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"Ein zartes Buch, das von der Zerbrechlichkeit des Lebens erzählt." -- Jenny Hoch in "Spiegel Online"
"Ein großes kleines Buch, eine berührende Lektüre." Wolfgang Schneider in der 'FAZ' Alter Rhein. Zwei Männer spazieren am Ufer entlang. Es ist Winter, die Seitenarme des Flusses sind zugefroren, doch es taut. Von weitem sehen die beiden, wie ein großer schwarzer Hund ins Eis einbricht. Einer der Männer holt Hilfe. Der andere kriecht auf einem Ast zu dem Hund. Er spürt, dass er den Hund nicht retten kann. Doch der Tod hat vor einigen Jahren eine so tiefe Wunde in sein Herz geschlagen, dass…mehr

Produktbeschreibung
"Ein zartes Buch, das von der Zerbrechlichkeit des Lebens erzählt." -- Jenny Hoch in "Spiegel Online"
"Ein großes kleines Buch, eine berührende Lektüre." Wolfgang Schneider in der 'FAZ'
Alter Rhein. Zwei Männer spazieren am Ufer entlang. Es ist Winter, die Seitenarme des Flusses sind zugefroren, doch es taut. Von weitem sehen die beiden, wie ein großer schwarzer Hund ins Eis einbricht. Einer der Männer holt Hilfe. Der andere kriecht auf einem Ast zu dem Hund. Er spürt, dass er den Hund nicht retten kann. Doch der Tod hat vor einigen Jahren eine so tiefe Wunde in sein Herz geschlagen, dass er ihm dieses Leben nicht überlassen will. Michael Köhlmeier kann, was nicht viele können: in einer ganz kleinen Geschichte eine ganz große erzählen.
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.13905
  • Verlag: Dtv
  • Seitenzahl: 108
  • Erscheinungstermin: 1. August 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 120mm x 10mm
  • Gewicht: 126g
  • ISBN-13: 9783423139052
  • ISBN-10: 3423139056
  • Artikelnr.: 28014275
Autorenporträt
Köhlmeier, Michael
Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und tritt sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Johann-Peter-Hebel-Preis, den Manès-Sperber-Preis, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I.Klasse, den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und den Ferdinand-Berger-Preis.
Rezensionen
Besprechung von 01.10.2008
Sein letzter Autor, sein letztes Buch
Michael Köhlmeiers „Idylle mit ertrinkendem Hund”
Ein Schriftsteller erwartet Arbeitsbesuch, im schneereichen Januar 2006. Es ist Dr. Beer, der allseits geschätzte Frankfurter Lektor, belesen und diskret wie keiner, ein Mann ohne Privatleben, den auch das Privatleben seiner Autoren augenscheinlich nicht interessiert, ein Mann, der für die Literatur lebt und hinter ihr fast unsichtbar geworden ist. Komisch nur, dass Dr. Beer von sich selbst sagt, er sei „Lears Narr”. „Wer war sein Lear?”, fragt sich auch der Schriftsteller, und worin besteht wohl Dr. Beers spezielle Narretei? Jedenfalls steht Dr. Beer ante portas, und, ganz im Gegensatz zur sonst geübten Zurückhaltung, möchte er diesmal von seinem Autor („sein letzter Autor, sein letztes Buch”, hat er mitgeteilt) auch beherbergt werden.
Der Autor heißt Michael Köhlmeier und will in dieser kleinen, aber vertrackten und zugleich anrührenden Erzählung als er selbst erkannt werden (das würde Dr. Beer bestimmt nicht gefallen). Der hier „Ich” sagt, lebt mit seiner Frau Monika, die ebenfalls Schriftstellerin ist, in einem behaglichen Haus in Hohenems in Vorarlberg, was unter anderen Umständen als idyllisch empfunden werden könnte, es unter den geltenden Umständen aber nicht ist. Nicht nur, weil eine Idylle mit ertrinkendem Hund keine Idylle sein kann. Es ist auch ein Unglück geschehen, wovon die Episode mit dem ertrinkenden Hund am Alten Rhein ein fernes Spiegelbild abgibt.
