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Schaffen wir die Arbeit - oder schafft sie uns? Der Mediziner, Neurobiologe und Bestsellerautor Joachim Bauer nimmt unsere Art zu arbeiten unter die Lupe. Wie können wir angesichts der beispiellosen Zunahme von Stress, Depression und Burn-out mit den immer umfassenderen Erwartungen an ständige Verfügbarkeit umgehen? Was sollten Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter nicht zu verschleißen? - Ein aufrüttelndes, streitbares Manifest für die Rückkehr des Menschlichen in die Arbeitswelt. Bauer zeigt, wie Arbeit wieder Raum bietet für unsere Energie, schöpferische Lust und Selbstverwirklichung: eine Quelle großen Glücks!…mehr

Produktbeschreibung
Schaffen wir die Arbeit - oder schafft sie uns? Der Mediziner, Neurobiologe und Bestsellerautor Joachim Bauer nimmt unsere Art zu arbeiten unter die Lupe. Wie können wir angesichts der beispiellosen Zunahme von Stress, Depression und Burn-out mit den immer umfassenderen Erwartungen an ständige Verfügbarkeit umgehen? Was sollten Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter nicht zu verschleißen? - Ein aufrüttelndes, streitbares Manifest für die Rückkehr des Menschlichen in die Arbeitswelt. Bauer zeigt, wie Arbeit wieder Raum bietet für unsere Energie, schöpferische Lust und Selbstverwirklichung: eine Quelle großen Glücks!
  • Produktdetails
  • Heyne Bücher Bd.60354
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 269
  • Erscheinungstermin: 12. Januar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 20mm
  • Gewicht: 220g
  • ISBN-13: 9783453603547
  • ISBN-10: 3453603540
  • Artikelnr.: 41727378
Autorenporträt
Bauer, Joachim
Prof. Dr. med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut. Nach erfolgreichen Jahren an der Universität Freiburg lehrt und arbeitet er heute in Berlin. Für seine Forschungsarbeiten erhielt er den renommierten Organon-Preis. Er veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, u. a. »Warum ich fühle, was du fühlst«. Zuletzt erschienen bei Blessing der SPIEGEL-Bestseller »Selbststeuerung - Die Wiederentdeckung des freien Willens« (2015).
Rezensionen
Besprechung von 17.06.2013
Mit psychischen Folgen
Wie Arbeitslosigkeit die Menschen treffen kann

Fast 20 Millionen Menschen sind im Euroraum arbeitslos. Damit scheint vielerorts nicht nur der Wohlstand, sondern auch die Gesundheit in Gefahr. Denn Menschen ohne Arbeit sind offenbar häufiger krank als Erwerbstätige. "Statistiken belegen, dass Arbeitslose, die gerne einer Tätigkeit nachgehen würden, tatsächlich eine schlechtere Gesundheit haben als Berufstätige", sagt der Freiburger Neurobiologe und Mediziner Joachim Bauer. Sein neues Buch macht schon im Titel das rätselhafte Doppelgesicht von Arbeit deutlich: "Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht".

Bauer registriert eine rapide Zunahme von Stress, Burn-out und Depressionen in der Arbeitswelt, die er auf wachsenden Zeit- und Leistungsdruck, permanente Erreichbarkeit und die Angst vor Kündigung zurückführt. Doch er sieht auch, dass Nichtarbeiten zuweilen noch ungesünder sein kann als ein stressiger Job. Denn Arbeit sei "eine riesige positive Ressource". Sie sorge für Befriedigung, Kreativität und finanzielle Absicherung und trage damit zum gesundheitlichen Wohlergehen bei. "Jeder Mensch will sich gerne nützlich machen, um Anerkennung zu erlangen", resümiert er. "Wertschätzung hat zur Folge, dass die Motivationssysteme unseres Gehirns ihre Botenstoffe ausschütten, die uns letztlich gesund erhalten."

