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Vom palumbischen Dschungel ins Berlin der 1930er-Jahre!
Der große Naturforscher Alexander von Humboldt entdeckt auf seiner berühmten Südamerika-Reise als erster das Marsupilami. Und so beginnt für das schwarz-gelb gefleckte Wunderwesen nicht nur ein Abenteuer, das ins Berlin der 1930er-Jahre führt, sondern auch eine unvergessliche Freundschaft.
Nach dem großen Erfolg von Flix' »Spirou in Berlin« nimmt sich der bekannte deutsche Zeichner nun eines weiteren großen frankobelgischen Comicklassikers an:
Flix zeichnet das Marsupilami und lässt das Wundertier Abenteuer im Berlin der Weimarer Republik erleben.
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Produktbeschreibung
Vom palumbischen Dschungel ins Berlin der 1930er-Jahre!

Der große Naturforscher Alexander von Humboldt entdeckt auf seiner berühmten Südamerika-Reise als erster das Marsupilami. Und so beginnt für das schwarz-gelb gefleckte Wunderwesen nicht nur ein Abenteuer, das ins Berlin der 1930er-Jahre führt, sondern auch eine unvergessliche Freundschaft.

Nach dem großen Erfolg von Flix' »Spirou in Berlin« nimmt sich der bekannte deutsche Zeichner nun eines weiteren großen frankobelgischen Comicklassikers an:

Flix zeichnet das Marsupilami und lässt das Wundertier Abenteuer im Berlin der Weimarer Republik erleben.
Autorenporträt
FlixFlix, Jahrgang 1976, lebt und arbeitet als freier Illustrator und Comiczeichner in Berlin. Er studierte Kommunikationsdesign und debütierte mit seiner Abschlussarbeit »held« bei Carlsen. Es folgten weitere Comics mit autobiografischem Anstrich. Seine Zeitungsserien »Da war mal was...« und »Schöne Töchter« (beide Tagesspiegel), »Faust« und »Don Quijote« (beide F.A.Z.) liegen als Buchausgaben vor, ebenso die Kindercomicserie »Ferdinand«, die als Gemeinschaftsprodukt mit Ralph Ruthe im Kindermagazin des SPIEGELs Dein SPIEGEL erscheint. Derzeit veröffentlicht Flix den Zeitungscomic »Glückskind« jede Woche Montag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Flix' Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Max und Moritz-Preis und dem PENG!-Preis, und in neun Sprachen übersetzt.www.der-flix.de
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 23.08.2022

