Chronik der grossen Transformation 3. Artikel und Aufsätze (1920-1945) - Polanyi, Karl
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Der letzte Band unserer dreibändigen Ausgabe der Arbeiten von Karl Polanyi enthält jene Schriften, in denen er sich mit grundlegenden gesellschaftstheoretischen Fragen auseinandersetzt. Im ersten Teil des Bandes veröffentlichen wir eine Reihe von in Wien verfassten Manuskripten aus den zwanziger Jahren, in denen Polanyi sein Verhältnis zu Marx und zum Marxismus seiner Epoche, zur Soziologie (Max Weber) und zum Liberalismus (Österreichische Schule der Nationalökonomie) herausarbeitet. Die Kritik der Entfremdung der Menschen (in der 'wissenschaftlichen Weltanschauung' wie in der kapitalistischen…mehr

Produktbeschreibung
Der letzte Band unserer dreibändigen Ausgabe der Arbeiten von Karl Polanyi enthält jene Schriften, in denen er sich mit grundlegenden gesellschaftstheoretischen Fragen auseinandersetzt. Im ersten Teil des Bandes veröffentlichen wir eine Reihe von in Wien verfassten Manuskripten aus den zwanziger Jahren, in denen Polanyi sein Verhältnis zu Marx und zum Marxismus seiner Epoche, zur Soziologie (Max Weber) und zum Liberalismus (Österreichische Schule der Nationalökonomie) herausarbeitet. Die Kritik der Entfremdung der Menschen (in der 'wissenschaftlichen Weltanschauung' wie in der kapitalistischen Realität) bildet den Springpunkt. Weil mit der Idee der menschlichen Freiheit unvereinbar, wendet er sich vehement gegen jede Form des ökonomischen Determinismus. Im zweiten Teil wird sichtbar, warum - und in welcher Form - Polanyi für eine sozialistische Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft eintritt. Er entwickelt konzeptionelle Vorstellungen, wie das Verhältnis von Produzenten und Konsumenten übersichtlich gestaltet (Sozialistische Rechnungslegung) und der Markt bewusst einer demokratischen Gesellschaft untergeordnet werden könnte. Es folgen mehrere in England verfasste Aufsätzen und Manuskripte aus den dreißiger Jahren, in denen er sich mit den Grundlagen des Faschismus (Spann), dem Verhältnis von Marxismus und Faschismus, und schließlich der Beziehung von Marxismus und Christentum auseinandersetzt. Dabei wird nicht nur deutlich, welche Spuren die Niederlage des Sozialismus in Polanyis Denken hinterlässt, sondern auch, auf welche konzeptionellen Pfeiler sich sein bekanntestes Werk, 'The Great Transformation', stützt. Mehrere Aufsätze über Rousseau, die Möglichkeiten einer freien Gesellschaft und die Bedeutung der parlamentarischen Demokratie - während bzw. kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verfasst - schließen den Band. Ein großer Teil der Schriften wird hier zum ersten Mal veröffentlicht. Die Aufsatzsammlung insgesamt ist nach inhaltlichen Schwerpunkten in drei Bände gruppiert. Band 1 enthält die Analysen zu Wirtschaft, Weltwirtschaftskrise und Wirtschaftspolitik, Band 2 die internationale Politik zwischen den Weltkriegen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Metropolis
  • Seitenzahl: 339
  • Erscheinungstermin: November 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 136mm x 23mm
  • Gewicht: 435g
  • ISBN-13: 9783895184765
  • ISBN-10: 3895184764
  • Artikelnr.: 12943938
Autorenporträt
Karl Polanyi (1886-1964), in Wien geboren, studiert Recht und Philosophie in Budapest, gründet und wird erster Präsident des Galilei-Kreises, eines Begegnungszentrums für fortschrittliche Intellektuelle. 1919 nach Wien und von dort 1933 nach England emigriert, arbeitet er bis 1938 für den Österreichischen Volkswirt. Von 1940-43 erhält er ein Stipendium, um in den USA die Arbeit an der Great Transformation abzuschließen. Von 1947 bis 1953 ist er als Visiting Professor an der Columbia University tätig. 1957 publiziert er (zusammen mit C.M Arensberg und H.W. Pearson) Trade and Market in the Early Empires. Posthum erschienen: Dahomey and the Slave Trade (1966); Primitive, Archaic and Modern Economies(1968), The Livelihood of Man(1977); in deutscher Sprache: The Great Transformation(1978), Ökonomie und Gesellschaft (1979).
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 30.01.2006

In der Zwischenkriegszeit
Karl Polanyis Schriften über Sozialismus, Faschismus, Demokratie

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war eine Zeit, in welcher der Liberalismus generell den aussterbenden Arten zugeordnet wurde. Zu denen, die ihn für definitiv überholt hielten, zählte Karl Polanyi (1886 bis 1964). Der österreichische Ökonom und Sozialwissenschaftler stand stets im Schatten seines berühmten (und ungleich liberaleren) Bruders Michael Polanyi. In dem Band, der Aufsätze von 1920 bis 1947 versammelt, werden die Grundgedanken Karl Polanyis, die er später in seinem Hauptwerk "The Great Transformation" - geschrieben im kanadischen Exil - ausführlich zusammenfaßte, in ihrer Entstehung und Entwicklung sichtbar. Beeinflußt von Karl Marx und den Kathedersozialisten, erklärte Polanyi, daß der Kapitalismus zwar rückständige, undemokratische Gesellschaften überwunden habe, damit zugleich jedoch auch die gesellschaftliche Kontrolle des Ökonomischen abgeschafft habe. Die Ökonomie herrsche nunmehr über die Menschen und nicht die Menschen über sich selbst. Es bedürfe einer neuen Demokratie, in der die Menschen rational und selbstbestimmt ihre Gesellschaft bedürfnisgerecht gestalteten.

Obwohl die These von der vollständigen "Ökonomisierung der Gesellschaft" auch heute noch zum Phrasenrepertoire der Globalisierungsgegner gehört, könnte man Polanyis Sozialismus - als ein im Gegensatz zum Liberalismus tatsächlich überholtes Relikt vergangener Zeiten - getrost in den Regalen verstauben lassen, statt ihn neu aufzulegen. Und doch bringt die Lektüre des Bandes dann so manches zutage, das auch heute noch von äußerstem Interesse ist. Denn als durchaus nachdenklicher Sozialist machte es sich Polanyi nie einfach mit seinen Argumenten - insbesondere bei der Debatte mit politischen Gegnern. Interessant ist hier unter anderem seine Auseinandersetzung mit der Sozialismuskritik des liberalen Ökonomen Ludwig von Mises, der aufgrund seiner subjektiven Wertlehre den sich frei bildenden Preis als einziges effizientes Koordinationsinstrument in komplexen Wirtschaften sah, weshalb er auch jeder sozialistischen Wirtschaft die Fähigkeit rationaler Kalkulation absprach. Es ist erstaunlich, bis zu welchem Maß Polanyi hier dem Gegner recht gibt. Um den Preis, daß seine verbleibende Argumentation für einen demokratischen Sozialismus recht dünn ausfällt, stellt er fest: "Wir geben . . . unumwunden zu, daß wir die Lösung des Problems der Rechnungslegung in einer zentralen Verwaltungswirtschaft für unmöglich erachten." Das ist mehr, als die meisten Sozialisten in dieser Zeit konzedierten.

Bemerkenswert ist auch die Auseinandersetzung mit dem Faschismus und dessen Theoretikern (insbesondere mit Othmar Spann). Obwohl Polanyi letztlich doch der These anhängt, der Faschismus sei ein degenerierter (oder gar konsequenter) Kapitalismus, scheint ihn doch die Einsicht zu ängstigen, daß Faschismus und Sozialismus auf funktionaler Ebene eine "verblüffende Ähnlichkeit" kennzeichne.

Die Zwischenkriegszeit war dann von tiefen ideologischen Grabenkämpfen geprägt. Polanyis Ideen - so überwunden sie großenteils sein dürften - tragen in ihrer Weise dazu bei, dem heutigen Leser diese Zeit und die Intensität ihrer Debatten zu vermitteln.

DETMAR DOERING.

Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, Potsdam.

Karl Polanyi: Chronik der großen Transformation. Artikel und Aufsätze (1920-1947), Band 3: Menschliche Freiheit, politische Demokratie und die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Faschismus. Herausgegeben von Michele Cangiani, Kari Polanyi-Levitt und Claus Thomasberger. Metropolis-Verlag, Marburg 2005, 339 Seiten, 29,80 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Instuktiv findet Rezensent Detmar Doering diesen Band mit Aufsätzen des bedeutenden Ökonomen und Sozialwissenschaftlers Karl Polanyi (1886 bis 1964) aus der Zeit von 1920 bis 1947. Wie er betont, werden in den Aufsätzen schon die Grundgedanken von Polanyis späterem Hauptwerk "The Great Transformation" deutlich. Auch wenn Doering die sozialistischen Ideen Polanyis alles in allem für überholt hält, entdeckt er in dem Band durchaus Überlegungen, die ihm auch heute noch aktuell erscheinen. Den Grund dafür sieht er darin, dass es sich Polanyi als "nachdenklicher Sozialist" mit seinen Argumenten, insbesondere bei der Debatte mit politischen Gegnern, nie leicht gemacht habe. In diesem Zusammenhang hebt Doering Polanyis Auseinandersetzung mit der Sozialismuskritik des liberalen Ökonomen Ludwig von Mises sowie mit dem Faschismus und dessen Theoretikern (vor allem mit Othmar Spann) hervor.

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