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Benutzername: Buecherseele79
Wohnort: Schwarzwald
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Bewertungen

Insgesamt 15 Bewertungen
12
Bewertung vom 07.03.2019
Mörder
Bartel, Veikko

Mörder


ausgezeichnet

In seinem neusten Buch widmet sich der Strafverteidiger Veikko Bartel den Mördern, also sind hier nun die Männer zu erwähnen.
Und da mir „Mörderinnen“ schon sehr gut gefallen hat war ich auch hier gespannt was mich erwarten wird.
Vor allem ist man natürlich neugierig - töten, denken, handeln Täter der männlichen Seite anders als die Weibliche?
Sind sie wirklich nur „Monster“, „Abschaum“, der weggesperrt gehört?
Kann man hier leichter urteilen?

In „Mörder“ schildert Veikko Bartel folgende Fälle die er als Strafverteidiger vor Gericht vertreten hat:

Der betrogene Finanzbeamte
Der Drücker
Thailand, mon amour
Das Genie
Der Scharfschütze der Fremdenlegion
Der Serienvergewaltiger, der Tod von Frau Meyer und das Gewissen eines Verteidigers

Der Schreibstil ist von Beginn an wieder flüssig, zieht den Leser sofort in seinen Bann und man ist gespannt sowie neugierig welche Tore sich hier nun öffnen werden.
Ich mag es persönlich wie Veikko Bartel alle Umstände beschreibt die er erlebt hat.

Und auch im aktuellen Buch wird recht schnell klar - man kann einen Täter nicht so einfach und schnell verurteilen.
Wo die Gesellschaft aufschreit weil ein Mann seine Frau und Freundin getötet hat gibt es trotzdem klare, rechtliche Schritte die differenzieren, es ist eben immer mehr als nur Schwarz oder Weiss.
Und vielleicht lernt man durch diese Bücher auch mehr hinter die Fassade zu schauen, dass ein Täter manchmal selbst Schlimmes erlebt hat, dass gewisse Dinge ihn geprägt haben, keiner fragte ob es diesem Mann so Recht ist.

Interessant war auch dass Veikko Bartel im Ausland agieren musste, spannend und manchmal erschreckend zu sehen wie in anderen Ländern Gerichte, Polizei und Anwälte arbeiten.
In diesen Momenten ist man dann doch ganz froh dass es in Deutschland so ein Rechtssystem gibt welches jeden auffängt.

Klar gibt es auch bei uns schwarze Schafe die ihren Rang ausnutzen, dies stellt der Autor ebenso klar, aber zum Glück sind diese Menschen in der Unterzahl.
Wenn Veikko Bartel diese Fälle beschreibt regt sich doch immer Mitgefühl oder auch Abscheu durch das was diesen „Tätern“ widerfahren ist.

Am Besten jedoch fand ich das letzte Kapitel denn hier beschreibt der Autor und Strafverteidiger Fälle die auch an seiner Moral kratzen, was einen Strafverteidiger ausmacht, was sein Job ist, wie er vor Gericht auftritt und welche Ziele er verfolgt.
Ich persönlich habe hier einen grossen Respekt vor dem Beruf eines Strafverteidigers bekommen, auf der einen Seite finde ich es interessant, auf der anderen Seite hätte ich bei gewissen Tätern wohl starke Bedenken ob ich diese hier fair und ohne zu vorverurteilen verteidigen könnte.
Und gerade in der heutigen Zeit, wo eine Gesellschaft so schnell vorverurteilt, aufschreit und losbrüllt, gerade da braucht es solche Bücher.

Denn man sollte immer bedenken- irgendwann steht man vielleicht selbst auf der „falschen“ Seite und dann ist man froh wenn man einen Strafverteidiger hat wie Veikko Bartel.
Ein Mensch der an einen glaubt, der einen zuhört und mit einem den ganzen Fall „auseinandernimmt“ um Unstimmigkeiten oder falsch dargestellte Sachen klarzustellen.
Auch dieses Buch kann ich nur empfehlen.

