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Paul Ingendaay hat den großen deutschen Roman seiner Generation und ein sehr persönliches Buch geschrieben: temporeich, brillant und witzig erzählt er die Geschichte einer Jugend, in der Freundschaften eine ebenso große Rolle spielen wie die Einsamkeit, David Bowie wie Bach, der Große Gatsby wie Gott.…mehr

Produktbeschreibung
Paul Ingendaay hat den großen deutschen Roman seiner Generation und ein sehr persönliches Buch geschrieben: temporeich, brillant und witzig erzählt er die Geschichte einer Jugend, in der Freundschaften eine ebenso große Rolle spielen wie die Einsamkeit, David Bowie wie Bach, der Große Gatsby wie Gott.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schirmergraf
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: Februar 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 139mm x 30mm
  • Gewicht: 597g
  • ISBN-13: 9783865550255
  • ISBN-10: 3865550258
  • Artikelnr.: 20775734
Autorenporträt
Paul Ingendaay, geb. 1961 in Köln, studierte Anglistik und Hispanistik in Köln, Dublin und München. 1997 wurde er mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, 2006 mit dem Aspekte-Preis ausgezeichnet. Er lebt als Kulturkorrespondent der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' mit seiner Familie in Madrid.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.03.2006

Musenkuss und Weihrauchschwaden
Das Internat als Dichterschule: Paul Ingendaays Roman „Warum du mich verlassen hast”
Spitzer als bei einem Kollegenbuch sind die Finger der deutschen Literaturkritik nie. Neid und Missgunst dürften dabei eher eine untergeordnete Rolle spielen. Vor allem ist es die Befangenheit. Gerade weil man die Kollegen kennt und schätzt, weiß man nie so recht, wie man mit ihren Büchern umgehen soll. Deswegen werden sie oft betont beiläufig oder gar nicht rezensiert. Das ist gewiss nicht in allen, aber durchaus in manchen Fällen schade.
Handelt es sich bei einem solchen „Journalistenbuch” auch noch um einen Roman, so kommt erschwerend ein Zweites hinzu, das mit einer bestimmten deutschen Tradition oder Weltanschauung und der daraus resultierenden journalistischen Praxis zu tun hat. In anderen, namentlich angelsächsischen Ländern ist die Grenze zwischen essayistisch-kritischem Schreiben auf der einen und literarischem Schreiben auf der anderen Seite in beide Richtungen höchst durchlässig. So versteht es sich etwa im New Yorker oder im Times Literary Supplement von selbst, dass ein großer Schriftsteller wie etwa John Updike den Roman eines anderen Schriftstellers, Tom Wolfe, rezensiert. Der Groß-Schriftsteller als Kritiker kommt in Deutschland nicht vor - nur manchmal schreibt Martin Walser emphatisch über drittrangige Bücher oder Peter Handke lässt die Öffentlichkeit von seinem letzten Leseerlebnis wissen, aber das hat mehr die Form eines Lektüre- und Entdeckungstipps.
Warum die Augen verdrehen?
Vor allem aber gilt die Durchlässigkeit in die andere Richtung. In angelsächsischen Ländern schüttelt niemand den Kopf, wenn ein Literaturkritiker oder Professor der Literaturwissenschaft einen Roman schreibt. In Deutschland gelten solche Fälle als vorhersagbare Peinlichkeiten. Man verdreht die Augen, als liege da ein Selbstmissverständnis vor und ein absoluter Kategorienfehler. Denn in der deutschen Tradition der Kunstreligion gibt es zwei kategorial von einander unterschiedene Schreibweisen, die nichts miteinander zu tun haben: Die journalistisch-kritische und die dichterische. Erstere gilt als eine Frage der Technik und des Könnens, der Informationsvermittlung und durchaus auch der wohl gesetzten Pointe.
Letztere dagegen ist von der Idee her weniger ein Schreiben als ein Vernehmen des Seins der Sprache, ein Inspirationsakt am Rande des Verstummens, eine enigmatische Artikulation aus vom Wahnsinn umwölkten Hölderlin-Sphären. Zugegeben, das ist sehr pointiert ausgedrückt, aber nur unwesentlich übertrieben. Denn es hat zwar schon in der Weimarer Republik die Lockerungsübungen der Neuen Sachlichkeit gegeben, und in der Bundesrepublik zahlreiche Bündnisse von Journalismus und Literatur, aber wenn es um Kollegen geht, gelten noch immer die alten Muster.
Paul Ingendaay, Jahrgang 1961, ist ein glänzender Literaturkritiker und der Spanien-Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er hat jetzt unter dem Titel „Warum du mich verlassen hast” seinen ersten Roman vorgelegt: einen Internatsroman nach allen Regeln der Kunst, 500 Seiten packender Lesestoff. Man kann die Einwände schon förmlich hören: Das sei zu glatt, zu gefällig und habe keine eigene Sprache. Nun, Ingendaay ist nicht und will gewiss auch kein Reinhard Jirgl sein. Sein Roman ist kein sprachschöpferisches Kunstwerk im emphatischen Sinne. Paul Ingendaay wollte gewiss auch nicht den Total-Roman schreiben. Stattdessen hat er mit sehr klugem Kalkül (ach, wenn doch mehr berufene Dichter über nur ein bisschen Kalkül verfügten!) sich auf ein Genre festgelegt, und das allerdings erfüllt er hervorragend. So ist ein spannender, anrührender und komischer Roman entstanden, dessen Lust am Sprachspiel mitreißend und höchst unterhaltsam ist.
