Schmerz (eBook, ePUB) - Shalev, Zeruya
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  • Format: ePub

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Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Terroranschlag schwer verletzt worden. Zwar ist sie in ihr altes Leben zurückgekehrt, sie leitet eine Schule, ihr Mann steht ihr treu zur Seite, die Kinder sind fast erwachsen, doch quälen sie Tag für Tag Schmerzen. Als sie Eitan wiederbegegnet, der Liebe ihrer Jugend, der sie vor Jahren jäh verlassen hat, wirft sie das völlig aus der Bahn. Die Wunde, die er ihr damals zufügte, ist nicht weniger tief als die, die der Selbstmordattentäter, der sich neben ihr in die Luft sprengte, riss. Und doch fühlt sich Iris, zaghaft, überrascht, erneut zu ihm hingezogen,…mehr

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  • Größe: 0.97MB
Produktbeschreibung
Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Terroranschlag schwer verletzt worden. Zwar ist sie in ihr altes Leben zurückgekehrt, sie leitet eine Schule, ihr Mann steht ihr treu zur Seite, die Kinder sind fast erwachsen, doch quälen sie Tag für Tag Schmerzen. Als sie Eitan wiederbegegnet, der Liebe ihrer Jugend, der sie vor Jahren jäh verlassen hat, wirft sie das völlig aus der Bahn. Die Wunde, die er ihr damals zufügte, ist nicht weniger tief als die, die der Selbstmordattentäter, der sich neben ihr in die Luft sprengte, riss. Und doch fühlt sich Iris, zaghaft, überrascht, erneut zu ihm hingezogen, ist versucht, ihrer Ehe zu entfliehen, die ersten Lügen zu stricken, alles aufs Spiel zu setzen. Wie in ihrem Weltbestseller »Liebesleben« lotet Zeruya Shalev die Untiefen der Liebe, die Fährnisse einer fatalen Anziehung aus. Die erotische Spannung, die Wucht der unerwartet wieder aufflammenden Leidenschaft sind kompromisslos, ehrlich und tief bewegend erzählt. »Schmerz« ist Zeruya Shalevs persönlichstes Buch, eine emotionale Grenzerfahrung, ein Roman, der bis zur letzten Seite fesselt.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Seitenzahl: 384
  • Erscheinungstermin: 14.09.2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783827078476
  • Artikelnr.: 42776255
Autorenporträt
Shalev, Zeruya
Zeruya Shalev, 1959 in einem Kibbuz am See Genezareth geboren, studierte Bibelwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Jerusalem. Ihre vielfach ausgezeichnete Trilogie über die moderne Liebe - «Liebesleben», «Mann und Frau», «Späte Familie» - wurde in über zwanzig Sprachen übertragen. Zeruya Shalev gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit.

Pressler, Mirjam
Mirjam Pressler, 1940 in Darmstadt geboren, war eine der beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Deutschlands. Als Übersetzerin hat sie unter anderem Zeruya Shalev, Sayed Kashua und Aharon Appelfeld ins Deutsche übertragen. 2004 erhielt sie den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk. Mirjam Pressler starb im Januar 2019 in Landshut.
Rezensionen
"Ein Lob an die Übersetzerin Mirjam Pressler, die in immer neuen Wortfindungen den Tönen nachspürt.", Evangelische Zeitung, Thomas Maess, 27.03.2016
Besprechung von 14.10.2015
Charakterfehler lösen sich nicht einfach in Luft auf
In ihrem neuen Roman "Schmerz" untersucht Zeruya Shalev sämtliche Spielarten dieser universalen Empfindung - unheikel ist das nicht

Eine ganze Weile lang sitzt man dem seltsam ernüchternden Gedanken auf, Zeruya Shalev, die seit ihrer bestsellenden Trilogie "Liebesleben", "Mann und Frau" und "Späte Familie" als Expertin für kosmopolitisch-weibliche Seelenabgründe gilt, sei sentimental geworden. Aufs Neue erzählt sie die in Israel angesiedelte Geschichte einer Ehe. Sie schildert die solide Beziehung zwischen dem irakischstämmigen Juden Micki und seiner Frau Iris, die, wie die Autorin selbst, zehn Jahre vor der Romanhandlung von der Bombe eines Selbstmordattentäters zerfetzt wurde und seither Schmerzpatientin ist.

