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Du suchst deinen Mörder und findest dich selbst.
Jaakko ist 37, als sein Arzt ihm eröffnet, dass er bald sterben wird: Jemand hat ihn vergiftet. Das an sich ist schon genug, um einem Mann so richtig den Tag zu verderben. Leider wird Jaakko zu Hause auch noch Zeuge, wie ihn seine Frau mit Petri betrügt, dem jungen knackigen Angestellten der gemeinsamen Firma. Der Firma, die jüngst gefährliche Konkurrenz bekommen hat. Jaakko beschließt herauszufinden, wer ihn um die Ecke bringen will. Und er wird sein Unternehmen für die Zeit nach seinem Tod fit machen. Das Geschäft mit den in Japan zu…mehr

Produktbeschreibung
Du suchst deinen Mörder und findest dich selbst.

Jaakko ist 37, als sein Arzt ihm eröffnet, dass er bald sterben wird: Jemand hat ihn vergiftet. Das an sich ist schon genug, um einem Mann so richtig den Tag zu verderben. Leider wird Jaakko zu Hause auch noch Zeuge, wie ihn seine Frau mit Petri betrügt, dem jungen knackigen Angestellten der gemeinsamen Firma. Der Firma, die jüngst gefährliche Konkurrenz bekommen hat.
Jaakko beschließt herauszufinden, wer ihn um die Ecke bringen will. Und er wird sein Unternehmen für die Zeit nach seinem Tod fit machen. Das Geschäft mit den in Japan zu Höchstpreisen gehandelten Matsutake-Pilzen läuft nämlich blendend, und in Finnlands Wäldern wachsen nun einmal die besten.
Doch die neuen Mitbewerber kämpfen mit harten Bandagen. Ist es da Jaakkos Schuld, wenn jemand zu Tode kommt? Und hat er überhaupt noch Zeit für anderer Leute Sorgen? Eins ist jedenfalls klar: Mit dem Tod vor Augen geht's irgendwie auch leichter.
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher .27388
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Seitenzahl: 352
  • Erscheinungstermin: 22. Januar 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 123mm x 32mm
  • Gewicht: 342g
  • ISBN-13: 9783499273889
  • ISBN-10: 3499273888
  • Artikelnr.: 52471076
Autorenporträt
Tuomainen, Antti
Antti Tuomainen, Jahrgang 1971, ist einer der angesehensten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde u.a. mit dem Clue Award, dem finnischen Krimipreis, ausgezeichnet, seine Romane erscheinen in über 25 Ländern. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

Wagner, Niina Katariina
Niina Katariina Wagner wurde 1975 in einer kleinen Küstenstadt im Südwesten Finnlands geboren. Sie studierte Soziologie, Psychologie und Kulturgeschichte in Turku und lebt seit 2000 als freie Künstlerin in der Nähe von Frankfurt.

Wagner, Jan Costin
Jan Costin Wagner, 1972 geboren, lebt als freier Schriftsteller und Musiker in der Nähe von Frankfurt. Seine Romane wurden in 14 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Finnland, der Schauplatz der Romane um den jungen Ermittler Kimmo Joentaa, ist seine zweite Heimat.
Rezensionen
«Dieser düster-spannende, komische und intelligente Roman erinnert an FARGO und enthält Humor in geradezu tödlicher Dosis.»
Besprechung von 05.03.2018
Wer früher stirbt
Antti Tuomainen folgt einem Vergifteten gen Friedhof

Ein Mann geht mit diffusen Beschwerden zum Arzt und erfährt dort, dass er vergiftet wurde. Jede Therapie sei aussichtslos, viel Zeit bleibe nicht mehr. Sofort stellt der Mann Recherchen an, um herauszubekommen, wer ihn auf dem Gewissen hat. Das ist der Stoff von Rudolph Matés Film noir "Opfer der Unterwelt" aus dem Jahr 1949. Dem finnischen Autor Antti Tuomainen ist die Verbindung von Intoxikation und Mordermittlung in eigener Sache offenbar sympathisch, denn er hat sie nun, fast siebzig Jahre später, zur Grundlage seines Romans "Die letzten Meter bis zum Friedhof" gemacht.

