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Zum zweiten Mal ist er Vater geworden. In der einen Nacht will und will die kleine Tochter nicht aufhören zu schreien, und in der nächsten fragt er sich, ob sie noch atmet. Am Tag findet er sich zwischen Windeln und Fläschchen und dem Playmobil des ersten Kindes wieder. Und während seine Frau die Hauptverdienerin ist, träumt er von einem Leben in einem großen Haus am Meer oder von Sex mit anderen. Er ist überfordert als Vater, verunsichert als Mann. Wieso fällt es ihm so schwer, sich in seine Rolle einzufügen? Und welche dunklen Seiten hat sein Mann-Sein, welches Potenzial an Wut und Gewalt …mehr

Produktbeschreibung
Zum zweiten Mal ist er Vater geworden. In der einen Nacht will und will die kleine Tochter nicht aufhören zu schreien, und in der nächsten fragt er sich, ob sie noch atmet. Am Tag findet er sich zwischen Windeln und Fläschchen und dem Playmobil des ersten Kindes wieder. Und während seine Frau die Hauptverdienerin ist, träumt er von einem Leben in einem großen Haus am Meer oder von Sex mit anderen. Er ist überfordert als Vater, verunsichert als Mann. Wieso fällt es ihm so schwer, sich in seine Rolle einzufügen? Und welche dunklen Seiten hat sein Mann-Sein, welches Potenzial an Wut und Gewalt schlummert in ihm? Mit seinem Kind im Arm sucht er nach Antworten und findet Momente der Liebe, der Nähe und des Glücks.
Wellen ist ein Roman über das Auf und Ab im Alltag eines jungen Vaters, eine Auseinandersetzung mit dem Wunder des Lebens und der Liebe zum eigenen Kind. Er erzählt von einem modernen, um Gleichberechtigung bemühten Mann in einer Gesellschaft, in der immer noch alte Ideale und Geschlechterverhältnisse vorherrschen. Heinz Helles persönlichstes Buch und ein hochpoetischer Text von großer Kraft und Aktualität!
Autorenporträt
Heinz Helle, geboren 1978, studierte Philosophie in München und New York und arbeitete als Texter in Werbeagenturen, bevor er Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studierte. Für seinen letzten Roman, Die Überwindung der Schwerkraft, wurde er mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2019 ausgezeichnet und stand 2018 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises. Er lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Julia Weber, und den beiden gemeinsamen Töchtern in Zürich.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rezensent Ekkehard Knörer erlebt mit den Büchern von Julia Weber ("Die Vermengung") und Heinz Helle ("Wellen"), wie die Autofiktion eine weitere Dimension erhält. Die beiden Schriftsteller sind ein Paar, sie haben zusammen Kinder bekommen und erzählen in ihren jeweiligen Büchern von ihrem gemeinsamen Leben. Man kann die beiden als Romane ausgewiesenen Bücher sehr gut unabhängig voneinander lesen, findet Knörer, es seien kluge Selbstbeobachtungen, mal mehr, mal weniger fiktionalisiert. Aber interessanter noch erscheint ihm, sie als "literarische Parallelaktion" zu verstehen und nachzuvollziehen, wie aus dem Du in dem einen Roman ein Ich im anderen wird und umgekehrt. Ausgesprochen raffiniert ist für Knörer dann die "doppelte Belichtung" einer Erfahrung, in der sich wiederum Leben und Schreiben vermengen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 08.10.2022

Unglaublich nah
Wann bleibt Zeit zu schreiben, wenn die Kinder spielen wollen? Julia Weber und Heinz Helle haben
gerade je einen Roman über ihre Familie und die Grenzen der Liebe geschrieben. Ein Besuch
VON MEREDITH HAAF
Vor einigen Jahren hatten der Schriftsteller Heinz Helle und seine Frau, die Schriftstellerin Julia Weber, einen Streit, bei dem Heinz in Rage einen Tisch durch den Raum warf. Diese Geste war ungewöhnlich für ihn, und für beide entsprechend einschneidend. Es ist fast immer zu früh, um zu sagen, ob ein Ereignis dieser Art wirklich als verarbeitet und somit abgeschlossen gelten kann. In diesem Fall hat Verarbeitung stattgefunden, soviel ist eindeutig: Die Sache mit dem Tisch wird in den beiden Büchern erzählt, die Julia Weber und Heinz Helle dieses Jahres veröffentlicht haben. Und um einen Abschluss ginge es ihnen dabei ohnehin nicht.