Micki und Iris haben zwei Kinder, einen schulpflichtigen Jungen und ein erwachsenes Mädchen, das inzwischen den Militärdienst hinter sich hat und in Tel Aviv ein eigenes Leben beginnt. Iris ist im neuen Roman von Zeruya Shalev kein fragiles Frauenzimmer, das Orientierung in sadistischen Beziehungen sucht ("Liebesleben"). Sie ist eine gestandene Schulleiterin, die voller Idealismus für die Aussöhnung von Arabern und Juden kämpft und durch pädagogische Programme ("Der andere bin ich!") mit gutem Beispiel vorangeht. Was es zu ihrer Ehe zu sagen gibt, ist nach wenigen Seiten klar. Um die große Liebe scheint es sich nie gehandelt zu haben, denn da hat es einst einen Jungen namens Eitan gegeben, den liebte Iris, als sie siebzehn war. Nachdem Eitan allerdings seine brustkrebskranke Mutter beerdigt hatte, verließ er seine Freundin mit der Begründung, er müsse sich von der schmerzhaften Vergangenheit befreien.

"Schmerz" heißt der neue Roman von Zeruya Shalev, und darin werden alle Spielarten dieser universalen Empfindung durchgenommen - ohne Larmoyanz, vielmehr geht es in diesem Buch um das Erzählbarmachen jener Normalversehrungen, die das Leben uns früher oder später antut. Da ist zum einen der Initialschmerz einer frühen Seelenverletzung im Leben von Iris. Der Allerliebste hinterlässt mit seinem Verschwinden eine Lücke, die weder ein erfülltes Berufsleben noch eine halbwegs funktionierende Ehe schließen können. Als zehn Jahre nach ihrem Unfall der alte körperliche Schmerz aufs Neue auftritt, beschließt Iris, einen Palliativmediziner aufzusuchen. Und dort dann traut sie ihren Augen nicht. Der behandelnde Arzt, inzwischen ein Mittvierziger mit Vollbart, der seinen Namen von Rosenfeld auf Rosen eingekürzt hat, entpuppt sich als jener Lebensschmerz auslösende Eitan.

Natürlich erkennen sich die beiden, und sofort züngelt die Flamme der alten Liebe wieder auf. Und genau an dieser Stelle, etwa nach einem Viertel des Buchs, hat man keine Lust, sich nun seitenweise die Abwägungen einer Mutter in den besten Jahren anzutun. Soll sie ihren Mann verlassen, nur weil er inzwischen einen dicken, haarigen Bauch bekommen hat und ihr im Grunde sowieso nie genügte? Andererseits handelt es sich bei Micki ganz offensichtlich um eine treue Seele. Gelegentlich will er Sex, während sie sich vor Schmerzen kaum auf den Beinen halten kann. Man versteht, dass da nicht immer mit Fingerspitzengefühl gehandelt wird. Die Lösung heißt also Eitan, der, und das muss man der Autorin zugutehalten, allerdings auch nicht in Pastelltönen gezeichnet ist. Zwar soll es sich um Liebe handeln. Besonders scheint sich Eitan aber auch Jahrzehnte nach seiner verheerenden Fahnenflucht nicht für Iris' Leben zu interessieren. Bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch schiebt er ihr unter Vortäuschung eines Kusses ein blutiges Stück Steak in den Mund. Wer tut einer Vegetarierin so etwas an? Gerade, weil Zeruya Shalev ihren Lesern eine kitschige Wiedervereinigung erspart, bekommt das Buch auf einmal einen Drive, den man ihm auf den ersten hundert Seiten gar nicht zugetraut hatte. Denn nun kommen ein paar neue Handlungsherde ins Spiel.

