Julia und Jacob haben sich auseinandergelebt, doch wie könnten sie sich einfach trennen, ohne dass ihre drei Söhne darunter leiden oder gar sie selbst? Immer wieder diskutieren sie alle Szenarien durch, kümmern sich aufopferungsvoll um den inkontinenten Hund und die bevorstehende Bar Mitzwa des Ältesten. Gerade als die israelische Verwandtschaft zur Familienfeier in Washington, D.C. eintrifft, ereignet sich ein katastrophales Erdbeben im Nahen Osten, das die Invasion Israels zur Folge hat - und alle Fragen stellen sich noch einmal ganz neu, auch für Jacob.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Bewertung
5/5
16.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Warten hat ein Ende...
Lange mussten Jonathan Safran Foer-Fans auf sein neues Werk warten, aber es het sich gelohnt. Tiefgründig, hinterfragend und berührend ist nun auch sein neues Werk "Hier bin ich". Trotz ein paar wenigen anstrengenden Charakteren & dialogen ist das Buch absolut lesenswert und trifft den Nerv der Zeit.
Bewertung
aus Römerberg
5/5
25.03.2015
eBook (ePUB 3)
Starkes Debüt
Victor Wittes Debütroman „Hier bin ich“ handelt von einem jungen Mann, der kurz vor dem Abitur steht. Im Prinzip kann man sagen, dass es sich um einen Bildungsroman (auf neudeutsch: „Coming-to-age-Roman“ – „Coming to age“ bedeutet „Erwachsen werden) handelt, auch wenn die Handlung sich „nur“ über zwei Tage aus dem Leben der Hauptfigur „Leo“ (eigentlich Leonard) erstreckt.
Leo ist in wohlhabenden – um nicht zu sagen: reichen – Verhältnissen aufgewachsen. Man merkt, dass es ihm nie an etwas gefehlt hat. Er lebte quasi sein ganzes Leben in einer Art Schlaraffenland, wo die gebratenen Tauben einem in den Mund fliegen.
Seine ganze Clique besteht aus ähnlich positionierten Charakteren: noch nie was geleistet, aber immer schön die teuren Armani-Klamotten und die Designer-Uhren im Benz oder Porsche spazieren fahren und arrogant auf alle herabschauen, deren Väter sich keine Jacht und keinen Pool im Garten leisten können.
Leo und seine Freunde reduzieren alles auf Äußerlichkeiten: Haare, Muskeln, Klamotten, Autos ... das ist es, worauf es ankommt. Innere Werte zählen nicht. „Generation Erbe“ oder „von Beruf Sohn“ sind Begriffe, die mir hierzu spontan eingefallen sind. Hinzu kommen Sex und Drogen – natürlich nur mit den „richtigen“ Leuten, die ebenfalls zur „Upper Class“ gezählt werden können.
Wenn man das so liest, könnte man mit Fug und Recht sagen, dass hier ein ganzes Rudel von „Kotzbrocken“ am Werk ist – was im Prinzip auch stimmt. Trotzdem schafft es Victor Witte auf geradezu grandiose Weise, dem Leser diese „Denke“ nahezubringen. Das Buch ist ein echter Pageturner, man kann kaum aufhören.
Doch auch innerhalb der Clique gibt es Hierarchien, und wer ganz nach oben will, muss ordentlich die Ellbogen ausfahren. Da ist genau festgelegt, wer welchen Parkplatz vor der Schule benutzen darf, wer mit wem zur Jachtparty geht usw. Und so kommt es, wie es kommen muss: irgendwann eskaliert es, der Druck wird zu groß und der „Kessel platzt“.
Mehr möchte ich nicht verraten, denn da würde ich doch sehr spoilern.
Von meiner Seite bekommt dieses Buch 5 Sterne.
Bewertung
4/5
01.08.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk
Ehekonflikte, die Frage nach der Bedeutung von Religion, die Rolle der Verantwortung. Foers Roman fährt einiges auf, was der Leser erst einmal verkraften muss.
Es ist die Familie des jüdischen Drehbuchautors Jakob, die im Mittelpunkt dieses monumentalen Romans steht. Eine Familie, die sich einigen Konflikten gegenübersieht und die versucht, trotz allem nicht unterzugehen.
Zugegeben es fällt zunächst etwas schwer, in die Thematik reinzukommen, einen Lesefluss zu entwickeln, was sicherlich mit der Häufung von religiösen Besonderheiten zusammenhängt. Hat man den Einstieg aber erst einmal bewältigt, sieht man sich schlagfertigen Dialogen, tiefgründigen Diskussionen und spannenden Handlungssträngen gegenüber.
Ein Roman, so vielschichtig und komplex, so spannend und unterhaltsam wie wenige Bücher, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gelesen habe.
Ein wirklich großartiges Buch!