„Ich sehe mich wie einen Zirkusdirektor“
Der Comiczeichner Flix über sein Marsupilami-Abenteuer „Das Humboldt-Tier“, den Großstadtdschungel Berlin und seine Ideen für eine „Gaston“-Fortsetzung
Flix, bürgerlich Felix Görmann, zählt zu den erfolgreichsten deutschen Comiczeichnern. Vor vier Jahren hat er als erster nicht-frankophoner Künstler ein „Spirou“-Album veröffentlicht („Spirou in Berlin“). Mit „Das Humboldt-Tier“ (Carlsen Verlag) legt Flix nun ein Marsupilami-Abenteuer vor: Im Berlin des Jahres 1931 freundet sich das sagenhafte Dschungelwesen mit einem kleinen Mädchen an.
SZ: Nach Spirou, dem unermüdlichen Helden in Pagenuniform, jetzt das Marsupilami – wie ist es dazu gekommen?
Flix: Ich hätte das Wundertier schon sehr gerne in „Spirou in Berlin“ verwendet! Aber das war leider nicht möglich, da der belgische Dupuis-Verlag, der die Rechte besitzt, darauf besteht, dass das Marsupilami nur noch allein, nicht mehr gemeinsam mit Spirou und dessen Freund Fantasio auftreten soll. Als ich dann die Lesereise für „Spirou in Berlin“ gemacht habe, ist mir immer wieder aufgefallen, wie groß das Interesse des Publikums am Marsupilami ist. Und zwar völlig unabhängig vom Alter: Alle lieben das Marsupilami.
Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, die Handlung erneut in Berlin anzusiedeln?
Ein Freund hat mir von seiner Arbeit als Zeichner im Berliner Naturkundemuseum erzählt. Dort gibt es eine Menge Kisten, die Forscher von ihren Reisen mitgebracht haben, und die erst nach und nach geöffnet werden. Wenn sich in den Kisten exotische Tiere befinden, werden sie nicht fotografiert, sondern gezeichnet, da sich die Merkmale einer Spezies so besser festhalten lassen. Da habe ich mir gedacht: In solch einer Kiste könnte auch ein Marsupilami stecken, das dann zum Leben erwacht.
Sie verleihen dem Marsupilami leicht anarchistische Züge. Es setzt, buchstäblich im Vorübergehen, seinen Schwanz ein, um Tiere aus Käfigen zu befreien, einem Bettler zu Geld zu verhelfen oder Nazis zu verprügeln.
So sehe ich das Marsupilami eben auch. Es ist ein kleiner Anarcho, aber nur, um Gutes zu tun. Ob ihm ganz klar ist, was es da tut, spielt keine Rolle; Hauptsache, es passiert etwas Gutes. Das Marsupilami mag keine Raubtiere, auch keine menschlichen, und wenn es denen begegnet, kriegen die halt etwas auf die Schnauze.
Warum spielt die Geschichte 1931?
Ursprünglich war 1952 geplant, weil Franquin in diesem Jahr das Marsupilami erfunden hat. Aber da spielt schon der Marsupilami-Band „Die Bestie“ (2020), von Frank Pé, und Dupuis wollte diese Überschneidung nicht. Die jetzt gewählte Zeit gibt der Geschichte etwas, das sie zuvor nicht hatte. Das Berlin der späten Weimarer Republik als „Großstadtdschungel“ und als ein Ort, wo Fremde nicht bei allen willkommen sind – das passt doch sehr gut zum Marsupilami, das etwas ganz Fremdes verkörpert.
Zu Beginn des Albums begegnet man Humboldt, der im Jahr 1801 in Südamerika unterwegs ist. Sie entwerfen ihn als eine Art Indiana-Jones-Karikatur: enthusiastisch, aber auch ziemlich skrupellos.
Wenn er aus Versehen den Dschungel abfackelt, kümmert ihn das wenig. Aber im Ernst, bei manchen Dingen, die Forscher früher mitgebracht haben, fragt man sich heute doch, ob sie dabei im Recht waren. Samen und Pflanzen okay, schwieriger wird es schon bei Tieren und erst recht bei Kulturgegenständen.
In „Spirou in Berlin“ gab es viele Anspielungen auf die bis 1938 zurückreichende Tradition der Serie. In „Das Humboldt-Tier“ haben Sie sich zurückgehalten, bis auf ein paar für Berlin spezifische Anspielungen etwa auf Zille und Walter Trier.
Vater und Sohn von e. o. plauen tauchen auch auf. Aber da plauen erst 1934 begonnen hat, die Serie zu zeichnen, ist der Sohn bei mir noch ein wenig jünger.
Sie wagen sich auch an ungewöhnliche, die normale Panelreihung sprengende Seitengestaltungen, etwa wenn das Marsupilami durch einen Nachtclub hüpft.
Ja, das sind meine Angeberseiten. Grundsätzlich ist mir aber die gute Lesbarkeit der Bilder wichtig, es darf nicht zu viele solcher Seiten geben, so viel Spaß sie mir auch machen. Ich sehe mich wie einen Zirkusdirektor: Mich muss die Show in der Manege nicht unterhalten, aber das Publikum.
Erst Spirou, jetzt das Marsupilami, da fehlt Ihnen aus diesem Comic-Kosmos eigentlich nur noch der Bürobote Gaston.
Eine fertige Gaston-Fortsetzung ist von der Tochter Franquins ja gerade untersagt worden. Davon abgesehen: One Pager, wie bisher, das wäre nichts für mich. Eine richtige Geschichte mit Gaston zu erzählen, das wäre etwas. Gaston könnte in die Politik gehen und aus Faulheit den Beginn eines Kriegs verhindern. Solch eine Geschichte wäre eine schwierige Aufgabe, aber man könnte diese vertraute Figur in einer interessanten Weise weiterentwickeln.
INTERVIEW: CHRISTOPH HAAS
Flix: Das Humboldt-Tier. Ein Marsupilami-
Abenteuer. Carlsen,
Hamburg 2022.
72 Seiten, 16 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.10.2022

Gerettet von der Dea ex machina der Restitution

So bewährt sich Geschichtenerzählen im Konkurrenzkampf der Erinnerungen: Der Marsupilami-Comic "Das Humboldt-Tier" von Flix verbindet Schoa-Gedenken und dekoloniales Bewusstsein.

