Eine Klingel mit vier Namen: Paul hat das Tennisspielen aufgegeben und nichts Neues angefangen. Elif redet dauernd, fragt, nervt, lacht, als würde sie einen schon ewig kennen. Julia ist so leise, dass man nicht weiß, ob sie zu Hause ist. Und Kenni? Er weiß selbst nicht, was er in Wien will. Er musste einfach weg. Von den Leuten, die in ihm den Typen sehen, der er war, bevor er der wurde, dessen Freundin bei einem Autounfall gestorben ist. Ihre letzte Reise, ohne ihn. Obwohl sie doch einen Sommer lang Frankreich entdecken wollten. Wider Erwarten wird die WG für Kenni zur neuen Heimat. Das Leben geht einfach weiter. Auch die geplante Reise findet statt – mit Elif auf dem Beifahrersitz, was keine gute Idee ist. Zehn Jahre später, Kenni steht am Anfang seiner Karriere als Maler, treffen die vier sich in Zürich wieder. Es wird eine lange, laute Nacht, die lauter Fragen aufwirft. Erst zurück in Wien, aus Kenni ist inzwischen ein renommierter Künstler in den Vierzigern geworden, beginnt mit einem kurzen Gespräch ein Nachmittag, ein Abend, ein Anfang …
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Fee04
5/5
09.05.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Mitten ins Herz
Keine großen Dramen, keine lauten Worte und gerade deshalb trifft die Geschichte mitten ins Herz.
„Laute Nächte“ von Anne Freytag gesprochen von Pascal Houdus / Verlag: Saga Egmont
In diesem Roman erleben wir fast zwanzig Jahre an Kennis Seite. Leise erzählt, warmherzig und voller Emotionen.
Kenni zieht nach dem Tod seiner Freundin in eine WG nach Wien. Er funktioniert irgendwie, mehr nicht. Und genau dort begegnet er Paul, Julia und Elif. Menschen mit eigenen Wunden, eigenen Geschichten und trotzdem mit dieser stillen Wärme füreinander.
Besonders die Gespräche zwischen Kenni und Paul mochte ich sehr. Beide tragen ihren eigenen Schmerz mit sich herum und trotzdem entsteht zwischen ihnen etwas Vertrautes, Ehrliches. Anne Freytag zeigt dabei sehr fein, dass Trauer bei jedem anders aussieht. Dass Aufarbeitung nicht laut sein muss und dass das Leben trotzdem jeden Tag stattfindet, ob man bereit dafür ist oder nicht.
Auch zwischen Kenni und Elif liegt so viel Ungesagtes. Gerade der Roadtrip nach Frankreich hat bei mir viele Emotionen ausgelöst. Dieses Festhalten an Erinnerungen und gleichzeitig die Angst, weiterzugehen, war unglaublich greifbar.
Und selbst zehn Jahre später hängt all das noch zwischen ihnen. Bei Kennis Vernissage begegnen sich die vier wieder. Kenni inzwischen Maler und immer wieder Elif auf seinen Bildern. Ihre Augen, ihr Blick. Sie mitten zwischen all den Gemälden und gleichzeitig zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Diese Szenen hatten etwas unglaublich Intensives und trotzdem bleibt das Buch dabei ruhig und unaufgeregt.
Jahre später dann dieses zufällige Wiedersehen in Wien. Dort, wo alles begann. Und plötzlich ist wieder alles da.
Anne Freytag schreibt klar und nahbar. Ihre Figuren haben Ecken und Kanten, sagen oft wenig und fühlen trotzdem so viel. Dieses Hörbuch lebt von leisen Momenten, Blicken und Gesprächen, die lange nachhallen.
Und Pascal Houdus liest genau passend dazu: ruhig, zurückhaltend und voller Gefühl.
Ein leises Buch über Trauer, Aufarbeitung, Liebe, verpasste Momente und das Zurückfinden ins Leben.
Herzlichen Dank an Saga Egmont und NetGalley für das Rezensionsexemplar. (Unbezahlte Werbung).
Lilli33
4/5
26.04.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Einerseits intensiv, andererseits distanziert
Nachdem Kennis Freundin Jasmin bei einem Autounfall ums Leben kam, flüchtet er von München nach Wien, wo ihn keiner kennt, wo er neu anfangen will. Tatsächlich fühlt er sich in der WG mit Paul, Elif, Julia und später auch noch Harry bald heimisch. Und trotzdem will es ihm nicht gelingen, Jasmin loszulassen.
Lange Zeit steht die tote Jasmin Kennis neuem Liebesglück im Weg. Wir dürfen ihn dabei begleiten, wie er sich nach und nach von ihr löst. Das ist ein schmerzhafter und langer Prozess, sodass es nicht verwundert, dass der Roman in drei Teile gegliedert ist, die im Abstand von mehreren Jahren handeln.
Ich liebe Anne Freytags Geschichten, die meistens sehr intensiv und berührend sind. Auch „Laute Nächte“ macht hier keine Ausnahme. Trotzdem war ich nicht so sehr mit dem Herzen dabei wie bei früheren Roman der Autorin. Ich kann nicht einmal sagen, woran es genau liegt. Möglicherweise an der Stimme des Sprechers Pascal Houdus, obwohl er seine Sache wirklich sehr gut macht. Vielleicht kam ich auch nicht so nah ran, weil der Protagonist männlich ist. Egal, das Buch war es trotzdem wert, gehört zu werden, auch wenn für mich persönlich das I-Tüpfelchen fehlte. Ich habe keine Minute davon bereut, zumal Anne Freytag mich wieder einmal mit absolut großartigen Sätzen und Gedanken begeistern konnte.
