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Ada und Alev, zwei Schüler eines Bonner Gymnasiums, wagen sich an ein intellektuelles Kräftemessen. Sie wählen sich einen beliebigen Lehrer aus und verstricken ihn systematisch in eine ausgeklügelte Erpressung. Schließlich sprengen sie alle Grenzen der Moral, lassen jedes menschliche Mitgefühl außer Acht. Der Erpresste weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen: Das perfide Spiel endet in einer Gewaltorgie. Eine Geschichte über Unmoral und ihre Folgen.…mehr

Produktbeschreibung
Ada und Alev, zwei Schüler eines Bonner Gymnasiums, wagen sich an ein intellektuelles Kräftemessen. Sie wählen sich einen beliebigen Lehrer aus und verstricken ihn systematisch in eine ausgeklügelte Erpressung. Schließlich sprengen sie alle Grenzen der Moral, lassen jedes menschliche Mitgefühl außer Acht. Der Erpresste weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen: Das perfide Spiel endet in einer Gewaltorgie. Eine Geschichte über Unmoral und ihre Folgen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Der Audio Verlag, Dav
  • Gesamtlaufzeit: 297 Min.
  • Erscheinungstermin: September 2005
  • ISBN-13: 9783898134484
  • Artikelnr.: 14441068
Autorenporträt
Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren und lebt in Leipzig. Sie schloss ihr Jurastudium 1998 mit dem besten Examen Sachsens ab und arbeitete anschließend bei der UNO in New York und in Krakau. Für ihr erzählerisches Debüt »Adler und Engel« (2001) wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis und dem Bremer Literaturpreis. Kritiker zählten das Buch zu »dem Schönsten und Wildesten, was in den letzten Jahren an deutscher Prosa erschienen ist« (»Weltwoche«). In weiteren Büchern hat sie sich intensiv mit den Gesellschaften Ostmitteleuropas auseinandergesetzt, so in der Reportage »Die Stille ist ein Geräusch« (2002) und zuletzt in dem von ihr herausgegebenen Sammelband »Ein Hund läuft durch die Republik. Geschichten aus Bosnien« (2004). Auch in »Spieltrieb«, ihrem zweiten Roman, ist in der Beschreibung des polnischen Lehrers Smutek eine besondere Sensibilität für die schwierige deutsch-polnische Geschichte zu spüren. Juli Zeh übernahm neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit auch Lehraufträge, so war sie u.a. 2001-02 Tutorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und von 2005-07 Gastdozentin am deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Neben den bekannten Romanen sind von Juli Zeh zahlreiche Essays und Artikel in Zeitungen und Zeitschriften (die ZEIT, SPIEGEL, STERN, MERIAN, DU, Die Welt, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung u.a.) erschienen. 2009 wurde sie mit dem Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 11.10.2004
Das Ende der Philosophie
Amor fati: Juli Zeh liest aus ihrem Roman "Spieltrieb"

Ja, Klaus Schöffling darf es sagen. Juli Zeh hat nichts dagegen, daß ihr Verleger von "Liebe auf den ersten Blick" spricht. Das Kompliment, es bezieht sich ja nur auf ihre Texte, entlockt ihr sogar ein kokettes Lächeln, und schon steht sie in ihrem schwarz-weißen Ringelpulli da, mit einem dicken Buch in der Hand. Nein, es ist nicht die Bibel, sondern ihr neuer, annähernd 600 Seiten umfassender Roman "Spieltrieb". Und, so warnt sie die Gäste in der Evangelischen Stadtakademie vorab, sie habe Stellen ausgesucht, die "alles andere als christlich" sind.

Dann legt sie los, die hochintelligente Dreißigjährige, die über Jura, Philosophie und Spieltheorie so viel mehr weiß als die meisten Hochbetagten. Die Denkerin ohne Allüren unter den Hoffnungen der deutschen Gegenwartsliteratur liest klar, in einem fast modulationslosen Fluß und manchmal etwas schnell. In einem lapidaren Duktus erzählt sie von den Gymnasiasten Ada und Alev, den "Urenkeln des Nihilismus", die nach der "Sprache des ewigen Eises" suchen und die perfide Erpressung eines Lehrers planen. "Die Nihilisten glaubten immerhin, daß es etwas gebe, an das sie nicht glauben konnten", läßt sie Alev sagen - seine Nacheiferer hat es schlimmer erwischt. Sie bekommen die Werte, die sie verachten könnten, überhaupt nicht mehr zu greifen.