Multidirektionales Erinnern ist schwer. Wie es aussehen kann, zeigt Flix' jüngster Comic "Das Humboldt-Tier". Wie schon 2018 in seinem Band "Spirou in Berlin" - dort ging es um die letzten Monate der DDR - nutzt Flix ausgerechnet den frankobelgischen Figurenkosmos von André Franquin, um deutsche Geschichte neu zu erzählen. Der Zeitpunkt ist günstig.

Denn es gibt Streit in Deutschland, Erinnerungsstreit. Die Auseinandersetzungen um Antisemitismus auf der Documenta 15 hat es gezeigt, und das Berliner Humboldt-Forum wird die unheimliche Ähnlichkeit zu dem potemkinschen Preußenbeton nicht los, in den seine Bauherren es gegossen haben. Der imaginäre Graben zwischen Schoa-Gedenken und dekolonialem Bewusstsein ist in Deutschland tiefer als je zuvor. Einen Grund dafür hat Michael Rothberg schon 2009 in seinem Buch "Multidirektionale Erinnerung - Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung" als "kompetitive Erinnerung" beschrieben. Nimmt man an, dass die dem Erinnern zur Verfügung stehenden Ressourcen knapp sind und das öffentliche Gedenken ein Nullsummenspiel ist, dann "verhindert", so Rothberg, die Erinnerung an den Holocaust die an andere historische Verbrechen. Umgekehrt würde "die Erinnerung an Sklaverei oder Kolonialismus die Erinnerung an den Holocaust" in "der öffentlichen Sphäre auslöschen". Dass es allerdings auch anders geht, zeige "multidirektionales" Erinnern. Rothberg zufolge setzt das nicht auf Konkurrenz, sondern auf Dialog.

Der Comic von Flix beginnt mit einem Bildzitat von Alexander von Humboldts berühmter Darstellung des Chimborazo in Ecuador. Dort sammelt Humboldt mit Aimé Bonpland zukünftige Museumsobjekte, darunter nicht nur ein Exemplar der Marsipulamis, einer von Franquin erfundenen Tierart, sondern auch eine aus einer Grabhöhle entwendete Mumie. Aus deren Mund strömt die gesamte Geschichte hindurch ein grünes animalisches Fluidum. Es verweist noch im winterlich-grauen Berlin, wo die Mumie schließlich landet, auf das Regenwaldgrün an den Hängen des Chimborazo: also auf den Kontext, dem die Mumie entrissen wurde. Vor allem aber ähnelt das grüne Fluidum denjenigen Atem- und Sprechblasen, die in Comics eigentlich lebendigen Figuren vorbehalten sind - im Italienischen heißen sie "fumetti" (Rauchwölkchen). Die Mumie ist also kein totes Objekt, sondern ein beseeltes, ein "spirituelles" Wesen. Als sie gegen Ende der Geschichte zu Staub zerfällt, öffnet das Marsupilami ein Fenster, sodass die Überreste vom Wind nach draußen getragen werden und dort verwehen. Wenigstens so entkommt die Mumie dem Museum.

Unzweideutig lebendig ist ein Jaguarbaby, das Humboldt findet und, wie der Comic sehr klar macht, mit Gewalt dessen Eltern raubt. Es ist an liebenswürdiger Großpfotigkeit und rührendem Kindchenschema kaum zu überbieten. Einen "verdammt niedlichen Fratz" nennt Humboldt das Kätzchen und teilt ihm gleich darauf mit: "Ich verspreche dir, ich werde dir ganz zärtlich das Genick brechen und dann wirst du das hübscheste Stück meiner gesamten Sammlung." Man darf diese ausgesprochen brutale Wendung nicht überlesen. Deutlicher lässt sich die Museumslogik der Repräsentation als Mortifikation nicht ausdrücken.

