Solneman der Unsichtbare - Frey, Alexander M.
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Solneman, ein geheimnisvoller Fremder, erscheint in einer großen Stadt und erwirbt den dortigen Park für den ungeheuren Betrag von 150 Millionen Mark. Um das Areal herum errichtet er eine dreißig Meter hohe Mauer, denn der Sonderling, dessen wahre Gestalt niemand kennt, pocht auf absolute Anonymität und Wahrung seiner Privatsphäre. Das freilich ertragen die Bürger nicht: Märchenhafter Reichtum, gepaart mit der Verweigerung von Gemeinschaft, rücken den Abgeschiedenen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Immer bizarrer geraten die Versuche neugieriger Städter und bornierter Vertreter…mehr

Produktbeschreibung
Solneman, ein geheimnisvoller Fremder, erscheint in einer großen Stadt und erwirbt den dortigen Park für den ungeheuren Betrag von 150 Millionen Mark. Um das Areal herum errichtet er eine dreißig Meter hohe Mauer, denn der Sonderling, dessen wahre Gestalt niemand kennt, pocht auf absolute Anonymität und Wahrung seiner Privatsphäre. Das freilich ertragen die Bürger nicht: Märchenhafter Reichtum, gepaart mit der Verweigerung von Gemeinschaft, rücken den Abgeschiedenen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Immer bizarrer geraten die Versuche neugieriger Städter und bornierter Vertreter der Obrigkeit, das Geheimnis um den rätselhaften Eremiten im Park zu lüften, bis dieser am Ende entnervt kapituliert.
  • Produktdetails
  • Verlag: Elsinor Verlag
  • 3. Auflage
  • Seitenzahl: 184
  • Erscheinungstermin: 7. Dezember 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 135mm x 18mm
  • Gewicht: 245g
  • ISBN-13: 9783939483168
  • ISBN-10: 3939483168
  • Artikelnr.: 29020176
Autorenporträt
Alexander Moritz Frey, geboren am 29. März 1881 in München, gestorben am 24. Januar 1957 in Zürich. 1903 Abitur in Mannheim; Jura- und Philosophiestudium in Heidelberg, Freiburg und München. Freier Schriftsteller in München; im Ersten Weltkrieg als Sanitäter an der Westfront. Frey, der im Krieg in der gleichen Einheit wie Adolf Hitler dient, weist später alle Annäherungsversuche der Nationalsozialisten zurück und bekennt sich zum Pazifismus. 1933 Flucht nach Österreich, 1938 in die Schweiz; er kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr nach Deutschland zurück.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.04.2010