Iris' Tochter ist drauf und dran, in Tel Aviv einem Psycho-Quacksalber auf den Leim zu gehen, der sie zu einer despotischen Form von "innerer Arbeit" zwingt, die beinhaltet, sich von der eigenen Familie loszusagen. Die neue Konfliktlage also: Alte Liebe rostet nicht, einerseits; die eigene Tochter an eine Sekte verloren, andererseits. Die Fragilität des auf tönernen Füßen stehenden Konstrukts Familie scheint hiermit besiegelt. Und auf einmal entwickelt die Schmerzpatientin Iris ungeahnte Kräfte. Am erstaunlichsten: Sie widersteht dem Liebhaber. Wie Shalev hier die Kurve bekommt und ihren Lesern eben gerade keine Geschichte einer zerstörerischen Passion auftischt, sondern vielmehr eine von verpassten Chancen und Charakterfehlern, die sich, daran lässt die Autorin keinen Zweifel, auch nach einem Vierteljahrhundert nicht in Luft auflösen. Natürlich hat es eine wunderbare Ironie, dass Shalev ausgerechnet den Mann, von dem der Urschmerz ausgeht, zu ihrem Schmerztherapeuten macht. Am Ende wird Iris es aber selbst sein, die sich von ihrer Pein befreit. Denn sie hat eine Mission, die sie vorerst in ein anderes Gefühlsregister verfrachtet: nicht in das der schmachtenden Liebe zu einem Mann, sondern in das der tätigen Liebe zu einem Kind. "Wenn sie jetzt aus dem Auto steigt und ihn sieht, etwas, was sie unbedingt will, wenn sie ihr Leben in diese Richtung lenkt, hat sie nicht das Recht, von ihrer Tochter zu erwarten, dass sie die Richtung ändert. Das ist keine schwarze Magie, das ist Erziehung."

Der Roman, übersetzt von der preisgekrönten Mirjam Pressler, ist leider nicht ganz frei von Stilblüten. Man hängt sich allerdings auch nicht besonders lang daran auf. Denn ausgleichend subtil verfährt Zeruya Shalev, wenn sie die Mechanismen einer Ehe schildert, wenn sie etwa den Beginn einer Argwohn säenden Lügenspirale andeutet. Auch bleibt immer offen, ob der etwas träge Ehemann aus Ignoranz oder aus Weisheit handelt, wenn er im entscheidenden Moment seinem Verdacht nicht nachgeht: "Micki kommt auf sie zu, schwerfällig, wie ein Mondsüchtiger, er lächelt ihr auf dem Weg zur Kaffeekanne zu und stellt keine einzige Frage, vielleicht ist es kein Lächeln, sondern das freundliche Nicken des Erkennens, als würde er eine Nachbarin an der Mülltonne treffen."

Dass eine Ehe eben nicht nur von Passionen lebt, wirkt bei Zeruya Shalev gar nicht abgeschmackt, sondern irgendwie tröstlich. Und weil die Autorin Bibelwissenschaftlerin ist, kann man den an verschiedenen Stellen des Buchs auftauchenden Bezug zur Josefsgeschichte gut mit dem genealogischen Prinzip ihrer Erzählung verknüpfen. Denn nicht nur geht es ihr darum, zu zeigen, wie Menschen sich nach langer Zeit wiedererkennen, sondern auch, dass sich auf Abwege geratene Familienmitglieder wiederfinden können.

KATHARINA TEUTSCH

Zeruya Shalev: "Schmerz". Roman.