Ich bedanke mich beim Bloggerportal, dem Randomhouse sowie dem Mosaikverlag für das Zusenden des Rezensionsexemplars.

Bewertung vom 28.02.2019
Das weiße Nashorn
Lutteman, Markus

Das weiße Nashorn


ausgezeichnet

In einem schwedischen Zoo wird das Nashornweibchen Zoela tot aufgefunden, die Hörner wurden ihr entfernt.
Erschreckende Erkenntnis- Zoela war eines der letzten 4 noch lebenden nördlichen Breitmaulnashörner.. wer könnte also Interesse haben diese Hörner aus dem Zoo zu stehlen?
Der Rockstar Rob Chazey fühlt sich durch den Erfolg innerlich leer.
Als ihn eine Mail erreicht dass sein Patennashorn Lena im Limpopo Rhino Reserve durch Wilderei getötet wurde beschließt er nach Südafrika zu fliegen um sich ein genaues Bild zu machen...
Und ohne es zu ahnen geraten Rob und eine Freundin in zwischen die Fronten von Wilderern, Terroristen und Käufern die bereit sind alles zu tun um an Nashornhörnern zu kommen...

Dieser Thriller hat mich nicht mehr losgelassen, im Ganzen hat der Autor gekonnt ein Thema aufgefasst was schrecklicher, grausamer und realistischer nicht sein könnte.

Schon zu Beginn hat mich das Buch zu Tränen gerührt und man merkt hier die Liebe aber auch die intensiven Recherchen des Autors zum Thema gefährdete Tierarten- in diesem Fall handelt es sich um die Nashörner.

Der Schreibstil ist von Beginn an interessant, wobei ich keine Ahnung hatte wohin das Buch führen würde, auch war ich mir nicht ganz sicher was die ganzen Namen bzw. Protagonisten zusammenführen könnte.
Unter dem Strich muss ich aber sagen konnte der Autor hier auf ganzer Linie überzeugen und das Ende stimmig und spannend abrundet.

In diesem Thriller fallen, wie gesagt, viele Namen bzw. Protagonisten, einige bekommen mehr Platz im Buch, andere werden nur am Rande erwähnt, ich persönlich finde aber dass der Autor hier ein stimmige Priorität gesetzt hat.
Es gibt Leute die hasst man abgrundtief und es gibt Leute mit denen fiebert man regelrecht mit, mich konnte der Rockstar Rob überzeugen.

Die Spannung in diesem Thriller liegt bei der Nähe zur Realität.
Der Autor beschreibt die Szenen im einem Nationalpark so authentisch dass ich immer ein Bild vor Augen hatte und mich hineinversetzten konnte.
Die Ökologie und Aufbau eines Nationalparks wird hier wunderbar hervorgehoben und lädt zum träumen ein.

Und dann die andere Seite - der Handel mit diversen Tierarten, viele davon gefährdet, aber das ist Händlern und den Käufern egal solange die Kohle stimmt und sie einen dicken Gewinn einfahren.
Die Medizin im asiatischen Raum hält noch heute an den Wundern von Elfenbein, Horn und Co. fest und lässt sich von neuen Studien überhaupt nicht beeindrucken.

Regelrecht ekelerregend ist die Erkenntnis dass Käufer/Sammler auf die Ausrottung von Tieren hoffen damit die Preise von Horn und Co. ins Unermessliche steigen.
Wie tief diese Tiermafia geht, wie weit oben noch Leute sitzen die öffentliche Ämter für diesen Handel beschmutzen macht einfach nur fassungslos.

Der Thriller konnte mich von Beginn an fesseln, packen und besticht durch seine absolute Nähe zur Realität und was hier mit bedrohten Tierarten weiterhin geschieht.
Ich kann diesen Thriller wirklich jedem nur ans Herz legen!

