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Wo sonst auf der Welt wird die fröhliche Begrüßung »Ey, Jupp, du altes Arschloch!« als freundschaftliche und ehrerbietig empfunden? Nirgends, nur entlang der A 40, im Herzen der schönsten deutschen Provinz, die zwar nicht wirklich viel Gegend hat, dafür aber jede Menge skurrile, herzliche, raue, gnadenlos ehrliche Ureinwohner. Denn »es geht um die Menschen«, und von diesen Menschen erzählt Frank Goosen in seinem ganz besonderen, sehr persönlichen Ton. Er fördert Kindheitserinnerungen von Omma und Oppa (die im Bochumer Rathaus wohnten und stadtbekannt waren) zutage, er durchstreift mit Mücke,…mehr

Produktbeschreibung
Wo sonst auf der Welt wird die fröhliche Begrüßung »Ey, Jupp, du altes Arschloch!« als freundschaftliche und ehrerbietig empfunden? Nirgends, nur entlang der A 40, im Herzen der schönsten deutschen Provinz, die zwar nicht wirklich viel Gegend hat, dafür aber jede Menge skurrile, herzliche, raue, gnadenlos ehrliche Ureinwohner. Denn »es geht um die Menschen«, und von diesen Menschen erzählt Frank Goosen in seinem ganz besonderen, sehr persönlichen Ton. Er fördert Kindheitserinnerungen von Omma und Oppa (die im Bochumer Rathaus wohnten und stadtbekannt waren) zutage, er durchstreift mit Mücke, Pommes und Spüli die Untiefen einer Jugend, er steht an der Seltersbude auf ein Bierchen, leidet und jubelt mit den Fans im Stadion, durchkämmt Schrebergärten und Zechen, Industriebrachen und Einkaufszentren.
  • Produktdetails
  • Verlag: (EICHBORN)
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 165
  • Erscheinungstermin: 31. Januar 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 130mm x 21mm
  • Gewicht: 292g
  • ISBN-13: 0000020018214
  • ISBN-10: 3821860723
  • Artikelnr.: 55171071
Autorenporträt
Frank Goosen ist erfolgreicher Kabarettist und Autor und, das ist wichtig, mit Leib und Seele Bochumer. Dort wurde er 1966 geboren, dort hat er Germanistik, Geschichte und Politik studiert, dort findet er den Stoff für seine Bühnenprogramme und Bücher. Bevor Goosen 2001 mit seinem Erfolgsroman "Liegen lernen", der auch verfilmt wurde, als Schriftsteller in Erscheinung trat, war er bereits als Kabarettist erfolgreich. "Tresenlesen" nannte sich sein literarisches Kabarett, das er von 1992 bis 2000 gemeinsam mit Jochen Malmsheimer vor allem in Kneipen zum Besten brachte. 1997 gewannen die beiden Kabarettisten damit den Prix Pantheon. Goosen ist Vater von zwei Söhnen und engagiert sich ebenso für das Bochumer Prinz Regent Theater wie für den VFL Bochum. Sein 2010 erschienenes Buch "Radio Heimat" wurde binnen kürzester Zeit zum Bestseller.

Das meint die buecher.de-Redaktion: Der gebürtige Bochumer versteht es wie kein Zweiter, seine Heimatstadt, das gesamte Ruhrgebiet und die Menschen seiner Region einer großen Fan- und Lesergemeinde mit Witz und Charme nahe zu bringen - Goosen ist eine der witzigsten Stimmen des Ruhrgebiets.
Rezensionen
Wer braucht schon Stoffpalmen?

Mit Mücke, Pommes und Bourdieu im Partykeller: Frank Goosen liefert eine kleine Soziologie des Ruhrgebiets und erzählt die Geschichte einer Jugend zwischen Fußball, Bimbo-Box und Dalli-Klick.

