert in einer knappen Einführung für alle Nicht-Fachleute den Dekalog in seinem alttestamentlichen Kontext, in Überlieferung und in Übersetzungstraditionen, und er streicht die Bedeutung dieser uralten ethischen Regeln innerhalb der aktuellen Ethik-Diskussionen heraus.
  • Produktdetails
  • Reclam Universal-Bibliothek Nr.18233
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Seitenzahl: 179
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 179 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 10mm x 96mm x 149mm
  • Gewicht: 92g
  • ISBN-13: 9783150182338
  • ISBN-10: 3150182336
  • Best.Nr.: 10743913
Autorenporträt
Dr. theol. Hermann Deuser, Jg. 1946, studierte Evangelische Theologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main, Marburg und Tübingen. Promotion (1973) und Habilitation (1978) für Systematische Theologie an der Universität Tübingen. Professor für Evangelische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal (1981-93), Forschungssemester an der Boston University, School of Theology (1990/91); Universitätsprofessor für Systematische Theologie an der Universität Gießen (1993-97), seit 1997 für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Frankfurt am Main. Mitherausgeber der 'Kierkegaard Studies. Yearbook' und 'Monograph Series' (1996 ff.), Mitbegründer des 'Instituts für Religionsphilosophische Forschung 'der Universität Frankfurt am Main.
Rezensionen
Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnützlich führen. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht töten...Die Weisungen der Zehn Gebote klingen für moderne Menschen teils antiquiert, teils überholt, teils banal. Einerseits verstört die radikale Unbedingtheit dieser Sätze. Andererseits brauchen Normen wie das Tötungs- oder Diebstahlverbot ohnehin - und in säkularen Gesellschaften erst recht - keine göttliche Bekräftigung. Dennoch unternimmt Hermann Deuser den Versuch, die Bedeutung dieser uralten ethischen Regeln für aktuelle Debatten zu erhellen. Der Frankfurter Theologieprofessor tut dies mit dem Instrumentarium des Wissenschaftlers und auf dem hohen Abstraktionsniveau von Philosophen. Deuser will dabei nicht missionieren, sondern nüchtern argumentieren. Historisch-kritisch seziert er die Texte, trennt somit Älteres von Jüngerem und damit Ewiggültiges und nur Zeitbedingtes. Auf diese Weise gelingt dem Autor leicht der Brückenschlag zur Gegenwart. Das Elterngebot kann so zum Beitrag in der Debatte über die Generationengerechtigkeit werden oder das Feiertagsgebot etwas zur Kommerzialisierung der Gesellschaft sagen. Man findet in dem kleinen Buch zahlreiche Anregungen, sich mit unseren kulturellen Wurzeln auseinander zu setzten. Stuttgarter Zeitung
Besprechung von 12.05.2003
Du sollst,
du sollst nicht
Hermann Deuser erklärt die
Bedeutung der Zehn Gebote
Der Eindruck, den Martin Luther auf Visitationsreisen vom Glaubenswissen der Gemeinden gewonnen hatte, war bedrückend: „Sie sollen doch alle Christen heißen, getauft sein und die heiligen Sakramente empfangen, können weder das Vaterunser, noch den Glauben oder die Zehn Gebote, leben dahin wie das liebe Vieh und unvernünftige Säue.” Zur Besserung dieser Zustände verfasste er 1529 den Kleinen Katechismus. Er enthielt drei Hauptstücke, die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Mit der genialen Übersetzung des Dekalogs – die durchgängige Eröffnung „Du sollst”, „Du sollst nicht” ist seine Sprachschöpfung – hat Luther einen beträchtlichen Teil dazu beigetragen, die Zehn Gebote als ethisches Weltkultur erbe zu vermitteln.
Am Leitfaden der Zehn Gebote hat nun der Frankfurter Theologe Hermann Deuser eine Einführung in die theologische Ethik vorgelegt. Damit will er auch an die Katechismustradition anknüpfen. Diese ist allerdings in den Jahrhunderten nach der Reformation in schlechten Ruf gekommen. Die Büffelei von Gebeten und Geboten wurde als äußerliche Disziplin empfunden, die der freien Entfaltung der Persönlichkeit hinderlich erschien. Von Luther noch als Instrument der Volksbildung gedacht, wurde der Katechismus zum Symbol eines engen kirchlichen Christentums. Das muss aber nicht so sein, meint Deuser. Vielmehr kann der Katechismus manches Deja-vu bereiten, wenn es um die Besinnung auf die Wurzeln unserer Kultur geht. Zumal es einer Quadratur des Zirkels gleich dürfte, bei den Zehn Geboten die Grenze zwischen konfessionellem Glaubenswissen und allgemeinkultureller Bildung zu ziehen. Dem protestantischen Ethiker geht es deshalb mit seiner Orientierung am Dekalog nicht „um die Propagierung oder Prolongierung von konfessionalistischen oder undemokratischen Sonderlehren ohne Allgemeinsinn, sondern allein um die Lernfähigkeit auf der Basis unverzichtbarer ethisch-religiöser Überzeugungsbildungen Europas.”
