Die Sinne denken - Zender, Hans

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Hans Zender - Jahrgang 1936 - gilt als einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Generation und ist auch als Musikschriftsteller hervorgetreten.
Der vorliegende Band besitzt, indem er alle wesentlichen Texte versammelt, nahezu den Charakter einer "Gesamtausgabe". Er versteht sich als umfassende Basis für eine intensive Auseinandersetzung mit dem facettenreichen kompositorischen Werk und der vielschichten Gedankenwelt Zenders.…mehr

Produktbeschreibung
Hans Zender - Jahrgang 1936 - gilt als einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Generation und ist auch als Musikschriftsteller hervorgetreten.

Der vorliegende Band besitzt, indem er alle wesentlichen Texte versammelt, nahezu den Charakter einer "Gesamtausgabe". Er versteht sich als umfassende Basis für eine intensive Auseinandersetzung mit dem facettenreichen kompositorischen Werk und der vielschichten Gedankenwelt Zenders.
  • Produktdetails
  • Verlag: Breitkopf & Härtel
  • Artikelnr. des Verlages: BV 364
  • Seitenzahl: 384
  • Erscheinungstermin: 2. Oktober 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 246mm x 179mm x 32mm
  • Gewicht: 270g
  • ISBN-13: 9783765103643
  • ISBN-10: 3765103640
  • Artikelnr.: 11212858
Autorenporträt
1936 am 22. November in Wiesbaden geboren 1956-63 Studium an den Musikhochschulen Frankfurt und Freiburg Meisterklassenabschluß in den Fächern Komposition (bei Wolfgang Fortner), Klavier und Dirigieren pianistische Tatigkeit erste Theaterjahre an den Städtischen Bühnen Freiburg 1963/64 1. Stipendienjahr in der Villa Massimo, Rom 1964-68 Chefdirigent der Oper der Stadt Bonn 1968/69 2. Stipendienjahr in der Villa Massimo, Rom 1969-72 Generalmusikdirektor der Stadt Kiel 1971-84 Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken 1984-87 Hamburgischer Generalmusikdirektor und Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper 1985 Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg 1987-90 Chefdirigent des Radiokamerorkest des Niederländischen Rundfunks Principal Guest Conductor der Opéra National, Brüssel 1988-2000 Professor für Komposition an der Frankfurter Musikhochschule 1989 Mitglied der Akademie der Künste Berlin 1994 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München 1997 Frankfurter Musikpreis Goethepreis der Stadt Frankfurt seit 1999 ständiger Gastdirigent und Mitglied der künstlerischen Leitung des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg 1999 Ehrengast der Villa Massimo, Rom 2002 Hessischer Kulturpreis 2005/06 Fellowship am Wissenschaftskolleg Berlin internationale Gasttätigkeit als Dirigent zahlreiche Fernseh- und Schallplattenaufnahmen
Rezensionen
Besprechung von 08.06.2005
Ohrenmenschen und Gegenstreben
Das Wozu aufheben: Hans Zenders bereichernde Schriften zur Musik
Wenn jemandem bei der Frage nach seinem Lieblingsschriftsteller der Name Gustav Mahler einfällt, dann lässt das auf ein eigenwilliges und schöpferisches Verhältnis nicht nur zur Musik, sondern auch zur Sprache schließen. Hans Zender notierte diese Antwort einst im FAZ-Fragebogen. Inzwischen belegt ein Band mit seinen gesammelten Texten aus drei Jahrzehnten, dass der 1936 geborene Komponist und Dirigent zu jenen Grenzgängern gehört, denen die sprachliche Äußerung ein ebenso starkes Bedürfnis ist wie die musikalische, und denen - was nicht oft vorkommt - beide Idiome gleichermaßen zu Gebote stehen.
Der Titel „Die Sinne denken” zitiert den Philosophen Georg Picht, dem Zender wesentliche Anregungen verdankt. Das Rätsel, ob die Sinne hier als Subjekt oder als Objekt zu verstehen seien, enthält schon jenen Impuls zur Erweiterung der Wahrnehmung und des Bewusstseins, um den es Zender in jeder seiner Reflexionen geht. Auch dort, wo es sich um anlassgebundene Auftragsarbeiten handelt, zuweilen selbst in locker hingeworfenen Gedankenfragmenten, wird die Aufmerksamkeit auf Grund- und Sinnfragen der menschlichen Existenz gelenkt. So ist keineswegs nur ein musikologisches Fachpublikum angesprochen, sondern jeder, der bereit ist, die Musik, aber auch die übrigen Künste als Ausdruck von Wahrheit und Quelle der Erkenntnis zu betrachten. Eine Kernaussage des Bandes liegt in den Anfangssätzen eines Essays aus dem Jahr 2002: „Wozu Musik? - Wozu anders, als um jedes ,Wozu‘ aufzuheben?”
