Wenn du weißt, dass du für jemanden die ganze Welt bist Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch.
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Ein Roman, der gut tut
PMelittaM aus Köln am 21.06.2026
Bewertungsnummer: 3174281
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Pina Luxen lebt mit ihrem erwachsenen autistischen Sohn Leo alleine, während sie arbeitet, besucht er eine Werkstatt für behinderte Menschen. Einmal in der Woche geht sie für sich und ihre Nachbarin Inge einkaufen, so lange bleibt Leo bei Inge, viel länger als eine Stunde ist das aber nicht möglich, denn dann bekommt Leo Panik. Eines Tages bricht Pina auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen zusammen und landet im Koma auf der Intensivstation. Nun ist es an der Hausgemeinschaft, mit Leo klar zu kommen und sich um ihn zu kümmern.
Ich kann mir die Situation Pinas gut vorstellen, ich war auch einmal pflegende Angehörige, und wäre mir dasselbe wie Pina passiert, wäre mein Pflegling hilflos zu Hause gewesen. Auch hier weiß zunächst niemand, was überhaupt los ist, wo Pina bleibt, zum Glück ist Leo gerade nicht alleine. Aber Inge ist schon 86, Witwe und hat sich schon länger nicht wegen der Treppen aus dem Haus getraut. Auch die beiden anderen Hausbewohner, die das Problem nach und nach mitbekommen, haben ihre ganz eigenen Sorgen. Und dennoch rauft man sich irgendwie zusammen. Das war wirklich schön zu lesen.
Vera Zischke hat Erfahrung mit diesem Thema, sie hat aber nicht nur Leo und Pina authentisch dargestellt, sondern auch alle anderen Charaktere des Romans, manche Entwicklungen habe ich nicht kommen sehen, alles wirkte aber immer echt, wenn auch vielleicht manchmal ein bisschen überspitzt.
Mir hat es gut getan, diesen Roman zu lesen, und ich hoffe, dass er viele Leser:innen findet, von mit gibt es auf jeden Fall eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
Einfach Wow!!!
Sternchen aus Lauf am 20.06.2026
Bewertungsnummer: 3172967
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer kümmert sich um die Menschen, die sich sonst immer um alle anderen kümmern?
Genau dieser Gedanke hat mich durch “Pina fällt aus” begleitet.
Denn während viele Geschichten von außergewöhnlichen Heldinnen erzählen, richtet Vera Zischke den Blick auf eine Frau, deren Heldentum im Verborgenen stattfindet.
Pina hält seit Jahren den Alltag ihres autistischen Sohnes Leo zusammen.
Sie organisiert, begleitet, erklärt, schützt und stellt ihre eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten an. Bis ihr Körper irgendwann die Reißleine zieht
Was danach passiert, hat mich tief berührt.
Nicht, weil plötzlich alles gut wird, sondern weil Menschen aktiv werden, die selbst kaum noch Kraft für ihr eigenes Leben haben
Eine hochbetagte Frau, ein Mann, der sich von der Welt zurückgezogen hat, und eine Jugendliche, die mit Autoritäten wenig anfangen kann, wachsen nach und nach zu einem Netz zusammen, das Leo auffängt
Besonders gelungen fand ich, dass Leo nie zur Projektionsfläche für Mitleid wird.
Er ist kein Problem, das gelöst werden muss. Er ist ein Mensch mit Eigenheiten, Bedürfnissen, Stärken und Grenzen.
Die Autorin begegnet ihm mit Respekt und einer Selbstverständlichkeit, die ich in vielen Büchern vermisse
Zwischen den Zeilen stellt Vera Zischke Fragen, die weit über diese Hausgemeinschaft hinausgehen:
Was passiert, wenn ein pflegender Angehöriger plötzlich ausfällt?
Wer übernimmt Verantwortung, wenn staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen?
Und warum sind wir als Gesellschaft oft so gut darin, wegzuschauen?
Trotz dieser schweren Themen fühlt sich das Buch niemals bedrückend an
Es steckt voller Wärme, leiser Komik und menschlicher Momente
Vor allem aber erinnert es daran, dass Gemeinschaft nicht dort entsteht, wo alles perfekt läuft, sondern dort, wo Menschen beschließen, füreinander da zu sein
Für mich ist “Pina fällt aus” deshalb weit mehr als eine Geschichte über Nachbarschaft.
Es ist ein Roman über Sichtbarkeit, Würde und die Menschen, die im Alltag oft übersehen werden.
Ein Buch, das lange nachhallt und dessen Figuren mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden
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