Die Autorin schildert die Defloration Adas, die sich von vornherein nicht die Illusion macht, dadurch eine schöne neue Welt zu betreten. Es hat stattzufinden, mit Alevs Hilfe zwar, aber wegen dessen Impotenz vor allem mit der Unterstützung durch einige Hilfsmittel. Es muß geschehen, weil Ada nicht als Jungfrau mit Smutek schlafen will, um ihn später zu kompromittieren. Zeh hat sich außerdem noch für eine kurz darauf folgende Passage entschieden, in der der "intelligente und sympathische" Geschichtslehrer Höfi in den Tod springt. "Euch bleibt nur eins: Amor fati, die Liebe zu allem, was ist", gibt er seinen Schülern noch mit auf den Weg. Ada und Alev besiegeln ihren Pakt dennoch, mit einem geschwisterlich trockenen Kuß. Bis hierhin vielen Dank.

Fragen vom Publikum: Nein, den Namen Ada hat sie nicht in Anlehnung an die Mathematikerin Ada Lovelace oder die nach ihr benannte Programmiersprache gewählt, sondern wegen Nabokovs Figur, die sie sehr beeindruckt hat. Ja, wie Nietzsche hält sie Amor fati für den einzigen Ausweg in einer Welt, die das Individuum an nichts mehr glauben läßt. Daß Juli Zeh kluge, tiefe Romane scheinbar aus dem Ärmel schüttelt, als ob es nichts wäre, ist schon beeindruckend genug. Regelrecht frappierend ist es jedoch, wie sie, mit gekreuzten Füßen und an einem Mineralwasserfläschchen schraubend, glasklar und unprätentiös existentielle Fragen seziert. Die Schriftstellergeneration vor ihr hätte so einen Steilpaß zum Sinnieren nicht ohne minutenlanges Dribbling versenkt, auch wenn die Zuhörer nach Kaltgetränken dürsteten.

Vor dem Umtrunk bekommen die neben einer Signatur noch einige freundliche Worte mit auf den Weg. Übrigens komponiert Zeh ihre Romane nicht analytisch bis ins letzte Detail durch. Die Musil-Verehrerin schreibt eher munter drauflos. Und ihre Auseinandersetzung mit dem Nihilismus sieht sie keineswegs als intellektuelle Spielerei, sondern wähnt die Gesellschaft in einer Umbruchphase wie im Fin de siècle - Zukunft ungewiß. "Wir haben das Ende der Religion überlebt, wir werden auch das Ende der Philosophie überleben", glaubt ihre Figur Höfi.

WERNER KURZLECHNER

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

In Juli Zehs neuem Roman "Spieltrieb" geht es um das Überschreiten von Grenzen und das Vertrauen auf die Macht der eigenen Vernunft, so das Fazit von Anne Kraume. Was soll man aber auch tun, wenn es nichts mehr gibt außer der eigenen Vernunft, an das man sich halten könnte? Angesiedelt ist die Handlung in einem klischeehaften Milieu: Bonner Villengegend, Privatgymnasium, zwei wohl noch jugendliche, aber schon ausgesprochen unabhängige Geister, allgegenwärtiger Ennui und grassierende Wohlhabendheit, die sich zusammenschließen zu einem state of mind jenseits des Nihilismus. Wie zum Spaß beschließen Ada und Alev also, einen Lehrer in die sexuelle Falle zu locken. Das gelingt. Und es gefällt der Rezensentin. Der Vorwurf, den Kraume allenfalls glaubt, Zeh machen zu können, ist der der Konstruiertheit. Aber finden wir nicht manchmal Gefallen gerade an den konstruierten Plots? Wenn sie nur intelligent genug konstruiert sind? So die Argumentation Kraumes, die in die Feststellung mündet, dass Zeh den Klischees, mit denen sie spielt, nicht in die Falle geht - weil sie dafür schlicht und einfach zu intelligent vorgeht.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Bewundernswert." Ulrich Greiner, Die Zeit