Dass Arbeitslosigkeit vor allem die seelische Gesundheit schwer beeinträchtigen kann, ist gängige Meinung, seit Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel im Jahre 1933 Arbeitslosigkeit im böhmischen Marienthal als Geschehen interpretierten, das depressives Verhalten nach sich zog. In ihrem im Jahre 1975 neu aufgelegten Klassiker der Arbeitsmarktforschung heißt es: "Am Ende der verschiedenen Stadien psychischen Abgleitens stehen Verzweiflung und Verfall."

Auch wenn Arbeitslosigkeit nach wie vor unter die Haut geht, bedeutet sie nicht mehr zwangsläufig Ausgrenzung, Krankheit und eine Katastrophe. In 60 Interviews mit Kurz- und Langzeitarbeitslosen hat der Bremer Sozialwissenschaftler Benedikt Rogge jetzt Selbstbild und psychische Gesundheit von Betroffenen untersucht. Er hat dabei eine Vielfalt von individuellen Deutungs- und Handlungspraktiken ausgemacht, die ein modifiziertes Bild abgeben. Danach bringt Arbeitslosigkeit für viele Menschen schwere seelische Last, aber gelegentlich auch ersehnte Befreiung und zumindest temporären Gewinn.

Nicht nur die Marienthal-Studie, sondern auch die meisten neueren Untersuchungen haben den Übergang in die Arbeitslosigkeit ausschließlich als psychische Bürde oder psychosoziale Entbehrung beschrieben. Diese einseitige Sicht von Arbeitslosen in der Forschung als "Ausgegrenzte" oder "Kranke" revidiert Rogge als Simplifizierung. Es könne zwar kein Zweifel bestehen, dass eine immense Zahl von Menschen in Deutschland darunter leide, arbeitslos zu werden. Doch nicht für alle sei das gleich eine Tragödie - so nicht für Menschen, die von einer entfremdeten Tätigkeit befreit würden. Auch nicht für solche, die arbeitslose Phasen in ihren prekären Erwerbsbiographien als undramatisch hinzunehmen gelernt hätten.

Wie Menschen Arbeitslosigkeit erfahren und deuten, hängt von ihrer Person und ihrem Umfeld, vom wirtschaftlichen und kulturellen Hintergrund sowie vom Zeitablauf ab. Aus den Antworten seiner Probanden entwickelte Rogge fünf Idealtypen "biographischer Identitätsmodi". Sie beschreiben, wie der Verlust von Erwerbsarbeit wahrgenommen wird - als "wiederkehrende Umstellung", als "ungewisser Kampf", als "dauerhafter Verfall" oder als "positive Transformation".

Im Modus der "Umstellung" finden sich vor allem Geringqualifizierte mit unsicheren Erwerbsbiographien - oft Leih- oder Zeitarbeiter, die häufig, aber meist nur kurz arbeitslos werden: "Sie sind sicher, dass sie wieder Arbeit finden. Ob sie arbeiten oder nicht, macht für ihre psychische Gesundheit einen geringen Unterschied." Auch die vergleichsweise glücklichen Arbeitslosen im Modus der "Befreiung" gehen von einer Rückkehr in eine ähnliche Tätigkeit aus. Sie kommen vorwiegend aus gehobenen Berufen und haben oft selbst gekündigt. Eine Phase ohne psychisch belastende Erwerbsarbeit sehen sie als Gewinn.

Arbeitslose fortgeschrittenen Alters ebenso wie Langzeitarbeitslose dagegen fühlen sich - weil ohne Aussicht auf eine neue Stelle - in wachsendem Maße nutzlos, entwertet und gesundheitlich angegriffen. Nur wenn sie sich mit ihrer Lage abfinden, können sie ihr arbeitsloses Leben positiv "transformieren". Am härtesten trifft Arbeitslosigkeit nach den Bremer Beobachtungen diejenigen, die verzweifelt um die Rückkehr in ihr altes Arbeitsleben kämpfen. Gelingt das nicht, ist nach Rogges Erfahrung eine klinisch relevante Erkrankung zu befürchten. Ein zeitbedingter Wechsel zwischen den Modi kann die psychische Gesundheit von Arbeitslosen verschlechtern. Der Übergang zu "Hartz IV" etwa "übt einen regelrechten Depressionseffekt aus".

