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Ein gelungener Streich - Svevo, Italo
  • Buch mit Leinen-Einband

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Mit Svevo begann Italiens literarische Moderne
Die Ängste des modernen Mannes - vor dem Älterwerden, vor beruflichem Versagen, vor dem "schwachen Geschlecht" -, selten hat sie ein Schriftsteller präziser auf den Punkt gebracht als Italo Svevo. Mit zärtlicher Ironie porträtiert er Helden, die, ein großes Ziel vor Augen, schon über Kleinigkeiten stolpern: einen Kaufmann, der sein jahrzehntelanges kluges Handeln durch einen einzigen Augenblick des Leichtsinns gefährdet. Einen Familienvater auf Diät, dem gefühlter Autoritätsverlust Albträume verursacht. Missgeschick, Fehlinterpretation,…mehr

Produktbeschreibung
Mit Svevo begann Italiens literarische Moderne

Die Ängste des modernen Mannes - vor dem Älterwerden, vor beruflichem Versagen, vor dem "schwachen Geschlecht" -, selten hat sie ein Schriftsteller präziser auf den Punkt gebracht als Italo Svevo. Mit zärtlicher Ironie porträtiert er Helden, die, ein großes Ziel vor Augen, schon über Kleinigkeiten stolpern: einen Kaufmann, der sein jahrzehntelanges kluges Handeln durch einen einzigen Augenblick des Leichtsinns gefährdet. Einen Familienvater auf Diät, dem gefühlter Autoritätsverlust Albträume verursacht. Missgeschick, Fehlinterpretation, Selbstbetrug - die Ursachen des Scheiterns sind facettenreich und verraten viel über die Psyche von Männern in den besten Jahren.

  • Produktdetails
  • Manesse Bibliothek der Weltliteratur
  • Verlag: Manesse
  • Seitenzahl: 480
  • 2014
  • Ausstattung/Bilder: 2014. 480 S. 150 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 155mm x 92mm x 21mm
  • Gewicht: 248g
  • ISBN-13: 9783717523185
  • ISBN-10: 371752318X
  • Artikelnr.: 40791106
Autorenporträt
Italo Svevo (Aaron Hector Schmitz), geb. 1861 in Triest. Bankangestellter und Redakteur der Zeitschrift 'La critica sociale', später Geschäftsmann. Er schrieb drei Romane, zwölf Theaterstücke und zahlreiche Erzählungen. Svevo starb 1928 an den Folgen eines Autounfalls.
Rezensionen
Besprechung von 04.12.2014
Erzieh nicht zu viel an deiner Frau herum
Italo Svevos Erzählungen über den in sich gefangenen Mann der Moderne

Irgendwann in den achtziger Jahren quiekte eine wacklige Stimme mit aufdringlicher Permanenz den Wunsch nach ewiger Jugend aus dem Radio: "Forever Young". Nun hat es längst Versuche gegeben, diesen Wunsch zumindest optisch zu realisieren. Sie endeten katastrophal, brachten ebenso hässliche wie normierte Ergebnisse hervor. Doch selbst die schlimmsten Resultate muten harmlos an, stellte man sich einmal vor, was ewige Jugend für die Literatur bedeutete: Ein Dorian Gray hätte vermutlich nie das Licht der Welt erblickt und Italo Svevo keine Zeile geschrieben, denn seine Protagonisten sind stets alte Männer, dies sogar dann, wenn sie zufällig einmal jung sind.

Oh, diese Herren begehren durchaus Jugend und lamentieren übers Alter, mitunter sogar explizit wie im Falle des Protagonisten in der "Geschichte vom guten alten Herrn und vom schönen Mädchen", der sich eine "Verjüngungskur" herbeisehnt und deshalb Sex von einer jungen Straßenbahnfahrerin kauft. Tief in ihrem Herzen haben sich all diese Herren jedoch sowohl mit ihrem Alter als auch mit ihren Zipperlein, ihren geplatzten Träumen und Lebensentwürfen bestens arrangiert. Jede Malaise kommt ihnen gelegen, um zu schwadronieren oder, häufiger noch, um zu inneren Monologen anzusetzen, in denen sie stets haarscharf an der eigentlichen Wurzel alles Übels vorbeischrammen: dass man am Leben ohnehin nur leiden kann.

Zu dieser Erkenntnis gelangen die Herren, wie gesagt, selbst nie. Ihr Schöpfer, Italo Svevo, 1861 als Ettore Schmitz geboren, versteht es jedoch vorzüglich, seine Figuren so zu gestalten, dass sie zwar stets am Nachdenken und Handeln scheitern, dabei jedoch nie vorgeführt werden. Dass sie zum Schmunzeln herausfordern, ohne Witzfiguren abzugeben.