Bewertung vom 19.02.2019
Tannenstein
Geschke, Linus

Tannenstein


ausgezeichnet

Ex-Polizist und jetzt Ex-Häftling Alexander Born hat in Freiheit nur einen Wunsch-
er will den Täter finden der seine Ex-Kollegin und Freundin getötet hat.
Die Polizei nennt ihn "den Wanderer", in Tannenstein verübte er sein erstes Massaker, keiner kennt ihn, keine kann ihn wirklich beschreiben, keiner weiss wo er sich aufhält...
Zusammen mit der Polizistin Norah Bernsen will er den "Wanderer" schnappen und gerät zwischen Korruption, Menschenhandel, Drogen und Mord...

Linus Geschke meint zu seinem Thriller- er wollte dieses Buch dringender schreiben als all die anderen Projekte die ihm wohl vorschweben und ich selbst kann sagen- ich bin froh dass er diesem Wunsch nachgegeben hat.

Der Schreibstil ist von Beginn an flüssig, spannend und packt einen.
Und der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, zu diesem Thriller kann man auf jeden Fall sagen- hier wird nichts beschönigt oder verschwiegen.

Die verschiedenen Charaktere konnten mich allesamt begeistern, auch wenn es in diesem Thriller nicht wirklich einen "positiven" Charakter gibt.
Egal ob es um Born geht der im Knast gesessen hat weil er korrupt wurde als Polizist, die Kollegin die wohl beginnt gewisse Grenzen zu überschreiten, der Wanderer der seinen Weg geht und von den Bösen in Form der ja, Russenmafia, braucht man wohl gar nicht mehr viel dazu zu schreiben.
Trotzdem konnte ich mich für Born und Norah begeistern, vielleicht weil es um Themen geht die man nicht schönreden kann bzw. darf und man hier mit falschen Hoffnungen und Optimismus nicht weiterkommen würde.

Die Geschichte pendelt zwischen Alexander Born, Norah Bernsen, der Mafia, dem Wanderer und Nadeschda, die aus ihrer Armut in Weissrussland entkommen möchte.
Trotz der vielen Charaktere bin ich nie verwirrt gewesen sondern der Autor baut hier gekonnt die Geschichte auf an deren Ende sich alle Charaktere wiederfinden bzw. es ein schlüssiges Ende ergibt.

Das Buch geht, wie schon gesagt, in die knallharte Realität, der Autor verschönert hier nichts und ich denke damit werden die ein oder anderen Leser ein Problem haben.
Es geht um Menschenhandel, Prostitution, Geldwäsche, Mord, Schweigegeld, Korruption, Drogen und wie leicht es ist sich diese Geschäfte aufzubauen, wo keiner genau hinsieht, nur an sich denkt und ein schönes Leben haben möchte.
Aber auch was es heisst für die Mafia, eine Organisation zu arbeiten, ohne Fehler zu machen, keine Probleme zu verursachen, Probleme zu beseitigen.

Die andere Thematik des Buches- Selbstjustiz.
Mittlerweile merkt man in vielen Schichten der Gesellschaft dass sie mit der Rechtsprechung Probleme hat, gerade wenn es um Kinder oder schreckliche Taten geht die, in Augen von vielen, nicht richtig bestraft werden.
Man macht sich immer wieder Gedanken während dem lesen ob es jetzt richtig ist oder nicht, auf der einen Seite konnte ich es immer irgendwo verstehen, auf der anderen Seite bin ich ganz klar für einen fairen Rechtsstaat der Recht spricht.
Ich persönlich finde dass dem Autor diese Thematik sehr gut gelungen ist, auch wenn man sieht was passiert wenn jeder seine eigene Justiz anwenden will und doch nicht alles wissen kann.

Das Ende der Geschichte hat mir selbst sehr gut gefallen, weil hier Dinge aufgezählt werden die jeden Leser zum nachdenken bringen, man merkt dass der Autor sich mit der Thematik Selbstjustiz sehr intensiv auseinandergesetzt hat.