Fette Schreie im Stadtpark
Alexander Moritz Freys „Solneman” in einer Neuausgabe
In München wurde er geboren, 1881, und in München ließ sich Alexander Moritz Frey – nach Studienaufenthalten in Heidelberg und Freiburg – auch als Schriftsteller nieder. Als Sanitäter nahm er später am Ersten Weltkrieg teil, in derselben Einheit wie Adolf Hitler. So bat man Frey 1920, Feuilletonchef des Völkischen Beobachters zu werden. Er aber lehnt ab, schrieb mit „Die Pflasterkästen” schließlich einen Antikriegsroman, der ihm endgültig den Unmut der Nazis eintrug. Als die Gestapo im März 1933 seine Münchner Wohnung verwüstete, floh Frey nach Österreich und später in die Schweiz. Hier lebte er lange in sehr unsicheren Verhältnissen, schrieb weiter Romane und kehrte auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nach Deutschland zurück.
Seit seinem Tod 1957 ist Frey weithin vergessen, einzig sein Roman „Solneman der Unsichtbare” wurde Anfang der neunziger Jahre in Suhrkamps „Phantastischer Bibliothek” noch einmal aufgelegt. Jetzt hat der kleine, entdeckerfreudige Elsinor Verlag sich des „Solneman” angenommen und ihn in der Textgestalt der Erstausgabe von 1914 und versehen mit einer ausführlichen Zeittafel neu herausgebracht.
Ein Glück, denn auch fast hundert Jahre, nachdem „Solneman” das Licht der Welt erblickt hat, wirkt der Roman so frisch wie am ersten Tag. Und das, obwohl er erkennbar den Geist der Zeit atmet: Ein Fremder kommt in die Stadt, eine undurchschaubar-unheimliche, dämonisch-verführerische Gestalt, deren Name, von hinten gelesen, „Namenlos” lautet. Solneman also will den Stadtpark kaufen und bietet dafür dermaßen viel Geld, dass die Bürger nicht widerstehen können. Sie treten ihm den Park auf Lebenszeit ab und verpflichten sich überdies dazu, den geheimnisvollen Mann dort auch in Ruhe zu lassen. Zur Sicherheit lässt Solneman noch eine dreißig Meter hohe Mauer errichten, sodass ganz gewiss niemand Einblick hat in sein neues Domizil.
Dass sie nicht wissen dürfen, was hinter den Mauern vor sich geht, ertragen die Bürger jedoch nicht. Auf tausenderlei Weise versuchen sie, den Park auszukundschaften, Solneman aber ist ihnen immer einen Schritt voraus und weiß jede Unternehmung zu vereiteln. Irgendwann kommt der Kaiser in die Stadt, und zu seinem Entsetzen muss Bürgermeister Bock feststellen, dass „auch Majestät an der fressenden Neugier leiden, welche schon die ganze Stadt in ein wütendes Fragezeichen verwandelt hat.” Manch einer fordert schon, dass etwas „Schneidiges und Endgültiges” geschehen müsse. Dass Ende der Geschichte sei hier nicht verraten, nur so viel: Wie sollte es 1914 anders sein, wird das Militär in Bewegung gesetzt.
Noch eine Satire auf das untergehende Kaiserreich, auf Pickelhaubenträger und preußische Bürokratenseelen also? Auf den Kontrollwahn eines autoritären Obrigkeitsstaates? Nicht ganz, schließlich ist es die pure, allzu menschliche Neugier, die das Geschehen hier in Bewegung hält, ist es das mitunter sehr individuelle Engagement der Bürger dieser ebenfalls namenlosen Stadt. Außerdem ist es kaum einem von Freys Zeitgenossen auch nur ähnlich gut gelungen, im markigen Ton der Zeit zu schreiben und diesen durch feinste Ironie zugleich zu konterkarieren.
Grelle Bilder, etwa wenn ein „fetter Schrei” ausgestoßen wird, gehören ebenso dazu wie genaueste Beobachtung, wenn beispielsweise ein Lachen „bagatellmäßig” durch die Nase gestoßen wird. Wie elegant Frey schreiben und denken konnte zeigt sich am schönsten vielleicht, als in einer Schar Hühner einige Hähne bunt aufblitzen, „so schillernd wie der Oberbürgermeister, wenn er seine sämtlichen Orden angelegt hatte”. Man liest das mit Vergnügen und wünscht sich, die Kunst der Satire wäre heute nicht allein ins Fernsehen verbannt, sondern würde auch zwischen Buchdeckeln solch erfindungsreiche Vertreter finden. TOBIAS LEHMKUHL
ALEXANDER MORITZ FREY: Solneman der Unsichtbare. Elsinor Verlag, Coesfeld 2010. 184 Seiten, 16,80 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Glücklich hat Tobias Lehmkuhl die Neuausgabe des 1914 erstmals publizierten "Solneman der Unsichtbare" gemacht, dessen Autor seit seinem Tod 1957 nahezu vergessen ist, wie der Rezensent mitteilt. Der satirische Roman erzählt von einem seltsamen Fremden, der den Bürgern einer Stadt für eine Unsumme den Stadtpark abkauft und die seither von Neugier zerfressen sind, was der neue Besitzer darin treibt, fasst der Rezensent zusammen. Auch wenn die Stadtbewohner irgendwann gar das Militär schicken, um sich Einblick zu verschaffen, handelt es sich bei dem Roman nicht bloß um eine weitere Satire auf das Kaiserreich, versichert Lehmkuhl. Schon allein Freys Talent, den "markigen" Zeitton so genau zu treffen und gleichzeitig ironisch zu brechen, findet der Rezensent herausragend. Feinste Beobachtung gemischt mit "grellen Bildern" lassen das Buch für den Rezensenten aus der Literatur der Zeit hervorstechen, und er kann hier großes Lesevergnügen und kluge Unterhaltung versprechen.

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