Zeitsprung ins Jahr 1931: Mumie und Jaguarbaby, jetzt ausgestopft und auf ein Brett montiert, finden sich in einer Kiste im Berliner Museum für Naturkunde. Daneben liegt das Marsupilami, ein menschenähnliches Wesen mit schwarzgeflecktem gelbem Fell und acht Meter langem Schwanz. Es erwacht auf magische Weise wieder zum Leben, flieht aus dem Museum und freundet sich mit der siebenjährigen Mimmi Löwenstein an, die in prekären Verhältnissen mit ihrer alleinerziehenden Mutter lebt. Wie ihr Familienname, eine Menora auf dem Küchentisch und ein an Mimmis Fenstergriff hängender Davidstern aus Stroh andeuten, sind die Löwensteins jüdisch.

Mimmi und das Marsupilami werden Zeugen des aufkommenden nationalsozialistischen Terrors. Eine Szene zeigt drei Männer in Uniform, die an die Uniformen der Hitlerjugend erinnern. Sie bedrohen einen Schneider. Im Hintergrund liest man im Schaufenster "Schneiderei Spiegelmann" - nicht der erste Hinweis auf Art Spiegelman und seinen epochalen Schoa-Comic "Maus". Am Arm tragen die Männer rote Binden mit einem weißen Kreis, also sozusagen Hakenkreuzbinden ohne Hakenkreuz. Die finden sich schon in der deutschen Version von Jason Lutes' "Berlin", einem Comic, der vom Aufstieg des deutschen Nationalsozialismus erzählt. Bei Flix geschieht das, offenbar programmatisch, nur ganz leise. So sind die einzigen ausdrücklich antisemitischen - und auf Mimmi bezogenen - Sätze des gesamten Comics in winziger, kaum mit bloßem Auge lesbarer Schriftgröße gehalten.

Buchstäblich in Berührung mit einem Hakenkreuz kommen Mimmi und das Marsupilami, als sie hinter der Gebäudebeschriftung "Völkischer Beobachter" herlaufen. Dabei sind das vorausgehende und das folgende Panel besonders bemerkenswert. Das eine zeigt, ganz grau in grau, Ratten in der Kanalisation. Der Blick fällt durch vier waagerecht verlaufende Stacheldrähte im nahen Vordergrund - Assoziationen an ein Konzentrationslager und an Spiegelmans "Maus" stellen sich ein. Im anderen Panel ist hinter zwei verkrüppelten Kriegsveteranen ein Schild mit der Aufschrift "Wählt NSDAP!" zu erkennen. Man kann das als Verweis auf den rechts im Hintergrund zu lesenden Namen "Hertie" lesen, das heißt auf ein später von den Nationalsozialisten "arisiertes", also enteignetes Kaufhaus. Wie ein angeschnittenes U-Bahn-Schild und die Straßenbahnlinie 12 erkennen lassen, befinden sich Mimmi und das Marsupilami jetzt am Oranienburger Platz. Gleich um die Ecke liegt heute noch die Neue Synagoge, die in der Pogromnacht vom November 1938 zwar in Brand gesetzt, aber dann durch die Intervention des Polizeibeamten Wilhelm Krützfeld gelöscht und so vor der Zerstörung bewahrt wurde. Zum Hakenkreuz kann man sich so verhalten oder auch anders.

Mimmi und das Marsupilami werden von der Polizei verfolgt. Sie geraten in die Pelzfälscherwerkstatt der, wie es ausdrücklich heißt, "Pelzhandlung Zobel". Dort werden gegen jede erzählerische Wahrscheinlichkeit die Felle von weißen Kaninchen (Zobel sind braun) gelb gefärbt und mit schwarzen Flecken bemalt, also in koloniale Pelztrophäen - oder auch Fetische - verwandelt, die wiederum auf den Südamerika-Komplex des Comics zurückverweisen. Zum einen ähneln die gefälschten Felle dem von Humboldt gefangenen und wahrscheinlich getöteten Jaguarbaby, zum anderen dem Fell des Marsupilamis. Vor allem aber ist die Farbe Gelb natürlich seit Jahrhunderten die Farbe der Stigmatisierung von Jüdinnen und Juden durch Hut, Ring oder Davidstern. In der Pelzhandlung berühren sich Kolonialgeschichte und Schoa. Als Mimmi und das Marsupilami die auf engstem Raum in Käfigen zusammengepferchten weißen Kaninchen befreien, erscheinen sie einen Augenblick lang menschengestaltig wie die jüdischen Mäuse bei Spiegelman.