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Berlin Verlag, Berlin 2015. 381 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 13.10.2015
Die zweite Haut
Zeruya Shalevs bester Roman: „Schmerz“
Zehn Jahre ist es her, dass Iris, die Heldin des neuen Romans von Zeruya Shalev, bei einem Bombenattentat in Jerusalem schwer verletzt wurde. Die Wunden sind verheilt, die komplizierten Brüche zusammengewachsen, die grauenhaften Bilder und Schreie irgendwo im Gedächtnis vergraben. Doch ein Wort ihres Mannes genügt, und plötzlich ist alles wieder da und schleudert sie zurück in das Jahr der Operationen, der Hilflosigkeit und des Leidens, in dem sie noch keine erfolgreiche Schuldirektorin war, sondern einfach nur eine „Frau mit Schmerzen“, die sich vor den eigenen Kindern schämt.
  Wie tektonische Platten, die sich ineinanderschieben, schichtet der Roman das Leben der Heldin um. Die Vergangenheit wird nicht erinnert, sie ist lodernd präsent. Sie brennt wie der Bus, der ausgerechnet in dem Moment explodiert, als sie ihn überholt, sie brennt wie der Schmerz, der folgt, und wie das Verlangen, das sie als Siebzehnjährige für einen jungen Mann empfindet, der ihre große Liebe bleibt. Ausgerechnet er begegnet ihr nun wieder, fast dreißig Jahre später, als Chefarzt der Schmerzambulanz, bei der sie Hilfe sucht. Damals hat sie mit ihm gemeinsam seine sterbende Mutter umsorgt. Nach deren Tod trennte er sich von ihr. Er wollte ein neues Leben beginnen, ohne ständig an seine Trauer erinnert zu werden. Sie aber versank in ihrem Liebesschmerz, so haltlos, dass ihre Mutter um ihr Leben bangte.
  Nach ihrem letzten Roman, „Der Rest des Lebens“, in dem die 1959 im Kibbuz Kinneret am See Genezareth geborene Autorin zum ersten Mal in die Geschichte Israels eintauchte, nimmt „Schmerz“ den Stil wieder auf, der sie bekannt gemacht hat. Wie „Liebesleben“, „Mann und Frau“ und „Späte Familie“, die Trilogie über das Chaos der modernen Liebe, ist auch der jüngste Roman mit jener furiosen Intensität geschrieben, die sich in langen Sätzen und großen Schleifen in das Bewusstsein der Protagonistin schraubt, um ihre Zweifel, ihr Verlangen, ihren Zorn und ihre Schuldgefühle ans Licht zu befördern.
  Die Qualität dieser Prosa, die Mirjam Pressler wie stets auch auf Deutsch spürbar macht, liegt in der Übertreibung. Sie ist ihrem Charakter nach pathetisch. Dass „Liebe wehtut“, wie es die israelische Soziologin Eva Illouz formuliert, steht für Zeruya Shalev außer Frage. Sie parallelisiert den am Jahrestag des Attentats wieder aufgeflammten körperlichen Schmerz mit dem Liebesschmerz der Siebzehnjährigen und schickt ihre Heldin durchs Purgatorium ihrer wiederaufblühenden Jugendliebe. Denn Eitan hat, während er ihre Röntgenbilder studierte, anders als sie dachte, seine Patientin erkannt. Dass er Iris verlassen hat, hält er für den größten Fehler seines Lebens. Er versucht, sie wiederzugewinnen, und sie lässt sich auf ihn ein. Während sie mit Fieber zu Hause liegt, besucht er sie heimlich. Die beiden schlafen im Bett von Iris’ Tochter Alma miteinander, die nach Tel Aviv gezogen ist.
  Alles vermischt sich: die Generationen, die Lebensphasen, die Zeiten. Zeruya Shalev gönnt ihrer Heldin ein paar Tage voller Leidenschaft. Sie ist sich fast schon gewiss, dass sie Micki, ihren Mann, verlassen wird. Mehr Sorgen als um ihn, der am liebsten online Schach spielt und, wenn sie ihn anspricht, meistens murmelt, „nicht jetzt, ich bin mittendrin“, macht sie sich um ihren Sohn Omer. Er war ein schwieriges Kind, bald wird er zum Militärdienst eingezogen. Was passiert mit ihm, wenn sie seine Familie zerstört?
  Doch die Gefahr lauert anderswo. Alma ist dem Besitzer der Bar, in der sie in Tel Aviv arbeitet,völlig verfallen. Er gibt sich als Guru, will sie von ihrem Ego befreien und schickt sie mit wildfremden Männern ins Bett. Sex sei auch nur eine Dienstleistung wie Kaffeeservieren, plappert sie ihm nach. Mit dem gleichen Furor, mit dem Iris sich in die Liebe stürzte, geht sie nun die Rettung der Tochter an.
  Sieben Wochen beträgt die Erzählzeit des Romans, in ihnen kommt alles auf den Prüfstand, was das Leben der Heldin ausmacht: Hat sie Alma vernachlässigt, weil Omer so viel Aufmerksamkeit brauchte? Hat der Einsatz für ihre Schüler ihren eigenen Kindern zu viel Fürsorge geraubt? Und hat sie über Familie und Beruf die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt? Die Fragen sind nicht originell. Aber Zeruya Shalev gibt ihnen eine Dringlichkeit, die nicht allein aus ihrem Stil kommt, sondern auch aus der israelischen Gesellschaft, die eine hohe Reibungsenergie zwischen den neuen Liebes- und Familienmodellen und traditionellen Werten erzeugt.
  Die Glorifizierung der Mutterschaft, das Verhältnis zwischen den Generationen, die Bedeutung der Familie nach dem Holocaust, die Angst vor Attentaten und der Militärzeit der Söhne, all das ist als eine Art Hintergrundrauschen in ihren Romanen präsent. In Interviews hatte Zeruya Shalev erklärt, sie wollte nicht über das Attentat schreiben, bei dem sie im Januar 2004 verletzt wurde. Das sei eine Tragödie, ihr Sujet sei dagegen der Alltag mit seinen Dramen und Krisen. Dass sie nun doch ihrer Hauptfigur etwas von der eigenen Erfahrung mitgibt, verleiht ihrem Roman Gewicht.
  „Schmerz“ erzählt von Kontrolle und Zwang, Angst und Fürsorge, Schuld und Rettung – und von den Narben, die ein Ausnahmezustand allen Familienmitgliedern zufügt. Eigentlich war Micki am Tag des Attentats an der Reihe, die Kinder zur Schule zu bringen. Doch „das System“ war abgestürzt, er musste früher ins Büro. Omer trödelte auf dem Klo, Alma wollte noch Zöpfe geflochten bekommen. Die ganze Familie fühlt sich schuldig, dass Iris zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen ist. Aber zehn Jahre lang wurde nicht darüber gesprochen.
  Am Ende der siebenwöchigen Läuterungsekstase kommt Iris zu dem Schluss, dass weder die Furcht vor der Zukunft noch die Trauer über Versäumtes ihr Leben bestimmen sollte. Es ist der Schmerz, der ihr mitteilt, dass ihr nichts anderes übrig bleibt, als sich der Gegenwart zu überantworten, mit der er zusammenfällt: „Ich bin kein Echo der Erinnerungen, ich bin keine Brücke für zukünftige Pläne, ich bin alles, was du hast, die Essenz deiner Existenz, vertraue mir, denn du hast keine andere Wahl.“ Mit „Schmerz“ kommt Zeruya Shalevs Stil in seinem ganzen Pathos zu sich selbst, es ist ihr bester Roman seit „Liebesleben“.
MEIKE FESSMANN
  
