Wenn du weißt, dass du für jemanden die ganze Welt bist
Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück.
Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch.
Vera Zischke erzählt voller Witz und Wärme von einer Hausgemeinschaft, die zusammenhält.
»Mit Pina fällt aus gibt Vera Zischke der Buchbranche eine neue Facette. Tief. Klar. Bewegend. Und absolut relevant.« Westdeutsche Zeitung
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Test-LR
5/5
26.06.2026
eBook (ePUB 3)
Wenn Du denkst, es geht nicht mehr ...
Mein Eindruck:
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"Und dann kommt eine Frage in ihm auf, die auf den ersten Blick ungeheuerlich klingt, aber vielleicht liegt das auch daran, dass er sich so oft nicht als Teil dieser Welt fühlt, sondern als außenstehender Beobachter. Die Frage lautet: Diese soziale Kälte, von der alle reden. Bin das vielleicht auch ich?" (S. 71)
Dieses Buch ist wirklich etwas ganz Besonderes: Es ist warmherzig geschrieben und dadurch, dass die Sichtweisen aller Beteiligten mit Ausnahme der von Leo geschildert wurden, kann man sich in alle gut hineinfühlen.
Da ist einmal die 86-jährige Inge Russeck, die seit dem Tod ihres Ehemannes und vieler Freundinnen keinen rechten Lebensantrieb mehr hat. Dann ist da Alina, genannt Zola. Sie ist 16 Jahre alt, von der Schule verwiesen und zockt die meiste Zeit. Jegliche Bemühungen ihres Vaters, ihr einen Ausbildungsplatz zu vermitteln, scheiterten bisher. Sie ist frustriert, wenig selbstbewusst und hat eine Menge Wut in sich. Und dann ist da Woijtek, der sich einsam fühlt und nur, um einer Frau zu imponieren und Kontakt zu ihr als Händlerin zu haben, bestimmte Figuren sammelt, die ihn eigentlich gar nicht interessieren. Nach und nach lernt diese Zweckgemeinschaft, einander zu schätzen und wird so etwas wie eine Familie für Leo. Sie nennen sich scherzhaft "Drei schräge Vögel für Leo".
Und das trifft auch den Kern des Romans: Er ist schräg - und gleichzeitig wunderbar! Zum einen ist Leos Gedankenwelt für einen Außenstehenden seltsam und trotzdem, oder gerade deshalb vermag er das Wesentliche mit seinen einfachen Kommentaren auf den Punkt zu bringen und den Leser manchmal auch zum Schmunzeln zu bringen, aber auch zum Nachdenken. Dies ist eine andere Erzählung von Inklusion. Eine Inklusion, die durch Zufall entsteht und doch funktionierte. Eine Lebensgeschichte, die vielleicht unrealistisch klingt, aber doch realistisch sein könnte. Eine Geschichte, die Menschen aus unserer Regierung lesen sollten, die aktuell mit Sparmaßnahmen für Menschen wie Leo drohen. Aber natürlich auch eine Geschichte für alle Menschen. Es ist eine Geschichte, die Mut macht, dass Inklusion keine Maßnahme ist, die in irgendwelchen Einrichtungen isoliert stattfindet. Sie sollte Teil der gesamten Gesellschaft sein und jeder von uns ist dazu aufgerufen, sich seine Gedanken zu machen, um seinen Teil beizutragen. Es ist aber auch eine Geschichte über die soziale Vereinsamung in unserer Gesellschaft, durch Alter, Social Media etc.
Auch wenn die Figuren in diesem Roman mit viel Mut, Zufall und manchmal auch absurden Ideen aktiv werden, so kann sich jeder Leser von den Charakteren eine Scheibe abschneiden und lernen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sein Leben in die Hand zu nehmen.
Und auch Pina erfährt eine positive Entwicklung. Sie verkörperte den Prototyp einer Mutter, an der alles hängt, die alles perfekt machen will, aber letztendlich daran zerbricht. Am Ende merkt sie, dass es auch anders gehen kann. Manchmal braucht es einen radikalen Schicksalsschlag, der ein Leben verändern kann, auch zum Positiven. Dass es genauso kommt, erscheint in der Realität sehr unwahrscheinlich. Aber es gibt immer Hoffnung auf das scheinbar Unmögliche!
"Wojtek hat bislang geglaubt, dass es eine Normalität gibt. Dass es einen Normalmenschen gibt, der normale Dinge tut, sagt und denkt. Aber das war, bevor er wusste, dass Zola von zu Hause rausgeflogen ist, weil sie den Familienfrieden gestört hat. Oder dass Inge mit einem Formular beweisen muss, dass sie am Leben ist. Bevor er erlebt hat, wie Leo aus dem Bus rausgebrüllt wurde. Vielleicht gibt es keine Normalität. Vielleicht wird ganz schön viel Mist im Namen dieser Normalität gemacht, weil alle so furchtbar viel Angst davor haben, nicht normal zu sein." (S. 130)
Und nicht zuletzt ist dieses Buch einfach toll, weil in den Gedanken der Figuren so viele wahre Dinge poetisch auf den Punkt gebracht wurden. Ich habe diesen ruhigen, sehr tiefsinnigen Roman sehr genossen!
