Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich nicht alltäglich in den sechziger Jahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 19-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie - sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
13.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben vorwärts leben und rückwärts verstehen
Auf mein zweites Buch von Elena Fischer habe ich mich sehr gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Der Roman beginnt mit Joseph, der, verlassen von seiner Frau und seinem kleinen Sohn an einem Tiefpunkt angekommen ist. Als Birdie in sein Leben tritt, um die er sich einige Tage kümmert, beginnt er, seine eigene Geschichte und die vergangenen Jahre noch einmal zu betrachten.
Es entfaltet sich langsam, welchen Einfluss drei starke Frauenfiguren und sein Sohn auf sein Leben haben. Gespannt habe ich Josephs Weg verfolgt, wollte aber eigentlich immer mehr über die Frauen in seinem Leben erfahren.
Besonders gelungen fand ich den Aufbau des Romans: Auf der einen Zeitebene begleiten wir Joseph tageweise in der Gegenwart, während wir auf der anderen Ebene Stück für Stück in seine Vergangenheit zurückgehen. So setzt sich das Bild erst nach und nach zusammen und man versteht immer besser, wie Joseph zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist.
Ein Gedanke aus dem Buch ist mir besonders im Kopf geblieben: „Joseph staunte, wie dünn die Schicht war zwischen Planlosigkeit und Plan, zwischen Nichtwissen und Wissen, vielleicht auch zwischen einer Ahnung und einer Gewissheit.“
Genau diese Gedanken kenne ich selbst: Wenn man auf Entscheidungen im Leben zurückblickt, wirkt vieles im Nachhinein fast zwangsläufig. Dabei hätte es oft nur eine kleine Wendung gebraucht und alles hätte ganz anders verlaufen können.
Elena Fischer beschreibt ihre Figuren so menschlich und nahbar, dass die Geschichte zeitlos wirkt. Denn Gefühle, Beziehungen, Zweifel und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben verbinden uns unabhängig von der Zeit, in der eine Geschichte spielt.
Der Schreibstil ist atmosphärisch und bildhaft, fast fesselnd. Elena Fischer schafft es, Handlung und Charakterentwicklung wunderbar miteinander zu verbinden. Man kann sich die Szenen lebendig vorstellen und gleichzeitig tief in die Gedankenwelt der Figuren eintauchen.
Fazit: Wirf einen Schatten ist ein ruhiger, tiefgründiger Roman über Entscheidungen, Beziehungen und die Spuren, die Menschen in unserem Leben hinterlassen. Ich empfehle das Buch allen, die gerne Geschichten über menschliche Schicksale lesen und Figuren begleiten möchten, die nicht perfekt, aber gerade dadurch besonders nahbar sind.
Bewertung
5/5
12.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großes Lesevergnügen
Joseph wurde vor vier Monaten von seiner Frau Lis verlassen. Den gemeinsamen Sohn hat sie mitgenommen. Joseph sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr. Ausgerechnet am Heiligen Abend will er sich das Leben nehmen. Doch dann klingelt Birdie am seiner Tür. Ein junges Mädchen, Tochter eines Pfarrers, die auf der Flucht vor ihrer Familie ist. Birdie geht es gesundheitlich gar nicht gut und so kümmert Joseph sich um sie.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr hat es mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Von dem Zeitpunkt an, als Lis ihren Mann verlassen hat, wird das gemeinsame Leben bis zu dem Zeitpunkt rückwärts erzählt, als sie sich kennengelernt haben. Dabei lernt man Joseph immer besser kennen und erfährt auch, welches Päckchen er aus seiner Kindheit zu tragen hat.
In der Gegenwart bemüht Joseph sich sehr um seine Frau und versucht auch, ein besserer Vater zu sein. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Elena Fischer gelingt es, mit leisen Worten eine spannende Geschichte zu erzählen. Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen und hat am Ende einen Twist, mit dem ich so nicht gerechnet habe. Für mich ein absolutes Lese-Highlight!
Bewertung
5/5
11.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Toll
Joseph wurde von seiner Frau verlassen. Sie ist mit dem gemeinsamen Sohn Samuel zurück in die Stadt gezogen. Den Alltag auf dem Hof hat sie nicht mehr ausgehalten. Auch die Blicke nicht, die sie von den Dorfbewohnern wegen Samuel bekommen hat. Joseph ist allein und hält es kaum noch aus. Als die junge Birdie vor seiner Tür steht, beginnt er irgendwann ihre Gesellschaft zu genießen und fängt an, auch sein Leben ordnen zu wollen und ihm wieder einen Sinn zu geben.