Zeruya Shalev: Schmerz. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Berlin Verlag, Berlin 2015. 368 Seiten, 24 Euro. E-Book 19,99 Euro.
Lange Sätze schrauben
sich in das Bewusstsein der
zweifelnden Heldin
Eine hohe Reibungsenergie
besteht zwischen alten Werten
und neuen Lebensmodellen
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Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Starke Frauen sind das Gesetz

Sechs erstaunliche Bücher machen diesen Herbst zu einem Lesefest. Und das sind nicht einmal die erwartbar gewichtigen Romane großer Autoren, die ebenfalls zu dieser tollen Saison beitragen.

Dieser Bücherherbst dürfte selbst für Vielleser mit Schnelllesebegabung eine Herausforderung werden. Lange gab es keine ähnlich dicht mit Spitzentiteln gespickte Saison. Das Gerangel um Aufmerksamkeit wird dementsprechend beträchtlich sein; wie viel für die Verlage dabei auf dem Spiel steht, mag man auch daran erkennen, dass die in den letzten Jahren immer beliebter gewordene Strategie, einzelne besonders wichtige, also auch teure Titel erst nach der Buchmesse zu lancieren, damit sie im Weihnachtsgeschäft reüssieren, in diesem Jahr auffällig verbreitet ist.

Vor allem die internationale Literatur glänzt mit großen Namen und gewichtigen Umfängen: Den Anfang macht Kazuo Ishiguro mit dem mythisch aufgeladenen Kraftwerk aus der Frühzeit Britanniens, "Der begrabene Riese" (31. August, Blessing), gefolgt von Jonathan Franzen, der in "Unschuld" (4. September, Rowohlt) von der DDR durchs Internet bis nach Bolivien der unweigerlichen Verdunklung jugendlicher Ideale nachspürt. "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (14. September, Piper), der mit dem letztjährigen Booker-Preis ausgezeichnete Roman des tasmanischen Autors Richard Flanagan, versetzt den Leser in ein japanisches Gefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs. Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård, der sich dem Leben ausliefert wie ein Extremsportler den Elementen, führt mit "Träumen" sein autobiographisches Erzählprojekt fort (21. September, Luchterhand). Der Spanier Javier Marías bietet in "So fängt das Schlimme an" (S. Fischer, 24. September) ein Mysterienspiel um Liebe und Eifersucht.