Der blutgierige Stofftiger
Aber Dr. Beer, mit dem der Schriftsteller über das Unglück sprechen könnte und vielleicht auch möchte, ist ja für das wahre Leben nicht zu haben. Statt dessen macht er sich, nun auf einmal doch Lears Narr, buchstäblich zum Affen. Im Wohnzimmerdschungel der Schriftstellerfrau tanzt und trommelt und singt er: „Ich bin der grausame, blutgierige Stofftiger. . .”. Tags darauf bringt er von einem Spaziergang eine Geschichte mit. Ihm, der sich krankhaft vor Hunden fürchtet, ist am Alten Rhein ein Hund begegnet und sogar nachgelaufen. Keine große Geschichte, aber nachdem Dr. Beer ja schon früher seine Dämonen von der Leine gelassen hat, gibt es für ihn kein Halten mehr. Wenn die letzte Katze des Schriftstellerpaares nach Nabokov „Pnin” hieß, dann müsste dieser Hund mindestens „Bulgakow” oder gleich „Faust” heißen; am Alten Rhein scheint Dr. Beer dem Leibhaftigen begegnet zu sein. Irgendwie scheint der wie aufgedrehte Dr. Beer nicht genau das zu sein, was dem Schriftsteller in seiner Situation gut täte. Er hört nicht zu, er tanzt und singt und gibt, statt zu lektorieren, seine eigenen Geschichten zum Besten; aber auf seine Art leistet er dem Schriftsteller dann doch die Lektoren- oder Hebammendienste, um derentwillen man ihn ins Haus geholt hat.
Erst spät in der Erzählung geht es um das Unglück, das schon einige Jahre zurückliegt. „Seit Paulas Tod schlafen wir nicht mehr so gut.” Im Jahre 2003 ist die Tochter des Paares, die 21-jährige Paula Köhlmeier, die selbst eine vielversprechende Autorin war, bei einer Wanderung unweit ihres Elternhauses tödlich verunglückt. „Spazierengehen stabilisiert uns einigermaßen”, erzählt Köhlmeier, „von Montag bis Freitag gehen wir jeder für sich allein, Monika über den Schlossberg, ich am Alten Rhein entlang bis Lustenau, am Samstag begleitet mich Monika auf meinem, am Sonntag ich sie auf ihrem Weg.” Man kann, denkt man, als Schriftsteller über einen solchen Schlag und seine Bewältigung nicht hinweggehen. Ebenso wenig kann oder will man vielleicht von ihm erzählen, schon gar literarisch. Dr. Beer könnte helfen, aber er tut alles andere. „Wie kann ich über den Tod unserer Tochter schreiben?”, fragt er seinen Lektor in einem Gespräch, das er „gern mit ihm geführt hätte”. Dass dann aber doch ein Text entsteht, der vorliegende Text, ist dann freilich niemandem sonst geschuldet als Dr. Beer. Und einem neuen Unglück. Beim gemeinsamen Spaziergang am Alten Rhein steht Dr. Beers seltsamer Hund auf dem Eis eines Baggersees und bricht ein. Als gebe es hier zum allerletzten und entscheidenden Mal die Möglichkeit, ein Leben zu retten, zieht der Schriftsteller unter Aufbietung der letzten Kräfte den ertrinkenden Hund aus dem Wasser. „Was soll ich damit anfangen?”, fragt er den Lektor, als der ihn im Krankenhaus besucht. „Womit?” – „Mit dieser Geschichte.” Dr. Beer antwortet nicht. Oder nicht direkt. Später wird er dem Schriftsteller aus Frankfurt schreiben, „dass die weitere Arbeit an meinem Text ein jüngerer Kollege übernehmen werde.” Klüger und tröstlicher und zugleich raffinierter kann man über einen Schicksalsschlag und das, was man seine „Verarbeitung” nennt, kaum schreiben.CHRISTOPH BARTMANN
MICHAEL KÖHLMEIER: Idylle mit ertrinkendem Hund. Deuticke Verlag, Wien 2008. 110 Seiten, 12,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 08.11.2008
Spazierengehen stabilisiert einigermaßen

Nach dem Jahrhundertpanorama "Abendland" hat Michael Köhlmeier jetzt eine schlanke Novelle verfasst: "Idylle mit ertrinkendem Hund" hat es in sich.