Denn dieser Roman ist auf eine verspielte Art rhetorisch groß instrumentiert. Marko Theunissen, der Protagonist, ist zugleich sein Erzähler. Von seinem zehnten bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr geht er auf ein katholisches Jungeninternat am Niederrhein. Weil der Roman konsequent aus Markos Perspektive geschrieben ist, hängt alles von dem Tonfall ab, den der Autor für seinen adoleszenten Erzähler kreiert. Sowas geht gerne schief. Ingendaay nutzt die Bücherleidenschaft seines Protagonisten, um ein herrliches Amalgam aus cooler Jugendsprache, wiederkehrenden Sprechformeln und Stilparodien literarischer Vorbilder zu schaffen. Schon das Wort Jugendsprache klingt ja oberspießig und betulich, aber bei Ingendaay kommt der Jargon absolut unpädagogisch und unranschmeißerisch rüber. Als passionierter Leser hat Marko einen ausgeprägten Sinn für theatralische Redesituationen. Weshalb er seinen Kummer, seinen Zorn und seine Sehnsüchte, aber auch seine Weisheiten gerne in Form von Ansprachen zum Beispiel an das Wäschehaus los wird, - so er die Leser nicht gleich, wir befinden uns ja in einem katholischen Internat, direkt in einem travestierten Predigtton anspricht. All das schafft erstens gute Laune, klingt zweitens in einem poetischen Sinne realistisch und gibt drittens guten Einblick ins Innenleben der Figuren, die man alle rasch ins Herz schließt.
Weihrauch und Gewalt
„Warum du mich verlassen hast” ist ein Coming-of-Age-Roman. Er atmet - wann hat man das zum letzten Mal gesagt? - den Geist der Rebellion. Er erzählt von Mut und Verlogenheit, vom Indianerehrenwort und vom Kriechertum. Und davon, wie ein Junge im fruchtbaren Wechselspiel von Freundschaft, Lektüre und Aufbegehren gegen die bigotte Unwahrhaftigkeit und bornierte Grausamkeit zum freien Geist, zum Individuum heranreift: „Liebenswürdig, sinnenfroh, grausam und einsam” wie es einmal mit Blick auf Alain-Fournier heißt.
Es ist eben noch immer eine würdige Aufgabe für die Literatur, der Heuchelei die Maske vom Gesicht zu reißen. Und von der gibt es auf katholischen Internaten womöglich doch mehr, als wir Feuilleton-Katholiken in unserer Unbedarftheit uns vorstellen. „Gewalt”, heißt es einmal, „gehört zur katholischen Kirche wie Hostie und Weihrauch. Nehmen Sie der Kirche ihre pittoresken Bestrafungsmethoden, und die Gläubigen laufen davon. Selbst die Lauen, um die es nicht schade wäre, hätten nichts mehr, das ihnen ein bisschen heilsame Furcht in die armseligen Leiber jagt.”
Wahr ist aber auch dies: Paul Ingendaay selbst hat ein katholisches Internat am Niederrhein besucht. Das gleiche Internat haben auch die Schriftsteller Gregor Hens und Christoph Peters durchlaufen. Ebenso Paul Ingendaays Bruder Marcus, der als Übersetzer einen Namen hat, aber auch mit einem Roman an die Öffentlichkeit getreten ist. Das alles spricht durchaus für das Internat. Und wenn jetzt die anderen drei auch Internatsromane schrieben, wir könnten in gut theologischer Tradition zu einer bestimmt hochinteressanten synoptischen Lektüre ansetzen. IJOMA MANGOLD
PAUL INGENDAAY: Warum du mich verlassen hast. Roman. SchirmerGraf Verlag, München 2006. 505 Seiten, 24,80 Euro.
Pittoresk und grausam: Fronleichnamsprozession.
Foto: Falk Heller/argum
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Kühn sei es, als Literaturkritiker selbst einen Roman vorzulegen, aber noch verwegener findet es Andreas Isenschmidt, einen Internatsroman als Debütform zu wählen. Er ist gut, er ist glänzend, meint Isenschmidt, aber - das Glänzende verliert an Glanz durch Länge. Zum einen geht Isenschmid sichtlich der bewusst gewählte Jugendjargon a la Salinger auf die Nerven - das Buch ist immerhin 500 Seiten lang, stöhnt er; zum anderen missfällt ihm der krimihafte Dreh zum Ende hin und die vielen als Fingerübung verstandenen Episoden, die den ganzen Roman für sein Empfinden in die Länge ziehen. Ansonsten will Isenschmidt nichts auf den Roman kommen lassen: besonders gelungen findet er die Romanteile, die den "Übergang von der Kindheit zur unbehüteten Zeit des Erwachsenen" als auch die Freundschaft zu einem Lehrer beschreiben. Auch das Internatsleben werde trefflich geschildert, mit all seinen grausamen Seiten und heimlichen Lüsten. Isenschmid bescheinigt Ingendaay ein gutes Gespür für Binnendramaturgie der Episoden und Handlungsteile. Bezeichnend findet der Rezensent, dass in diesen gelungenen, dichten, ernsten Teilen das Jugendidiom fast verschwindet und einem distanzierteren Ton weicht, den sich Kollege Isenschmidt für die nächsten Bücher von Ingendaay wünscht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.02.2006