Sodann lässt Richard Ford sein Alter Ego Frank Bascombe in "Frank" (28. September, Hanser Berlin) die Nachwirkungen von Hurrikan Sandy für Amerika begutachten. Seit 2012 mit "Der weiße König" sein multiperspektivischer Einblick in die Ceausescu-Diktatur erschien, gilt der junge ungarisch-rumänische Autor György Dragoman als eine der ganz großen Stimmen Osteuropas: "Der Scheiterhaufen" (6. Oktober, Suhrkamp) wird zeigen, wie berechtigt diese Hoffnungen sind. Und gleich nach der Buchmesse erscheint das neueste Verwirrspiel von Italiens Großmeister Umberto Eco ("Nullnummer", 19. Oktober, Hanser).

Man kann diese - übrigens durchweg männliche - Phalanx großer Namen als Verheißung betrachten, aber auch als Bedrohung. Denn in ihrem Schatten - und jenem der Long- und Shortlists einflussreicher Preise - sind andere großartige Bücher leicht zu übersehen. Und weil es auf die ewige Frage "Was soll ich lesen?" in den nächsten Monaten viele einschlägige Antworten gibt, beschäftigt sich diese Vorschau auf den Herbst lieber mit sechs Lektüren für den zweiten Blick. Sie stammen von sechs erstaunlichen Autorinnen.

Den Anfang macht die Engländerin Jane Gardam, die mit 87 Jahren ihr Debüt auf dem deutschen Buchmarkt gibt: "Ein untadeliger Mann" (24. August, Hanser Berlin) erzählt von Sir Edward Feathers, genannt Old Filth. Der Ausdruck "Filth" steht in seinem Fall für "Failed in London, Try Hong Kong" und hat nichts Schmutziges an sich, im Gegenteil: Old Filth oder Sir Edward ist nicht nur äußerlich "sagenhaft sauber" bis zum reinweißen "Rand seiner alten Fingernägel", sondern erscheint auch sonst wie der dezent nach Blenheim Bouquet duftende Inbegriff des englischen Gentleman, diszipliniert, arbeitsam, wortkarg, als Anwalt und späterer Richter in seiner Zunft legendär.

Zu Beginn des Romans, der den Auftakt einer Trilogie über den Niedergang des Britischen Empire bildet, ist Filth frisch verwitwet, als ihn im Ruhestand auf dem englischen Land ein zweiter Schock ereilt: Ausgerechnet Terry Veneering, sein Rivale im Berufs- wie im Privatleben, zieht ins Haus nebenan. Doch diese alte Fehde bildet nur den Rahmen der eigentlichen Geschichte von Eddie Feathers, die von Malaysia nach Wales und auf eine englische Privatschule führt, wo der mutter- und recht eigentlich auch vaterlose Junge erstmals eine Art von Familie findet. Gardam erzählt die brutale Geschichte dieser Raj-Waise (auch Rudyard Kipling war eine solche), die sich überall fremd und "ohne Hintergrund" fühlt, auf mehreren Zeitebenen und in genau nuancierten Abstufungen von Sand, Creme und Beige mit viel Feingefühl und Empathie, aber zugleich jenem Gran urenglischer, stählerner Ironie, die diese Lektüre dunkler Erfahrungen zu einer hellen Freude macht.

"Wo sind Sie aufgewachsen? Welches ist Ihre Muttersprache? Wie viele Menschen gehörten zu Ihrer Familie? Wie sah die Wohnung, das Haus aus, in dem Sie aufwuchsen? Wie haben sich Ihre Eltern kennengelernt? Was gab es zu essen?" Das sind nur einige Fragen, die Richard, einen jüngst emeritierten Altphilologen, umtreiben, seitdem er zum ersten Mal bewusst Asylsuchende mitten in Berlin wahrgenommen hat. Sie treiben ihn in eine zum Flüchtlingsheim umfunktionierte Kreuzberger Schule und potenzieren sich dort noch: "Wann sind Sie aus Ihrer Heimat weggegangen? Warum? Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Familie? Was haben Sie mitgenommen? Wie haben Sie sich Europa vorgestellt? Was ist anders? Wie verbringen Sie Ihre Tage? Was vermissen Sie am meisten?" Richard, der Homer-Kenner, begibt sich auf seine eigene Odyssee, um Antworten zu bekommen: Jenny Erpenbeck, die geschätzte Autorin von Werken wie "Heimsuchung" und "Aller Tage Abend", hat mit "Gehen, ging, gegangen" (31. August, Knaus) einen beklemmend aktuellen Roman geschrieben über die neuen Nachbarschaften mitten im alten Europa, jenem Warteraum der Politik, in dem die provisorischen Leben der Eingereisten an die rundum eingerichteten, durchgetakteten Leben der Beheimateten grenzen. Doch der Roman ist weit mehr als ein Zeugnis von Nächstenliebe, Scham und Ratlosigkeit. Jenny Erpenbeck weicht den Konflikten, die die Annäherung der Kulturen mit sich bringt, nicht aus. Und was am Ende aufscheint, nämlich Gemeinschaft und Solidarität, erwächst nicht aus guten Absichten allein.