Das Hörbuch gibt es als ungekürzte Lesung bei SAGA Egmont. Es läuft über 7 Stunden und 42 Minuten.
Newspaper
Thalia Book Circle Community
4/5
24.04.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Wenn Vergangenheit und Gegenwart laut werden
Vier Menschen, eine WG in Wien und ein Zufall, der alles verändert: Kenni flüchtet nach dem Tod seiner Freundin aus seinem alten Leben und landet in einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. Paul, der seine sportliche Leidenschaft hinter sich gelassen hat und irgendwie feststeckt. Elif, laut, direkt, neugierig und immer in Bewegung. Julia, die eher im Hintergrund verschwindet und trotzdem alles wahrnimmt. Und Kenni selbst, der versucht, mit seiner Vergangenheit klarzukommen und irgendwo neu anzufangen. Zwischen Alltagschaos, leisen Momenten und einer Reise nach Frankreich entsteht eine fragile neue Normalität, die Jahre später in Zürich wieder aufbricht, als sich die Wege der vier erneut kreuzen. Eine einzige Nacht reicht dann aus, um vieles neu zu sortieren und alte Fragen wieder laut werden zu lassen.
Die Grundidee der Geschichte hat mich sofort angesprochen: dieses Verweben von Vergangenheit und Gegenwart, von Verlust, Neuanfang und den unausgesprochenen Dingen zwischen Menschen. Besonders gut gefallen hat mir, wie unterschiedlich die Figuren angelegt sind und wie sie sich gegenseitig reiben, ergänzen und manchmal auch einfach nicht richtig verstehen. Genau diese Dynamik trägt die Handlung und sorgt dafür, dass man emotional dranbleibt.
So gern ich die Bücher der Autorin sonst mag, hat mich die Umsetzung hier diesmal nicht ganz so überzeugt wie erwartet. Die Atmosphäre stimmt zwar, aber beim Hören ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Sprache stellenweise sehr sprunghaft wirkt. Viele kurze, fast abgehackte Sätze haben den Flow gebremst und dafür gesorgt, dass sich der Vortrag nicht immer ganz rund angefühlt hat. Der Sprecher gibt sich sichtbar Mühe, die Stimmung einzufangen, doch durch diese sprachliche Struktur wirkt die Erzählung gelegentlich etwas monoton und weniger lebendig, als sie eigentlich sein könnte.
Unterm Strich eine gute, berührende Geschichte mit interessanten Figuren und viel emotionalem Potenzial, die im Hörbuchformat aber nicht ganz ihr volles Tempo findet.
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
05.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verlassen und geborgen
»Irgendwo habe ich gelesen, dass manche Menschen bereits mit fünfundzwanzig sterben, aber erst mit fünfundsiebzig beerdigt werden. Ich war neunzehn, als ich gestorben bin.« (Seite 301)
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Kenni flieht nach einem persönlichen Verlust nach Wien, dort wohnt er in einer Wohngemeinschaft zusammen mit Elif und Julia bei Paul, ein weiterer Mitbewohner kommt später hinzu. Gefangen zwischen Trauer und einem Neuanfang fühlt er sich wie ein führerloses Boot auf dem Meer, verarbeitet den Tod seiner Freundin schlecht und trifft miese Entscheidungen, die zu einem Bruch führen. Zehn Jahre später gibt es ein Wiedersehen der vier früheren Freunde, es folgt eine laute Nacht. Wieder vergehen Jahre, bis es ein erneutes Treffen gibt.
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»Wir hatten so viele Nächte zusammen, laute und solche, die leise waren. Die jedenfalls so schienen. Doch rückblickend waren sie die lautesten von allen. Und diese Nacht reiht sich nahtlos ein. Eine Nacht, an deren Anfang ich ein anderer war.« (Seite 196)
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Dieses Buch handelt von Trauer, dem Tod, dem Verlust und dem Umgang mit ihnen. Es handelt aber auch von Liebe, der ersten, der großen, der vergangenen und der zukünftigen. Einer Liebe, die nimmt, ohne zu geben, und einer, die gibt, ohne zu fragen, was sie als Gegenwert bekommt. Es handelt von Freundschaft, von Hoffnung und Heilung, der Weg zur letzteren ist steinig und schwer. Diese Geschichte ist anstrengend und federleicht, diese Geschichte ist eine der schlimmsten und schönsten zugleich.
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»Ich glaube, Erkenntnis ist der schrecklichste Schlag von allen, tausend Fäuste, die einen gleichzeitig treffen.« (Seite 301)
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Jedes Buch von Anne Freytag ist anders, jedes ein eigenes Universum, ein anderer Bereich. Dieses jedoch hat mich bereits auf den ersten Seiten mitten ins Herz getroffen, mich seufzen lassen, mich dermaßen berührt, dass es weh tat, aber es war ein schönes Gefühl. So viele Sätze, die ich am liebsten einrahmen würde, findet man selten - trotz Trauer und Schmerz. Am Ende war ich fast unglücklich darüber, dass es vorbei war, aber auch überglücklich, dass ich dabei gewesen bin. Es war einfach wunderschön.
Bewertung
5/5
28.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gespräche die man gerne selber führen möchte
Und wieder ein totaler Glücksfall.
Anne Freytag erzählt uns einen Kosmos der gerne unserer sein könnte. Sie lässt uns beide Seiten von Dialogen erleben, die wir gerne selber führen würden und bleibt dabei immer motivierend für persönliche Entwicklung, macht Lust auf neue Blickwinkel …
Und es prickelt immer ganz wunderbar!
Danke - Ossi
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