The Beatles Anthology - The Beatles
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Unzähliges ist über die Beatles geschrieben worden, hier kommen die Beatles selber zu Wort. Von der Kindheit der einzelnen Bandmitglieder, zu ihren ersten Erfolgen in Hamburg und der darauf folgenden Weltkarriere. Hier geht es nicht darum, was über die Beatles gesagt wurde, sondern was sie selber über sich sagen und gesagt haben, wie sie die Zeit gelebt und erlebt haben. Unverzichtbar für jeden Fan der Pilzköpfe, Zeitzeugnis und Musikgeschichte in einem.…mehr

Produktbeschreibung
Unzähliges ist über die Beatles geschrieben worden, hier kommen die Beatles selber zu Wort. Von der Kindheit der einzelnen Bandmitglieder, zu ihren ersten Erfolgen in Hamburg und der darauf folgenden Weltkarriere. Hier geht es nicht darum, was über die Beatles gesagt wurde, sondern was sie selber über sich sagen und gesagt haben, wie sie die Zeit gelebt und erlebt haben. Unverzichtbar für jeden Fan der Pilzköpfe, Zeitzeugnis und Musikgeschichte in einem.
  • Produktdetails
  • Verlag: Chronicle Books
  • Seitenzahl: 368
  • Erscheinungstermin: 1. April 1996
  • Englisch
  • Abmessung: 345mm x 255mm x 36mm
  • Gewicht: 2500g
  • ISBN-13: 9780811836364
  • ISBN-10: 0811836363
  • Artikelnr.: 21761019
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.11.2000

Und wann fängt die Musik an?
Halbmeter mit Goldschnitt: Ich habe Platten, ich habe Phantasie, wozu brauche ich die Anthologie? / Von Andreas Obst

Der Rock kennt keine Wahrheit, er besteht aus lauter Wahrheiten. Sie gehören den Künstlern und ihrem Publikum und den Schallplattenfirmen, den Presseagenten und Konzertveranstaltern. Sie gehören dir und mir. Hier, dort und überall. Wie in keiner anderen Kunstform gehen im Rock Wirklichkeit und Wahn, seliges Hinüberdämmern, tiefe Träume und jähes Erwachen in eins, und eigentlich will niemand alles wirklich wissen. Oder etwa doch? Was könnte enzyklopädische Kenntnis dieser Disziplin nutzen? Man könnte in Quizsendungen auftreten, sich bestaunen lassen - The Rock Brain. Doch letztlich würde man nicht mehr als ein trauriges Lächeln ernten. Die Welt braucht den Rock nicht. Das weiß man spätestens, seit sich die Beatles trennten. Und die Welt benötigt auch niemanden, der alles weiß.

Als Paul McCartney am 10. April 1970 das Ende der Band bekanntgab, schien der Welt tatsächlich für einen Augenblick der Atem zu stocken. Es war ein Schock der Erkenntnis, wie er in den unruhigen Sechzigern, gewiß nicht zufällig das Jahrzehnt der Beatles, auf die Nachrichten der großen politischen Gewalttaten folgte: den Attentaten auf die Kennedys, den Schüssen auf Martin Luther King. Auch an diesem 10. April 1970 hatte man die Gewißheit, unmittelbarer Zeuge zu sein, wie etwas unwiderruflich zu Ende ging.

Vielleicht benötigt man tatsächlich den Abstand der Jahrzehnte, um "historisch" zurückschauen zu können. Denn die Gegenwart des Rock ist immer auch im künstlichen Bühnennebel, das Unmittelbare verstellt oft den Blick. Die Zahl der Jahre, die vergangen ist, scheint beim Blick zurück gar nicht entscheidend. Es geht vielmehr um die Perspektive. Ist es Sentimentalität, Wehmut, Melancholie? Hilfloser Zorn über verpaßte Gelegenheiten, Wege, die man nicht genommen hat? Oder ganz einfach die Erkenntnis, die Fähigkeit zur Erinnerung zeige nicht zuletzt auch, wie alt man selbst geworden ist?

Die aufregendsten Passagen des Buches "Anthology" hätten jene sein können, die vom Ende der Beatles handeln. Endlich die Wahrheit. Alles lesen, um hinterher alles zu wissen. Das Thema "Trennung" nimmt im Buch der Bücher über die fab four immerhin sechs Seiten ein. Es gibt nicht viele Aspekte ihrer Karriere - die Schlagworte stehen jeweils auf der Unterkante der Seiten -, die umfassender dargestellt wären. Und dennoch: Letzte Klarheit gibt es nicht. George sagt: "Ich kann mich nicht erinnern, daß John gesagt hätte, er wolle die Beatles auflösen." John spricht: "Ich habe die Band gegründet. Und ich habe sie aufgelöst. So einfach ist das." Ringo resümiert: "Nachdem wir endgültig beschlossen hatten, uns zu trennen, fühlte ich mich erleichtert . . . Ich bin, glaube ich, einfach nach Hause spaziert. Was danach passiert ist, weiß ich nicht mehr." Paul blickt zurück: "Ich blieb im Bett, rasierte mich kaum noch und trank ziemlich viel." Will, muß man das wirklich wissen?