„So oft war er verlassen worden. Geblieben waren bloß die Schuld und das Gefühl, eine Enttäuschung zu sein.“
„Wie viele verschiedene Arten der Stille es gibt, dachte Joseph. Es gab die Stille der Einsamkeit, von der man hinabgezogen wurde, in der man ertrank.“
Ich bin ein großer Fan von Elena Fischers „Paradise Garten“ und hab mich so gefreut, dass ein neuer Roman von ihr erscheint. Und ich wurde nicht enttäuscht. Besonders beeindruckt hat mich hier wieder ihr wunderbar poetischer Schreibstil. Die innere Welt der Figuren wird dem Leser offen gelegt. Das muss man erstmal so schreiben. Joseph zerbricht fast an Erwartungen, die er nicht erfüllen kann und ungelebten Sehnsüchten. Das Aufeinandertreffen mit Birdie wird seinen Blick auf das Leben ändern. Die Handlung verbindet Gegenwart und Rückblenden. Dadurch offenbart sich uns Stück für Stück Josephs ganze Geschichte. Die hat mir insgesamt richtig gut gefallen, nur mit dem Ende gehe ich nicht ganz konform. Muss ich aber auch nicht. Die Sprache ist herausragend. Viele Zitate musste ich erstmal auf mich wirken lassen um sie vollständig aufzunehmen.
Insgesamt ein berührendes Buch, das im Kopf bleibt. Und hab ich schon erwähnt, dass die Sprache großartig ist??? Eine große Empfehlung von mir.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
11.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leise, atmosphärische Erzählung
Dieser Roman entfaltet seine Wirkung durch seine ruhigen Zwischentöne und seine dichte Atmosphäre. Im Mittelpunkt steht Joseph, dessen schwierige Kindheit ihn zu einem verschlossenen Menschen gemacht hat. Besonders die Beziehung zu seinem Sohn zeigt, wie sehr ihn die Vergangenheit geprägt hat. Seine Entwicklung im Laufe der Geschichte wirkt dabei glaubwürdig und berührend.
Die Handlung wechselt zwischen Gegenwart und Erinnerungen und greift Themen wie Mut, Einsamkeit und die Kunst auf, das Leben trotz aller Schicksalsschläge anzunehmen. Besonders gelungen sind die detailreichen Schilderungen des ländlichen Lebens. Der Bauernhof und seine Umgebung werden so lebendig beschrieben, dass man sich beim Lesen mitten im Geschehen fühlt.
Der Schreibstil ist flüssig und einfühlsam. Wer einen spannenden, ereignisreichen Roman erwartet, wird hier allerdings nicht fündig. Stattdessen überzeugt die Geschichte mit ihrer besonderen Atmosphäre, ihren vielschichtigen Figuren und einer Erzählweise, die noch lange nachwirkt. 4,5/5 Sterne
MB
aus Rösrath
5/5
10.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sie kann es!
Sie kann es einfach! Ich war gespannt auf Elena Fischers zweiten Roman... nach dem ihr Erstling 'Paradise Garden' mir so ausgesprochen gut gefallen hat. Jedoch bedurfte es in "Wirf einen Schatten" einiger Seiten, um mich mit der Geschichte anzufreunden. Der Schreibstil ist perfekt... und nach und nach gewinnen die Figuren, insbesondere Bauer Joseph an Kontur. Die Geschichte hat einen interessanten Aufbau - zwei sich voneinander weg bewegende Zeitebenen: In der Ebene der Gegenwart steigt die Handlung kurz vor dem Weihnachtsfest im Jahre 1963 ein. Zusammen mit seinem Sohn hat seine Frau Liz ihn verlassen und ist in die Stadt gezogen; kurz vor Weihnachten klopft die junge Birdie an die Tür seines Hofes - offensichtlich auf der Flucht wegen ihrer lesbischen Liebesbeziehung; Joseph kümmert sich in der Folge um sie; auc versucht Joseph, wieder Kontakt zu seiner Frau und vor allem zu seinem Sohn zu bekommen, merkt aber immer mehr, wie sehr es ihn schon immer zu Ada, der Schwester seiner Frau, hingezogen hat... Ein wunderbarer, stiller Roman, der durch die Empathie für seine Figuren zu überzeugen weiß. Leseempfehlung!
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