„Die Vermengung“ von Julia Weber ist schon im Frühjahr erschienen, „Wellen“ von Heinz Helle in diesem September. Die beiden Bücher haben eine gemeinsame Ausgangslage: Kurz vor Beginn der Pandemie wird ein Paar zum zweiten Mal Eltern. Das eigentlich gewünschte Eintreffen ihres Babys löst tiefe innere Krisen aus bei den Eltern, die in Zürich vom Schreiben leben, in einer Wohnung mit Feuchtigkeitsproblemen, in der seine „Schulter immer wieder an den Rahmen der Küchentür“ eckt, sie nachts hören kann wie „die Gleise schreien, wenn ein Zug vorbeifährt“, mit einem Säugling, der jede Nacht mehrfach wach ist und einer Zweitklässlerin, die immer dann ein Rollenspiel spielen will, wenn man sich gerade hinsetzen und was schreiben wollte.
Diese innere und äußere Beengung ist für das Kernfamilienleben typisch. Durch Isolationsphasen, Heimbeschulungen, Abstandsgebote und Sorgen der vergangenen Jahre hat sie sich bei vielen noch einmal verschärft. In der Wohnung, in der Helle und Weber in Zürich mit ihren beiden Töchtern tatsächlich leben, hat sie aber wie ein Inkubator gewirkt und zwei sehr unterschiedliche, doch zutiefst miteinander verbundene Werke hervorgebracht.
Zusammen gelesen ergeben „Die Vermengung“ und „Wellen“ ein außergewöhnliches Konstrukt: Zwei autofiktionale Romane über Grenzen und Möglichkeiten von Geschlechterrollen, über Freiheit und Zwang, Herdenleben und Einsamkeit in einer modernen und gleichberechtigungsorientierten Liebe, erzählt über den gleichen Zeitraum mit gemeinsamen Protagonisten, literarischen Referenzen und Szenen – die Sache mit dem Tisch zum Beispiel.
Beabsichtigt war diese enge Werkverbindung ursprünglich nicht, erzählen Julia Weber und Heinz Helle an einem Nachmittag vor einigen Wochen, an einem Ort weit weg von zu Hause. Ganz oben auf dem Monte Celeste, eine Autostunde vor Rom liegt das Dorf Olevano Romano. Und in Olevano istdie Casa Baldi, eine von zwei Villen im Ort, in denen deutsche Kulturinstitutionen Kunstschaffende mit ihren Familien unterbringen. Die Casa Baldi gehört der Kulturstiftung Villa Massimo. Sie ist nicht groß, aber es ist genug Platz da für eine Familie. Sie hat einen Garten, in dem man zum Beispiel eine Playmobilfarm aufbauen kann, was die Familie Helle-Weber getan hat.
Zum Arbeitszimmer der Casa Baldi gelangt man über ein paar Stufen durch den Garten. Auch das Zimmer hat eine tolle Aussicht, aber nicht so toll, dass sie das Auge zu weit von der Arbeit schweifen ließe. Es hat ein Sofa, falls man beim Schreiben ein Nickerchen braucht, und natürlich einen Tisch, an dem man schreiben oder auch sitzen, reden und Kaffee trinken kann. In einer anderen Zeit wäre zwischen Juli und September 2022 dies der Tisch von Heinz Helle gewesen, der Stipendiat der Villa Massimo ist. Aber so läuft es nicht in diesem Haushalt. „Wer gerade Zeit zum Schreiben braucht, geht schreiben“, erklärt Helle die Arbeitsteilung, „und normalerweise kümmert sich der eine den halben Tag um die Kinder und der andere schreibt, und dann wechseln wir uns ab.“ Und Weber: „Es sei denn, wir haben gerade beide nichts zu schreiben.“
In Zürich arbeiten beide in ihren jeweiligen Schreibateliers, wo sie hingehen, wenn die Kinder in Schule und Kindergarten sind. In Italien haben sie keine Kinderbetreuung, wenig Abstand und bis auf gelegentliche Besuche aus der Heimat keine Freunde. „Vermengung ist jetzt hier das Projekt“, sagt Helle, und dass sich für ihn seit ihrer Ankunft etwas grundlegend verändert habe. „Wenn ich gerade hier im Arbeitszimmer bin und die Kleine kommt rein, wäre das für mich früher automatisch mit dem Gedanken Oh-Gott-ich-kann-nicht-arbeiten verbunden gewesen.“ Jetzt aber nehme er sie auf den Schoß und schreibe einfach weiter, „solange es eben geht“.
