schädelmagie - Kling, Thomas

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Der Lyriker Thomas Kling war schon lang auf dem Weg, ein Klassiker zu werden, als er im Jahr 2005 im Alter von 48 Jahren starb. Die Lehrjahre im Düsseldorfer Ratinger Hof, wo Punk und New Wave auf Joseph Beuys trafen, führten ihn zu einer Verarbeitung der ganzen sprachbewussten Avantgarde in der deutschen Literatur, von Oswald von Wolkenstein über George, Trakl, DADA bis zur Wiener Gruppe. Daraus entwickelte sich ein unverkennbarer Ton, eine Lyrik, die manchmal hermetisch, manchmal überfallartig direkt sich ans Sprachzentrum der Leser und Hörer richtet, Lyrik als - in seinen Worten - "schädelmagie".…mehr

Produktbeschreibung
Der Lyriker Thomas Kling war schon lang auf dem Weg, ein Klassiker zu werden, als er im Jahr 2005 im Alter von 48 Jahren starb. Die Lehrjahre im Düsseldorfer Ratinger Hof, wo Punk und New Wave auf Joseph Beuys trafen, führten ihn zu einer Verarbeitung der ganzen sprachbewussten Avantgarde in der deutschen Literatur, von Oswald von Wolkenstein über George, Trakl, DADA bis zur Wiener Gruppe. Daraus entwickelte sich ein unverkennbarer Ton, eine Lyrik, die manchmal hermetisch, manchmal überfallartig direkt sich ans Sprachzentrum der Leser und Hörer richtet, Lyrik als - in seinen Worten - "schädelmagie".
  • Produktdetails
  • Reclam Universal-Bibliothek Nr.18574
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Artikelnr. des Verlages: 18574
  • Seitenzahl: 83
  • Erscheinungstermin: August 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 147mm x 95mm x 5mm
  • Gewicht: 48g
  • ISBN-13: 9783150185742
  • ISBN-10: 3150185742
  • Artikelnr.: 23877514
Autorenporträt
Norbert Hummelt, Jahrgang 1962, lebt bei Köln. Derzeit lehrt er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Thomas Kling, geboren 1957 in Bingen, lebte in Düsseldorf, Wien, Finnland und Köln. Zuletzt wohnte auf der Raketenstation Hombroich in der Nähe von Neuss. Thomas Kling verstarb am 01. April 2005.
Auszeichnungen (eine Auswahl): 1990 Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln, 1993 den ersten Else-Lasker-Schüler-Preis für Dichtung, 2001 den ersten Ernst-Jandl-Preis
2005 Literaturpreis der Stadtsparkasse Düsseldorf; Thomas Kling erhält posthum den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadtsparkasse Düsseldorf. Seine literarische Sprache übe einen "immensen Einfluss auf die nachfolgende Generation aus", hieß es in der Begründung der Jury.
"Er war ein Schelm, ein Spieler, ein virtuoser Sprachkünstler, ein Autodidakt und Gelehrter und einer der aufgeschlossensten Menschen unter den heutigen Dichtern." (Frankfurter Rundschau)
Inhaltsangabe
ratinger hof, zb 1
ratinger hof, zb 2
dein schneerußiges gesicht
wespen 2
ratinger hof, zettbeh (3)
geschrebertes idyll, für mike feser
tapetentür
schnitt haarschnitt
frische serviette (22. 2. 76)
brief. probe in der eifel
obst und gemüse-marterl
di zerstörtn. ein gesang
brandige blüthe. (als zaunkönig)
rheingau und ohr
heimatgedicht. (persil)
di gottverdammtn fotoapperate
ausgerottete augn
LEIPZIG IM SCHUMMER (11. 3. 1990)
mann aus reit (rheinland)
di weite sucht
russischer digest 1
russischer digest 2
letzter monat. indirektes licht
aus: mittel rhein
 
1 geschientes volkslied
 
2 notgrabun'
 
