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"Gefährlich nah - Darmstadt"
Charlotte Schwab, mit 83 Jahren nicht mehr unter akutem Backfischverdacht, ist aufgeregt wie ein Teenager: Hugo kommt! Jahrzehnte schon hat sie ihren Schwager, der gleichzeitig ihre Jugendliebe ist, nicht mehr gesehen. Und genauso lange teilt sie mit ihm ein düsteres Geheimnis. Das steckt im Mauerwerk ihres Hauses in Darmstadt: Dort haben sie und Hugo ihren Mann Bernhard eingemauert, der 1947 zu Tode kam, als Charlotte ihn in Notwehr eine Treppe hinunterstieß. Jetzt kommt dieses Geheimnis ans Licht - und mit ihm einiges andere, was in der Familie schief gelaufen…mehr

Produktbeschreibung
"Gefährlich nah - Darmstadt"

Charlotte Schwab, mit 83 Jahren nicht mehr unter akutem Backfischverdacht, ist aufgeregt wie ein Teenager: Hugo kommt! Jahrzehnte schon hat sie ihren Schwager, der gleichzeitig ihre Jugendliebe ist, nicht mehr gesehen. Und genauso lange teilt sie mit ihm ein düsteres Geheimnis. Das steckt im Mauerwerk ihres Hauses in Darmstadt: Dort haben sie und Hugo ihren Mann Bernhard eingemauert, der 1947 zu Tode kam, als Charlotte ihn in Notwehr eine Treppe hinunterstieß. Jetzt kommt dieses Geheimnis ans Licht - und mit ihm einiges andere, was in der Familie schief gelaufen ist...

Mechthild Großmann gibt Charlotte Schwab eine Stimme, die zu dieser wunderbaren Frauenfigur passt wie schwach gezuckerte Sahne auf Apfelkuchen. Denn die tiefe, raue Stimme der Schauspielerin fällt auf, sie polarisiert und gibt Geschichten einen besonderen Anstrich. Und das hat die unangepasste, selbstbewusste alte Dame in Ingrid Nolls Roman mehr als verdient.

(4 CDs, Laufzeit: 5h 14)01
Noll, Ingrid
Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, ist in etwa das Gegenteil einer Frühstarterin - als ihr erster Roman "Der Hahn ist tot" erschien, war sie schon Mitte 50. Bis dahin hatte sie vor allem ihre drei Kinder, den Haushalt und die Arztpraxis ihres Mannes gemanagt, doch mit dem schriftstellerischen Debüt kam schlagartig der Erfolg. Heute gilt Noll als eine der besten deutschen Krimiautorinnen, weil sie ungewöhnlichen Frauen eine Bühne bietet. Wie Charlotte Schwab.

Großmann, Mechthild
Mechthild Großmann wurde in Münster geboren. Und hatte es in ihrer Schauspielkarriere von Anfang an mit den ganz Großen zu tun: Theater mit Pina Bausch, 1979 erste Filmrolle in "Berlin Alexanderplatz" unter Rainer Werner Fassbinder. Was sie macht, ist immer große Kunst, das gilt auch für ihre Paraderolle als Staatsanwältin im Münsteraner "Tatort" - und die vielen Hörbücher, die durch ihre markante Stimme erst besonders werden.
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House Audio
  • Anzahl: 4 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 314 Min.
  • Erscheinungstermin: 17.10.2014
  • ISBN-13: 9783837127324
  • Artikelnr.: 40934162
Autorenporträt

Ingrid Noll ist eine der wichtigsten Krimiautorinnen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 1935 als Tochter eines deutschen Arztes in Shanghai geboren und wuchs in Nanking auf, in einer "chinesischen Familienversion des Gartens Eden", wie sie später mit Blick auf ihre Kindheit schrieb. Mit dem Umzug der Familie nach Deutschland 1949 endete das "Paradies" und wurde von einer "Trockenzeit" in einem katholischen Mädchengymnasium in Bad Godesberg abgelöst. Die junge Ingrid flüchtete in die Literatur und träumte davon, selbst zu schreiben. Nach dem Abitur studierte sie halbherzig Kunstgeschichte und Germanistik in Bonn, brach das Studium aber ab, um den Arzt Peter Gullatz zu heiraten. Sie bekam drei Kinder, half ihrem Mann in der Praxis - und träumte weiterhin vom Schreiben. Als die Kinder flügge waren, veröffentlichte Ingrid Noll endlich ihren ersten Roman: "Der Hahn ist tot" wurde sofort ein Riesenerfolg - dem viele weitere folgten. Ihre Bücher wurden bereits in über zwanzig Sprachen übersetzt und zum Teil mit prominenten Schauspielern verfilmt. Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin lebt heute mit ihrem Mann in Weinheim. Und schreibt.



