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"Manchmal kann die Wahrheit nur erfunden werden." Siegfried Lenz Rätselhafte Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel. Während einer Theateraufführung verlassen Häftlinge ungehindert das Gelände. Und kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler - die gar keine sind. Mit dem Hereinbrechen der Kunst und angetrieben von Gefühl, Leidenschaft und Phantasie entdeckt ein ganzes Gemeinwesen seine Möglichkeiten zu Größerem. Und niemand scheint Verdacht zu schöpfen. Oder sind alle - der Intendant der Landesbühne, der Gefängnisdirektor, der Bürgermeister und die Bürger von Grünau…mehr

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Produktbeschreibung
"Manchmal kann die Wahrheit nur erfunden werden." Siegfried Lenz Rätselhafte Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel. Während einer Theateraufführung verlassen Häftlinge ungehindert das Gelände. Und kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler - die gar keine sind. Mit dem Hereinbrechen der Kunst und angetrieben von Gefühl, Leidenschaft und Phantasie entdeckt ein ganzes Gemeinwesen seine Möglichkeiten zu Größerem. Und niemand scheint Verdacht zu schöpfen. Oder sind alle - der Intendant der Landesbühne, der Gefängnisdirektor, der Bürgermeister und die Bürger von Grünau - Teil einer grandiosen Inszenierung? Die Ausreißer selbst scheinen keine Ahnung zu haben. Werden Sie zurückkehren in ihre Zellen? Turbulent geht es zu auf der Bühne des Lebens. Geradezu labyrinthisch ineinander verschlungen sind die Geschichten, die das Leben schreibt, und die der Phantasie im Roman von Siegfried Lenz, denen man so lustvoll folgt.

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Autorenporträt
Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Nachkriegsliteratur. Seit 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er seinen ersten großen Erfolg, der sich 1968 mit der Deutschstunde zum Welterfolg ausweitete. Mit seiner Novelle Schweigeminute gelang ihm 2008 im hohen Alter abermals ein fulminanter Presse- und Publikumserfolg. Für seine Bücher wurde er mit vielen wichtigen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 13.10.2009