Die Werke der Israelin Zeruya Shalev strahlen stets etwas Unbeirrbares, ja Störrisches aus; es ist die geradezu zwanghafte Emotionalität ihrer Literatur, an der sich die Geister scheiden. Auch in "Schmerz" (14. September, Berlin Verlag) ist der Ton ihrer Ich-Erzählerin Iris rastlos: Seitdem sie vor zehn Jahren bei einem Terroranschlag schwer verletzt wurde, ist ständiger Schmerz ihr Begleiter. Ihre Ehe mit Micki, der an besagtem Tag wieder einmal zu sehr mit einer Partie Schach beschäftigt war, um die Kinder zur Schule zu bringen, scheint am Ende, die Tochter ist aus dem Haus, der Sohn auf dem Sprung. Just als sie das Vakuum im Inneren mit gesteigerter Gehetztheit zu verdrängen sucht, trifft Iris ihre Jugendliebe Eitan wieder, und mit einem Mal scheint ein Neuanfang in greifbarer Nähe. Stoff, Protagonistin, Sprache - zunächst scheint "Schmerz" ein typischer Shalev-Roman. Doch dann gerät mehr ins Wanken als Iris' Selbstgerechtigkeit. Diesmal geht es nicht allein um die Schuld, die fast jede neue Liebe unter Erwachsenen begleitet, sondern auch um die Notwendigkeit, ja sogar Genugtuung von Verzicht. Am Ende erweist sich Iris als die reifste Heldin, die Shalev bisher schuf.

Die Amerikanerin Dorothy Baker war zeit ihres Lebens "sehr traurig und ziemlich deprimiert" über ihre schiefe literarische Karriere. Zwar hatte ihr erster Roman "Young Man with a Horn" 1938 durchaus Erfolg und wurde sogar verfilmt, doch konnte sie mit ihren folgenden Büchern nie daran anknüpfen. Dass Carson McCullers zu den Bewunderern von "Zwei Schwestern" von 1962, ihrem vierten und letzten Roman, gehörte, verwundert nicht angesichts des zielstrebigen, unzimperlichen Tons und der philosophischen Grundierung des Werks, war aber für Baker kein Trost. Als die Autorin 1968 starb, hinterließ sie keine große Trauergemeinde.

Vor einigen Jahren wurden ihr erster und ihr letzter Roman in den Vereinigten Staaten neu aufgelegt, jetzt erscheint "Zwei Schwestern" auch bei uns (23. September, dtv). Es ist eine Art dramatische Variante des Filmklassikers "Die Nacht vor der Hochzeit". Erzählt wird - mal von der einen, dann von der anderen - die Geschichte der Zwillinge Cassandra und Judith, zugespitzt auf jenes Wochenende, an dem Judith heiraten will. Cassandra empfindet diesen Schritt als Aufkündigung der schwesterlichen Symbiose, die stets über solchen Durchschnittserwägungen existiert hatte; indem sie die schwesterliche Eintracht in all ihrer Intensität und Selbstgenügsamkeit noch mal heraufbeschwört, sucht sie Judith umzustimmen. Als dies misslingt, greift sie zu drastischeren Mitteln: Sie belauscht ein Telefonat zwischen Braut und Bräutigam, will den künftigen Schwager vom Zug abholen und sich als Judith ausgeben, schließlich erscheint eine Übersprunghandlung als letzte Chance.