Die Umstände begünstigen Gelassenheit: Bei allen praktischen und logistischen Problemen hilft eine Praktikantin der Villa Massimo vor Ort, die Stiftung schafft insgesamt ein Klima der künstlerischen Anerkennung und Förderung, das selbst die angespannteste schaffende Seele beruhigen muss. Nun ist Entspannung nicht immer die beste Freundin der Kunst, Julia Weber jedenfalls sagt: „Ich habe erwartet, dass ich hier viel schreiben würde, aber zum ersten Mal weiß ich eigentlich nicht, was.“ Sie habe das Gefühl, mit der „Vermengung“ noch nicht fertig zu sein, durch das Buch sei sie in ein großes Gespräch mit vielen anderen eingestiegen. Und: „Ich weiß gerade gar nicht, ob es mir nicht reicht mit der Vermengung. Ich bin an dem Punkt, an dem ich gerne wieder mehr trennen würde.“
Es fällt auf, dass beide Webers Titel, diese „Vermengung“, wie einen stehenden Begriff in ihr Gespräch einstreuen. Vermengung ist das Lebensprinzip, das Weber in ihrem Buch herausarbeitet – die einzig mögliche Strategie gegen die Überforderung, so viel Unterschiedliches parallel zu sein – Künstlerin, Mutter, Freundin, Tochter, Ehefrau, freie Frau, ist einfach alles gleichzeitig zu sein und ineinander übergehen zu lassen: zu akzeptieren, dass man einen Text manchmal im Kopf weiter schreiben muss, während man jemanden auf dem Spielplatz schaukelt; dass „man nicht einfach weggehen und seinen Gedanken nachgehen“ kann, auch wenn man das als notwendig für die künstlerische Freiheit erachtet.
Das Buch selbst ist allerdings alles andere als ein Manifest oder gar eine Anleitung. Eine Ich-Erzählerin, die mit einem H. verheiratet ist, berichtet aus ihrem Leben, das dem der Autorin sehr stark gleicht, betreibt Briefwechsel, die sie mit „Julia“ unterschreibt; in den Text eingebaut sind Fragmente eines Romans. „Meine Kunst ist ein Teppich, auf dem ich gehe, auf dem ich stehe. Die Kunst ist ein Gewächs, eine Flechte, die über alles drüberwächst. Alles was ich bin, alles was ich sein kann“, sagt die Erzählerin. Sie führt Problemgespräche mit ihrem Partner, der zunehmend erschöpft wirkt: „Er habe sich sehr bewegt im letzten Jahr, sagt H., legt Z. eine neue Windel um, klebt sie zu. Er sei wie wild in unserem Konstrukt umhergetanzt, obschon er gar nicht so gerne tanze, damit es stabil bleiben könne. Während ich traurig gewesen sei, sei er umhergetanzt, damit nicht alles einstürze.“
Begonnen hat Weber die Texte in einem Moment größter Verlustangst: Kurz bevor sie mit ihrem zweiten Kind schwanger wurde, hatte sie einen Roman begonnen, jenen Text, aus dem die Fragmente in „Die Vermengung“ stammen. „Ich hatte an einem Wochenende 60 Seiten voll geschrieben, wie in einem Rausch, und ich dachte ja genau, so muss das sein“, erzählt sie in ihrem sandig-schweizerischen Timbre, „so geht das jetzt immer weiter. Und dann war ich schwanger, und es ging nichts mehr. Es hat mich einfach nicht mehr interessiert.“ Dieses Gefühl, geistig und körperlich belagert zu sein, mündet im Buch in einen schmerzhaften Satz: „Ich will dieses Kind nicht.“ Sie habe ihn einmal ausschreiben müssen, um ihn zu überwinden, sagt Weber.
