Jahrhundertzeugen - Pröse, Tim
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Bewertung von MaWiOr aus Halle

Die Generation der letzten Zeitzeugen des Holocausts und des Widerstandes gegen den Nationalismus sterben aus. Der Journalist Tim Pröse hat solche „Jahrhundertzeugen“ …


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Ob Widerstandskämpfer oder Holocaust-Überlebende - die Lebenswege dieser besonderen Menschen beeindrucken gerade in unserer so unruhigen heutigen Zeit. Denn sich gegen Hitler zu stellen, seine Schreckensherrschaft zu überleben und trotzdem nicht mit dem Schicksal zu hadern, sondern immer wieder aufzustehen, dem Leben positiv und mit einem großen Ja zu begegnen, macht Mut für den Umgang mit Terror und Krieg, Flucht und Vertreibung - Themen, die heute wieder von bedrückender Aktualität sind. Tim Pröse hat einige dieser letzten Zeugen über viele Jahre begleitet und erzählt in 18 eindrucksvollen…mehr

Produktbeschreibung
Ob Widerstandskämpfer oder Holocaust-Überlebende - die Lebenswege dieser besonderen Menschen beeindrucken gerade in unserer so unruhigen heutigen Zeit. Denn sich gegen Hitler zu stellen, seine Schreckensherrschaft zu überleben und trotzdem nicht mit dem Schicksal zu hadern, sondern immer wieder aufzustehen, dem Leben positiv und mit einem großen Ja zu begegnen, macht Mut für den Umgang mit Terror und Krieg, Flucht und Vertreibung - Themen, die heute wieder von bedrückender Aktualität sind. Tim Pröse hat einige dieser letzten Zeugen über viele Jahre begleitet und erzählt in 18 eindrucksvollen Porträts von ihrem Leben und ihrer Botschaft: ein Plädoyer der Unangepassten für mehr Toleranz und gegen das Vergessen!
  • Produktdetails
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 317
  • Erscheinungstermin: 31. Oktober 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 144mm x 32mm
  • Gewicht: 532g
  • ISBN-13: 9783453201248
  • ISBN-10: 3453201248
  • Artikelnr.: 44944406
Autorenporträt
Pröse, Tim
Tim Pröse, geboren 1970 in Essen, ist Autor und freier Journalist in München. Er war Chefreporter der Münchner Abendzeitung und Redakteur des Focus in den Ressorts »Menschen« und »Reportage«. Eines seiner einfühlsamen zeitgeschichtlichen Porträts wurde mit dem »Katholischen Medienpreis« ausgezeichnet. 2016 erschien sein Longseller »Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler. 18 Begegnungen« , 2017 dann »Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst«. 2018 folgte »Samstagabendhelden. Persönliche Begegnungen mit den legendärsten Stars aus Film, Funk und Fernsehen« und 2019 »Mario Adorf. Zugabe!«.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.12.2016

Elser vorn - Rommel zurück
Die Suche nach Vorbildern

Eines der berührendsten Bücher dieses Jahres, dem viele Leser zu wünschen sind: Tom Pröse gelingt es, Mut und Leid einiger weniger zu beschwören, die sich einsam gegen Hitler stellten und/oder die das NS-Regime grausam verfolgte. Der Journalist verspürt heute eine Sehnsucht nach Vorbildern und möchte das Vermächtnis von 18 "Jahrhundertzeugen" weitergeben, denen er begegnet ist oder deren Verwandte/Bekannte ihm Eindrücke vermittelten. So traf Berthold Beitz den von ihm geretteten Jurek Rotenberg wieder. Inge Aicher-Scholl las aus Aufzeichnungen über ihre Schwester Sophie vor. Hans Splinter, Fahrer bei Claus Schenk Graf von Stauffenberg, und der älteste Sohn des Wolfsschanze-Attentäters blickten zurück auf den 20. Juli. Franz Hirth, Neffe von Georg Elser, schwärmte vom Bürgerbräu-Attentäter von 1939 und zeigte Pröse ein Elser-Tablett mit "feinen Intarsien". Elsers Tat ist für den Autor "Beweis dafür, dass ein Einzelner, ganz auf sich gestellt, sehr wohl Verantwortung für das große Ganze übernehmen kann und dass dafür manchmal weniger ein intellektueller Überbau vonnöten ist als vielmehr die unbedingte Bereitschaft, etwas zu wagen".