Wem Gott will rechte Gunst erweisen
Zwischen Eichendorff und Beckett, Traum und Stadthalle schwebend: Siegfried Lenz hat eine Märchennovelle geschrieben, „Landesbühne” Von Gustav Seibt
Eine Theatertruppe kommt in eine Strafvollzugsanstalt der norddeutschen Provinz, um vor den Gefangenen zu spielen. Einige von ihnen nutzen die Gelegenheit, um sich den Bus der Kompanie zu schnappen und mit der Erklärung „Wir sind die Spaßmacher von der Landesbühne!” aus dem Gefängnis zu entweichen.
Was so beginnt, kann als Verfolgungsjagd in einen Kriminalfall, mindestens in eine Gaunerkomödie münden. Siegfried Lenz, der greise, leise Meister, der das Publikum Jahr um Jahr mit scheinbar simplen, scheinbar realistischen Erzählungen aus einer sonderbar entrückten deutschen Provinzgegenwart bezaubert, geht in eine andere Richtung. Die Vorgaben der Wahrscheinlichkeit treten erst einmal nicht ein. Unbehelligt erreicht die flüchtige Truppe die nächste Kleinstadt, Grünau mit Namen, wo ein alljährliches Nelkenfest gefeiert wird.
An diesem nicht nur dem Namen nach grünen Ort, begrüßt man das Eintreffen der vermeintlichen „Landesbühne” ganz beglückt, erhofft man sich doch kulturellen Glanz und überregionale Aufmerksamkeit fürs lokale Fest. Und Grünau wird nicht enttäuscht: Die Entflohenen tun so als ob, sie singen den „Jäger aus Kurpfalz”, den „Freischütz”-Ohrwurm „Durch die Wälder, durch die Auen” und das Wanderlied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen” – beim O von „Gott” knipst der lokale Reporter, sodass die Singenden mit runden Mündern im Lokalblatt abgebildet werden.
Kurzum: Wir sind mitten in einer Szenerie zwischen Märchennovelle und Poetischem Realismus, auf halbem Wege von Eichendorff zu Gottfried Keller oder Wilhelm Raabe. Die Wirklichkeit bleibt sichtbar, aber ihre Gesetze sind schwebend aufgehoben. Man lernt dabei übrigens auch etwas über solche Vorbilder von Lenz: Selbst bei einem Erzähler wie Eichendorff sind wir geneigt, den Anteil realistischer Schilderung zu unterschätzen, weil es sich um eine vergangene deutsche Welt handelt: Die Naht oder besser: der Übergang zwischen Poesie und Realismus ist für uns spätere Leser so gut wie unsichtbar geworden.
Bei Lenz ist erst einmal alles wiedererkennbar: der Strafvollzug mit seinen Delikten (ein Heiratsschwindler, ein Literaturprofessor, der sich seinen Studentinnen erotisch näherte, ein Gebührenbetrüger, der zu schnelle Autofahrer in Bar abkassierte, das sind die Hauptpersonen), vor allem aber das Städtchen mit Konditorei, Festhalle und Seeufer. Märchenhaft wirkt nicht nur, dass nicht alsbald Polizeisirenen die Szenerie umstellen, sondern auch die naive Kulturfreude der Leute, die sich vom gewitzten Gebührenbetrüger sogar ein Heimatmuseum einrichten lassen.
All das ist etwas possierlich, und über die längste Strecke dieses einfach geschriebenen Textes möchte man glauben, dass beides an ihm, das Poetische und das Realistische, etwas zu zart, zu anspielungshaft sei – wie ein Bleistiftblatt von Ludwig Richter. Viel heutiger aber ist die Art der Auflösung, die dem Genre von Märchen oder Traum treu bleibt, ihr aber eine klassisch-moderne Wendung gibt: Die Flüchtenden schaffen den Absprung nicht, die Polizei und der Gefängnisdirektor, so merkt man, konnten sich Zeit lassen, weil die Gefangenen es in ihrem Wesen bleiben. Die Gewalt, die nötig ist, sie wieder einzufangen, bleibt symbolisch. Aus Raabe wird Kafka.
Das zunächst so allegorisch wirkende Märchen von der befreienden Kunst, das Resozialisierung in Kulturarbeit vorzuschlagen schien, wird unerwartet böse und hoffnungslos. Das Stück, das die Landesbühne im Gefängnis hatte zeigen wollen, hieß „Das Labyrinth”, und zeigte, wie in einem solchen Menschen unauffindbar verschwinden – genau das haben die geflohenen Gauner nicht geschafft. Am Ende sitzen sie wieder.
Der Theaterbus aber kommt ein zweites Mal, diesmal mit Samuel Becketts „Warten auf Godot”, dem Drama vom aussichtslosen Warten auf der kahlen Fläche der Existenz. Umsonst erhoffen sich die weniger belesenen Gefangenen, dass da zum Schluss noch etwas Tröstliches passiere, womöglich ein Akt der „Menschenfreundlichkeit”; der Ich-Erzähler, der seinen Studentinnen allzu geneigte Literaturprofessor, weiß es besser. Lakonisch nüchtern zeigt die Geschichte, wohin die Enttäuschung der Hoffnung führt: Der schöne Heiratsschwindler erhängt sich in seiner Zelle.
Beim Literaturprofessor und seinem Zellengenossen, dem Gebührenschwindler, bleibt als Vergünstigung der zusammengeklebte kahle „Godot”-Bühnenbaum mit seinen nach Bedarf anzuklebenden Blättern zurück. Hat die Moderne das romantische Märchen eingeholt? Nicht ganz, denn Lenz dreht die Schraube noch einmal weiter. Der Zellenfreund des Professors schlägt eine neue Möglichkeit zur Flucht aus, er will seinen Freund, dessen Buch zum „Sturm und Drang” er inzwischen studiert, nicht allein lassen. Den Professor sprechen seine Studentinnen bei einem Besuchstermin von aller Schuld frei. Und der Gefängnisdirektor will, dass der Germanist ihm beim Abfassen seiner Berufsmemoiren hilft. Kunst befreit nicht, sie erlöst nicht, sie hilft lediglich, das Unvermeidliche besser zu ertragen und in Erfahrung zu verwandeln. Ist das nicht überaus altväterlich? Ja.
Siegfried Lenz
Landesbühne
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009. 120 Seiten. 17 Euro.
Hat die Moderne das romantische Märchen eingeholt?
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.02.2010

Ende einer Sonderfahrt
Schrullige Komik: "Landesbühne" von Siegfried Lenz

Gefängnisse gehören zu den geläufigen Handlungsorten in den Werken von Siegfried Lenz. Sein berühmtester Roman "Deutschstunde" spielt in einer "Besserungsanstalt" für kriminelle Jugendliche, wo der Bilderdieb Siggi Jepsen zur Strafarbeit eingeschlossen wird; einen Aufsatz über die "Freuden der Pflicht" soll er verfassen. "Deutschstunde" gehört in eine noch zu schreibende Literaturgeschichte des Gefängnisses, die viele große Romane jener Epoche zu behandeln hätte: "Lolita", "Stiller", "Blechtrommel" - allesamt fiktive Beichten hinter Gittern. Vermutlich riefen die tektonischen Verschiebungen der gesellschaftlichen Moral damals nach solchen Szenarien.