Fazit:
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Ein warmherzig geschriebener Roman über soziale Einsamkeit, Inklusion und Hoffnung in scheinbar ausweglosen Situationen
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
26.06.2026
eBook (ePUB 3)
Drei Vögel für Leo
Pina lebt mit ihrem 20-jährigen Sohn Leo zusammen in einer Wohnung und verfolgt einen klar strukturierten Tagesablauf. Denn Leo lebt in seiner eigenen Welt, die nach eigenen Regeln und schlecht mit Störung im Außen funktioniert. Doch eines Tages bricht Pina mitten auf einer Straßenkreuzung zusammen und kommt für mehrere Wochen ins Krankenhaus. Ihre einzige und größte Sorge: Wer kümmert sich nun um Leo, für den alles so sein muss, wie es immer ist?
Darauf findet sich recht bald eine Antwort: Zola, die 16-jährige Schulabbrecherin, der Eigenbrötler Wojtek und die Rentnerin Inge, die eigentlich nie ihre Wohung verlässt. Sie sind die selbsternannten drei schrägen Vögel für Leo, die sich immer mehr mit seiner Welt vertraut machen und sich seinem Rhythmus anpassen.
Vera Zischke schafft nicht nur Einblicke in Leos Abläufe, Pinas Sorgen und die konstante Belastung, die nach außen hin gar nicht unbedingt sichtbar ist, sondern durch die verschiedenen Figuren eine ganze Bandbreite an eigenen Welten mit eigenen Regeln, Schwierigkeiten und Belastungen im Leben. Die Kombination aus Zola, Wojtek, Inge, Pina und Leo zeigen, wie sehr andere bereichernd und unterstützend sind und dass Hilfebedarf sichtbar gemacht werden muss, damit unterstützt werden kann.
Ein sehr berührender Roman, der ehrlich und trotz der schweren Thematik dennoch grundsätzlich humorvoll und leichtfüßig daherkommt, und bei mir ein verstärkteres Bewusstsein geschaffen hat.
Ich habe Leo und die drei schrägen Vögel sehr ins Herz geschlossen und die Lesezeit mit ihnen sehr genossen.
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
08.06.2026
eBook (ePUB 3)
Es braucht drei Vögel
Pina ist Mutter eines besonderen Kindes. Leo ist 20 Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, nach aussen hin einfach behindert, im Inneren weise und lebensfroh. Er braucht seine Routinen und reagiert empfindlich auf jede Abweichung. Deswegen hat Pina ihr Leben komplett auf ihn ausgerichtet, es funktioniert. Bis sie zusammenklappt und wegen eines Magendurchbruchs auf der Intensivstation landet. Während sie sich wieder ins Leben kämpfen muss, ist Leo bei der 86jährigen Inge gestrandet, die ja eigentlich nur anderthalb Stunden auf ihn hätte aufpassen müssen. In ihrer Nt zieht sie Zola, eine Sechzehnjährige und den zurück haltenden Wojtec in die Situation hinein. Schnell wird aus dem anfänglichen Widerstand gegen die Lage ein sehr besonderes Bündnis. Besonders Zola bekommt Zugang zu Leo - aber auch die anderen lernen über Leo auch über sich selbst.
Das ist das Tolle dieser Geschichte. Drei Personen, die mehr als genug mit sich selbst zu tun haben, von der Gesellschaft übersehen, werden zu einer Gemeinschaft. Sie stellen sich gegen den Standard, der von Zolas Vater als Gegenpol gut dargestellt wird, kämpfen nicht nur für Leo, sondern auch für sich selbst.
Eine Geschichte, die ans Herz geht. Und zeigt, dass das „Richtige“ nicht immer das Beste ist.
S. L.
aus Berlin
5/5
29.05.2026
eBook (ePUB 3)
Leo, 20, Busfahrer
Das Unglaubliche geschieht: Pina hat einen schweren Unfall, wird ins Koma versetzt. Niemand erfährt davon. Nicht einmal ihr 20jähriger, autistischer und auf ihre Hilfe angewiesener Sohn Leo. Im Haus wohnen noch die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der Einsiedler Wojtek und die lebensmüde 86jährige Inge. Aber: was haben sie mit Leo zu tun? Alle haben genug eigene Probleme.
Vera Zischke schildert die Charaktere der anderen Hausbewohner detailliert. Sehr glaubhaft, sehr vorstellbar. Einige Verhaltensweisen kommen dem Leser bekannt vor.
Wie die Entwicklung verläuft und die Gedankengänge von Zola, Inge und Wojtek werden verfolgt. Man hofft das Beste …
Die Autorin stellt die Frage, worum es wirklich im Leben geht. In einer Welt, in der Viele möglichst für sich bleiben. Soziale Abkapslungen und Kälte spürbar sind. Auch hier möchten die Bewohner gern Verantwortung abgeben. Ein so nicht voraussehbarer Prozess wird in Gang gesetzt.
Nachdenklich machend, emphatisch geschrieben, emotional mitnehmend.
Lesenswert.
Bewertung
aus Heek
5/5
15.05.2026
eBook (ePUB 3)
gut
Dies Buch handelt von Pina, die Mutter des behinderten 20 jährigen Ben ist. Pina ist alleinerziehend und dadurch überlastet und achtet zu wenig auf sich selbst. Eines Tages bricht sie auf dem Heimweg vom Einkaufen auf einer Straße zusammen und landet auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Ben ist allein zu Hause! In diesem Mietshaus wohnen noch drei weitere Parteien. Was soll jetzt mit Ben geschehen?
Es ist schön zu lesen, wie aus den verschiedenen Mietern eine Gemeinschaft entsteht, die sich um Ben kümmert. Dies Buch zeigt, wie wichtig es ist mit offenen Augen und einem offenen Herzen auf seine Mitmenschen zu achten. Eine sehr schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe und auch gerne weiter empfehle.
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