Ich persönlich habe diesen Thriller in kürzester Zeit regelrecht verschlungen und kann ihn Thrillerfans die sich für diese Thematik interessieren auf jeden Fall ans Herz legen!

Bewertung vom 19.02.2019
Todesschweigen / Helen Birch Bd.1
Askew, Claire

Todesschweigen / Helen Birch Bd.1


ausgezeichnet

Dieser Kriminalroman hat mich sehr positiv überrascht und fasst die Frage nach dem „Warum“ nach einem Amoklauf mit vielen Facetten von Gefühlen auf.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, allerdings hatte ich zu Beginn gleich meine Zweifel denn die Autorin nimmt sich zu Anfang sehr viel Zeit mit Details die den Leser fast ein bisschen langweilen und man nicht hofft dass es in der Geschichte so weiterverläuft.Es lohnt sich aber am lesen dran zu bleiben denn dieses Buch überrascht wirklich.

Man lernt 3 Frauen kennen- Detective Helen Birch ist befördert worden und muss nun die Aufklärung betreiben was aber gar nicht so einfach ist denn keiner kann eine zufriedenstellende Antwort sofort liefern.

Moria Summers ist die Mutter von Ryan der diesen Amoklauf geplant hat und sich anschliessend selbst tötete. Auch sie quält sich mit dem „Warum“ und sucht Antworten in dem letzten Gespräch was sie mit Ryan am Abend vor dem Amoklauf führte.

Ishbel Hodgekiss erfährt online dass es an der Schule ihrer Tochter einen Amoklauf gegeben hat und muss dann mit dem Tod ihrer Tochter zurecht kommen. Doch auch sie plagt das schlechte Gewissen da sie schon seit längerer Zeit mit ihrer Tochter mehr gestritten hat als geredet, das Verhältnis war nicht mehr das Beste.

Und nun kann sie sich nie wieder mit ihrer Tochter aussprechen oder gar versöhnen.

Die Blickwinkel, Gefühle, Ohnmacht, Wut, Angst und Trauer werden in diesen 3 Frauen widergespiegelt was der Autorin, in meinen Augen, unheimlich gut und gefühlvoll gelungen ist.

Natürlich fragt man sich auch als Leser nach dem „Warum“ und ist immer am mitdenken und mitfühlen und versucht dies alles zu verstehen.

Sehr lobenswert ist auch dass die Mutter des Amokläufers viel Spielraum erhält, bei der gesellschaftlichen Wut geht oft diese Mutter, deren Kind ja auch trotzdem ein Opfer ist, unter.

Immer wieder eingeworfen werden Artikel oder Onlineberichte von Grant Lockley, der in den Privatleben der Opfer wühlt um seine Story des Lebens zu schreiben, ohne Rücksicht auf Verluste, Gefühle oder Privatssphäre. So erhält man als Leser auch Eindrücke wie die Gesellschaft denkt oder wie sie handeln würde wenn sie dürfte.

Man merkt dass die Autorin sich mit dieser Thematik sehr intensiv auseinander gesetzt hat und in meinen Augen ist dies in ihrem Buch „Todesschweigen“ sehr gut gelungen.Mit dem Ende hat der ein oder andere vielleicht seine Probleme, ich fand alles sehr authentisch, denn das „Warum“ bleibt sehr oft offen und beschäftigt.

Mich hat dieses Buch stark zum nachdenken gebracht aber zu Tränen gerührt.
Ich kann diesen Kriminalroman nur empfehlen!

Bewertung vom 08.02.2019
Morgengrauen
Demirtas, Selahattin

Morgengrauen


ausgezeichnet

,Selahattin Demirtas gehörte bis Frühjahr 2018 der Oppositionspartei HDP in der Türkei an, er war Erdogans wichtigster und wie es scheint auch "gefährlichster" Gegner, denn seit November 2016 wird er im Hochsicherheitsgefängnis festgehalten.