Unvermutet heißt da plötzlich ein Kapitel "Akropolis adieu!" Da hat der Bochumer Rating-Agent Frank Goosen doch glatt die große Griechenland-Abwertung vorweggenommen, und das auch noch allegorisch: mit der Geschichte seines Abschieds von jenen Feinschmecker-Oasen gastarbeitender Provenienz, die unter dem immer gleichen Namen "Akropolis Grill" bis heute das Ruhrgebiet spicken und specken. Doch verbirgt sich in der heiteren Abkehr von Tsatsiki und Selbstgebranntem - "Heute lebe ich natürlich viel gesünder" - eine melancholische Liebeserklärung. Denn die griechischen Futterinseln sind für den Autor vor allem eines: Heimat. Kulturelle Identität. Im Ruhrpott wenigstens weiß man die Wiege des Abendlands noch zu würdigen.

Der Kabarettist und Schriftsteller unternimmt mit "Radio Heimat" eine fällige Korrektur an der Kulturhauptstadt-Reüssiererei, nicht weil das Ruhrgebiet in diesem Buch als Kultursaustall Europas herüberkäme - was es tut -, sondern weil es ein ehrliches, unverbrüchliches Bekenntnis zu dieser Region ist, das ihr wahres Potential erst freilegt. Wie viel Erfindungsgeist zeigt sich beispielsweise in der Kreation von "Wodka Wick-Blau" (eine Flasche Wodka und eine Tüte Hustenbonbons, gut durchgeschüttelt)!

Vielleicht muss man wie Goosen "vonne Bochumer Alleestraße weg" kommen - "Die Alleestraße ist eine Gegend, da sind nicht viele Bibliotheken. Auch der Bücherbus ist früher mit verhängten Scheiben einfach durchgerast" -, um in dem zwischen Hattingen und Recklinghausen allerseits konstatierten "Woanders is auch scheiße" den Ausdruck höchster Selbstzufriedenheit zu erkennen. So steigt der Ich-Erzähler gern auf die Eisenbahnbrücke am Lohring bei Bochum, lässt den Blick über das Mercedes-Hochhaus am Bahnhof, die Fiege-Brauerei sowie das neue Hochhaus der Stadtwerke kreisen und denkt patriotisch: "Boah! Schön ist das nicht! Abba meins!"

Nichts nerve übrigens so sehr wie Touristen, die "das viele Grün" lobten: "Und wie blöd sie gucken, wenn sie feststellen, dass sie uns ein Wort wie ,Baum' nicht mit Piktogrammen erklären müssen." Der wertvollste Rohstoff des Ruhrgebiets aber liege in dem, was nicht einmal der Strukturwandel plattmachen und neu bepflanzen konnte: der gnadenlos direkten Mentalität. Mit entsprechender Geste spricht man hier von früh bis spät ewige Wahrheiten des Kalibers "Futtern hält dich am Kacken" in den rauhen Wind.

Die Lebensgeschichte des Ich-Erzählers selbst sei hier nur angedeutet. Das Initiationserlebnis des Heranwachsenden ist der Augenblick, in dem er der "Bimbo-Box" abschwört, einer Jukebox für Kinder im Kaufhaus Kortum, in der eine "Affenband mit irrem Blick unter staubigen Stoffpalmen auf diverse Instrumente einhämmerte, als gäb's kein Morgen". Einschlägige Fußball-, Band- und Strip-Poker-Erfahrungen mit den Schulfreunden Mücke und Pommes werden gesammelt, bevor ein vorläufiges Happy End erreicht wird, eine "glückliche Mischehe" mit einer Fränkin.

Dabei geht es viel um die guten alten Achtziger: "da hatten wir mehr Autobahnen als gute Gedanken". Die Butter hieß noch "Gutebutter", jede Gefährtin einfach "Else", und "Dalli-Klick" wurde noch mit echter Anteilnahme gebrüllt. Noch feiner als bei Bourdieu waren im Ruhrgebiet damals die Unterschiede zwischen den Schichten. Den Aufstieg vom "Proll mit Klo auf halber Treppe" zum Kleinbürger markierte insgesamt die Anlage eines Partykellers. Damit aber nahm die Untergliederung erst ihren Anfang, denn hier war die holzgetäfelte Variante dem Strukturputz-Fetenverlies klar überlegen, dieses aber wieder dem notfalls auszuräumenden Normalkeller, in den lediglich eine Lichtorgel gestellt wurde.