Einfühlsam schildert Pröse sein Treffen mit Emilie Schindler, die ihren Ex-Mann Oskar äußerst kritisch und ihre eigene Rolle zu wenig gewürdigt sieht: "Ich hab' damals getan, was ich konnte. Ich musste ja, sonst wären die ,Schindler-Juden' verhungert." Mit Anne Franks Cousin Buddy Elias besuchte der Journalist das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Wie Fernsehlegende Hans Rosenthal, der durch den Holocaust seine Familie verlor, im Gartenlauben-Versteck in Berlin durch die Hilfe von drei Frauen überlebte, rekonstruiert Pröse anhand von dessen Memoiren und durch Gespräche mit dessen Sohn Gert. Rosenthal wollte "kein Mahner" sein: "Er machte ,nur' Unterhaltung. Aber in dem Wort steckt das Wort ,Haltung', und die hatte er."

Pröse ist in seinen Reportagen nicht immer auf der Höhe der Forschung. Demgegenüber pochen die sieben Autoren des Sammelbandes über "kontroverse Deutungen des 20. Juli" auf Fachliteraturkenntnis und Quellenkritik. Magnus Brechtken arbeitet sich am Hitler-Biographen und langjährigen F.A.Z.-Mitherausgeber Joachim Fest ab. Das 1973 publizierte Hitler-Buch, über das prominente Fachhistoriker (darunter auch Brechtkens Doktorvater Klaus Hildebrand) "voll des Lobes" waren, wirke "eher wie ein überlanger Essay denn als forschungsbasierte Analyse". Eine selektive Beachtung verfügbarer Quellen sei bei ihm festzustellen, hin und wieder habe Fest sich auf trübe Zeitzeugen verlassen und den eigenen Weg ins Archiv "für obsolet" gehalten. In der Studie "Staatsstreich" habe er 1994 das konservative Offizierskorps im "Dritten Reich" verklärt: "Sobald man das Wurzelwerk der Festschen Geschichtsbilder ausleuchtet, zeigen sich, stilistisch brillant konstruiert und verpackt in regelmäßig elegante Formulierungen, eklatante handwerkliche Mängel."

Christopher Dowe und Cornelia Hecht zerlegen die 1978 erschienene Rommel-Biographie von David Irving, der Hans Mommsen in der Wochenzeitung "Die Zeit" stilistische Brillanz, fesselnde Darstellung und "Präzision im Detail" bescheinigte. Und das "Zeit-Magazin" resümierte: "Rommel war ein großartiger Soldat, aber kein Widerstandskämpfer." Solchen Vorgaben aus Hamburg schlossen sich damals viele Rezensenten an. Dowe und Hecht überprüfen nun einerseits diverse Aussagen von Hans Speidel, der unter dem Heeresgruppen-Oberbefehlshaber Erwin Rommel Chef des Stabes war und später in der Bundeswehr eine große Karriere machte. Speidel präsentierte nach 1945 Rommel und sich selbst "als Zentrum einer eigenen Widerstandsgruppe im Westen", die weitgehend unabhängig von der Pariser Gruppe um Stülpnagel agiert habe. Auf diese Weise wollte Speidel sich und Rommel von dem "vielen als moralisch verwerflich erscheinenden Attentatsversuch" vom 20. Juli 1944 "distanzieren und trotzdem dem Widerstand zurechnen". Andererseits zeigen die Autoren durch Abgleich mit der im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte lagernden "Sammlung Irving", wie der Brite für sein Buch eigene Zeitzeugenbefragungen "veränderte und manipulierte" und nicht einmal davor zurückschreckte, "einzelne wörtliche Zitate zu erfinden". Ob diese Ergebnisse schon ausreichen, um aus dem jahrelangen Hitler-Gläubigen noch einen sehr späten Hitler-Gegner zu machen, sei dahingestellt. Jedenfalls gilt es laut Dowe und Hecht, Deutungen des Generalfeldmarschalls "zu überwinden, wie sie von David Irving oder auch Hans Speidel vor Jahrzehnten in die Welt gesetzt wurden".

RAINER BLASIUS

Tim Pröse: Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler. 18 Begegnungen. Wilhelm Heyne Verlag, München 2016. 318 S., 19,99 [Euro].

Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Herausgeber): Verräter? Vorbilder? Verbrecher? Kontroverse Deutungen des 20. Juli 1944 seit 1945. Frank & Timme Verlag, Berlin 2016. 264 S., 19,80 [Euro].

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"Eines der berührendsten Bücher des Jahres, dem viele Leser zu wünschen sind." Rainer Blasius, Frankfurter Allgemeine Zeitung