Mit Heiterkeit erinnert sich der Lenz-Leser auch an "Lehmanns Erzählungen", einen launigen Bericht von der Herrlichkeit des Schwarzmarkts, an dessen Ende Lehmann in einem schäbigen Untersuchungsgefängnis landet. Auch hier herrschen eher belletristische Haftbedingungen. Dank vorzüglicher Verbindungen kann der Schwarzhändler die Anstalt verschönern und aufwerten, so dass der glückliche Direktor seinem Mäzen eine besondere Auszeichnung anbietet: "Ehreninsasse auf Lebenszeit".

Solche leicht schrullige Komik kehrt nun in "Landesbühne" wieder. Es beginnt im "festen Haus" von Isenbüttel. Als Ich-Erzähler figuriert ein zu vier Jahren verurteilter Germanistikprofessor, bei dem es für hübsche, aber lernschwache Studentinnen prima Examen gegen Liebe gab. Er teilt sich die Zelle mit dem schläfrigen, aber philosophisch veranlagten Strafzettelbetrüger Hannes, der mit einer unberechtigt geschwenkten Polizeikelle eingeschüchterte Verkehrsteilnehmer abkassierte. Auch ein Heiratsschwindler und ein bestechlicher Schiedsrichter gehören zum Kreis der Insassen.

Kultur wird im Isenbütteler Gefängnis, geleitet vom noblen Direktor Tauber, großgeschrieben: Die "Landesbühne" hat sich angekündigt. Sie führt eine Komödie über zwei liebenswürdige alte Schachteln auf, die ein Karton-Labyrinth besitzen, in dem sie unliebsame Zeitgenossen zum Verschwinden bringen können. Verschwunden sind bald auch Hannes und seine Freunde: Die Pause der Vorstellung nutzen sie, um im Tourbus der Theatertruppe die Biege zu machen. Anstatt aber möglichst schnell Land zu gewinnen, bleiben die Ausreißer schon im Nachbarkaff Grünau hängen, wo gerade das traditionelle Nelkenfest gefeiert wird. Die "Spaßmacher von der Landesbühne" sind da hochwillkommen - passend zur Häftlingskluft bilden die Herren spontan einen Gefängnischor und machen Eindruck mit Volksliedern wie "Ein Jäger aus Kurpfalz" und "Wem Gott will rechte Gunst erweisen".

Die Verwechslungskomödie nimmt ihren Lauf. "Wir können es nicht hoch genug schätzen, dass sich die Kultur hierher verirrt hat", meint der Bürgermeister euphorisch. Die Grünauer Weiblichkeit nimmt sich der Gäste an, für den Professor erklärt sich die füllig-gutmütige Hedwig zuständig, und angesichts des herzlichen Empfangs denken die Ersten schon daran, sich in Grünau eine Zukunft zu schaffen. Hannes plant ein Heimatmuseum ("Kommt her und lasst euch zeigen! So habt ihr gelebt!"); den Professor hat er ins Auge gefasst für eine in Grünau erst zu gründende Volkshochschule.

Dem Einwand, dass zu viel Aufmerksamkeit für die Ausbrecher ein Risiko darstelle, begegnet Hannes gewitzt: "Das sicherste Versteck ist die Öffentlichkeit." Das klingt so, als würde eine in anderen Zusammenhängen durchaus plausible Feststellung in einen Kontext verschoben, der ihr nicht ganz angemessen ist - ein Trick, den Lenz in dieser Erzählung immer wieder anwendet, wenn er sentenzenhafte Lebensweisheiten auf merkwürdig verrutschte Weise ins Spiel bringt. Es wäre übertrieben, wenn man der Erzählung kafkaesken Traumcharakter attestieren würde. Aber etwas von romantischer Halbschlaflogik hat sie zweifellos. Wieso sitzt unter den elf Zuhörern des Professors seine ehedem schlechteste Studentin Isolde Bromfeld - Isolde mit den "müden Augen und dem immer offenen Mund" - und lauscht seinem Vortrag über den Sturm und Drang, den er im Rahmen der "Grünauer Kulturwoche" hält? Wird sie nun, als Redakteurin des "Grünauer Tageblatts", Rache nehmen fürs gescheiterte Examen? Und wieso kommt nach dem Vortrag ausgerechnet Gefängnisdirektor Tauber auf den Redner zu und dankt ihm schmunzelnd und mit "kräftigem Handschlag" für die "augenöffnende Darstellung"?