PAUL INGENDAAY, Feuilletonkorrespondent dieser Zeitung in Madrid, hat einen Roman über ein katholisches Jungeninternat am Niederrhein geschrieben, wo die Dörfer Namen wie Hülm, Hassum und Hommersum tragen. Für Marko, den fünfzehnjährigen Helden, geht es auf dem Collegium Aureum um die wichtigsten Dinge im Leben eines fühlenden Mannes, nämlich Mädchen, Bücher und Gott. In seinen melancholischen Momenten sieht er sich als Robinson Crusoe auf der Insel der Verzweiflung und befürchtet, wilde Tiere könnten kommen, um ihn zu fressen. Was also hilft ihm über seine Nihilismus-Anfälle hinweg? Die Bande seiner drei Freunde. Die Musik von David Bowie. Der erste Kuß, den er sich bei einer Provinzschönheit erkämpft. Und ein Ordensbruder, der Seneca und Dürrenmatt liest. Bis sich die Vorahnung aus dem geheimnisvollen Buch der Ordnungen erfüllt und der Gott der Kannibalen sein Opfer fordert. (Paul Ingendaay: "Warum du mich verlassen hast". Roman. SchirmerGraf Verlag, München 2006. 506 S., geb., 24,80 [Euro].)

F.A.Z.

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