Das meint die buecher.de-Redaktion: Die mordenden Frauen in Nolls Kriminalromanen sprechen eine große Leserschaft an, weil sie sich oft gar nicht so sehr von ihren braven Geschlechtsgenossinnen unterscheiden. Die Autorin versteht es, ihre Protagonisten stimmig in ihr jeweiliges Umfeld einzubetten, und hat offensichtlich große Freude an schwarzem Humor.

Trackliste
CD 1
1Kalt ist der Abendhauch00:08:04
2Kalt ist der Abendhauch00:07:52
3Kalt ist der Abendhauch00:08:14
4Kalt ist der Abendhauch00:07:57
5Kalt ist der Abendhauch00:08:15
6Kalt ist der Abendhauch00:08:17
7Kalt ist der Abendhauch00:07:31
8Kalt ist der Abendhauch00:08:30
9Kalt ist der Abendhauch00:06:08
10Kalt ist der Abendhauch00:07:47
CD 2
1Kalt ist der Abendhauch00:07:55
2Kalt ist der Abendhauch00:08:01
3Kalt ist der Abendhauch00:07:41
4Kalt ist der Abendhauch00:08:47
5Kalt ist der Abendhauch00:07:57
6Kalt ist der Abendhauch00:07:37
7Kalt ist der Abendhauch00:07:57
8Kalt ist der Abendhauch00:08:18
9Kalt ist der Abendhauch00:07:15
10Kalt ist der Abendhauch00:07:12
CD 3
1Kalt ist der Abendhauch00:07:50
2Kalt ist der Abendhauch00:07:48
3Kalt ist der Abendhauch00:07:59
4Kalt ist der Abendhauch00:08:29
5Kalt ist der Abendhauch00:07:48
6Kalt ist der Abendhauch00:08:41
7Kalt ist der Abendhauch00:06:59
8Kalt ist der Abendhauch00:08:36
9Kalt ist der Abendhauch00:06:30
10Kalt ist der Abendhauch00:06:49
Rezensionen
"Eigenwilliger wurden Familienprobleme wohl noch nie gelöst" (Newmag, München)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.09.1996

Kleine Morde unter Damen
Wohin mit der Mumie im Mondschein? Ingrid Noll gibt Ratschläge für den Hausputz im Herbst · Von Arnd Rühle

So ein Freudensatz kann ein ganzes Buch beflügeln: "Hugo kommt!" Der achtundachtzig Jahre alte Schwager hat sich bei Charlotte angekündigt. Der Besuch bei der alten Dame nach Jahrzehnten des Schweigens wirbelt viel Staub auf - für die ehemals große Liebe muß aufgeräumt werden, im Haus und in der Vergangenheit. Die beiden hatten eine innige Beziehung (mit Tochter-Folge; das weiß Hugo noch nicht); sie haben einst auch gemeinsam, handwerklich sauber, eine Leiche im Keller eingemauert und den Kaminabzug nicht vergessen. Es war nicht irgendeine Leiche, sondern der tote Körper des Mannes, der Charlotte angetraut war. Als Totgesagter aus russischer Gefangenschaft heimgekommen, steht er nächtens vor der Tür: verdreckt, verhungert, lungenkrank. Sein Tod kein Mord, sondern ein Unglücksfall: volltrunken mit dem Kopf gegen den Kohlenkasten. Das heimliche Begräbnis hat dann die Rente sichern sollen.

Nun muß die Mumie entsorgt werden im Zuge der Lebensaufräumarbeiten. Charlotte plaudert und erinnert sich: wie beschwerlich das Leben ist im Alter, wie es früher war, im Schuhgeschäfts-Elternhaus mit drei Brüdern und drei Schwestern. Was aus denen und deren Kindern geworden ist - zwanziger, dreißiger, vierziger Jahre und heute. Eine manchmal traurige, oft komische, alles in allem eine Allerweltsfamilienchronik. Sehr unterhaltsam.