Von Wolfgang Schneider

Seit einiger Zeit werden nicht nur die Städte durch Füchse und Wildschweine kreatürlich bereichert. Auch der deutschen Literatur laufen in diesen Monaten ungewöhnlich viele Tiere zu. Marcel Beyer hat den großen Roman der Ornithologie vorgelegt ("Kaltenburg"), Gerhard Falkner sich novellistisch auf die Spur des Bären Bruno gesetzt. Sherko Fatahs Roman "Das dunkle Schiff" hat einprägsame und symbolisch aufgeladene Tier-Szenen; Dietmar Dath schöpft in "Die Abschaffung der Arten" den Gen-Pool aus und macht posthumane tierische Charaktere zu Protagonisten. Um einen zugelaufenen Hund, der nicht mehr aus dem Leben einer Frau weichen will, geht es in Marion Poschmanns "Hundenovelle". Und nun erzählt Michael Köhlmeyer eine "Idylle mit ertrinkendem Hund". Das kann nicht nur Reverenz vor dem anstehenden Darwin-Jahr sein. Das Tier steht für die fortwirkende Faszination des Kreatürlichen in der elektrifizierten Welt, es inspiriert den biologischen Blick auf die Verhältnisse und ermöglicht ungewöhnliche Spiegelungen menschlicher Problemlagen.

Nach seinem epischen Kraftstück, dem Jahrhundertpanorama "Abendland", hat Michael Köhlmeier nun eine schlanke Novelle verfasst. Der Autor bevorzugt einen eleganten, elaborierten Stil und verleiht seinen Geschichten gern den Anschein authentischen biographischen Erzählens. Von einem Schriftsteller-Ehepaar ist in der "Idylle mit ertrinkendem Hund" die Rede, hinter dem man unschwer den Autor selbst und seine Frau Monika Helfer erkennen kann. Vermutlich ließen sich die Vorarlberger Lebensumstände bis hin zu den täglichen Spaziergewohnheiten verifizieren.

Es beginnt als Geschichte einer verstolperten Freundschaft. Der Autor und sein Lektor Dr. Beer bemühen sich, ihre vorzügliche Arbeitsbeziehung ins Freundschaftliche zu erweitern. Eher versehentlich hat sich am Telefon das "Du" eingeschlichen. Um die neue Umgangsform mit einer Tat zu flankieren, kündigt der Lektor einen Besuch beim Autor an. Wie es sich für eine klassische Novelle gehört, passieren im Verlauf dieses Besuchs Überraschungen. Man kann sagen: Der Autor überlebt nur knapp. Und das "Du" hat sich am Ende erübrigt: Die Arbeit an seinem Text werde "ein jüngerer Kollege übernehmen", verabschiedet sich der Lektor in einem kühlen Brief.

Das ist der Rahmen des Buchs, das die Autoren-Homestory mit dem Einbruch des Schrecklichen verbindet. Wir erfahren: Das Leben bewegt sich immer auf dünnem Eis. Und Menschen sind meist nicht das, was sie zu sein scheinen. Dr. Beer, der steif wirkende Geistesmensch, erweist sich unverhofft als exaltierter Naturfreund. Als er vor dem aus jedem wohnzimmerlichen Maß gebrochenen Wintergarten-Dschungel der Schriftstellerfrau steht, bricht er in falsetthafte Begeisterungsschreie aus. "Mein Gott, ist das ein Genuss", seufzt der Mann, der in der Textarbeit regelmäßig vor allzu "gehaltvollen" Worten warnt. Dem Schriftsteller dämmert, dass er "die Optionen dieses Mannes missdeutet haben könnte".

Der komische Lektor (hoffen wir, dass wenigstens Dr. Beer frei erfunden ist) geht im Folgenden allein spazieren. Bei seiner Rückkehr erzählt er, ein großer Hund habe sich ihm angeschlossen - mit einer Anhänglichkeit, die Dr. Beer sich nur durch eine Verwechslung erklären kann. Womöglich sei das Tier traumatisiert, nachdem es von jemandem ausgesetzt worden sei. Wie auch immer: Dr. Beer hat sich schon wieder verwandelt. Aus dem Mann mit notorischer Hundeangst ist ein Spaziergänger geworden, dem keiner abnehmen will, dass das mächtige Tier nicht ihm gehört.