4 kopfständerleine
 
7 trestern
 
8 tornister, agenturenberichte.
Manhattan Mundraum
gewebeprobe
allgemeines sterbejahr
serner, karlsbad
falknerei
beize
vestalin
aus: Der Erste Weltkrieg
 
diese photographie, dieses foto
 
die schrift - echtfoto
 
das bildbeil
 
ihr hinterleib in ständiger bewegung
 
es stützen mit den toten schultern
Tessiner beinhaus. wandbild
Leopardi: L'Infinito / Das Unendliche
Larven
Mohnkuchen
Idyll: Die Kleine Feldhofer Höhle im Neanderthal
Zielperson
Rollen
Bärenmarke, Moorfunde
Menhirreihen
Sevilla 1671
KÜHLES GEMÄLDEGEDICHT
aus: Gesang von der Bronchoskopie
 
Arnikabläue
 
Inhalator
Bärengesang
Nachweis der Texte
Nachwort
Verzeichnis der Gedichttitel
Rezensionen
Besprechung von 29.09.2008
Wutausbruch West

Auch wenn er Wert darauf legte, wie Stefan George aus Bingen zu stammen - ein Revolutionär wollte Thomas Kling (1957-2005) schon sein. Er hasste die poetischen "sprach-placebos" und wollte die Lyrikszene aufmischen. Das tat er in den frühen achtziger Jahren. In den Szenekneipen der Düsseldorfer Altstadt erregte er das Publikum durch seine "sprach-installationen". Durch Sprechgedichte, die die ganze Skala zwischen Flüstern und Wutausbruch ausschritten. Durch Texte, deren phonetische Schreibweise auch im Druck ihre Distanz zur gängigen Lyrik demonstrierte. Kling liebte Pathos und Selbstgefühl und fand es "richtig Klasse: Dichter zu sein". Als solcher wurde er bald anerkannt. Ein Kultautor mit dem entsprechenden Schweif von Epigonen. Der reife Kling artikulierte seine Radikalität zunehmend im Rekurs auf Mythos und Geschichte. Er schrieb Gedichte über den Ersten Weltkrieg, an dem sein geliebter Großvater teilgenommen hatte. Dazu erfand er einen Sender "CNN Verdun". Er übersetzte Catulls Liebeslyrik in sein eigenes schnoddriges Idiom. Seine Antike wollte nicht mit den "Sandalenfilmen" der Konkurrenz verwechselt werden. Er bezeichnete, was er trieb, als "Fernhandel", als seine "Sondagen" - Sendungen und Sondierungen eines bedeutenden Poeten. Thomas Klings Kreis war noch lange nicht ausgeschritten, als der Lungenkrebs ihn überfiel. Seine letzten Gedichte sind Gesänge aus der Bronchoskopie, letzte Atemtelegramme eines modernen Schamanen. Die von Norbert Hummelt ausgewählten Gedichte bieten die Essenz von Klings faszinierender "schädelmagie". (Thomas Kling: "schädelmagie". Ausgewählte Gedichte. Herausgegeben von Norbert Hummelt. Reclam Verlag, Stuttgart 2008. 84 S., br., 2,80 [Euro].) H.H.

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Ein Kultautor mit dem entsprechenden Schweif von Epigonen.

Die von Norbert Hummelt ausgewählten Gedichte bieten die Essenz von Klings faszinierender "schädelmagie". -- Frankfurter Allgemeine Zeitung

Eine beachtliche Leistung. Hummelt hat ein gültiges Kondensat des Klingschen OEuvres erstellt: eine erschwingliche Einstiegsdroge - unter die Leute damit. -- Frankfurter Rundschau

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Peer Trilcke findet es höchst begrüßenswert, dass der Reclam Verlag nun auch Thomas Klings Oeuvre in den Kanon seiner "Universalbibliothek" aufgenommen hat und mit Norbert Hummelts Auswahl nun Zugriff auf diese "Sprachdroge" ermöglicht. Gut lasse sich an diesem Band die dichterische Entwicklung Klings ablesen, so der Rezensent zufrieden, der auch das kenntnisreiche Nachwort Hummelts zu schätzen weiß. Und so will ihm die Anthologie, die von der frühen, laut und offensiv daher kommenden "realistischen Ästhetik" regional geprägter Gedichte bis zum historisch und mythisch geweiteten Spätwerk - Kling starb bereits 2005 nicht einmal 50-jährig - als ideale "Einstiegsdroge" und "Kondensat" von Bestand erscheinen.

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