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Vater und Sohn leben nach dem Tod der Mutter alleine in einer Hamburger Gründerzeitvilla; der Sohn ist fünfzehn Jahre alt, der Vater Atomphysiker. Als er arbeitslos wird, verwahrlost der Haushalt, bis der Vater nach einem Unfall ins Krankenhaus kommt und der Sohn die Initiative übernimmt. Er stellt die polnische Studentin Ada als Haushälterin ein. Das verändert die Situation im Haus von Grund auf ... Die Haushälterin ist ein Generationenroman, eine Vater-und-Sohn-Geschichte und zugleich der Roman einer ersten Liebe. Jens Petersen hat mit seinem Debüt ein einfühlsames Porträt eines jungen…mehr

Produktbeschreibung
Vater und Sohn leben nach dem Tod der Mutter alleine in einer Hamburger Gründerzeitvilla; der Sohn ist fünfzehn Jahre alt, der Vater Atomphysiker. Als er arbeitslos wird, verwahrlost der Haushalt, bis der Vater nach einem Unfall ins Krankenhaus kommt und der Sohn die Initiative übernimmt. Er stellt die polnische Studentin Ada als Haushälterin ein. Das verändert die Situation im Haus von Grund auf ...
Die Haushälterin ist ein Generationenroman, eine Vater-und-Sohn-Geschichte und zugleich der Roman einer ersten Liebe. Jens Petersen hat mit seinem Debüt ein einfühlsames Porträt eines jungen Erwachsenen geschrieben - lakonisch und witzig.Dieses Buch wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2005 sowie dem "aspekte"-Literaturpreis 2005 ausgezeichnet.

  • Produktdetails
  • Verlag: Dva
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 176
  • Erscheinungstermin: 9. Februar 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 126mm x 21mm
  • Gewicht: 306g
  • ISBN-13: 9783421057860
  • ISBN-10: 3421057869
  • Artikelnr.: 13233006
Autorenporträt
Petersen, Jens
Jens Petersen, 1976 in Pinneberg geboren, lebt in Zürich. Er studierte Medizin in München, Lima, New York, Florenz und Buenos Aires. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Zürich. Er veröffentlichte zahlreiche journalistische Texte und Erzählungen in Kinder- und Jugendbuchanthologien. 2005 erschien sein Debütroman "Die Haushälterin" (DVA), für den er mehrere Auszeichnungen erhielt, darunter den "aspekte"-Literaturpreis. Für einen Auszug aus seinem Roman "Bis dass der Tod" erhielt Jens Petersen den Ingeborg-Bachmann-Preis 2009.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.11.2005

Junge Hoffnungen

ES WURDE ZEIT, daß die junge deutsche Literatur sich der sozialen Wirklichkeit zuwendet. Die Leipziger Autorin Claudia Klischat (geboren 1970) hat in diesem Frühjahr mit ihrem Romandebüt auf radikale Weise versucht, die Abgründe der Gesellschaft auszuleuchten. Ihr virtuos komponiertes Triptychon erzählt aus drei verschiedenen Perspektiven eine tragische Geschichte von Mißbrauch und Traumatisierung - ein mitreißender Bewußtseinsstrom aus der Vorstadthölle. In ein ganz anderes Milieu führt das Debüt des 1976 in Pinneberg geborenen Arztes Jens Petersen. Er erzählt, psychologisch überzeugend, eine Vater-Sohn-Geschichte, in der die Leere nach dem Tod der Mutter von einer polnischen Haushaltshilfe etwas zu handgreiflich ausgefüllt wird - ein leiser, melancholischer Adoleszenzroman. In Marion Poschmanns "Schwarzweißroman" reist eine junge Studentin zu ihrem Vater, der im unwirtlichen Magnitogorsk als Ingenieur arbeitet. Der zweite Roman der jungen, vor allem als Lyrikerin bekannt gewordenen Autorin verbindet die Erfahrung der Fremde mit einer Reflexion über Individualität in der Moderne und zeigt, wie der einzelne im Kraftfeld anonymer Strukturen zu verschwinden droht.

rik.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Gut gefallen hat Rezensentin Andrea Neuhaus dieser Romanerstling von Jens Petersen über das Erwachsenwerden. Zwar taugt der verschlossene sechzehnjährigen Ich-Erzähler Phillip Merz, der sich nach dem Tod seiner Mutter aufopferungsvoll um seinen haltlosen Vater kümmert und sich in die polnische Haushälterin verliebt, nach Ansicht von Neuhaus nicht unbedingt "zum Helden eines Kultbuches". Aber das tut der Sache keinen Abbruch. Zumal Neuhaus der Prosa Petersens eine "elegante Beiläufigkeit" bescheinigt, hinter der die "Beklemmung fast verborgen" lauere. Allerdings moniert sie, dass Petersen bisweilen "zu vieles in der Schwebe" lasse, so dass "Andeutungen zu Leerstellen im Erzählten" verblassen. Nichtsdestoweniger würdigt sie "Die Haushälterin" als "schönes und solides Debüt, das unpathetisch und mit hintergründigem Humor die Tristesse eines aufgeschobenen Daseins wiedergibt."

