Appeasing Hitler - Bouverie, Tim
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Die besten Einzelausgaben des Holzschuh-Verlages in neuer Bearbeitung in Alben zusammengefasst. Ideal für das Solospiel sowie für das Gruppenmusizieren. Erschienen für Akkordeon/Klavier mit 2. Stimme ad lib., Gitarrenstimme ad lib., C-Stimme (Violine, Melodica) ad lib. (alle Stimmen liegen bei) Besetzung: Akkordeon…mehr

Produktbeschreibung
Die besten Einzelausgaben des Holzschuh-Verlages in neuer Bearbeitung in Alben zusammengefasst. Ideal für das Solospiel sowie für das Gruppenmusizieren. Erschienen für Akkordeon/Klavier mit 2. Stimme ad lib., Gitarrenstimme ad lib., C-Stimme (Violine, Melodica) ad lib. (alle Stimmen liegen bei) Besetzung: Akkordeon
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: 18. April 2019
  • Englisch
  • Abmessung: 233mm x 151mm x 32mm
  • Gewicht: 806g
  • ISBN-13: 9781847924414
  • ISBN-10: 1847924417
  • Artikelnr.: 55214600
Autorenporträt
Tim Bouverie read history at Christ Church, Oxford. From 2013-2017 he was a political journalist at Channel 4 News, where he worked alongside Michael Crick, as his producer, and covered all major political events, including both the 2015 and 2017 General Elections and the EU Referendum. He regularly reviews history and politics books, and has written for the Spectator, Observer and Daily Telegraph. He has also for the last five years worked at the Chalke Valley History Festival as an interviewer.
Inhaltsangabe
O sole mio
Oktoberfest
Schwarzwälder Tanz
Dem Spielring treu
Rezensionen
Besprechung von 10.05.2019
Hätte Hitler nur in Oxford studiert

Das Krokodil streicheln, in der Hoffnung, dass es schnurrt: Tim Bouverie bewertet die Appeasement-Politik Chamberlains neu und liefert ein Buch, das gerade sehr gut zur politischen Lage passt.

Im Zentrum des Filmklassikers "Leben und Sterben des Colonel Blimp" (1943) steht die Freundschaft zwischen einem noblen deutschen und einem noblen britischen Offizier im Spiegel der beiden Weltkriege. Der Deutsche, grandios dargestellt von dem aus Österreich emigrierten Schauspieler Anton Wohlbrück (oder Walbrook, wie er sich im Exil nannte), gerät im Ersten Weltkrieg als Offizier in britische Gefangenschaft, kehrt danach nach Deutschland zurück, sucht aber nicht lange nach der Machtübernahme Hitlers als Regimegegner Zuflucht in England.

Dort muss er sich nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wie alle "feindlichen Ausländer" einem Verfahren stellen, das über die Internierung entscheidet. Bei der Vernehmung will der Richter wissen, warum Theodor Kretschmar-Schuldorff Deutschland erst 1934 verlassen habe, wo doch die meisten Flüchtlinge bereits 1933 gegangen seien. Als der Deutsche gesteht, acht Monate gebraucht so haben, um zu erkennen, dass er sich zunächst getäuscht habe in der Einschätzung Hitlers als Politiker, bemängelt der Richter, das sei eine ziemlich lange Zeit. "Mit Verlaub", wendet der ergraute und gebrochene Deutsche ein, ohne sich im Ton zu vergreifen, "nehmen Sie es mir nicht übel, aber hier in England haben sie fünf Jahre dazu gebraucht."

Tatsächlich hat es noch länger gedauert, bis die sich lange in der Minderheit befindlichen Gegner des Bestrebens, Hitler durch Zugeständnisse vom Krieg abzuhalten, im Mai 1940 das Ruder schließlich herumwerfen und Neville Chamberlain durch einen Premierminister ersetzen konnten, der bereit war, dem Regime Paroli zu bieten. Diesen Prozess hat Tim Bouverie in seinem Debüt "Appeasing Hitler" in bester Erzähltradition britischer Geschichtsschreibung kritisch nachgezeichnet. Zwar wandelt der Autor auf tief ausgetretenen Pfaden, doch hat er den Tagebüchern, Briefen und Akten - darunter das bislang unbekannte Privatarchiv seines Urgroßvaters, des Herzogs von Buccleuch, eines energischen Verfechters der Appeasement-Politik - aufschlussreiche Details abgewonnen.

Diese verwebt er einfühlsam, mit trockenem Humor und einem Gespür für den dramatischen Moment zu einer Darstellung, die ein lebendiges Bild der Figuren, ihres Milieus und der Stimmungen der Zeit vermittelt. Soziale Nuancen sind, wie Bouverie schildert, von den britischen Protagonisten sehr genau wahrgenommen worden. Einige Adelige, die sich dem Kurs Chamberlains widersetzten, rümpften die Nase bei dem Sohn des Bürgermeisters von Birmingham. Lady Gwendolen Cecil fand sogar, der aristokratische Außenminister Lord Halifax verdiene stärkeren Tadel für die Beschwichtigung Hitlers als der Premierminister, da man von einem armen Monster aus der Mittelklasse nicht erwarten könne, dass er es besser wisse.

Kritische Außenseiter sahen die Bemühungen um die Verständigung mit Deutschland wiederum als eine Verschwörung von Aristokraten und Plutokraten, die ihre Privilegien und das Empire gegen die aufkommende Linke schützen wollten, weshalb viele von ihnen denn auch geneigt waren, sich eher mit den Faschisten zu arrangieren als mit den Kommunisten. Bouverie weist außerdem auf eine Art von "üblem Glamour" hin, den das "Dritte Reich" auf einige der frivoleren Mitglieder der englischen Gesellschaft ausübte, die sich zum Tee bei Hitler einfanden, sowie auf einen snobistischen Antisemitismus, der in der Regel jedoch selbst bei Aristokraten mit nationalsozialistischen Sympathien das Entsetzen über die Verfolgung der Juden nicht gemildert habe.

Der Autor gesteht, dass der Adel die deutsch-britische Annäherung mehrheitlich unterstützt habe, doch sei diese Einstellung nicht auf eine Klasse beschränkt gewesen. Sie spiegelte die Stimmung in der vom Großen Krieg gezeichneten Nation, die das Leid nicht noch einmal auf sich ziehen wollte und zudem ein gewisses Verständnis für die Deutschen aufbrachte, die in Versailles zu hart bestraft worden seien. Bei aller Differenzierung entsteht so das Porträt einer in der Vorstellungswelt ihrer privilegierten Herkunft und Ausbildung gefangenen Elite.

Die Formulierung von Nevile Henderson, des stets für Nachsicht plädierenden britischen Botschafters in Berlin, dass man Hitler die Chance geben müsse, "ein braver Junge zu sein", ist ebenso bezeichnend für die von der Internatserfahrung geprägte Einstellung wie jene Bemerkung von Halifax, wie anders die Welt wäre gewesen wäre, wenn Hitler und Göring in Oxford studiert hätten. Chamberlain klagt, dass "diese verdammten Deutschen schon wieder ein Wochenende verdorben haben", weil er im Mai 1938 durch Berichte über Truppenbewegungen nahe der tschechischen Grenze beim Angeln unterbrochen wurde.

Während sich die Krise um Danzig zuspitzt, entlässt er das Parlament trotz der Einwände von Churchill und der Opposition in die Sommerpause und bricht am 6. August 1939 zu einem zweiwöchigen Angelurlaub auf dem schottischen Anwesen des Herzogs von Westminster auf; am 30. August, wenige Stunden vor dem Überfall auf Polen, schreibt er dem Herzog von Buccleuch, er hoffe, das Schlimmste abwenden und doch noch dessen Einladung zur Jagd auf das schottische Moorhuhn folgen zu können. Der mit Ribbentrop befreundete britische Bankier Ernest Tennant, der sich der britischen Regierung als Mittler andiente, berichtete nach einem Besuch in Berlin im Juni 1939 von der Verblüffung Hitlers und seines Außenministers über die vielen Zuschriften aus England, die darum baten, den Krieg aufzuschieben, bis die Ascot-Rennwoche, das traditionelle Cricketspiel zwischen Eton und Harrow und verschiedene andere Termine im Sport- und Gesellschaftskalender vorbei seien.

Kaum verwunderlich, dass Mussolini spottete, Chamberlain und Halifax seien nicht aus demselbem Holz geschnitzt wie die Francis Drakes und anderen Abenteurer, die das Empire geschaffen hätte, sondern müde Söhne einer langen Linie reicher Männer, die ihr Empire verlieren würden. Diese Mentalität machte sich freilich auch in der seltsam arroganten Neigung bemerkbar, Amateuren wichtige diplomatische Missionen in Deutschland anzuvertrauen oder einen der statusbewussten sowjetischen Führung nicht bekannten Unterhändler mit dem operettenhaften Namen Sir Reginald Aylmer Ranfurly Plunkett-Ernle-Erle-Drax im August 1939 zu Gesprächen über ein britisch-französisch-sowjetisches Bündnis nach Moskau zu entsenden, ohne ihn zu bevollmächtigen. "Die Briten müssen sich vorgekommen sein wie Schüler, die ihre Hausaufgaben vergessen haben", schreibt Bouverie, der die Unfähigkeit, sich mit der Sowjetunion zu einigen, als einen der "gröbsten Fehlgriffe der verhängnisvollen Epoche" bezeichnet.

Dass dieser erste Wurf eines jungen Autors bereits in der Woche nach seiner Veröffentlichung auf den Bestsellerlisten stand, dürfte nicht nur der positiven Rezeption und den auf dem Umschlag gedruckten Gütesiegeln bekannter Historiker wie Sir Michael Howard, Margaret MacMillan und Ian Kershaw zu verdanken sein, sondern auch der anhaltenden Debatte über Chamberlains Strategie, die noch heute auf die Politik einwirkt.

Nicht nur, dass das Münchner Abkommen von 1938 immer wieder als Inbegriff fehlgeleiteter Nachgiebigkeit gegenüber Aggressoren beschworen wird, um militärische Interventionen zu rechtfertigen, wie seinerzeit im Irak. In der Hitze der aktuellen Auseinandersetzung über den Brexit werfen alle Seiten mit Bezügen auf die Appeasement-Politik um sich. Der Labour-Abgeordnete David Lammy verglich die Erz-Brexiteers unlängst mit den Nationalsozialisten. Für die Verfechter des harten Brexits wiederum, die der Premierministerin vorwerfen, vor der EU einzuknicken, trifft es sich gut, dass sich Theresa auf "appeaser" reimt. "Wir brauchen einen Churchill, nicht einen Chamberlain", schimpfte einer ihrer Kritiker aus den eigenen Reihen.

In ihrer bornierten Entschlossenheit, in ihrer Kantigkeit, in der Neigung, abweichende Meinungen als Zeichen von Illoyalität zu werten, und in ihrer Hinterlist weist die jetzige Premierministerin Züge auf, die an Chamberlain bemängelt wurden. Dieser wird mitunter als tragische Figur gezeichnet, die aus hehren Motiven und verblendeter Überzeugung einen Kurs steuerte, den ein Politiker damals mit dem Streicheln eines Krokodils verglich, in der Hoffnung, dass es schnurre. Zu Chamberlains Verteidigung ist immer wieder vorgebracht worden, er habe Zeit gewonnen, um Britannien militärisch und psychisch auf den Krieg vorzubereiten.

Bouverie lässt dieses Argument ebenso wenig gelten wie andere Apologien der sogenannten Revisionisten. Er gesteht dem Premierminister allenfalls zu, die kriegsunwillige Nation im Kampfwillen geeint zu haben, aber auch dies sieht der Autor als die Folge dessen Scheiterns. Die Faszination für das Thema liegt nicht zuletzt darin, dass das Dilemma, vor dem Chamberlain stand, in anderen Varianten immer wiederkehrt - wie die Nachrichten täglich bestätigen. Die für das Zeitalter des Populismus relevante Lehre der Appeasement-Jahre ist, dass die Mehrheit sich irren kann.

GINA THOMAS

Tim Bouverie: "Appeasing Hitler". Chamberlain, Churchill and the Road to War.

Bodley Head, London 2019.

512 S., geb., 24,- [Euro].

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