Auch eine Wiederanstellung scheint nicht immer der absolute "psychische Heilsbringer": Für rund 20 Prozent der vormals Arbeitslosen falle der Neubeginn eher enttäuschend aus, sagt Rogge. Vor allem wenn der neue Job hinter den eigenen Wünschen zurückbleibe, verschlechtere sich das Wohlbefinden. Nötig sei deshalb mehr "sozialer Geleitschutz" für Arbeitslose und eine differenziertere Betrachtung von Arbeitslosigkeit. Die Schwarzweißmalerei von Erwerbsarbeit als "gut" und Arbeitslosigkeit als "schlecht" jedenfalls sei nicht länger zu halten - "zumal in Zeiten einer Zunahme von diskontinuierlichen, prekären, schlechten und belastenden Arbeitsbedingungen".

ULLA FÖLSING.

Joachim Bauer: Arbeit.

Blessing, München 2013, 272 Seiten, 19,99 Euro.

Benedikt Rogge: Wie uns Arbeitslosigkeit unter die Haut geht.

UVK , Konstanz und München 2013, 400 Seiten, 49 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Joachim Bauer ist wieder einmal ein wunderbares Buch gelungen, das dieses so wichtige Thema auf hohem Niveau einkreist." Anja Dilk, changex.de
Mit psychischen Folgen
Wie Arbeitslosigkeit die Menschen treffen kann

Fast 20 Millionen Menschen sind im Euroraum arbeitslos. Damit scheint vielerorts nicht nur der Wohlstand, sondern auch die Gesundheit in Gefahr. Denn Menschen ohne Arbeit sind offenbar häufiger krank als Erwerbstätige. "Statistiken belegen, dass Arbeitslose, die gerne einer Tätigkeit nachgehen würden, tatsächlich eine schlechtere Gesundheit haben als Berufstätige", sagt der Freiburger Neurobiologe und Mediziner Joachim Bauer. Sein neues Buch macht schon im Titel das rätselhafte Doppelgesicht von Arbeit deutlich: "Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht".

Bauer registriert eine rapide Zunahme von Stress, Burn-out und Depressionen in der Arbeitswelt, die er auf wachsenden Zeit- und Leistungsdruck, permanente Erreichbarkeit und die Angst vor Kündigung zurückführt. Doch er sieht auch, dass Nichtarbeiten zuweilen noch ungesünder sein kann als ein stressiger Job. Denn Arbeit sei "eine riesige positive Ressource". Sie sorge für Befriedigung, Kreativität und finanzielle Absicherung und trage damit zum gesundheitlichen Wohlergehen bei. "Jeder Mensch will sich gerne nützlich machen, um Anerkennung zu erlangen", resümiert er. "Wertschätzung hat zur Folge, dass die Motivationssysteme unseres Gehirns ihre Botenstoffe ausschütten, die uns letztlich gesund erhalten."

Dass Arbeitslosigkeit vor allem die seelische Gesundheit schwer beeinträchtigen kann, ist gängige Meinung, seit Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel im Jahre 1933 Arbeitslosigkeit im böhmischen Marienthal als Geschehen interpretierten, das depressives Verhalten nach sich zog. In ihrem im Jahre 1975 neu aufgelegten Klassiker der Arbeitsmarktforschung heißt es: "Am Ende der verschiedenen Stadien psychischen Abgleitens stehen Verzweiflung und Verfall."

Auch wenn Arbeitslosigkeit nach wie vor unter die Haut geht, bedeutet sie nicht mehr zwangsläufig Ausgrenzung, Krankheit und eine Katastrophe. In 60 Interviews mit Kurz- und Langzeitarbeitslosen hat der Bremer Sozialwissenschaftler Benedikt Rogge jetzt Selbstbild und psychische Gesundheit von Betroffenen untersucht. Er hat dabei eine Vielfalt von individuellen Deutungs- und Handlungspraktiken ausgemacht, die ein modifiziertes Bild abgeben. Danach bringt Arbeitslosigkeit für viele Menschen schwere seelische Last, aber gelegentlich auch ersehnte Befreiung und zumindest temporären Gewinn.