Und genau aus diesem Hochsicherheitsgefängnis erreichen uns die Kurzgeschichten zu dem Buch "Morgengrauen".

Das Buch weist 144 Seiten auf und trotzdem gehen die Geschichten, die Gedanken, das Geschehen unter die Haut, es setzt sich im Kopf fest, man beginnt bei der ein oder anderen Geschichte an sein eigenes Leben ein bisschen zu reflektieren.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, aber man sollte beim lesen wirklich dabei sein, Zeit dass die Gedanken abschweifen gibt es erst gar nicht.

Der Autor zeigt ein sehr genaues Bild über die aktuellen Zustände in der Türkei- egal ob es um die Ehre der Familie geht, die Ehe, das Frauenbild in der Türkei, der gesellschaftliche Wandel von Arm und Reich, aber auch über Flucht und die verbundenen Hoffnungen auf ein besseres Leben.

Es gibt die ein oder andere Geschichte die zu Tränen rührt, gerade die erste Geschichte im Buch fand ich unglaublich gut, realistisch und erschreckend dargestellt, aber auch "Seher" und "Die Meerjungfrau" haben mich sehr bewegt.

Die Geschichte "Unendlich einsam" fand ich zum Standpunkt- aktuelle Gesellschaft mehr als gelungen und ich denke man kann gerade diese Geschichte auf viele Länder ummünzen, es betrifft nicht nur die Türkei alleine.

Natürlich ist durch Erdogan vieles aus dem Ruder gelaufen, das ist gar nicht zu bestreiten.
Aber mich hat das Buch auch gerührt da es auch in anderen Ländern Situationen gibt wo ich mir denke- auch hier ist das Frauenbild verzerrt, auch hier erleben wir eine Gesellschaft die sich ändert, nicht unbedingt zum Besseren.

Für mich persönlich ist es auch ein Buch dass zu mehr Achtung und Respekt füreinander aufruft, dass man seine Freiheit und vor allem seine Meinungsäusserung hoch und auch heilig halten soll.

Die Gedanken sind frei und das hat Selahattin Demirtas mit seinem Buch "Morgengrauen" wirkungsvoll erwiesen.
Ich kann für dieses Buch eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen!

Bewertung vom 08.02.2019
Als die Soldaten kamen
Gebhardt, Miriam

Als die Soldaten kamen


sehr gut

Die Autorin und Historikerin Miriam Gebhardt fasst in ihrem Buch "Als die Soldaten kamen" ein Thema auf welches noch heute lieber verschwiegen wird, von Aufarbeitung, geschweige denn Entschuldigungen ganz zu schweigen.
In ihrem Buch räumt die Autorin auch mit Propaganda und Vorurteilen auf- denn nicht "nur" die "Russen" haben Frauen vergewaltigt, sondern ebenso Amerikaner, Engländer und die Franzosen.

Zuerst ist glaube ich der Schreibstil ganz wichtig zu erwähnen- wer hier mit einem Buch über reine Geschichten oder Aussagen von Überlebenden rechnet ist hier falsch.
Die Autorin erwähnt natürlich Aussagen, aber diese beziehen sich eher auf Dokumente die noch verfügbar sind, Protokolle über Aussagen von Militär, Ärzten, Ämter aber auch von Opfern selbst, oder aus Tagebüchern und anderen Aufzeichungen.

Oft sind die Satzstellungen nicht einfach zu lesen, man muss diesem Buch wirklich Zeit geben und sich auch Zeit nehmen für das lesen.
Trotzdem redet die Autorin Klartext, gerade wenn es zu "wissenschaftlich" wird erklärt sie in einfachen Sätzen was gemeint ist dass es auch jedem Leser verständlich wird.

In diesem Buch werden auch andere Studien, Bücher oder Filme genannt, erklärt und warum die Autorin hier Fehler sieht, sich der ein oder anderen Sichtweise anschliesst oder etwas berichtigen möchte.
Ganz kar wird aber hervorgehoben- wie hoch die Opferzahl ist kann eigentlich keiner genau sagen, vieles sind Schätzungen und da wird das Buch auch interessant denn es zeigt ganz klar auf- hier wurde sehr viel vertuscht, verpfuscht und totgeschwiegen.

Warum wurden Frauen von den "Befreiern" als "Freiwild" angesehen?
Waren es wirklich nur die Russen?
Welche Rechte und Schutz hatten die Frauen damals?
Wieviel ist davon Propaganda?
Wie ist die Aufklärungsrate gewesen?
Gab es Unterstützung und Hilfe aus der Gesellschaft, von den Militärbesetzern selbst?
Kann man diese Thematik als "aufgeklärt" und "aufgearbeitet" betrachten?

Diesen und einigen Fragen mehr geht die Autorin in ihrem Buch auf den Grund und zeigt erschreckend auf- weder damals noch heute wurde wirkliche Aufklärungsarbeit geleistet, noch heute leiden die Frauen unter den Folgen von einer oder von einer mehrmals Vergewaltigung.

Auch waren es "nicht nur" Frauen die vergewaltigt wurden, auch Männer und Jungen, sogar kleine Kinder waren unter den Opfern...
Für Zartbesaitete ist dieses Buch nichts, denn auch wenn es mehr unter dem historischen Blick geschrieben wurde kommen die Auswirkungen, das Erlebte der Opfer in keinster Weise zu kurz.
Man merkt dass der Autorin eines wichtig ist- die Stimme der Opfer und dass hier endlich Verantwortung übernommen wird!

Dieses Buch schreibt über eine Zeit, beschreibt ein Zeitdokument welches heute noch weiterhin aktueller ist denn je, denn Krieg gibt es leider überall und Vergewaltigungen gehören grausamerweise dazu, auch hier hat die Weltgemeinschaft noch immer nichts gelernt und reagiert, agiert viel zu langsam.

Trotz des eher historischen Schreibstils kann ich dieses Buch, MUSS ich dieses Buch wirklich empfehlen!

Bewertung vom 01.02.2019
Marschmusik
Becker, Martin

Marschmusik


ausgezeichnet

In dem Buch "Marschmusik" schreibt Martin Becker über eine durchschnittliche Ruhrpott Familie.
Eine Familie die mehr für sich lebt, 3 Söhne hat, versucht über die Runden zu kommen, der Erzähler des Buches ist der jüngste Sohn und Nachzügler, er erhielt gerade von den Eltern immer viel Liebe und Aufmerksamkeit.
Aber der jüngste Sohn lebt auch am weitesten von der alten Heimat entfernt, als er seine Mutter mal wieder besucht erinnert er sich an sein bisheriges Leben und interessiert sich gerade für den schon verstorbenen Vater der im Bergbau tätig war.
Für mich ist das Buch von Martin Becker eine ganz grosse Liebe und Hommage an den Ruhrpott, gerade an die Menschen die im Bergbau tätig waren, die die Nation mit Kohle und Energie versorgten, die immer am malochen waren und nie gejammert haben.
Der Schreibstil des Buches ist einfach, realistisch, so wie die Menschen im "Pott" reden, denken und leben und genau hier liegt, für mich als Leser, das Besondere, das Liebevolle, das Wahre des Buches.
Man muss sich auf den Schreib- und Erzählstil einlassen, sonst denke ich dass viele Leute ein Problem mit diesem Buch haben werden.
Das Buch weist einige Erzählstränge auf, einmal geht es um den jüngsten Sohn der immer das Nesthäkchen war, der aber als Einziger das Weite gesucht hat und verschiedene Bahnen von Gefühlen durchlebt wenn er die Mutter daheim besucht.
Er möchte nicht zu Besuch kommen, auf der anderen Seite möchte er aber auch nicht gehen.
Man erfährt von seiner Jugend, dass er immer eher ängstlich war, viel krank, ja manchmal fast paranoid, wieviel ihm das Posaune spielen in der Marschkapelle bedeutet hat, er suchte den Weg zu der ganz grossen Bühne und wollte berühmt und angesehen werden.
Und dann gibt es das Leben der Eltern, was ich persönlich am interessantesten fand, denn diese Abschnitte beschreiben das Leben und Arbeiten im Ruhrpott sehr deutlich.
Wie die Eltern sich kennenlernten, wie sie nach Jobs suchten und immer versuchten über die Runden zu kommen, dass das Leben damals kein Zuckerschlecken war, aber es gab nie ein böses Wort oder Grund zu Jammern, denn- "man kann ja nichts machen", es wird schon irgendwie weitergehen.
Wer dieses Buch liest sollte sich für den Bergbau, den Ruhrpott und die Mentalität des Ruhrpotts interessieren bzw. vielleicht schon mal dort gewesen sein.
Mein Freund stammt aus dem Pott, seine Oma und andere Verwandte leben noch dort, viele haben damals noch in den ganz grossen Industrieanlagen gearbeitet.
Durch regelmässige Urlaube kann ich mittlerweile sagen dass das Buch den Ruhrpott genau so wiedergibt, es war eine Freude es lesen zu dürfen.
Und gerade heute ist der Pott mehr als nur Bergbau, grau und dreckig, sondern grün, interessant und von einem ganz eigenen Schlag.
Mich konnte das Buch bestens unterhalten, es gibt tiefe Einblicke in das einfache Leben einer Familie die mit dem Bergbau aufgewachsen ist und ist eine wahre Hommage an den Ruhrpott.
Ich bedanke mich bei dem btb-Verlag, dem Randomhouse Verlag sowie dem Bloggerportal die mir das Buch als Rezensionexemplar überlassen haben.
(Dies hat keine Auswirkungen auf meine Rezension!)

Glück auf!

Bewertung vom 01.02.2019
Das Vogelhaus
Eva, Meijer

Das Vogelhaus


ausgezeichnet

Die Autorin Eva Meijer beleuchtet in ihrem Buch "Das Vogelhaus" das Leben der Len Howard.
Alleine das Cover ist wunderschön und sehr liebevoll gestaltet und macht neugierig auf die Geschichte.

Der Schreibstil ist flüssig, angenehm und konnte mich von Beginn an mitziehen und begeistern.

Man lernt Len von Jung auf kennen, das heisst, dass in ihren jungen Jahren die Vogelpflege mit ihrem Vater zwar eine Rolle einnimmt, aber sie ebenso das Musizieren liebt und den Traum hegt nach London zu gehen.
Zwischendurch erhält der Leser immer wieder interessante und sehr liebevolle Einblicke zwischen Len und ihren Forschung, speziell mit der Vogelart der Kohlmeisen, hier mit der Vogeldame Sternchen.

Ich kann mir vorstellen dass es einigen Lesern zu wenig um die Vogelforschung von Len Howard geht, da wie gesagt, der erste Teil sich eher mit ihrem Werdegang und ihren Wünschen der beruflichen Anerkennung auseinandersetzt.
Ich persönlich fand den Werdegang aber sehr interessant, dennso konnte man Len Howard besser kennenlernen und ihre Eigenart auch verstehen.

Der zweite Teil des Buches widmet sich dann Len Howard in ihrer Forschung und Beobachtung und ist unheimlich interessant, liebevoll und mit ihrer Leidenschaft gespickt.
Persönliche Namen der Vögel sowie ihre Verhaltensmuster bringen dem Leser diese sehr schlauen und liebevollen Tiere noch näher und konnten mich begeistern, berühren und auch den Blickwinkel auf Vogelarten nochmals verändern bzw. verstärken.