Es ist nur ein Anfang. Der Anfang vom Ende. Eine Handvoll Sätze aus dem Kapitel "Trennung". Nicht einmal der hundertste Teil der Erinnerungen der Beatles zu diesem Thema. Es wird so erschöpfend behandelt, daß es den Leser erschöpft. Man legt das Buch immer wieder aus der Hand und weiß noch viel mehr von allem, was man eigentlich gar nicht wissen wollte. Doch nun ist es da. Geschrieben, gedruckt, gekauft. Man muß künftig damit rechnen.

Die Geschichte nach der Trennung der Beatles wäre der interessantere Teil. Jedenfalls ist es der größere. Doch er kommt hier gar nicht vor. Alles in allem nur acht Jahre währte die Karriere der Band, nimmt man das erste Konzert von Ringo Starr mit den anderen drei für den eigentlichen Beginn - am 18. August 1962 im Liverpooler Cavern Club. Rockhistoriographen haben ein Faible für Daten, sie belegen Wahrheiten. Es sind womöglich die einzigen im Rock.

Vielleicht gerade deshalb findet man so wenige Daten in dem Buch "Anthology", das den Anspruch erhebt, nach dreißig Jahren die Wahrheit über die Beatles zu erzählen. Die ganze Wahrheit, nichts sonst. Was haben sich die vier in der Vergangenheit über andere ärgern müssen, die sich ihre Geschichte zu eigen machten. Natürlich haben sie alles nicht richtig erzählt. Sie haben dies weggelassen und das, den einen der vier bevorzugt, die anderen benachteiligt.

So werden es sich die überlebenden drei womöglich gedacht haben, und vielleicht dachten sie dabei sogar hin und wieder an John Lennon, der in den Urlaub abgereist war. Diese eher schlitzohrige als originelle Prämisse stand vor der ersten Stufe des Mammutunternehmens unter dem Endzeittitel "Anthology"; es hielt McCartney, Harrison und Starr die zweite Hälfte der neunziger Jahre über beschäftigt. Es gab viel zu tun: alte Bänder abhören, Fotos aussuchen, Erinnerungen hervorkramen. In allen drei Kategorien brachten sie Außerordentliches zustande. Was die Beatles alles wissen - und alles nicht vergessen haben! Man beneidet sie um ihr doch eher umfassendes als anthologisches Gedächtnis.

Und um ihre Phantasie. Lennon, im Dezember 1980 von einem Fan erschossen, sei also in Urlaub gefahren. Den anderen habe er ein paar akustische Liederskizzen hinterlassen mit der Bitte, daraus richtige Beatles-Songs zu machen. So jedenfalls hat es sich Paul McCartney vorgestellt, ohne Zweifel die stärkste Kraft des "Anthology"-Unternehmens. Und so haben sich die drei über das Fragment eines Lennon-Songs hergemacht, von ihm selbst Ende der siebziger Jahre aufgenommen, daheim mit dem Kassettenrekorder. Ein paar herbe, stolpernde Klavierakkorde, seine nicht ganz intonationssichere Stimme und Verse, die mit einfachen Worten die schönen Dinge des Lebens preisen. Wie es wirklich ist mit der Liebe und der Freundschaft.

Lennons Witwe Yoko Ono hatte den anderen die Aufnahme geschenkt - und andere Tonbruchstücke dazu. Zwei davon haben sie "beatlesk" aufbereitet, mit Pauls Harmoniegesang, Georges Gitarrensoli und Ringos wummerndem Trommeln - als wären's Songs geradewegs aus den späten Sechzigern. Vielleicht haben sie tatsächlich an die eigene Vorgabe geglaubt, Vergangenheit zurückholen zu können, mit zwei Songs ein Vierteljahrhundert zu überspringen, stärker zu sein sogar als der Tod. Sie sind kläglich gescheitert, es mußte so sein. "Free As A Bird" und "Real Love", die virtuellen Beatles-Wiedervereinigungen, zeigten die glorreichen Vier als Menschen fast wie du und ich. Sentimental und geldgierig. Denn wozu sonst hätte das Unternehmen "Anthology" taugen sollen? Musikalisch boten die drei Doppel-CDs, die 1995/96 veröffentlicht wurden, keine neuen Erkenntnisse. Man hat nichts überhört - all die Jahre über. Die Aufnahmen waren aber auch nicht so entlarvend, daß man sich nach der Begegnung das Beatles-OEuvre ganz neu erschließen müßte. Ihre großen Songs bleiben groß für alle Zeit.