Die angemahnte Lernfähigkeit muss freilich auch die Theologie an den Tag legen, wenn sie eine ethische Urteilsbildung für orientierungskräftig hält, die sich unter modernen Bedingungen auf ein mehr als 2500 Jahre altes Dokument bezieht. Denn auch mit der „Goldenen Regel” ist überzeugend darzulegen, dass es sich bei dem Verbot zu töten um eine universale moralische Norm handelt. Welcher Sinn und Gewinn lässt sich daraus ziehen, das Tötungsverbot als 5. Gebot konstitutiv mit dem Gottesglauben in Verbindung zu setzen? Anhand eines informativen Abrisses der Auslegungsgeschichte des Dekalogs zeigt Deuser, dass sich die Theologie dieser Frage seit Alters her und in höchst reflektierter Weise angenommen hat. Sie formuliert es als Frage nach dem Zusammenhang der „ersten Tafel” der Gottesgebote und der „zweiten Tafel” der Menschengebote. Deuser spricht vom „Glaubensprinzip” der Ethik. Jede, nicht nur die theologische Ethik müsse ein Moment des Vertrauens einrechnen, wenn es gilt, von der Einsicht in die allgemeine Geltung von Gesetzen – dem Verallgemeinerungsprinzip – zur praktischen Befolgung überzugehen.
Die Pointe der Freiheit
Diese bekannte Anfrage einer aristotelischen Ethik an die kantische Morallehre bringt Deuser in Anschlag, um die „kulturgeschichtlich verankerte Glaubensform” des Christentums als eine Konkretion jenes allgemeinen Glaubensprinzips ins Spiel zu bringen. Das Gottesvertrauen, das der religiöse Glaube bedeutet, verleiht der praktischen Befolgung von Normen die notwendige Entschiedenheit. Nach christlichem Verständnis befähigt das Vertrauen auf Gott allererst dazu, gut handeln zu können. Zugleich bedeutet das Handeln vor Gott Verantwortung des Einzelnen für sein Tun. Nur wer diese dialektische Pointe christlicher Freiheit verkennt, kann meinen, Religionsdistanz sei die Voraussetzung für eine moderne Ethik.
In der Mitte von Verallgemeinerungs- und Glaubensprinzip steht das „Realisierungsprinzip”, die Aufgabe der Verwirklichung idealer Forderungen unter konkreten Bedingungen. Dazu gehört eine möglichst präzise Beschreibung der in Frage stehenden ethischen Konflikte. Anhand der Zehn Gebote führt Deuser durch die menschlichen Lebensordnungen und stellt exemplarisch in ihnen auftretende ethische Konfliktfelder dar. Selbst bei schwierigen Fragen werden die Grundlinien der Diskussion verständlich präsentiert. Deuser erwägt, ob therapeutisches Klonen in bestimmten Grenzen möglich sei, und zwar auch, „weil wissenschaftlicher Fortschritt zur Menschenwürde hinzugehört – was zugleich die instrumentalisierende Ausnutzung von Menschenleben ausschließt.” Dass sich eine begründete ethisch-theologische Stellungnahme durch Umsicht ausweist und nicht Eindeutigkeit suggeriert, ist kein geringer Gewinn, der aus der Lektüre zu ziehen ist.
Indem Deuser das Mitdenken und den Prozess der ethischen Urteilsbildung beim Leser befördert, verbindet er die geforderte Lernfähigkeit mit Lehrkompetenz. So verkauft sich die Katechismustradition trotz des günstigen Preises dieser Einführung in die theologische Ethik gut und teuer.
FRIEDEMANN VOIGT
HERMANN DEUSER: Die Zehn Gebote. Kleine Einführung in die theologische Ethik. Reclam Verlag, Stuttgart 2002. 178 Seiten, 4,60 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Erfordert eine moderne Ethik Religionsdistanz? Rezensent Friedemann Voigt verneint diese ebenso wie wohl auch der "protestantische Ethiker" und Autor Hermann Deuser. Deuser legt mit seinem Buch "Die zehn Gebote" eine "Einführung in die theologische Ethik" vor, die an die Katechismustraditionen anknüpft, erklärt unser Rezensent. Er findet das nicht schlecht. Zwar habe der Katechismus heute einen schlechten Ruf, doch eigne er sich in Wahrheit gut dazu, die "Wurzeln unserer Kultur" erkennbar zu machen. Anhand der zehn Gebote stellt Deuser ethische Konflikte im menschlichen Leben vor und diskutiert beispielsweise, warum das fünfte Gebot ("Du sollst nicht töten") nicht nur eine religiöse, sondern eine "universale moralische Norm" ist. Abschließend erklärt Voigt, dass es kein geringer Erkenntnisgewinn dieser Lektüre sei, "dass sich eine begründete ethisch-theologische Stellungnahme durch Umsicht ausweist und nicht Eindeutigkeit suggeriert".

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