Berliner Ausgabe, 10 Bde./Die Partei der Freiheit - Brandt, Willy; Grebing, Helga; Schöllgen, Gregor; Winkler, Heinrich A.

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In der Berliner Ausgabe 5. Band werden zum ersten Mal Reden, Aufsätze und Briefe Willy Brandts aus den Jahren 1972 - 1992 veröffentlicht. Die Dokumente erfassen die drei großen Aufgaben, denen sich Brandt in seiner Amtszeit stellte: die Bildung einer sozial-liberalen Koalition, die Öffnung der SPD gegnüber den neuen sozialen Bewegungen und die deutsche Vereinigung. Sie zeigen den Politiker als einen modernen Parteiführer, dem das Befehlen fremd war und für den die argumentative Auseinandersetzung zur linken Volkspartei die "Luft zum Atmen" war.
Für Willy Brandt war die SPD stets mehr als
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Produktbeschreibung
In der Berliner Ausgabe 5. Band werden zum ersten Mal Reden, Aufsätze und Briefe Willy Brandts aus den Jahren 1972 - 1992 veröffentlicht. Die Dokumente erfassen die drei großen Aufgaben, denen sich Brandt in seiner Amtszeit stellte: die Bildung einer sozial-liberalen Koalition, die Öffnung der SPD gegnüber den neuen sozialen Bewegungen und die deutsche Vereinigung. Sie zeigen den Politiker als einen modernen Parteiführer, dem das Befehlen fremd war und für den die argumentative Auseinandersetzung zur linken Volkspartei die "Luft zum Atmen" war.
Für Willy Brandt war die SPD stets mehr als eine politische Organisation, die sich im Wettstreit um die Besetzung staatlicher Ämter erschöpft. Sie war aus seiner Sicht eine historisch gewachsene »Willens- und Aktionsgemeinschaft«, die gesellschaftliche Probleme aufgreift und diese mit Aufklärungsarbeit und parlamentarischen Mitteln zu lösen sucht. Für Willy Brandt bildete die SPD ein Mittel gemeinschaftlicher und individueller Emanzipation.

Seine für diesen Band ausgewählten Reden, Aufsätze und Briefe sowie die von ihm geprägten Aufrufe des SPD-Parteivorstandes erhellen die historische Dimension des politischen Wirkens des Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden der SPD von 1972 bis 1992. Der Band enthält vor allem Dokumente, die programmatischen Charakter tragen, politische Weichenstellungen markieren oder innerparteiliche Krisensituationen und Schlüsselereignisse nachzeichnen. Darüber hinaus wird Willy Brandts Naturell beleuchtet, sein politisches Selbstverständnis und seine Amtsführung. Die Dokumente erfassen die drei großen Aufgaben, denen sich Brandt in seiner Amtszeit stellte: die Bildung einer sozialliberalen Koalition, die Öffnung der SPD gegenüber den neuen sozialen Bewegungen und die deutsche Einheit.
Sie zeichnen den politischen Lebensweg einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Bonner Republik nach, eines deutschen Patrioten in europäischer Verantwortung, dessen Wort von Gewicht war, auch als er längst kein Staatsamt mehr bekleidete.

