Gebundenes Buch

Ein Künstlerleben in Zeiten der Katastrophe
Er war Mitherausgeber des berühmten Almanachs "Der Blaue Reiter" und Organisator von furiosen Ausstellungen unter dem gleichen Namen, seine Tierdarstellungen gehören zu den am meisten reproduzierten Werken der Kunstgeschichte: Franz Marc war einer der Hauptvertreter der Moderne in Deutschland. Doch sein Leben wurde zugleich von der Katastrophe des Krieges überschattet.
Die Melancholie war seine Grundstimmung von Jugend auf. Nur unentwegtes künstlerisches Schaffen hielt ihn im Gleichgewicht, doch war es stets von Selbstzweifeln begleitet: Seine
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Produktbeschreibung
Ein Künstlerleben in Zeiten der Katastrophe

Er war Mitherausgeber des berühmten Almanachs "Der Blaue Reiter" und Organisator von furiosen Ausstellungen unter dem gleichen Namen, seine Tierdarstellungen gehören zu den am meisten reproduzierten Werken der Kunstgeschichte: Franz Marc war einer der Hauptvertreter der Moderne in Deutschland. Doch sein Leben wurde zugleich von der Katastrophe des Krieges überschattet.

Die Melancholie war seine Grundstimmung von Jugend auf. Nur unentwegtes künstlerisches Schaffen hielt ihn im Gleichgewicht, doch war es stets von Selbstzweifeln begleitet: Seine besten Bilder, so Franz Marcs fester Glaube nur wenige Wochen vor seinem Tod, werde er mit vierzig oder fünfzig malen. Er starb 1916 im Alter von sechsunddreißig Jahren auf dem Schlachtfeld vor Verdun.

Basierend auf umfangreicher Forschung sowie einer Fülle von bislang nicht ausgewerteten Quellen erzählt Brigitte Roßbeck von den Träumen und dem Leben eines der bedeutendsten Maler des Expressionismus.
  • Produktdetails
  • Verlag: Siedler
  • Seitenzahl: 352
  • Erscheinungstermin: 17. Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 135mm x 23mm
  • Gewicht: 602g
  • ISBN-13: 9783886809820
  • ISBN-10: 388680982X
  • Artikelnr.: 41831017
Autorenporträt
Roßbeck, Brigitte
Brigitte Roßbeck ist Historikerin und freie Journalistin. Sie schreibt seit vielen Jahren Biographien, darunter "Zum Trotz glücklich. Caroline Schlegel-Schelling" (Siedler 2008). Zuletzt erschien "Marianne von Werefkin. Die Russin aus dem Kreis des Blauen Reiters" (Siedler 2010). Die Autorin ist Mitglied des Internationalen P.E.N.-Clubs.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Schöne Biografie des expressionistischen Malers, lobt Rezensentin Julia Voss. Sie staunt vor allem über die zahlreichen Liebesaffären, die Marc mit verheirateten und ledigen, kinderlosen und schwangeren Frauen hatte. Und das unter Kaiser Wilhelm! Effi Briest musste dafür noch bitter bezahlen. Die Informationen über all diese Affären hat Brigitte Roßbeck aus einem bisher unbekannten Dokument, einer Erinnerung Maria Marcs, der zweiten Frau des Künstlers, erfahren wir. Aber es geht nicht nur um Bettgeschichten. Roßbeck schildert natürlich auch, wie Marcs Bekanntschaft mit Kandinsky, Macke und Werefkin ihn zu dem Künstler machte, als der er heute berühmt ist. Und auch über seine Kriegsbegeisterung, die zu seinem frühen Tod mit 36 Jahren führte, wird man kundig informiert, verspricht die Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Eine mit vielen Detailkenntnissen imponierende, gut lesbare Lebensgeschichte des Künstlers.«
Besprechung von 09.05.2016
Malen, wie der Wald oder das Pferd selbst sich fühlen
Zum hundertsten Todestag in diesem Frühjahr sind endlich drei Biografien zu Franz Marc erschienen
Die starkfarbigen Tierbilder von Franz Marc haben immer schon zu den beliebtesten Postkartenmotiven der deutschen Kunst gezählt. Und kein deutscher Maler ist in ähnlich vielen üppigen Ausstellungskatalogen und stattlichen Monografien gewürdigt worden wie der Miterfinder des „Blauen Reiters“, dessen kunsthistorisch relevantes Werk in dem bestürzend kurzen Zeitraum von nicht einmal fünf Jahren entstanden ist. Trotzdem hat es offenbar eines runden Gedenkjahrs bedurft, dass neben den allseits beliebten späten Gemälden auch die biografischen Details dieses Künstlerlebens einer eingehenden Darstellung für würdig erachtet worden sind. Und so kann man als Rezensent vermelden, dass anlässlich des 100. Todestags von Franz Marc – der Maler wurde am 4. März 1916 in Frankreich von einer Granate tödlich getroffen – gleich drei Biografien in Deutschland erschienen sind. Die Kunstwelt hat also gründlich nachgeholt, was jahrzehntelang versäumt worden ist.
  Den Reigen eröffnete das in der Reihe „Kleine bayerische Biografien“ des Verlags Friedrich Pustet erschienene Taschenbuch „Franz Marc. Prophet der Moderne“, das von den beiden theologisch geschulten Autoren Stefan Fröhling und Markus Huck verfasst worden ist. Danach traten zwei deutlich stattlichere Publikationen gegeneinander an. Sie hätten die Rezensenten in lästige Abwägungsmanöver verstricken können, doch da sich die beiden Bücher in ihren Absichten glücklich unterscheiden, ja an manchen Punkten geschickt ergänzen, kann man die beiden Werke ohne diplomatische Vorsichtsmaßnahmen loben.
  Brigitte Roßbeck hat unter dem Titel „Franz Marc. Die Träume und das Leben“ eine mit vielen Detailkenntnissen imponierende, gut lesbare Lebensgeschichte des Künstlers verfasst. Die Autorin hat sich schon während der Arbeit an der Biografie der Malerin Marianne von Werefkin ausgiebige Kenntnisse des Künstlerkreises um den Blauen Reiter verschafft. Sie nutzt ihr aus den Quellen geschöpftes Spezialwissen, um die Lebensumstände der Figuren um Franz Marc möglichst lebendig darzustellen. An vielen Stellen lässt sie strategisch geschickt die Briefe sprechen, die zwischen den Personen hin- und herwechselten, und erzeugt so ein soziales Spannungsfeld, in dem die Individuen auf ihre ganz spezifische Weise Profil gewinnen.
  Vor allem das über viele Jahre sich hinschleppende, fatal unentschlossene Hin- und Herpendeln Marcs zwischen drei Frauen, die ihm auf ganz unterschiedliche Weise etwas bedeuteten, wird in den Jahren des intensiven geistigen Suchens zu einer alle Beteiligten behelligenden Dauerprüfung. In Roßbecks Buch ist das eindrucksvoll nachzuerleben.
  Aber auch über die Vorfahren Marcs, über seine Kindheit in München, über seine Bildungsreisen während der Studienzeit und über das Leben an den Orten, an denen er gearbeitet hat, erfährt man in Brigitte Roßbecks Buch manches, was andernorts unentdeckt geblieben ist und durch eingestreute Fotografien bestätigt wird. Die im farbigen Tafelteil in der Mitte des Buches abgebildeten Kunstwerke aber – es sind weitgehend die gleichen, die auch im konkurrierenden Buch als Beispiele dienen – gewinnen hier ihre historische Bedeutung aus dem dichten biografischen Netzwerk, das die Autorin um den Künstler geknüpft hat.
  Brigitte Roßbeck beschränkt sich als Biografin also darauf, die humanen Hintergründe möglichst umfassend darzulegen. Sie liefert das soziale Milieu, das den Künstler geprägt hat. Wilfried F. Schoeller aber hat das dokumentarische Material, auf das sich alle Biografen zwangsläufig beziehen, psychologisch behutsam analysiert, mit geistigen und geistlichen Zeitströmungen in Verbindung gebracht und so ein intellektuelles Profil des ewig suchenden Künstlers Franz Marc entwickelt, das von großer Überzeugungskraft ist und die zu Tode interpretierten Werke in frischem Licht erstrahlen lässt.
  Dass Schoeller dabei immer wieder mit den Methoden der Literaturwissenschaft arbeitet, macht seine interpretierenden Beschreibungen der im Buch abgebildeten Hauptwerke zu anregenden Leseerlebnissen. Auch wer sich sattgesehen hat an den endlos publizierten Pferden, Kühen und Rehen, wird sich bei der Lektüre dieses Buches von den Gemälden und Zeichnungen wieder fesseln lassen.
  Und so wie Roßbeck in den erhaltenen Briefen aus dem Freundes- und Kollegenkreis immer wieder Details gefunden hat, die das Zusammenleben in den wechselnden Gemeinschaften erhellend von der Seite beleuchten, so hat Schoeller in den schriftlichen Hinterlassenschaften Marcs immer wieder Sätze entdeckt, die mitten in seine Denkwerkstatt hineinführen, also etwas erkennen lassen von der intellektuellen Kraft dieses Künstlers und von seiner Fähigkeit, die eigenen bildnerischen
Überlegungen überzeugend in Worte zu fassen.
  In seinen Notizen von 1912/13 hat Marc folgenden Satz festgehalten: „Wir werden nicht mehr den Wald oder das Pferd malen, wie sie uns gefallen oder scheinen, sondern wie sie wirklich sind, wie sich der Wald oder das Pferd selbst fühlen, ihr absolutes Wesen, das hinter dem Schein lebt, den wir nur sehen.“ In Sätzen wie diesem deutet Marc an, wie er als Maler das gemeinsam mit Kandinsky formulierte hohe Ziel der Vergeistigung erreichen will: indem er sich immer entschiedener vom Naturabbild lossagt, immer freier denkt, immer abstrakter agiert. Marc nimmt hier in Worten also den Schritt in die Abstraktion vorweg, den er dann am Ende seines viel zu kurzen künstlerischen Lebenswegs als Maler real versucht hat. Und da Schoeller das Kunstdenken Marcs immer wieder mit den Ideen jener Avantgardekünstler verknüpft, die mit dem Blauen Reiter Kontakt hatten, weitet sich seine Biografie zu einem Resümee der Geistesbewegungen vor dem Ausbruch des Weltkriegs.
  Am schönsten bewährt sich Schoellers literarisch beschwingte Menschenschilderung aber bei der Begegnung Marcs mit der Berliner Dichterin Else Lasker-Schüler. Diese märchenhaft zeitenthobene Episode im Leben zweier bedeutender deutscher Künstler wird hier zum intimen geistigen Abenteuer. Selten dürften die witzigen Worte und die frei fantasierenden Zeichnungen, mit denen der literarisch empfängliche Maler auf die poetisch-mythischen Weltverdrehungen der im Reich der Poesie regierenden Hoheit von Theben reagiert hat, farbiger und lebendiger geschildert worden sein als in Schoellers genüsslicher Zusammenfassung.
GOTTFRIED KNAPP
            
Wilfried F. Schoeller: Franz Marc. Carl Hanser Verlag, München 2016. 400 Seiten, 26 Euro.
Brigitte Roßbeck: Franz Marc. Die Träume und das Leben. Siedler Verlag, München 2015. 352 Seiten, 24,99 Euro. E-Book 19,99 Euro.
Stefan Fröhling, Markus Hock: Franz Marc. Prophet der Moderne. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2015, 166 Seiten, 14,95 Euro. E-Book 19,99 Euro.
Eine märchenhaft zeitenthobene
Episode – die Begegnung mit der
Dichterin Else Lasker-Schüler
Foto: Gabriele Münter- u. Johannes Eichner-Stiftung
Foto: Gabriele Münter- u. Johannes Eichner-Stiftung
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