Als unter der Schlagzeile "Große Tage in Grünau" das Lokalblatt die Landesbühne samt Porträtfotos der Mitglieder ganzseitig feiert, wird den Ausbrechern mulmig zumute: "Es wird heiß, man kennt unsere Gesichter, man hat erfahren, dass eine ganze Busladung Isenbüttel verlassen hat, man ist uns bestimmt schon auf den Fersen." Schon? Jedenfalls schlägt Hannes vor, den Bus umzutaufen und als "Sonderfahrt" die Flucht fortzusetzen. Kurzum: Diese Ausbrechergeschichte bietet mehr Skurrilität als Suspense. Wer bei Lenz gerade die kleineren, schelmisch-humoristischen Stücke mag, wo der bodenständige Realismus luftig wird und sich ins Märchenhafte wendet, der wird an der "Landesbühne" seine Freude haben. Am Ende schlägt das Biedermeierliche um ins Existentialistische. Hannes und seine Freunde werden ins Gefängnis zurückverfrachtet. Die Stimmung verdüstert sich, der Heiratsschwindler wird erhängt in seiner Zelle aufgefunden, und als die Landesbühne ein weiteres Mal hinter Gittern aufspielt, steht Becketts "Godot" auf dem Programm, von Direktor Tauber allerdings angekündigt als Stück, in dem es "um Herzenswärme in den Niederungen des Lebens" geht.

Die Novelle ist in beschwingt-feierlichem, gewollt glattgescheiteltem Ton erzählt. "Der Vertreter des Bürgermeisters nickte heftig und scheute sich nicht, einen abgestandenen Zwischenruf zu riskieren: ,Phantasie an die Macht!', rief er, ,auch in Grünau muss Phantasie an die Macht.'" Die Parole der Achtundsechziger-Revolte mit ihrem Sponti-Beigeschmack im Mund des Bürgermeister-Stellvertreters - auch das gehört zu den skurrilen Echos, an denen "Landesbühne" so reich ist wie an kleinen Reprisen früherer Werke: Zu Lenz-Motiven wie "Gefängnis" und "Heimatmuseum" kommt das melancholische Bild des Seemanns auf großer Fahrt (Hedwigs Gatte, der nur als Foto präsent ist) und die Passion der Fußballbeschreibung, der Lenz vor vier Jahrzehnten in "Die Mannschaft" frönte.

Was setzt der Autor ins Gleichnis? Das heikle Verhältnis von Literatur und Leben? Die Rettung aus dem Daseins-Gefängnis in die Kunst? Die Zirkelhaftigkeit aller menschlichen Bemühungen? Oder die Neigung, sich falsche Bilder von den anderen zu machen? Von alldem ist etwas in der Novelle, ohne dass sich eine Interpretationsschablone über den Text legen ließe. Als Sinnbild steht am Ende der Kunstbaum aus der Godot-Aufführung in der Gefängniszelle. Mit getrockneten Blättern erwecken Hannes und der Professor das dürre Geäst zum Leben - "ein botanisches Wunder".

Es gibt Romane, die zur Vorlage von Computerspielen wurden. Nach Maßgabe dieses wunderlich-wundersamen Spätwerks ließe sich eher ein solides Brettspiel anfertigen. Hier die Haftanstalt, dort das Nelkenstädtchen Grünau mit Volkshochschule, Heimatmuseum und holzgeschnitzten Damenfiguren. Und dazwischen der Bus der Landesbühne. Wer falsch würfelt, muss zurück nach Isenbüttel.

WOLFGANG SCHNEIDER

Siegfried Lenz: "Landesbühne". Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009. 120 S., geb., 17,- [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Am Ende weiß man nicht, wie Gustav Seibt zu dem Roman, dessen zartes Schweben zwischen Poesie und Realismus er anfangs mit Sympathie schildert, wirklich steht. Die offensichtlich etwas umständlich herbeigeführte Schlusspointe des Romans über einen Theaterbus, der von ein paar Gefängnisinsassen gekapert wird, erscheint ihm jedenfalls altväterlich, was aber nicht unbedingt ein Tadel sein muss. Ein Blättern in der Buchhandlung wäre nach der Kritik wohl angeraten, denn aus Seibts Schilderung geht durchaus hervor, dass Lenz' sanftes Narrenstück, das sich zuweilen ins Kafkeske dreht, sowohl im Ton als auch im Erzählduktus unabweisliche Stärken hat.

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