Weil nichts schreiben aber auch keine Lösung war, begann sie während der Schwangerschaft und im ersten Jahr nach der Geburt, ihre Tage und Erinnerungen zu notieren, Briefe zu schreiben, ohne Ziel. „Bei dir war es anders, du hast während des Prozesses mitgedacht, dass es darum geht, etwas wegzuschreiben, das war ja schon fast physisch“, sagt sie in Olevano zu Helle, der neben ihr sitzt, und tatsächlich genauso aussieht, wie seine Frau ihn in ihrem Buch beschreibt, „wüstenfarben“ und immer ein wenig für sich, wie ein „Baum“. So fließend und selbstverständlich wie sie gemeinsam über ihre Bücher sprechen, spürt man die Routine des intensiven Austauschs dieser beiden, wohl auch die gemeinsame Sozialisation in der westschweizerischen Stadt Biel, wo sie sich in den Nullerjahren während des Schreibstudiums kennengelernt haben. Helle nickt, sagt: „Ja, ich hatte mir diese Regeln gegeben.“
Auch Helle erzählt von einer Krise des Schreibens, kurz vor der Geburt der kleinen Tochter, „ich hatte ein Projekt, das einfach nicht funktionierte.“ Um sich irgendwie zu entkrampfen, beschloss er, jeden Tag so viel vom Tag, seinen Gedanken und Gefühlen und Lektüren zu notieren, wie er konnte, aber: „Ich durfte es ein Jahr lang nicht noch mal anschauen.“ Während er also seine Tage in der Fifty-Fifty-Babyzeit verbrachte, stand er morgens um 5 Uhr auf, um noch etwas zu schreiben. Nach dem Jahr, sagt er, habe er verblüfft festgestellt: „Da gibt es gewisse Motive und Gedanken, die sich durch das ganze Schreiben hindurchziehen, das passt alles zusammen.“
Und so ist mit „Wellen“ eine sehr persönliche Erzählung entstanden. Ein namenloser Ich-Erzähler, der ziemlich lückenlose biografische Ähnlichkeit mit Helle aufweist, widmet sich als Vater seinen Kindern, versucht sich als Mann mit Frauen gleichzustellen. Er macht den Haushalt, füttert das Baby, fährt zu Lesungen, schwankt zwischen Genervtheit von und Liebe zu seiner Partnerin, und sucht im Internet nach Corona-Infos und günstigen Häusern in Schweden. Er geht den vielen Selbstzweifeln, Fluchtphantasien und routinemäßigen Gelüsten nach, die ihn beuteln; der emotionalen und körperlichen Erschöpfung, aber auch der ständigen inneren Selbstversicherung, mit all dem, was er hat, „glücklich und da, glücklich da zu sein“. Nächtliche Babyversorgung, Gespräche mit Freunden, körperliche Wehleiden, sexuelle Fantasien, Lektüren und Reflexionen fügen sich zu einem literarischen Stimmungsgemälde moderner, mühsamer, aber auch mitfühlender Männlichkeit. Das stets beschworene Glück ebbt und flutet: „Und dann kommt B aus ihrem Zimmer und will Tigerbaby spielen, und Z ruft und will Milch, und ich setze mich dennoch kurz an den Küchentisch und versuche, ein paar Sätze festzuhalten, weil ich merke, dass mich eine nervöse Unruhe überkommt in dem Moment, in dem ich B ja sage auf ihre Frage, ob ich Lust habe, mit ihr zu spielen, und ich weiß, dass ich eigentlich keine Lust habe gerade, aber ich will Lust haben, verdammt“.