Das Buch würde ich jedem empfehlen da es sich um Lebewesen dreht die man täglich hört, sieht oder "näher" kennenlernen kann und durch seine Liebe zu den Vogelarten besticht.
Eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 29.01.2019
Feinde
Saygin, Susanne

Feinde


ausgezeichnet

Zu Beginn ist es etwas holprig, man weiss nicht so genau wohin die Geschichte führen wird, auch muss man sich an Can und Simone etwas gewöhnen da sie als Team sehr eigen miteinander umgehen- aber genau hier liegt auch der Charme der Ermittler- sie reden wie ihnen der Mund gewachsen ist, haben Ecken und Kanten und ihre privaten Probleme die sie eben auch belasten.

Der Schreibstil an sich ist flüssig, sehr gut verständlich, und von Seite zu Seite packt er einen auch immer mehr bis man das Buch nur sehr ungern aus der Hand legt.

Ein besonderes Augenmerkt legt die Autorin gekonnt auf die offenen Grenzen, auf den Rechtsdruck der nicht nur in Deutschland wieder zunimmt, auf die Möglichkeiten die EU zu "bescheissen" und welche dunklen Geschäfte möglich sind.
Und gerade hier, wie auch in der Realität- man kommt sehr schwer an die "ganz dort oben" heran.

Die jahrelangen Recherchen der Autorin haben sich auf jeden Fall ausgezahlt was man diesem Thriller auch deutlich anmerkt.
Man sollte sich vielleicht auch für den "Blick über den Tellerrand" interessieren, sich mit Politik und Gesellschaft etwas auskennen damit man diesen Thriller auch gerne liest.

Ein Thriller der einem den eigenen Spiegel vorhält, der zeigt dass Rechts ebenso Mist ist wie zuviel Links, dass man einen gehobenen Lebensstandard meist auf Kosten von anderen Menschen lebt die für Dumpinglöhne und kaum überleben jede Arbeit annehmen und dabei ausgebeutet werden.

Mich konnte dieser Thriller auf ganzer Linie überzeugen, packen und auch schockieren und ich kann ihn daher nur empfehlen!

Bewertung vom 21.01.2019
Drachensplitter
Mühlau, Ruth

Drachensplitter


ausgezeichnet

Vorweg- um die Geschichte von Eisenland und der Zauberschmiedin Rayka zu verstehen sollte man die vorigen Bände der Autorin gelesen haben und kennen, sonst hat man erhebliche Probleme diesem Buch zu folgen.

Der Schreibstil ist weiterhin packend, spannend und voller Fantasie, die Seiten werden nur so gelesen und man möchte aus dieser Welt der Zauberschmiedin gar nicht mehr auftauchen.
Gerade für Fantasiefans sind diese Bücher auf jeden Fall zu empfehlen.

Durch alle Bücher haben sich die Charaktere entwickelt, verändert, man freut und leidet mit ihnen und trotzdem ist es der Autorin gelungen in diesem Band wieder die ein oder andere Überraschung einzubauen, den Leser immer herauszufordern was er meint was passieren wird und ob sich ein Charakter wie verändert hat, zum Guten oder Schlechten.

Ein besonderer Punkt ist natürlich dass in diesem Band auch ein Drache auftaucht der mich vollkommen überzeugen konnte, auch bei ihm, typisch Drache, wusste man nie so genau woran man ist.

Der Autorin Ruth Mühlau ist gelungen eine interessante und fantastische Geschichte rund um die Zauberschmiedin Rayka zu entwickeln, gerade das Schmiedehandwerk wird hier sehr gekonnt und interessant dargestellt und auch das Steine ebenso eine Seele und ein Wesen in sich haben.

Da mich dieser Band ebenso begeistern konnte spreche ich für die ganze Reihe eine ganz klare Leseempfehlung aus.

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