  • Produktdetails
  • Verlag: Dietz, Bonn
  • Seitenzahl: 500
  • Erscheinungstermin: Januar 2002
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 156mm x 50mm
  • Gewicht: 935g
  • ISBN-13: 9783801203054
  • ISBN-10: 3801203050
  • Artikelnr.: 10782123
Autorenporträt
Willy Brandt, geboren 1913 in Lübeck, gestorben 1992 in Unkel, war während der Zeit des Nationalsozialismus im Exil. Danach war er u. a. Regierender Bürgermeister von Berlin (1957 - 1966), SPD-Vorsitzender und Bundeskanzler (1969 - 1974), später Vorsitzender der Sozialistischen Internationale. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts.
Rezensionen
Besprechung von 07.10.2002
Willy, der Eroberer
Der legendäre erste Bundeskanzler der SPD porträtiert sich selbst und seine Partei in Reden, Artikeln und Briefen
KARSTEN RUDOLPH: Die Partei der Freiheit. Willy Brandt und die SPD 1972-1992, Berliner Ausgabe, Band 5, J.H.W. Dietz Verlag, Bonn 2002. 632 Seiten, 27,60 Euro.
Willy Brandt ist am 8. Oktober 1992 gestorben. Pünktlich zum Todestag des legendären sozialdemokratischen Kanzlers hat der ebenfalls sozialdemokratische Dietz-Verlag einen weiteren Band seiner „Berliner Ausgabe” präsentiert, die ausgewählte Reden, Artikel und Briefe von Willy Brandt zu diversen Themen und aus unterschiedlichen Zeitphasen zusammenfasst. Nach den Bänden über die Jugend in Lübeck und das Exil in Norwegen, einem Überblick über Brandt und die SPD von 1947 bis 1972 sowie seine Innen- und Gesellschaftspolitik zwischen 1966 und 1974 sind nun die gesammelten Werke über Brandts vielleicht wichtigste politische Zeit ab 1972 unter dem Titel „Die Partei der Freiheit” erschienen.
Karsten Rudolph, der die Ausgabe ediert und bearbeitet hat, präsentiert einen Kanzler, der „die Bundesrepublik von den sechziger Jahren bis zur Wiedervereinigung prägte”. Brandt sei die Symbolfigur für gesellschaftlichen Wandel und innerparteiliche Veränderungen gewesen, und er habe immer an seine SPD als die „Partei der Freiheit” geglaubt. In seinem Verständnis habe sie sich grundlegend von der Kaderpartei kommunistischen Typs und den konservativen Sammlungsbewegungen unterschieden; sie habe „gekämpft, wo die Masse der Bürgerlichen nur zugeschaut” habe.
Willy Brandt war schon in den Siebziger Jahren das, was man einen politischen Superstar nannte, seinetwegen traten Tausende in die SPD ein, „Willy wählen” war Ehrensache. Dass der Frauenheld und Vieltrinker, der Depressive und manchmal hemmungslos Inaktive in seiner Partei oft als führungsschwach galt, dass er für das Alltagsgeschäft bisweilen kein Ohr mehr hatte, dass Intrigen und böse Nachrede mit den Jahren zunahmen, wusste auch Brandt selbst – in seinen Texten kommt das zum Ausdruck.
Seine Wirkung war außenpolitisch immens, innenpolitisch verblasste sie über die Jahre. Vor allem sein spätes Wirken als Parteivorsitzender von 1982 bis 1987 ist schwer zu bilanzieren: Schwache Bundestagswahlergebnisse kontrastierten mit Wahlerfolgen in den Ländern. Die Zahl der Mitglieder sank, die Grünen konnten sich etablieren. Dennoch, so Karsten Rudolph, sei Willy Brandt auch in seinen letzten Jahren für die SPD unersetzlich gewesen: Ohne ihn hätten die neuen sozialen Bewegungen nicht an die SPD herangeführt werden können.
Auf die Frage, wie er zwischen Passion und Pflicht entscheiden würde, wenn er denn müsste, antwortete Brandt einmal, eines gehe nicht ohne das andere: „Die Politik, die mich bewegt, ist nicht möglich, ohne dass man sich durch die Nöte und Sehnsüchte der vielen bewegen lässt, die man gar nicht alle kennen kann.”
CATHRIN KAHLWEIT
Willy Brandt auf der Höhe seiner Popularität 1973 beim Besuch der USA
SZ
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Besprechung von 03.04.2003
Antiautoritäre Amtsführung
Willy Brandt als Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der SPD in den Jahren 1972 bis 1992

Willy Brandt: Die Partei der Freiheit. Willy Brandt und die SPD 1972-1992. Berliner Ausgabe, Band 5, bearbeitet von Karsten Rudolph. Verlag J. H. W. Dietz, Bonn 2002. 632 Seiten, 27,60 [Euro]

Die letzte Seite dieses Bandes der Berliner Willy-Brandt-Ausgabe zeigt den Parteivorsitzenden mit Bebels goldener Taschenuhr, die ihm Herbert Wehner zum 53. Geburtstag geschenkt hatte. Bearbeiter Karsten Rudolph, der Brandts politisches Wirken als Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der SPD in den Jahren 1972 bis 1992 dokumentiert, dürfte das Bild nicht von ungefähr ausgewählt haben, denn Brandt war der letzte Parteivorsitzende, der von der Tradition der alten Arbeiterbewegung geprägt wurde. Sein lebenslanges Bemühen galt der Befreiung der Menschen von "Not und Furcht".

Obwohl Brandt in der sozialistischen Arbeiterbewegung seine politische Heimat gefunden hatte, war er alles andere als ein Parteitraditionalist. In den fünfziger Jahren gehörte er zu den Wegbereitern des Godesberger Programms, Ende der sechziger Jahre öffnete er die Partei für die aufmüpfige 68er-Generation, und schließlich bemühte er sich allen Widerrednern zum Trotz, die neuen sozialen Bewegungen für die SPD zu gewinnen. Daß dieser Integrationskurs nicht geräuschlos und ohne Unbilden vonstatten gehen konnte, daß er nicht nur eine Chance, sondern auch eine Bürde für die Partei darstellte, war Brandt durchaus bewußt.

Wiederholt las er den sich radikal gebärdenden Studenten, die in die Partei eindrangen, die Leviten. Wenn er auch deren Aufbegehren gegen die "Ideologie des Pragmatismus" nachvollziehen konnte, so rügte er doch deren Utopien, die die Menschen in ein "Prokrustesbett" zwängen. Nicht weniger hart ging er mit den Wortführern und Sympathisanten der neuen sozialen Bewegungen ins Gericht, denen er einen "unbekümmerten Snobismus gegenüber Arbeiterinteressen und den Leistungen des Sozialstaates" vorwarf. Eine Alternative zu dem von ihm verfochtenen Integrationskurs sah er jedoch nicht.

Hatte er in den siebziger Jahren die Abspaltung einer linkssozialistischen Splitterpartei befürchtet, so warnte er zu Beginn der achtziger Jahre: "Uns droht nicht ,Spaltung', sondern ,Schrumpfung'." Es sei eine "blanke Illusion, in einer Gesellschaft, in der der Arbeiteranteil sinkt, auf die neuen Schichten verzichten zu können". Im übrigen war Brandt, ganz dem aufklärerischen Erbe der Arbeiterbewegung verpflichtet, der Auffassung, daß die jungen Leute "durch Verantwortung klüger und menschlicher" würden und dann für die Partei unentbehrlich seien.

Die auf Öffnung der Partei bedachte antiautoritäre Amtsführung des SPD-Vorsitzenden rief jedoch die innerparteilichen Kritiker, allen voran Helmut Schmidt und Herbert Wehner, auf den Plan. Wie tiefgreifend die Meinungsverschiedenheiten über den Kurs der Partei innerhalb der "Troika" waren, dokumentiert insbesondere der Briefwechsel zwischen den drei ungleichen Männern, der die Edition zu einer spannenden Lektüre macht.

Kaum ein halbes Jahr nachdem Wehner durch seine provokante Suada in Moskau zur Demontage Brandts beigetragen hatte, warf Schmidt im März 1974 nach dem Debakel der SPD bei der Hamburger Bürgerschaftswahl dem Bundeskanzler und SPD-Vorsitzenden eine laxe Partei- und Regierungsführung vor und stellte dessen Analyse zum Wahlausgang in Frage. Enge Mitarbeiter Brandts kommentierten Schmidts Vorgehen mit der Bemerkung: "Das war ein Aufruf zum Putsch." Brandt konnte sich zwar durch eine "Zehn-Punkte-Erklärung" zur Neuorientierung der Partei im Parteivorstand gegenüber seinen Kritikern durchsetzen, doch sein Verhältnis zu Schmidt blieb gespannt. Mehrmals riet er seinem Nachfolger im Bundeskanzleramt, mehr um die Partei zu werben, und wies zugleich mit deutlichen Worten darauf hin, daß niemals in der Vergangenheit sich die Partei "im gleichen Maße wie heute auch mit unpopulär erscheinenden Maßnahmen identifiziert" habe. Während Schmidt die Partei gern in einen Kanzlerwahlverein umgewandelt hätte, betonte Brandt, der in der SPD eine historisch gewachsene "Willens- und Aktionsgemeinschaft" sah, deren Eigenständigkeit. "Stromlinienförmigkeit als innerparteiliches Idyll" hielt er nicht für erstrebenswert.

Brandt schmerzte die ständige Kritik am Zustand der Partei nicht wenig. Als Wehner in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk im Februar 1981 das Schreckgespenst einer Parteispaltung an die Wand malte und obendrein bemerkte, daß nicht er der Führer der Partei sei, erschien Brandt in der nächsten Parteivorstandssitzung mit zwei Rücktrittsschreiben in der Tasche. Gewichtiger als der Streit mit Wehner war freilich der mit Schmidt um den Nato-Doppelbeschluß. Solange Schmidt Bundeskanzler war, sorgte Brandt, wenn auch widerstrebend, dafür, daß die Partei die vom Bundeskanzler befürwortete Nachrüstung im Falle, daß der Warschauer Pakt nicht bereit war, seine Überzahl von Mittelstreckenwaffen zu verschrotten, auch unterstützte.

Auf dem SPD-Parteitag im November 1983, 14 Monate nach dem Rücktritt Schmidts als Bundeskanzler, stimmte Brandt und mit ihm die große Mehrheit der Partei gegen den Nato-Doppelbeschluß. Schmidt konnte sich zwar schon bald durch die Geschichte bestätigt fühlen, aber Brandt hatte nicht unrecht, als er Schmidt, der nicht zuletzt den Zustand der Partei für den erzwungenen Rücktritt als Bundeskanzler verantwortlich machte, im November 1982 in einem Brief voller Bitterkeit schrieb, daß er ohne ihn "kaum länger, sondern wohl eher kürzer und vielleicht mit weniger Erfolg im Amt" gewesen wäre. Schmidt, der glaubte, daß in der Partei die Arbeiter das Sagen haben müßten und nicht der "Doktor der Philosophie oder der Doktor der Ökonomie", hätte sich an der Spitze der Partei nur halten können, wenn er auf den Gewinn neuer jüngerer Mitglieder und Wählerschichten des linken politischen Spektrums verzichtet hätte.

Die letzte große innerparteiliche Auseinandersetzung um die deutsche Wiedervereinigung, in der Brandt als der von seinen "Enkeln" enttäuschte Ehrenvorsitzende der SPD das Wort ergriff, wird wohl erst in Band 10 der Berliner Ausgabe, der für Herbst 2004 angekündigt ist, ausführlich thematisiert werden. Brandt avancierte nach dem Mauerfall noch einmal zur Identifikations- und Integrationsfigur der Partei. In dem aus seiner Feder stammenden "Manifest zur Wiederherstellung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" vom September 1990 lud er die "unbescholtenen alten Sozialdemokraten", die in DDR-Zeiten Standhaftigkeit bewiesen hatten, und die "jungen und neuen Kräfte", nicht zuletzt die der Bürgerrechtsbewegung, ein, am "Aufbau einer sozial und ökologisch verantwortbaren Marktwirtschaft" und der "Einfügung Deutschlands in eine europäische Friedensordnung" mitzuwirken.

PETRA WEBER

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Für den Rezensenten Robert Leicht ist Willy Brandt noch immer paradox, einerseits sei er einer der ganz Großen, wenn nicht sogar "der Größte" gewesen, doch andererseits "war man mit ihm eigentlich nie so recht zufrieden". Von der auf zehn Bänden angelegten "Auswahl Wichtiger Reden, Artikel und Briefe Brandts" sei nun der fünfte erschienen, der sich von 1972 bis 1992 erstreckt. Diese Jahre, so Leicht, seien die des Höhepunktes, und dann des Niedergangs gewesen. Für Leicht zeigt sich in diesen Dokumenten, wie "umstritten" Brandts Führung war, bis in die eigenen Parteikreise hinein. Doch aus der Fülle des Materials stechen für den Rezensenten die Briefwechsel zwischen den großen Figuren des innerparteilichen Dissenses heraus. Hier entpuppe sich Brandt als jemand, der sich eines "eigenartig indirekten, fast verklausulierten Kommunikationsstils" bedient, vielleicht um die Einheit der SPD nicht zu gefährden, mutmaßt Leicht. Nicht nur "spannende Dokumente" offenbaren sich dem Leser, sondern auch, "nahezu verborgen, eisige Dramen". Eins sei allerdings vonnöten, um diese von Karsten Rudolph "überaus detailliert und sachlich annotierte" Ausgabe wirklich gewinnbringend zu lesen: die Parallel-Lektüre einer Brandt-Biografie.

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