Einem Tierpräparator gelingt es, das Marsupilami zu fangen. Der hinzugerufene Museumsdirektor kommentiert es - ähnlich wie Humboldt das Jaguarbaby - mit den Worten "Putzig!" und "Ich liebe es!". Auch dem Marsupilami soll es ans Fell gehen, um "eine ganze Urwaldausstellung drum herum" zu "bauen". Um sich selbst zu repräsentieren, muss die Kreatur erst getötet werden.

Das Marsupilami flieht in einer virtuos inszenierten Verfolgungsjagd über ein Brachiosaurus-Skelett hinweg. Als ihm die Kräfte schwinden, folgt eine Traumszene, in der die Viktoria von der Berliner Siegessäule steigt, das Marsupilami zärtlich in die Arme nimmt und mit ihm davonschwebt: Dea ex machina der Restitution. Das Marsupilami gelangt zurück in den südamerikanischen Urwald, die Geschichte von der Entführung des Humboldt-Tiers ist auf märchenhafte Weise korrigiert. Auf dem Tempelhofer Rollfeld aber steht Mimmi und weint. Das Szenario mit dem Close-up eines Flugzeugpropellers vor verschneitem Hintergrund zitiert Hergés Comic "Tim in Tibet", eine andere koloniale Entführungs- und Rettungsgeschichte. Im Schnee findet Mimmi eine zitternde weiße Katze, die Züge des Jaguarbabys und der Kaninchen vereint. Statt "Huba" wie das Marsupilami sagt sie "Mau". Mimmi nimmt sie mit nach Hause.

Die Katze verkörpert, wovon der Comic "Das Humboldt-Tier" erzählt: die Möglichkeit einer multidirektionalen Erinnerung im Sinne Rothbergs, die die Erinnerungskonkurrenz hinter sich lässt. STEFAN BÖRNCHEN

Flix: "Das Humboldt-Tier". Ein Marsipulami- Abenteuer.

Carlsen Verlag, Hamburg 2022. 72 S., geb., 16,- Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Es ist kaum möglich, die Handlung von Flix' Marsipulami-Comic zu resümieren, der in Anspielung auf den Historiker Michael Rothberg nicht weniger als ein Plädoyer für das "multidirektionale Erinnern" ist, wie uns der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Stefan Börnchen aufklärt. In Ecuador findet Alexander von Humboldt eine Mumie, aus deren Mund ein "grünes animalisches Fluidum" strömt, ein Jaguarbaby, dem Humboldt verspricht, ihm zärtlich das Genick zu brechen, und ein Marsupilami, resümiert Börnchen sichtlich angetan. Die drei landen im Berliner Museum für Naturkunde, das Jaguarbaby ist inzwischen ausgestopft, aber das Marsupilamu kann sich im Jahr 1931 plötzlich befreien, um sich dann mit der siebenjährigen, in prekären Verhältnissen aufwachsenden Jüdin Mimmi Löwenstein anzufreunden. Mimmi und das Marsupilami erleben gemeinsam den aufkommenden Nationalsozialismus, von Flix mit Verweisen auf Art Spiegelmans Shoah-Comic "Maus" vorsichtig angedeutet, wie der Kritiker informiert. Wie Flix Holocaust und Kolonialgeschichte zusammenführt, scheint dem Rezensenten gut zu gefallen. Und die abschließende Verfolgungsjagd findet er ebenso meisterlich wie die Verweise auf Hergés Comic "Tim in Tibet".

© Perlentaucher Medien GmbH
"Auf 64 teilweise großartig layouteten Seiten gelang Flix ein originell und turbulent erzähltes Album." Heiner Lünstedt Highlightzone 20220814