Was die übrigen fast hundertfünfzig takes anging - Demoaufnahmen, Studioschnipsel, Frühformen der späteren Meisterwerke -, so waren es bei aller ausgestellten Unpoliertheit des work in progress doch eher kokette Spielereien mit der Erinnerung auch an schwächere Stunden der Genies. Die scheinbare Verkleinerung freilich, das war das eigentlich Raffinierte der Edition, ließ die Musiker in der Rückschau sogar noch größer erscheinen. Indem sie nachträglich zeigten, wie hart sie im Studio gearbeitet hatten, leuchten die fertigen Produktionen um so heller. Sie leuchten bis heute. Gestern erst ist eine neue Kopplung ihrer Musik erschienen. Auf dem blutroten Cover steht nur "The Beatles" und die Zahl Eins. Es handelt sich um siebenundzwanzig Aufnahmen, die in England und Amerika die Hitparaden anführten - von "Love Me Do" bis "The Long and Winding Road".

Der glänzende Ewigkeitseindruck wurde sogar noch verstärkt durch die acht abendfüllende Kassetten umfassende Videoedition "Anthology", parallel zur Musikproduktion entstanden. Sie zeigt die Beatles damals und die Überlebenden und einige Weggefährten heute: in ihren jeweiligen Wirklichkeiten. Am Schluß der umgekehrten Evolutionskette steht nun das Buch "Anthology". Im Kern stützt es sich auf Transkriptionen der Interviews für die Videos. Der große Rest ist Überfülle: Fotos, die man noch nicht sah, aber man kennt viele, die sich von den hier erstmals gezeigten kaum unterscheiden; Sätze, die man von den Beatles noch nicht gehört hat, auch wenn man ihre Geschichte längst auswendig kennt. Es ist kein Buch, das man von der ersten bis zur letzten Seite studieren müßte. Man schlägt es irgendwo auf, beginnt zu lesen, blättert, bleibt an einem weiteren Satz hängen. Manche Sätze würde man sich merken wollen, aber das ist ja nun nicht mehr nötig: Man könnte sie jederzeit nachlesen - würde man sie wiederfinden.

Es ist also nicht so, als würde das Buchschwergewicht "Anthology" wirklich Neues bieten. Rhizomatisch scheinen die Karrierestationen auf, sie werden von den Erinnerungen hin und her gewendet, in angenommener Gleichzeitigkeit der überlebenden drei, im Rückgriff von John Lennon. Denn auch der Ermordete kommt zu Wort, seine Sätze zur jeweiligen Lage der Band entnahm man früheren Interviews. Vielleicht fehlt ihnen deshalb das allzu Abgeklärte des Rückblicks, das Jungmännerbündlerische, das bei den anderen immer wieder durchklingt. Auch Zeugen aus dem näheren Umfeld dürfen sich erinnern: Neil Aspinall, ihr Tourneemanager, Derek Taylor, der vor drei Jahren verstorbene Pressesprecher, und natürlich George Martin, ihr längst legendärer Produzent, der fünfte Beatle. Nur die Freundinnen und Frauen der Musiker dürfen nicht sprechen. Seltsam eigentlich. Oder wäre das schon wieder eine neue Quizfrage: Was haben Rock und Fußball gemein?

Es ist nicht das Buch geworden, das man erwartet hätte - wenn man überhaupt noch Erwartungen gehabt hätte an die Beatles nach all den Jahren. Es ist nicht die endgültige Wahrheit über die Band, sondern ein Wahrheitspuzzle, so wahr, wie die vier eben wahrhaftig sein wollten. Vielleicht ist es authentischer als die autorisierten und nicht autorisierten Biographien, die vorher waren. Insofern ist "Anthology" auch ein Geschenk - purer Luxus, der um seinen Wert freilich weiß. Ein Buch, das man nicht braucht, aber gerne besitzt, um ein wenig darin zu blättern. Ja ja, so war es wohl. Vielleicht.

Für die überlebenden drei und Yoko Ono, die in den letzten Jahren recht freigebig geworden ist mit übersehenen und überhörten Genieblitzen ihres Mannes, ist das Buch, die dritte, in jeder Hinsicht gewichtigste "Anthology"-Säule, nicht zuletzt eine weitere Lizenz zum Gelddrucken. Zwanzig Millionen Exemplare sollen weltweit losgeschlagen werden, die Rechnung scheint aufzugehen. Die deutsche Erstauflage - hunderttausend Stück - war schon durch Vorbestellungen ausverkauft.

Am 26. September 1969 brachten die Beatles "Abbey Road" heraus. Auch wenn acht Monate später noch "Let It Be" erschien als eine Art wehmütiges Echo nach dem öffentlich gemachten Ende der Band - "Abbey Road" war der eigentliche Abschied, das musikalische Vermächtnis. Die Platte endet mit einem fulminanten Medley, das in eine Passage aus Weisheit und Wehmut mündet. Der Text von "The End" besteht aus einem einzigen Satz: "And in the end / the love you take / is equal to the love / you make." Nach "Anthology", dem Buch zum Film zur Musik, ist man den Beatles keine Liebe mehr schuldig.

The Beatles: "Anthology". Ullstein Verlag, München 2000. Aus dem Englischen von Giovanni Bandini, Marcel Bieger, Katharina Gerhardt, Cäcilie Plieninger, Barbara Röhl, Heike Schlatterer, Regina Schneider, Reinhard Tiffert, Inge Wehrmann, Gaby Wurster und Henriette Zeltner. 368 S., Abb., geb., 128,- DM.

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