Jaakko, so heißt der vergiftete Protagonist, leitet gemeinsam mit seiner Frau ein florierendes Unternehmen, das Matsutake-Pilze exportiert. Nach dem Arztbesuch macht er sich auf den Heimweg, um ihr die Diagnose mitzuteilen, was sich jedoch als schwierig erweist, da er sie mit dem Logistikleiter der Firma in erotischer Entrückung vorfindet. Weitere Wirrungen: Zum einen haben sich in direkter Nachbarschaft zu Jaakkos Betrieb drei finstere, ebenfalls auf den Pilzhandel spezialisierte Gestalten niedergelassen. Zum anderen stehen bald fast alle in der Story auftauchenden Figuren im Verdacht, potentielle Giftmischer zu sein.

Der Roman fragt laufend, aber unaufdringlich nach dem Sinnentzug durch den Tod. Wer glücklich stirbt, kann das Glück nicht fortsetzen; wer unglücklich stirbt, hat keine Möglichkeit, je wieder glücklich zu werden. Jaakko überlegt, in welche Kategorie er wohl fällt. Ja, er hatte ein bis dato erfülltes Leben und ist Chef eines kleinen, allerdings sehr erfolgreichen Konzerns; ja, seine Frau betrügt ihn, und er wurde umgebracht. Wie man es auch dreht und wendet, er muss sich von gegenwärtigem Behagen und zukünftigen Chancen verabschieden. Sinn bietet nur noch das bisschen Leben, welches ihm bleibt, um seinen Mord aufzuklären. Doch wie viel Sinn kann da schon drinstecken? Bei Karl Ove Knausgård lesen wir: "Sinn erfordert Fülle, Fülle erfordert Zeit." Die Zeit in Tuomainens Krimi ist denkbar knapp, und so heißt es denn auch: "Es gibt keinen Sinn, keine Ordnung der Dinge."

Immerhin bemüht sich Jaakko, seinen letzten Tagen ein Maximum an Ereignisreichtum zu verpassen. Damit bildet er eine Gegenfigur zu Theophrast, der, als er im Alter von fünfundachtzig Jahren starb, gesagt haben soll: "Denn wenn wir zu leben beginnen, dann sterben wir." Jaakko hingegen scheint erst richtig zu leben, gerade weil er stirbt. Entsprechend die Konfliktstärke: Messerkampf, Schwertkampf, Axtkampf, zum Runterkommen Verfolgungsjagden. Unser Held glänzt stets im Zentrum des Geschehens und wirkt, obwohl sterbend, erstaunlich dynamisch.

Selbst für abgedroschene Witzchen ist noch genügend Energie vorhanden. Da kann auch die geradlinige Übersetzung von Niina Katariina Wagner und Jan Costin Wagner nichts beschönigen. Leider verkantet sie sich, und das ist ein spezifisch deutsches Problem, sobald es an die wörtliche Rede geht. Beim Entsorgen einer Leiche sagt eine Figur zur anderen: "Hebe ihn ein wenig an." Ein typisches Beispiel für einen Imperativ als Stolperstein. Wer heimlich halbverweste Menschen beseitigt, sollte auf keinen Fall klingen wie ein Studienrat, dem nichts heiliger ist als vom Duden verhängte Sprachdekrete.

Bis zum Schluss nimmt Jaakko seine Umgebung "mit geschärften Sinnen" wahr. Einem Krimi tut das immer gut, denn beobachtete, mitgehörte und erschnüffelte Details führen zur Aufklärung. Andererseits fragt sich, was Jaakko von der Lösung des Falls hätte. "Nichts. Ich bin ja dann längst tot." So pendelt der Plot zwischen dem Bedürfnis nach Erkenntnis und einer fatalistischen Haltung, die an Michel de Montaignes Ausspruch denken lässt: "Wer zu sterben gelernt hat, den drückt kein Dienst mehr."

KAI SPANKE

Antti Tuomainen: "Die letzten Meter bis zum Friedhof".

Aus dem Finnischen von Niina Katariina Wagner und Jan Costin Wagner.

Rowohlt Verlag, Reinbek 2018.

320 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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