Nicht nur die Marienthal-Studie, sondern auch die meisten neueren Untersuchungen haben den Übergang in die Arbeitslosigkeit ausschließlich als psychische Bürde oder psychosoziale Entbehrung beschrieben. Diese einseitige Sicht von Arbeitslosen in der Forschung als "Ausgegrenzte" oder "Kranke" revidiert Rogge als Simplifizierung. Es könne zwar kein Zweifel bestehen, dass eine immense Zahl von Menschen in Deutschland darunter leide, arbeitslos zu werden. Doch nicht für alle sei das gleich eine Tragödie - so nicht für Menschen, die von einer entfremdeten Tätigkeit befreit würden. Auch nicht für solche, die arbeitslose Phasen in ihren prekären Erwerbsbiographien als undramatisch hinzunehmen gelernt hätten.

Wie Menschen Arbeitslosigkeit erfahren und deuten, hängt von ihrer Person und ihrem Umfeld, vom wirtschaftlichen und kulturellen Hintergrund sowie vom Zeitablauf ab. Aus den Antworten seiner Probanden entwickelte Rogge fünf Idealtypen "biographischer Identitätsmodi". Sie beschreiben, wie der Verlust von Erwerbsarbeit wahrgenommen wird - als "wiederkehrende Umstellung", als "ungewisser Kampf", als "dauerhafter Verfall" oder als "positive Transformation".

Im Modus der "Umstellung" finden sich vor allem Geringqualifizierte mit unsicheren Erwerbsbiographien - oft Leih- oder Zeitarbeiter, die häufig, aber meist nur kurz arbeitslos werden: "Sie sind sicher, dass sie wieder Arbeit finden. Ob sie arbeiten oder nicht, macht für ihre psychische Gesundheit einen geringen Unterschied." Auch die vergleichsweise glücklichen Arbeitslosen im Modus der "Befreiung" gehen von einer Rückkehr in eine ähnliche Tätigkeit aus. Sie kommen vorwiegend aus gehobenen Berufen und haben oft selbst gekündigt. Eine Phase ohne psychisch belastende Erwerbsarbeit sehen sie als Gewinn.

Arbeitslose fortgeschrittenen Alters ebenso wie Langzeitarbeitslose dagegen fühlen sich - weil ohne Aussicht auf eine neue Stelle - in wachsendem Maße nutzlos, entwertet und gesundheitlich angegriffen. Nur wenn sie sich mit ihrer Lage abfinden, können sie ihr arbeitsloses Leben positiv "transformieren". Am härtesten trifft Arbeitslosigkeit nach den Bremer Beobachtungen diejenigen, die verzweifelt um die Rückkehr in ihr altes Arbeitsleben kämpfen. Gelingt das nicht, ist nach Rogges Erfahrung eine klinisch relevante Erkrankung zu befürchten. Ein zeitbedingter Wechsel zwischen den Modi kann die psychische Gesundheit von Arbeitslosen verschlechtern. Der Übergang zu "Hartz IV" etwa "übt einen regelrechten Depressionseffekt aus".

Auch eine Wiederanstellung scheint nicht immer der absolute "psychische Heilsbringer": Für rund 20 Prozent der vormals Arbeitslosen falle der Neubeginn eher enttäuschend aus, sagt Rogge. Vor allem wenn der neue Job hinter den eigenen Wünschen zurückbleibe, verschlechtere sich das Wohlbefinden. Nötig sei deshalb mehr "sozialer Geleitschutz" für Arbeitslose und eine differenziertere Betrachtung von Arbeitslosigkeit. Die Schwarzweißmalerei von Erwerbsarbeit als "gut" und Arbeitslosigkeit als "schlecht" jedenfalls sei nicht länger zu halten - "zumal in Zeiten einer Zunahme von diskontinuierlichen, prekären, schlechten und belastenden Arbeitsbedingungen".

ULLA FÖLSING.

Joachim Bauer: Arbeit.

Blessing, München 2013, 272 Seiten, 19,99 Euro.

Benedikt Rogge: Wie uns Arbeitslosigkeit unter die Haut geht.

UVK , Konstanz und München 2013, 400 Seiten, 49 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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