Doch wo bleibt die Kriminalgeschichte, die jedermann von Ingrid Noll erwartet? Alles ehrbare Leute diesmal in Darmstadt. Und wenn der Tod zugreift, dann profitiert er von Krankheiten, von Unglücken, vom Krieg, von der Altersschwäche. Wer die früheren Bücher der Autorin kennt, der weiß allerdings mehr als die gute alte Charlotte. Beispielsweise, was es bedeutet, wenn die Lieblingsenkelin Cora zupackend staunt (denn sie ist netterweise auf ganz unkomplizierte Weise bei der Mumien-Entsorgung behilflich): "Interessant, kommt mir irgendwie bekannt vor." Sie erwartet eben, wie der Leser auch, kriminelle Energie von ihren Ahnen und scherzt deshalb mißverständlich: "Man macht so etwas schließlich nicht zum ersten Mal."

Schließlich bietet sie sogar an, die getrockneten Überreste ihres Großvaters mit nach Italien zu nehmen: "Unter meiner Terrasse ist Platz genug." Diese Terrasse kennt der Leser des zweiten Noll-Buches ("Die Häupter meiner Lieben") als Grabkammer. Mit dem fröhlich kühlen, praktisch intelligenten Luder Cora scheint sich so unter der Hand der Autorin allmählich eine kriminelle Sympathiefigur des Typs zu entwickeln, den wir als Tom Ripley bei Patricia Highsmith kennen.

Zu Ripley, Kunstkenner und Kunstsammler, würde Cora mit ihrem Interesse für Klimt und Schiele auch ganz gut passen. Sie kommt extra aus Italien angereist, um die Ausstellung in der Frankfurter Schirn zu besuchen. Onkel Hugo, ehemals Buchhändler, empfiehlt statt dessen einen Besuch auf der Buchmesse. Als literarischer Lokalpatriot unterhält er sich mit seinem Enkel Felix fachmännisch über die kritischen Geister, "für die unsere Residenzstadt bekannt ist: Merck, Büchner, Niebergall, Edschmid, Gundolf und vor allem Georg Hensel". Was den Maschinenbaustudenten zur Ergänzung reizt: "Du hast die Wohmann vergessen."

Überhaupt schafft die Autorin gern Atmosphäre in den Schicksalsläufen durch Zitate oder die Erwähnung von Kulturgrößen. Charlotte kann den "Erlkönig", und auch von Storm fällt ihr was ein und von Ringelnatz. Und Bruder Albert, der heimlich die schönen schwesterlichen Kleider anzieht und Perlenketten auffädelt, trägt Trauer nach dem Tod des Stummfilmfrauenhelden Valentino. Übrigens erschießt sich der Bedauernswerte im Alter von zwanzig Jahren, "weil niemand ihn verstanden hat".

Vom Tode ist also doch, versteckt oder hintergründig, oft die Rede, heiter und selbstverständlich. Wer stirbt, hat ausgelitten. Gegen Ende des Romans erzählen sich die Schwestern ihre Geheimnisse: "Bevor wir in die Grube fahren, sollten wir uns diese kleinen Freuden gönnen." Schwester Alice, eine Ärztin, hat einen drogensüchtigen Heiratsschwindler auf dem Gewissen. Ihrer Tochter, der humorlosen Psychotherapeutin, will sie nichts davon sagen. Probleme werden bei Ingrid Noll ohne Polizei und ohne psychologischen Beistand bewältigt, allein durch scheinbar naives, tatsächlich aber raffiniertes Erzählen.

Der Romantitel aus dem wundersamen Mondlied von Matthias Claudius kündigt es an: "So legt euch denn ihr Brüder in Gottes Namen nieder. Kalt ist der Abendhauch." Als die Mumie Bernhard endlich bei Mondschein im fremden Garten begraben werden kann, gibt's auf unschuldig neugierige Fragen schlagfertig die Antwort, man begrabe den Hund, einen Bernhardiner. Der Hund ist tot. Im ersten Noll-Titel war es der Hahn. Blutige Sauereien gibt es nicht; aber hundsgemein geht's manchmal schon zu.

Am Schluß, jedenfalls fürs erste, nachdem alles aufgeräumt zu sein scheint, muß Hugo wieder gehen. Jetzt aber ins Seniorenheim. Was wird er dort tun? Ganz gewiß an Ringelnatz denken: "Vorbei - verjährt - Doch nimmer vergessen." Dies ist also beileibe kein Buch um Schuld und Sühne, von Verbrechen und Strafe. Und wie Dostojewski schreibt Ingrid Noll auch nicht. Aber immerhin wieder wie Noll. Das ist, zum vierten Mal, schon allerhand.

Ingrid Noll: "Kalt ist der Abendhauch". Roman. Diogenes Verlag, Zürich 1996. 246 S., geb., 36,- DM.

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