Alles in allem handelt es sich um ein gewitztes, nicht immer ganz originelles Kompendium über eine glücklich versunkene Kultur, dem man wenigstens den einen Vorwurf nicht wird machen können, der Goosens Romane ("Pokorny lacht", "Liegen lernen") traf: zu wenig literarisch zu sein. Schließlich ist es ja gar keine Literatur. Goosen saust einfach unter allen Hürden hindurch. Ins Ruhrpöttische übersetzt: "Kein Arsch inne Buchse, aber La Paloma pfeifen!"

OLIVER JUNGEN

Frank Goosen: "Radio Heimat". Geschichten von zuhause. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010. 166 S., geb., 14,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 16.06.2010

Wer braucht schon Stoffpalmen?

Mit Mücke, Pommes und Bourdieu im Partykeller: Frank Goosen liefert eine kleine Soziologie des Ruhrgebiets und erzählt die Geschichte einer Jugend zwischen Fußball, Bimbo-Box und Dalli-Klick.

Unvermutet heißt da plötzlich ein Kapitel "Akropolis adieu!" Da hat der Bochumer Rating-Agent Frank Goosen doch glatt die große Griechenland-Abwertung vorweggenommen, und das auch noch allegorisch: mit der Geschichte seines Abschieds von jenen Feinschmecker-Oasen gastarbeitender Provenienz, die unter dem immer gleichen Namen "Akropolis Grill" bis heute das Ruhrgebiet spicken und specken. Doch verbirgt sich in der heiteren Abkehr von Tsatsiki und Selbstgebranntem - "Heute lebe ich natürlich viel gesünder" - eine melancholische Liebeserklärung. Denn die griechischen Futterinseln sind für den Autor vor allem eines: Heimat. Kulturelle Identität. Im Ruhrpott wenigstens weiß man die Wiege des Abendlands noch zu würdigen.

Der Kabarettist und Schriftsteller unternimmt mit "Radio Heimat" eine fällige Korrektur an der Kulturhauptstadt-Reüssiererei, nicht weil das Ruhrgebiet in diesem Buch als Kultursaustall Europas herüberkäme - was es tut -, sondern weil es ein ehrliches, unverbrüchliches Bekenntnis zu dieser Region ist, das ihr wahres Potential erst freilegt. Wie viel Erfindungsgeist zeigt sich beispielsweise in der Kreation von "Wodka Wick-Blau" (eine Flasche Wodka und eine Tüte Hustenbonbons, gut durchgeschüttelt)!

Vielleicht muss man wie Goosen "vonne Bochumer Alleestraße weg" kommen - "Die Alleestraße ist eine Gegend, da sind nicht viele Bibliotheken. Auch der Bücherbus ist früher mit verhängten Scheiben einfach durchgerast" -, um in dem zwischen Hattingen und Recklinghausen allerseits konstatierten "Woanders is auch scheiße" den Ausdruck höchster Selbstzufriedenheit zu erkennen. So steigt der Ich-Erzähler gern auf die Eisenbahnbrücke am Lohring bei Bochum, lässt den Blick über das Mercedes-Hochhaus am Bahnhof, die Fiege-Brauerei sowie das neue Hochhaus der Stadtwerke kreisen und denkt patriotisch: "Boah! Schön ist das nicht! Abba meins!"

Nichts nerve übrigens so sehr wie Touristen, die "das viele Grün" lobten: "Und wie blöd sie gucken, wenn sie feststellen, dass sie uns ein Wort wie ,Baum' nicht mit Piktogrammen erklären müssen." Der wertvollste Rohstoff des Ruhrgebiets aber liege in dem, was nicht einmal der Strukturwandel plattmachen und neu bepflanzen konnte: der gnadenlos direkten Mentalität. Mit entsprechender Geste spricht man hier von früh bis spät ewige Wahrheiten des Kalibers "Futtern hält dich am Kacken" in den rauhen Wind.

Die Lebensgeschichte des Ich-Erzählers selbst sei hier nur angedeutet. Das Initiationserlebnis des Heranwachsenden ist der Augenblick, in dem er der "Bimbo-Box" abschwört, einer Jukebox für Kinder im Kaufhaus Kortum, in der eine "Affenband mit irrem Blick unter staubigen Stoffpalmen auf diverse Instrumente einhämmerte, als gäb's kein Morgen". Einschlägige Fußball-, Band- und Strip-Poker-Erfahrungen mit den Schulfreunden Mücke und Pommes werden gesammelt, bevor ein vorläufiges Happy End erreicht wird, eine "glückliche Mischehe" mit einer Fränkin.

Dabei geht es viel um die guten alten Achtziger: "da hatten wir mehr Autobahnen als gute Gedanken". Die Butter hieß noch "Gutebutter", jede Gefährtin einfach "Else", und "Dalli-Klick" wurde noch mit echter Anteilnahme gebrüllt. Noch feiner als bei Bourdieu waren im Ruhrgebiet damals die Unterschiede zwischen den Schichten. Den Aufstieg vom "Proll mit Klo auf halber Treppe" zum Kleinbürger markierte insgesamt die Anlage eines Partykellers. Damit aber nahm die Untergliederung erst ihren Anfang, denn hier war die holzgetäfelte Variante dem Strukturputz-Fetenverlies klar überlegen, dieses aber wieder dem notfalls auszuräumenden Normalkeller, in den lediglich eine Lichtorgel gestellt wurde.

Alles in allem handelt es sich um ein gewitztes, nicht immer ganz originelles Kompendium über eine glücklich versunkene Kultur, dem man wenigstens den einen Vorwurf nicht wird machen können, der Goosens Romane ("Pokorny lacht", "Liegen lernen") traf: zu wenig literarisch zu sein. Schließlich ist es ja gar keine Literatur. Goosen saust einfach unter allen Hürden hindurch. Ins Ruhrpöttische übersetzt: "Kein Arsch inne Buchse, aber La Paloma pfeifen!"

OLIVER JUNGEN

Frank Goosen: "Radio Heimat". Geschichten von zuhause. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010. 166 S., geb., 14,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Mit derber Herzlichkeit und Erinnerungsfuror beschwört er einerseits das Bochum der 70er- und beginnenden 80er-Jahre, zeichnet das Lokalkolorit von Kneipen, Fußballstadion, Schrebergarten und Seltersbude - und demontiert doch die Klischees von Unter-Tage-Existenz in Kohle und Stahl. 'Radio Heimat' ist auch ein mild melancholischer Abgesang auf die muffig-heimelige Ruhrpott-Romantik ... " Arne Willander, Rolling Stone "Ungeschminkt und einfühlsam porträtiert er den Menschenschlag an der Ruhr. Gleichzeitig ist Radio Heimat eine sehr persönliche Reminiszenz an seine Omma und seinen Oppa." Ruhr Nachrichten, 05.08.2015

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Von Literatur keine Spur, meldet Oliver Jungen glücklich nach der Lektüre von Frank Goosens neuestem Werk. Wozu auch. Goosens Lebensgeschichte aus dem Ruhrpott geht auch so, lässt Jungen uns wissen. Dass die Gegend im Buch schlecht weg kommt, dies aber liebevoll, findet Jungen in Ordnung. An Goosens Bekenntnis zur Region hat er eh keinen Zweifel. Ob der Autor auf Eisenbahnbrücken herumklettert oder echt dämliche Lebensweisheiten mitteilt, von Initiationserlebnissen im Kaufhaus oder von Dalli-Klick schwärmt, (fast) immer fühlt sich Jungen gut unterhalten.

© Perlentaucher Medien GmbH