Selbst für einen Autor wie Helle, der Themen seines eigenen Lebens in Romanen wie „Die Überwindung der Schwerkraft“ durchaus schon aufgegriffen hat, lässt „Wellen“ seine Leser – zumindest vermeintlich – sehr nah an den Autor heran. Das liegt auch an dem Helle-Sound, der sich in teilweise seitenlangen, aber niemals unordentlichen oder verschlungenen Sätzen ins Gehirn schraubt; und an dem offensichtlichen Reiz, den es für ihn hat, die männliche Intimsphäre da, wo sie am verletzlichsten wirkt, zugänglich zu machen. Die Scham, nachdem er sein Kind angeschrien hat; die Erleichterung nach einem unspektakulären Samenerguss („als hätte ich mir etwas Störendes, Fremdes, in Wahrheit nicht zu mir Gehörendes abgerieben“); die gelegentliche Verzweiflung darüber, einem Geschlecht anzugehören, das für so viel Gewalt und Unheil auf der Erde verantwortlich ist und zum Beispiel vor Wut Einrichtungsgegenstände durch die Gegend wirft.
Auch wenn so ein Buch automatisch mit Karl Ove Knausgårds „Mein Kampf“-Zyklus in Verbindung steht, fühlt sich Helle eher Leslie Jamison oder Maggie Nelson nah. „Eigentlich hast du mir alle Autorinnen empfohlen“, sagt er zu Weber. Ob man dennoch so rücksichtlos wie Knausgård sein muss, um wirklich frei von sich und der eigenen Familie zu schreiben? Nein, sagt Helle, für ihn sei Schreiben eine Praxis der Zuwendung und Genauigkeit. Trotzdem sagt Weber, habe sie die erste Lektüre des Manuskripts irritiert. „Ich komme darin eigentlich nicht vor“, obwohl es um ihr gemeinsames Leben gehe. Erst danach, sagt Helle, habe er das „Du“ eingefügt, mit dem sein Erzähler die Partnerin anspricht. Dann sei auch klar gewesen, dass nicht einfach er nun seinen Text veröffentlichen könnte: „Es musste auch eine Erzählung von Julia geben.“ Erst im Gespräch darüber sei ihr bewusst geworden, sagt Weber, „dass ich ja eigentlich schon ein Buch habe.“
Ob man die Bücher nun Autofiktion nenne oder nicht, sei ihnen im Grunde egal, sagen beide. Er bewundere an ihrem Buch, sagt Helle, wie sie echte Erlebnisse – die Sache mit dem Tisch – neben fiktionale Szenen montiert habe: „Du legst da eigentlich offen, wie Fiktion funktioniert.“ Wobei im echten Leben eine Therapie und ein bis heute andauerndes Gespräch zwischen den beiden folgte, und in der Fiktion eine brutale Szene häuslicher Gewalt entstand. Wie Julia Weber da genau zuhört, als sage er ihr etwas über sie, dass ihr neu aber willkommen ist, denkt man wieder, dass hier zwei Menschen über Anerkennung und Kritik einen Weg der größtmöglichen Offenheit und Verbindung zueinander gefunden haben. Dann ist es aber Zeit auf die Terrasse zu gehen, Peroni zu trinken und in den Himmel über dem Latium zu gucken, der wie das Meer aussieht an diesem Abend. Es sich selbst und gegenseitig leichter zu machen, ist an manchen Orten einfacher als an anderen; eine Liebe, die das weiß, hält aus.
„Ich bin an dem Punkt,
an dem ich gerne wieder
mehr trennen würde“
„Ich weiß, dass ich eigentlich
keine Lust habe gerade, aber ich
will Lust haben, verdammt“
Zwei Menschen, die einen Weg
zu größter Anerkennung
und Offenheit gefunden haben
Ihre Bücher erzählen stark autobiografisch von der gleichen Zeit, gemeinsamen Protagonisten und Szenen: das in Zürich
lebende Schriftstellerpaar Julia Weber (rechts) und Heinz Helle.
Foto: Robert B. Fishman/imago/ecomedia/Ayse Yavas
Heinz Helle:
Wellen.
Roman.
Suhrkamp Verlag,
Berlin 2022.
284 Seiten, 23 Euro.
Julia Weber:
Die Vermengung.
Limmat Verlag,
Zürich 2022.
351 Seiten, 26 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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»... raffiniert und direkt. Die Nacktheit, in der sich die Ich-Figuren zeigen, berührt ...«
Ekkehard Knörer, taz. die tageszeitung 19.10.2022