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.12.2005

Sanft wie der Staub des Lebens
Jens Petersens preisgekrönter Debütroman „Die Haushälterin”
Ein Sommer in den neunziger Jahren, ein 16-jähriger Junge, der in gediegenen Verhältnissen am Hamburger Stadtrand aufgewachsen ist. Die Mutter ist gestorben, Vater und Sohn leiden seit ihrem Tod an sanfter Verwahrlosung und untergründiger Trauer. Entropie allerorten, der Haushalt sinkt langsam, aber unaufhaltsam. Der namenlose Vater, der Kernkraftwerke gewartet hat, verliert seinen Job, seinen Mut, seine Selbstachtung und landet schon nach wenigen Seiten endgültig ganz unten, am Fuße der Kellertreppe, mit gebrochenem Bein. Philipp Merz, selbst eher einer, der still am Pullisaum des Lebens knispelt und der seinem Vater aus seinem stummen Elend helfen will, sucht daraufhin per Anzeige nach einer Haushälterin. Auftritt Ada: „Ihr Lächeln, der helle Punkt im Auge, ihr schwarzes Haar, hochgehalten von einer roten Spange.” Ada ist 23, kommt aus Lubin, studiert und sitzt an der Übersetzung eines Buchs ihres Freundes. Aber davon weiß Philipp noch nichts. Er sieht sie nur vor sich sitzen und wüsste gern, wie man sich verhält in so einer Situation: „Mein Vater würde nicken und etwas sagen wie ,Freut mich, fangen Sie mit den Gardinen an.‘ Für mich war Ada wie ein Geschenk, das einen auf die Frage brachte, warum man es sich nicht schon seit langer Zeit gewünscht hatte.”
So ähnlich geht es einem beim Lesen auch mit Jens Petersens wunderbarem Debütroman „Die Haushälterin”. Petersen, der 1976 geboren wurde und als Neurologe in München arbeitet, erzählt so präzise und verhalten von dem Kuddelmuddel namens Liebe, vom Erwachsenwerden und der Unmöglichkeit, miteinander zu reden, dass man schnell all die Vorbilder vergisst, die man anfangs etwas ängstlich assoziiert. Ada, das war immerhin die titelgebende Figur aus Nabokovs riesigem Gesang auf die Liebe; Ada heißt auch die Frau aus Harry Mulischs „Entdeckung des Himmels”, die zwischen dem Astronomen Max Delius und dem Sprachenforscher Onno Quist steht. Und das Motiv von Vater und Sohn, die sich in dieselbe Frau verlieben, wurde seit Turgenjew oft durchdekliniert.
Rätselhafte Rituale
Petersens burschikos erotische Ada kann es mit den beiden literarischen Vorbildern aufnehmen, allein um sie kennen zu lernen, ihr einmal beim Rauchen oder Essen eines Kartoffelsalats zusehen zu dürfen, würde man gerne für ein, zwei Seiten in das Buch und das verfallene Haus übersiedeln, in dem Philipp und sein Vater inmitten alter Möbel leben, die der Urgroßvater während der Wirtschaftskrise erstanden hat. Petersen entlässt seine drei Protagonisten nur selten aus diesen klaustrophobisch vollgestellten Räumen. Auf dem Dachboden liegen Mutters alte Sachen, im Keller ist Geld versteckt, und im Rest des Hauses lagern sich die Sedimente und Gerüche des Lebens ab. Unauffällig, sanft wie der Staub selbst findet sich das Motiv des Staubs in allen Ecken und Enden des Buches wieder, ohne dass das je aufdringlich symbolisch daherkäme.
Philipp versucht sich in dem verzweifelten Bemühen, Ada zu erobern, immer mal wieder in erwachsenen Posen. Er, der in seinem Leben steckt wie in einem Pulli, den er verkehrt herum angezogen hat, zieht die Pullis seines Vaters an, glättet mit Spucke seine Haare und trinkt Bier. Letzten Endes aber bleiben ihm die Rituale der Erwachsenen ein Rätsel: Warum richten sie sich in abgestandenen Zitaten und Anekdoten ein wie in verschlissenen Möbeln? Und wie merkwürdig sie miteinander reden - Philipp schaut auf das, was sie tun und sagen wie auf einzelne Puzzleteile, von denen er nicht weiß, wo man sie wann hinlegen muss: „Es schien eine Regel zu geben, die den Menschen vorschrieb, anderen ihre Gefühle als Rätsel mitzuteilen.” Philipp, der ja eigentlich das Leben dreier Menschen in Ordnung bringen will, obwohl er schon mit sich selbst überfordert ist, muss dabei zusehen, wie es seinem Vater mit seinem Tresenrumplerton gelingt, Ada für sich einzunehmen, ausgerechnet seinem Vater, der bisher seine Liebschaften nur benutzt hatte, „wie eine Arznei gegen das Sterben”.
Ein Junge, der in einem geräumigen Haus aufwächst, bisher wenig erlebt hat und sich dann zum ersten Mal hilflos verliebt; Baden im See, Sommergewitter, und eine monströs wilde Party - all das sind eigentlich die Ingredienzien für Erinnerungsprosa der Generation Golf. Aber Philipp Merz geht jede Pose ab, und seinem Autor aller rhetorisch-ironische Dünkel. Petersen, der unter anderem den diesjährigen Aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt gewann, zeigt vielmehr, dass unsentimentale Prosa, „streng in der Sprache, detailbesessen im Inhalt”, wie es in Nabokovs „Ada” einmal heißt, Prosa, die die entscheidenden Dinge unbenannt lässt und einfach stumm auf sie verweist, viel anrührender ist als dick orchestrierte Texte: „Ich glaubte damals, dass Männer sich von Zeit zu Zeit an einen Tisch setzten und alles miteinander besprachen. Ich hatte das Gefühl, ein solches Gespräch stehe kurz bevor. Aber wir standen um vier Uhr morgens im dunklen Flur, in unseren Pyjamas, ich dachte an seine nackten Füße, an sein Brusthaar oben am Kragen, und plötzlich war er nicht mehr mein Vater, sondern ein Fremder, und ich wollte weg, zurück in mein Zimmer, durchs Fenster nach draußen, über den Zaun.”
ALEX RÜHLE
JENS PETERSEN: Die Haushälterin. Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 176 Seiten, 17,90 Euro.
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