Bewertung
aus Willingen
4/5
24.03.2015
eBook (ePUB 3)
"Die Jugend von heute"
Eine ich Erzählung, die die Jugend von heute in einer Wohlstandsclique widerspiegelt. Die Oberflächlichkeiten könnten den Leser langweilen, aber Leo, die Hauptfigur hält das Buch am Leben. Auch wenn ich diese Zeit hinter mir habe, ich mich heute schwer tue, gewisse Gedankengänge nachzuvollziehen, hat es mir dennoch Freude bereitet, das Buch zu lesen, denn ich habe mich häufig im "Damals" wiedergefunden.
Bories vom Berg
aus München
3/5
03.02.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zulassung plus Couch Wenn…
Zulassung plus Couch Wenn eine Karriere als Romancier so fulminant begonnen hat wie die von Jonathan Safran Foer, ist man natürlich neugierig auf Neues aus dessen Feder. Nach elf Jahren ist nun «Hier bin ich» erschienen, sein dritter Roman, zugleich auch sein Opus magnum. Waren die ersten beiden Romane aus einer kindlichen Perspektive erzählt, so ist es hier die eines jüdischen Mannes aus der US-Hauptstadt Washington, der eine Trennung von seiner Frau durchlebt. Die sich ankündigende Scheidung ist eingebettet in ein aufgeklärt liberales, jüdisches Lebensumfeld der Familie, das zwischen Amerika und Israel oszillierend allgegenwärtig ist und die innere Geschichte einer Entfremdung sogar weitgehend überlagert, den Trennungsroman zu einem jüdischen Sittenbild ausweitet. An seine einstigen literarischen Erfolge als junger postmoderner Schriftsteller, soviel sei hier schon gesagt, kann der US-Amerikaner, der vor zwei Jahren selbst geschieden wurde, damit allerdings nicht anknüpfen. Julia Bloch, Architektin von Beruf, findet zufällig ein zweites Handy ihres Mannes. Nachdem ihr ältester Sohn das Passwort geknackt hat, entdeckt sie darauf dessen abstoßend vulgäre SMS-Korrespondenz mit einer Kollegin. Jakob Bloch, der Scripts für eine Fernsehshow schreibt, initiiert durch diesen drögen Verbalsex mit einer Frau, die er niemals angerührt hat, ungewollt einen Prozess der Entfremdung, welcher für das Ehepaar und die drei heranwachsenden Söhne in einem Auseinanderbrechen ihrer bis dato intakten, unkonventionellen Familie endet. Diese soziale Krise spiegelt sich in einer politischen Katastrophe für den Staat Israel, das Land wird durch ein verheerendes Erdbeben schwer getroffen, was seine feindlichen Nachbarn dazu ermuntert, die Gunst der Stunde zu nutzen und den solcherart angeschlagenen Erzfeind nun auch noch mit Krieg zu überziehen. Als der israelische Premierminister alle waffenfähigen Juden in der Diaspora zur Rückkehr nach Israel auffordert, entschließt sich Jakob spontan, dem Aufruf zu folgen. Er, der noch nie ein Held war, versagt aber auch hier, verharrt letztendlich kleinlaut doch lieber in seiner gutbürgerlichen amerikanischen Existenz. Ihm wird am Ende sogar das Einschläfern seines alten, inkontinenten Hundes zu einer Entscheidung, die ihn fast überfordert. Ein jüdisches Buch, hat Philip Roth einmal geäußert, erkenne man nicht an dem, wovon die Rede ist, sondern daran, dass es immer weiter redet, ohne Ende. Insoweit ist dieser sprachverliebte Roman jüdisch durch und durch, zudem erschließt sich sein Inhalt größtenteils in seinen geradezu slapstickartigen Dialogen, Geschwätz mit oft pingpongartig wechselnden Kurzsätzen, bei denen die Antwort auf eine Frage oft in der erstaunten Wiederholung der Frage selbst besteht. Besonders die temporeichen Gespräche mit den frühreifen Söhnen sind amüsant, verlieren sich nicht selten aber abschweifend auch völlig ins Leere. Bei alldem erfährt der Leser en passant so einiges vom American Way of Life in der heutigen Zeit, da wird völlig tabulos Gott und die Welt hinterfragt. An einer Stelle antwortet Jakob entnervt, aber schlagfertig auf Vorhaltungen seiner Frau, seinen psychischen Zustand betreffend: «Du solltest dir wirklich eine Zulassung und eine Couch besorgen». Der Roman einer Midlife-Crisis weist schon durch den Titel auf die verzweifelte Sinnsuche des Helden hin. Und das Judentum wiederum, wie es die aufgeklärte Familie Bloch lebt, sei nicht religiös motiviert, erfahren wir Leser, sondern sei lediglich Brauchtum, man fühle sich einfach als Jude. Gleichwohl lauschen die sonst so vorlauten Blochs andächtig der grandiosen Trauerrede des Rabbis bei der Beerdigung des Urgroßvaters, für mich übrigens die stärkste und zudem geistreichste Passage im ganzen Roman. Flott geschrieben, ironisch Distanz haltend, ist dieser dickleibige Roman zweier Krisen durchaus lesenswert, auch wenn er teilweise allzu geschwätzig erscheint und philosophisch zuweilen schlicht Nonsens verbreitet.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.