Zenders Denk-Horizont umfasst ein breites Spektrum von historischen, philosophischen, ästhetischen und kulturkritischen Fragestellungen. Der Weite seines Blicks entspricht die Vielfalt der Darstellungsformen: Theoretische und analytische Abhandlungen stehen neben Essays, Vorträgen und Reden, Rezensionen, Nachrufen und Glossen; ein „Imaginäres Interview” von 1975 sowie das 1993 verfasste Hörspiel „Nanzen und die Katze” finden sich ebenfalls in der Kollektion. Natürlich fehlen nicht die Einführungstexte zu eigenen kompositorischen Werken, aber mehr Raum und Gewicht haben die Studien zum Œuvre anderer Komponisten, früherer und zeitgenössischer, unter denen etwa die Aufsätze zu John Cage, Olivier Messiaen oder Giacinto Scelsi zu den wichtigsten deutschsprachigen Publikationen ihrer Art gehören.
Radikalität und Offenheit
Selten wird man Musiker-Prosa finden, in der ästhetische und moralische Radikalität mit einer solchen geistigen Offenheit gepaart ist - und die bei höchstem intellektuellen Anspruch nie die Verbindung zur Lebenspraxis verliert. Wie dadurch der interdisziplinäre Diskurs bereichert werden kann, dokumentiert beispielsweise der Text „Das Evangelium wie eine Partitur lesen - ein Versuch”. Den Artikel „Auge und Ohr. Gedanken zum Theater” sollte jeder Regisseur lesen, die Ausführungen über „Geistliche Musik und Liturgie” wünscht man sich in die Handbibliothek jedes Theologen. In vielen Schriften des Hölderlin- und Joyce-Lesers Zender hat seine Affinität zum fernöstlichen Denken, namentlich zum Zen-Buddhismus, ihre Spuren hinterlassen - nicht als exotistische Caprice, sondern als Kraftfeld für Einsichten und Maßstäbe, die zu europäischen Traditionen keineswegs im Widerspruch stehen müssen. Immer wieder geht es dabei um den Vorgang des Hörens, um das Verhältnis von Klang, Wort und Stille, aber auch um die Unbehaustheit des „Ohrenmenschen” in einer von Bildern beherrschten Welt.
Zenders kulturpolitische Kommentare, die er gern in Dankesreden einbaut, sind scharf formuliert und von unerbittlicher Klarsicht. An der „gedankenlosen, kommerziell geprägten, sich in den Medien kritiklos selbst feiernden Unterhaltungskultur” dürften seine Anklagen zwar ungehört vorbeirauschen, doch mittlerweile sind widerständige Äußerungen dieser Art in der Öffentlichkeit so rar geworden, dass man sie geradezu dankbar liest. Für jene aber, die tiefer in Zenders kompositorische Konzepte eindringen wollen, enthält der Band den hier erstmals vollständig veröffentlichten, großen Aufsatz über „Gegenstrebige Harmonik”, der die Frage nach den Grundlagen unserer Klangvorstellung und den Fundamenten unseres Tonsystems aufwirft.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
HANS ZENDER: Die Sinne denken. Texte zur Musik 1975-2003. Hrsg. von Jörn Peter Hiekel. Verlag Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2004. 368 Seiten, 48 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Kristina Maidt-Zinke kann jeden einzelnen Text dieser Sammlung der historischen, philosophischen, ästhetischen und kulturkritischen Überlegungen Hans Zenders empfehlen. Dabei beschränke sich der Leserkreis nicht auf Musikkenner und -liebhaber. Den Artikel "Auge und Ohr" sollte ihrer Meinung nach jeder Regisseur lesen, die Gedanken über "Geistliche Musik und Liturgie" möchte sie in der Handbibliothek möglichst vieler Theologen sehen. Jeder, der Musik und Kunst überhaupt als Quelle der Erkenntnis betrachtet, ist nach der Meinung der Rezensentin geeignet für die "bereichernden Schriften", die Zenders weitem Denk-Horizont entsprungen sind. Dabei verliere Zender auf "höchstem" intellektuellen Niveau niemals die "Verbindung zur Lebenspraxis", bei aller "moralischen Radikalität" bewahre er sich stets seine Offenheit. Und auch die kulturpolitischen Kommentare bestechen laut Maidt-Zinke durch ihre "scharfe Formulierung" und "unerbittliche Klarsicht".

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