"Die Erinnerung ist ein Hund, der sich hinlegt, wo er will", heißt es bei Cees Nooteboom. Nachdem der Hund den ersten Auftritt absolviert hat, macht sich die Erinnerung geltend. Und damit erweist sich die Leichtigkeit des Beginns als falsch gelegte Fährte. "Seit Paulas Tod schlafen wir nicht mehr so gut." Es sind sehr private Momente, die Michael Köhlmeier hier "preisgibt" - um ein Wort zu verwenden, das Dr. Beer unterkringelt hätte. Gemeint ist das Unglück, das die Köhlmeiers vor drei Jahren heimsuchte: der Tod der einundzwanzigjährigen Tochter, die bei einer Bergwanderung verunglückte. "Spazierengehen stabilisiert uns einigermaßen." Auch von Friedhofsbesuchen und Beruhigungsmitteln ist die Rede, vom Trost der Musik. Und von der allabendlichen Hoffnung, dass die verlorene Tochter wenigstens im Traum zurückkehren möge. Stattdessen flieht auch der Schlaf. Für den Schriftsteller stellt sich die Frage, ob er über den Tod seiner Tochter schreiben soll, kann, darf. Ist Literatur überhaupt der richtige Ort für solche traumatischen Erinnerungen, wenn doch jede Erzählung dem Geschehenen eine eigensinnige Dramaturgie, Effekte und Pointen überstülpt? Dr. Beer weicht der Aussprache über dieses Thema aus - und die frische Freundschaft bekommt den Knacks, an dem sie später bricht.

Und dann ist endgültig Schluss mit der Idylle. Beim Spaziergang im Tauwetter begegnet den beiden Männern noch einmal der merkwürdige Hund. Er rennt dem Lektor mit Hunde-Enthusiasmus entgegen und bricht dabei im Eis ein. Der Lektor läuft los, um Hilfe zu holen. Der Schriftsteller aber wagt sich aufs Eis und versucht, das Tier aus dem Wasserloch zu ziehen. Ohne dass es ausgesprochen werden müsste, wird deutlich, dass er die Rettungsphantasien, die ihm nach dem Tod der Tochter zu schaffen machten, nun in einem ganz anderen Szenario ausagiert. Es geht für ihn um viel mehr als um das Leben eines fremden Hundes - deshalb riskiert er sein eigenes. Die fünfzehn Seiten, die in literarischer Zeitlupe den verzweifelten Überlebenskampf am Eisloch schildern, sind große Novellenkunst.

Im Spiel mit den Vorgaben der Gattungen Idylle und Novelle erweist sich der Text als offene Erzählung und geschlossene Form zugleich. Die klassische Novelle hat, nach dem Muster der Tragödie, fünf Kapitel. So schulmäßig ist Köhlmeier nicht; er trennt die letzten Seiten des fünften Kapitels noch als Extraportion eines sechsten ab. Mit leichthändiger Meisterschaft behandelt er ein Thema von tragischem Gewicht. Rückwirkend wird das Geschehen erhellt, ohne dass sich eine eindeutige Lesart aufdrängen würde. Ein großes kleines Buch, eine berührende Lektüre.

- Michael Köhlmeier: "Idylle mit ertrinkendem Hund". Deuticke Verlag, Wien 2008. 108 S., geb., 12,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Geradezu hingerissen ist Samuel Moser von der schmalen Novelle Michael Köhlmeiers, weil sie ein lockeres Textgewebe spinnt, das dennoch mit einer Zwangsläufigkeit erzählt, die in den Bann zieht. Die Geschichte um einen Schriftsteller, der versucht einen im Eis eingebrochenen Hund zu retten, ist laut Rezensent nur der Stellvertreter für eine andere, nicht erzählte Geschichte über das mögliche Leben der tödlich verunglückten Tochter, mit der der Erzähler, den man laut Moser mit Köhlmeier selbst identifizieren kann, den Schicksalsschlag zu verarbeiten sucht. Wundervoll meistere der Autor in diesem Buch die Darstellung des "schmalen Grates" zwischen "Reden und Schweigen", ohne deren Grenze zu nivellieren, schwärmt der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH