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Humanität und Willenskraft! Der Zimmermeister Shigeji bemüht sich nach dem Lebensmotto seiner verstorbenen Eltern zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und das Familienunternehmen wieder aufzubauen. Durch den Großbrand in der Stadt, dem auch die Zimmerei zum Opfer fiel, ist Ritsu obdachlos geworden, eine alte Freundin, die plötzlich mit fünf Waisenkindern vor Shigejis Tür steht - er hat ja noch Platz im großen Elternhaus! Ein bunter Haufen starker und eigensinniger Charaktere findet sich in einer schwierigen Zeit unter einem Dach zusammen - das ist teils komisch, manchmal bezaubernd, oft…mehr

Produktbeschreibung
Humanität und Willenskraft! Der Zimmermeister Shigeji bemüht sich nach dem Lebensmotto seiner verstorbenen Eltern zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und das Familienunternehmen wieder aufzubauen. Durch den Großbrand in der Stadt, dem auch die Zimmerei zum Opfer fiel, ist Ritsu obdachlos geworden, eine alte Freundin, die plötzlich mit fünf Waisenkindern vor Shigejis Tür steht - er hat ja noch Platz im großen Elternhaus! Ein bunter Haufen starker und eigensinniger Charaktere findet sich in einer schwierigen Zeit unter einem Dach zusammen - das ist teils komisch, manchmal bezaubernd, oft berührend, immer human und lässt Funken sprühen! Nach dem gleichnamigen Roman von Shuguro Yamamoto aus dem Jahr 1957 - modern und elegant versetzt in die heutige Zeit.
  • Produktdetails
  • Chiisakobee .1
  • Verlag: Carlsen
  • Seitenzahl: 205
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: 27. Februar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 149mm x 23mm
  • Gewicht: 290g
  • ISBN-13: 9783551720955
  • ISBN-10: 3551720959
  • Artikelnr.: 48074179
Autorenporträt
Mochizuki, Minetaro
Minetaro Mochizuki, geboren 1964 in Yokohama, gilt als wegweisender Künstler seiner Generation. Einige seiner Werke wurden erfolgreich verfilmt, die preisgekrönte Serie "Dragon Head" um die Überlebenden eines Zugunglücks hat Kultstatus und war sein bisher erfolgreichstes Werk. Mit der Neuinterpretation des Romans "Chiisakobee" von Shugoro Yamamoto begeht er sowohl thematisch als auch stylistisch neue Wege, was ihm wiederum nationale und internationale Auszeichnungen beschert hat.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.08.2018

Menschlichkeit und Willenskraft
Minetaro Mochizuki kann in seiner Graphic Novel nach dem Roman „Chiisakobee“ fast ganz
auf erklärende Worte verzichten. Im Mittelpunkt stehen Menschen wie wir: „Die kleine Nachbarschaft“
VON GOTTFRIED KNAPP
Spätestens dann, wenn man beim plötzlichen Abbrechen der Erzählung am Ende des ersten Bands eine Art von Schmerz verspürt, wird einem bewusst, wie tief man hineingerissen wurde in die emotionale Atmosphäre, die sich auf den 200 Seiten zuvor zwischen den vom Schicksal zusammengewürfelten Personen entwickelt hat. Der 1957 erschienene Roman „Chiisakobee“ von Shuguro Yamamoto ist inzwischen schon mehrmals verfilmt und dramatisiert worden. Nun hat Minetaro Mochizuki, einer der originellsten Erzähler der jüngeren japanischen Manga-Geschichte, die in der Edo-Zeit spielende Erzählung in die Gegenwart herübergeholt und in vier Bänden mit Bildern noch einmal neu erzählt. Zwei dieser Bände sind inzwischen auf Deutsch erschienen, der dritte ist seit wenigen Tagen erhältlich; der vierte soll einige Wochen später erscheinen.
Die erste Überraschung, die man als westlicher Comic–Leser beim Aufschlagen eines Mangas erlebt, ist, dass das Aufblättern der Bücher von hinten nach vorn und das Lesen von rechts oben nach links unten schon nach wenigen überflogenen Seiten zur Selbstverständlichkeit wird. Bei dieser speziellen Geschichte kann man als Europäer die Seitenverkehrtheit sogar als ein die Hauptfiguren charakterisierendes Ausdrucksmittel empfinden. Der Untertitel „Die kleine Nachbarschaft“ jedenfalls lässt erahnen, dass es in dieser Graphic Novel nicht um strahlende Helden und große Gefühle geht, sondern um Menschen wie wir und deren intimen Empfindungen.
Bei der Arbeit auf einer Baustelle erfährt der junge Zimmermann Shigeji, dass seine Eltern bei einem Großbrand in einem Vorort von Tokio gestorben sind. Nun muss er, der nicht nur wegen der sein Gesicht verdeckenden Haarsträhnen extrem verschlossen wirkt und eigentlich lieber studieren würde, den von einer Krise bedrohten Holzbau-Betrieb seines Vaters übernehmen. Als Shigeji nach diesem Schock ins erhalten gebliebene Wohnhaus seiner Eltern zurückkehrt, findet er dort Ritsu vor, eine Bekannte aus Kindertagen, die er als trotziges kleines Mädchen in Erinnerung hat. Ritsu hat sich mit fünf Waisenkindern, die beim Brand ebenfalls ihr Heim verloren haben und ganz unterschiedlich aggressiv auf das Trauma reagieren, im Haus eingenistet. Und da sich bald schon Spekulanten melden, die auf das Grundstück der abgebrannten Werkstatt oder den guten Namen der Firma scharf sind, zudem einige der Mitarbeiter mit den Eigenwilligkeiten des neuen jungen Firmenchefs nicht einverstanden sind, und schließlich sich auch noch Yuko, die hübsche Tochter des Filialleiters der Bank, auf ganz individuelle Weise in das ungeordnete Geschehen einmischt, tut sich vor dem Leser ein Panorama wechselnder Gefühle auf, das ständig kleine Überraschungen bereithält und in keinem Moment seine Intensität verliert.
Minetaro Mochizuki hat für die „kleine Nachbarschaft“ eine Form des Erzählens in Bildern entwickelt, bei der er auf erklärende Worte fast ganz verzichten kann. Die Hauptfigur Shigeji liefert als Ich-Erzähler die paar Daten, die man zum Verständnis braucht. Was zwischen den Personen passiert, ist auf wenige, fast beiläufig wirkende Dialogfetzen reduziert, die in ihrer sozialen Unterschiedlichkeit sehr überzeugend ins Deutsche übertragen sind. Die psychologische Spannung, die man als Leser verspürt, geht fast ausschließlich von den ständig sich verändernden Aus- und Anschnitten aus, in denen die Personen gezeigt werden, aber auch von den abrupt wechselnden Blickwinkeln, in denen man auf sie blickt.
Mochizuki hat die hohe Kunst der reinen Umrisszeichnung mit psychologischen Gefühlen aufgeladen und zu einem System von Andeutungen vervollkommnet. Auf mimische Veränderungen legt er nur geringen Wert. Dafür entdeckt er in den Veränderungen der Körperhaltung, was die Menschen im Inneren bewegt. Selbst winzigste Details – eine nachlässig geknotete Schürze – werden plötzlich zu Kennzeichen; sie beginnen Geschichten zu erzählen. Manchmal hat man als Leser das Gefühl, dass diese beobachteten winzigen Nebensächlichkeiten den Blick direkt ins Herz der in den Einzelbildern meist nur angeschnittenen Personen lenken.
„Am wichtigsten sind Menschlichkeit und Willenskraft.“ Mit diesem Satz seines Vaters beginnt sich Shigeji auseinanderzusetzen, als er gezwungenermaßen Verantwortung für die Firma und für diese Schar ganz unterschiedlich problematischer Kinder übernehmen muss. Der allmähliche Wandel, der sich in ihm vollzieht, zeigt sich vor allem in seinem eigentümlich gespannten Verhältnis zu Ritsu, der fraulich gewordenen Jugendbekannten, die wie eine Dienerin brav den Haushalt führt, aber unter seiner männlichen Sturheit leidet. Bei einem „Familien“-Ausflug mit Ritsu, Yuko und den Kindern scheint Shigeji, wenn wir die beiden Panels auf Seite 170 des zweiten Bandes (unsere Abbildung) richtig deuten, erstmals die Reize seiner Hausgenossin wahrzunehmen. Aber da wir bei dieser Entdeckung erst in der Mitte der Erzählung angekommen sind, können wir allenfalls erahnen, wie das Ganze im vierten Band ausgehen wird.
Minetaro Mochizuki: Chiisakobee. Die kleine Nachbarschaft. Carlsen Verlag 2018. Band 1 und 2, 216 und 228 Seiten, je 14,90 Euro. Band 3 ist eben erschienen; Band 4 soll bald folgen.
Der Leser erlebt ein Panorama
wechselnder Gefühle, das ständig
kleine Überraschungen bereithält
Winzige Nebensächlichkeiten
lenken den Blick
direkt ins Herz der Figuren
Auf einem „Familien“-Ausflug scheint Shigeji zum ersten Mal die Reize seiner Hausgenossin
und Jugendbekannten Ritsu wahrzunehmen. Die Manga-Bilder sind von rechts nach links zu lesen
.
Abbildungen aus dem besprochenen Band
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"[Eine] Geschichte um Handwerk, Werte, Traditionen, Selbstbestimmung und Empathie.", Filmbulletin, Christian Gasser, 01.02.2019