"Sarahs Gesetz", das für mich beglückendste und klügste, zärtlichste und nachhallendste Buch dieser Saison, ist kein Roman (5. Oktober, S. Fischer), sondern ein Porträt, ja ein Doppelporträt. Es enthält wichtige Mosaiksteine der viel größeren Geschichte der Malerin Sarah Schumann, und zu dieser wiederum gehören signifikante Teile der Geschichte der Schriftstellerin Silvia Bovenschen. Seit vierzig Jahren teilen die beiden ihre Leben; zusammen in Berlin leben sie erst, seit ein weiterer Schub ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung es Silvia Bovenschen vor bald zehn Jahren unmöglich machte, in ihre Frankfurter Wohnung zurückzukehren.

Bovenschen verzichtet darauf, dieses Werk der Liebe und des Dankes, der Erinnerung und der Gegenwart an eine Begriffsleine zu legen, wie überhaupt in diesem Buch kein Wort zu viel gemacht wird. "Sarahs Gesetz" handelt vom Wesentlichen zwischen zwei Menschen: dem, was man voneinander wissen kann, dem, was verborgen bleiben muss, und dem, was erfühlt werden darf. Sie wolle nicht eine Wahrheit der Sarah Schumann ausstellen, schreibt Silvia Bovenschen. "Ich will einzig meine liebe Freundin als Erlebnis meines Lebens erstehen lassen." Das gelingt ihr, indem sie schlaglichtartig aus beider Leben erzählt, von den Kriegserlebnissen der zwölf Jahre älteren Gefährtin, von eigenen Kindheitserinnerungen, von Sarahs Weg zur Kunst, von ihrer Malerei, von einer kurzen Ehe und dem Versuch, sich als Frau allein in Italien durchzuschlagen.

Wer ihr "Älter werden" gelesen hat, weiß um Bovenschens Gabe, schreibend unter Tränen zu lachen. Auch "Sarahs Gesetz" ist ganz persönlich und dabei vollendet diskret, mal witzig, mal rauh, immer wahrhaftig. Die Intimität liegt im Ton, nicht im Mitgeteilten. Mit diesem Buch hat Silvia Bovenschen ein Gedächtnis-Bildnis geschrieben, wie Sarah Schumann sie malt und sie selbst sie einmal beschrieben hat: im Wechsel zwischen überscharfer Kontur und Schemenhaftigkeit den Menschen in seiner Einzigartigkeit vergegenwärtigend, immer changierend zwischen innerer Gewissheit und unfassbarer Flüchtigkeit.

Im Mittelpunkt von "Die Gestirne" (9. November, btb) - wenn man einen solchen denn überhaupt ausmachen kann in dieser Wundertüte von Roman, der in deutscher Übersetzung mindestens tausend Seiten haben wird - steht eine Liebesgeschichte, so unwahrscheinlich wie das Zusammenkommen von Sonne und Mond. Die komplexe Handlung, die von Sternbildern und Planetenstellungen überzeugend gesteuert wird, setzt ein am 27. Januar 1866 - "Merkur im Haus des Schützen" - im Rauchzimmer des Crown Hotels in Hokitika, einer Goldgräberstadt im wilden Südwesten Neuseelands. Die Ankunft des jungen Schotten Walter Moody nach langer und beängstigender Überfahrt bringt die Erzählung einer großangelegten Verschwörung in Fahrt, die sich in Duktus und Farbigkeit, Kapitelankündigungen und Namensgebungen lustvoll ostentativ an die große englische Literatur des neunzehnten Jahrhunderts anlehnt, von Dickens über Brontë bis Conrad, sich dann aber immer weiter und rasanter verästelt, so dass der Leser sich gelegentlich fragt, ob alles noch mit rechten Dingen zugeht: Die Protagonisten und Perspektiven wechseln, vermeintliche Gute erweisen sich als Fieslinge, Bösewichte als liebenswürdig, und außer auf die Astrologie scheint auf nichts Verlass.

Die junge Neuseeländerin Eleanor Catton - in wenigen Wochen wird sie dreißig - hat mit "Die Gestirne" einen so altmodischen wie berückend zeitgemäßen Roman über den uralten Dialog zwischen Zufall und Schicksal verfasst. Er wird gespeist aus einem staunenswerten Überfluss an Ideen und Talent, ist dabei gelehrt, unterhaltsam und sehr, sehr witzig.

FELICITAS VON LOVENBERG

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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