Dies gelingt ihm vor allem dadurch, dass seine Figuren in gewisser Weise völlig autarke Individuen sind: Sie machen keinerlei Entwicklung durch, interagieren im Grunde nicht mit ihrer Umwelt. In der "Kurzen sentimentalen Reise" hält Signor Aghios fest, "dass man so, wie man auf die Welt gekommen ist, auch bleibt"; dies wisse er sicher aus sechzigjähriger Lebenserfahrung. Sollte es einem Mann (!) indes doch einmal gelingen, eine Frau (!) zu verändern, bringt das auch nichts Gutes, weshalb er seinem Sohn auch prompt von einem solchen Vorhaben abrät: "Erzieh nicht zu viel an deiner Frau herum, versuch nicht, sie nach deinem Willen zu formen, denn es könnte sein, dass dir das gelingt." Diese Diskrepanz, sich ständig gedanklich mit den Mitmenschen auseinandersetzen, mit ihnen jedoch kaum in Dialog zu treten, dabei obendrein emotional unberührt zu bleiben und intellektuell jede Situation zu verkennen, macht einen großen Teil der subtilen Komik Svevos aus.

Die häufig auch in Tragikomik übergeht. Beispielsweise als Signor Maier in "Meuchlings" den Signor Reveni anpumpen will und ihr Gespräch innerlich bereits derart antizipiert, dass er die Bitte gar nicht mehr vorträgt. Als Reveni bei seinem Besuch dann einen Herzanfall erleidet, kann das Maier gar nicht erschüttern, denn Reveni war für ihn bereits längst tot, reine Projektionsfläche, kein lebendiges, überraschendes Gegenüber.

Ein weiteres Moment der Komik gründet in der sprachlichen Diskrepanz zwischen Gegenstand und Vokabular: In "Ein gelungener Streich", der Titelgeschichte des Bandes, redet der Protagonist Mario Samigli, der sich für einen Schriftsteller hält, über Literatur stets mit Begriffen aus Medizin und Wirtschaft. Da zudem sein Bruder krank ist und nur einzuschlafen vermag, wenn Mario ihm aus seinem eigenen, furchtbar schlechten Roman vorliest, kommt es tatsächlich zu einer Situation, in der man dem Bruder "so viel Literatur verabreichen musste wie nötig. Und er fand sich damit ab, die eigene Literatur und die der anderen auf die Funktion eines Einlaufs herabzuwürdigen."

Insgesamt vervollständigen die hier versammelten fünf Erzählungen das Bild Svevos nach seinen drei Romanen in gelungener Weise. Die erste Geschichte, "Reichlich Wein", hat starke Momente, schwächelt aber kompositorisch ein wenig. Dies wird jedoch sogleich durch den "Gelungenen Streich" wettgemacht, den pfiffigsten Text des Bandes. Die Erzählungen wurden ebenso wie die drei großen Romane Svevos von Barbara Kleiner übersetzt, deren Leistung einmal mehr nur zu loben ist; dem Manesse Verlag wiederum ist diese Form der Autorenpflege zu danken, denn nun kann nahezu der gesamte Svevo in "einer deutschen Stimme" gelesen werden. Und das lohnt sich.

CHRISTIANE PÖHLMANN

Italo Svevo: "Ein gelungener Streich". Erzählungen.

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Mit einem Nachwort von Hans-Ulrich Treichel. Manesse Verlag, München 2014. 480 S., geb., 24,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Fünf Erzählungen Italo Svevos über (nicht unbedingt an Jahren) alte Männer - da konnte Rezensentin Christiane Pöhlmann einiges lernen. Zum Beispiel, dass niemand sich je verändert, wie ein Protagonist feststellt. Dass man am Alter leiden, dies aber genießen kann, weil es unerschöpfliche Anlässe zum Monologisieren bietet. Dass jeder ein "autarkes Individuum" ist, das zwar über andere nachdenken, aber nicht mit ihnen kommunizieren kann. Und dass man dies alles humorvoll erzählen kann, ohne Witzfiguren aus seinen Helden zu machen. Lektionen fürs Leben, gewissermaßen. Da kann Pöhlmann sich nur noch bei Autor, Übersetzerin und Verlag bedanken.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Der Urvater der modernen literarischen Selbstreflexion ist Italo Svevo. [Er schildert] die menschlichen Tragödien mit einer heiteren Melancholie und Komik wie kaum ein anderer Autor."