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Wie riecht Heimat? Wie viel Freiraum braucht ein Kind? Wie überlebenswichtig sind Angst, Egoismus und Instinkt? Reinhold Messner skizziert in Etappen seinen Weg vom Südtiroler Bergbub zum größten Abenteurer unserer Zeit, zum kampflustigen Politiker, engagierten Bauern, Wanderfreund von Managern und Politikern, zum Gründer einer einzigartigen Museumslandschaft, zum Ehemann, vierfachen Vater und Familienmenschen. In ungezählten Expeditionen hat er ausprobiert, wie Überleben funktioniert. Freimütig hält er heute Rückschau auf sieben Jahrzehnte, die schon früh von extremen Naturerlebnissen und…mehr

Produktbeschreibung
Wie riecht Heimat? Wie viel Freiraum braucht ein Kind? Wie überlebenswichtig sind Angst, Egoismus und Instinkt? Reinhold Messner skizziert in Etappen seinen Weg vom Südtiroler Bergbub zum größten Abenteurer unserer Zeit, zum kampflustigen Politiker, engagierten Bauern, Wanderfreund von Managern und Politikern, zum Gründer einer einzigartigen Museumslandschaft, zum Ehemann, vierfachen Vater und Familienmenschen. In ungezählten Expeditionen hat er ausprobiert, wie Überleben funktioniert. Freimütig hält er heute Rückschau auf sieben Jahrzehnte, die schon früh von extremen Naturerlebnissen und Begegnungen mit dem Tod geprägt waren, schreibt über Ehrgeiz und Scham, Alpträume und das Altern, über Neuanfänge und über die Fähigkeit, am Ende loszulassen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Malik
  • 8. Aufl.
  • Seitenzahl: 335
  • Erscheinungstermin: 1. September 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 148mm x 34mm
  • Gewicht: 502g
  • ISBN-13: 9783890294506
  • ISBN-10: 3890294502
  • Artikelnr.: 40847035
Autorenporträt
Reinhold Messner, 1944 in Südtirol geboren, gelangen zahlreiche Erstbegehungen und die Besteigung aller 14 Achttausender sowie die Durchquerung Grönlands und der Antarktis zu Fuß. Heute widmet er sich vor allem seinen Messner Mountain Museen (MMM) sowie Film- und Buchprojekten. Zuletzt erschienen bei MALIK u. a. seine Autobiografie, der SPIEGEL-Bestseller »Über Leben«, und der große Bildband »m4 Mountains - Die vierte Dimension«, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstand, sowie die Neuausgaben der Bände »Mein Weg« und »Die weiße Einsamkeit«.
Inhaltsangabe
I ÜB ERLEBEN 1 Kindheit  2 Ungerechtigkeit  3 Heimat  4 Naturgesetz  5 Freiraum  6 Kontrolle  7 Wachsamkeit  8 Nest  9 Vorsicht  10 Trost  11 Gehen  12 Mut  13 Angst  14 Instinkt  15 Risiko  16 Wissen  17 Erleben  18 Gefahr  19 Zeit  20 Geheimnis  21 Leidenschaft  22 Glück  23 Ehrgeiz  24 Selbstspiegelung  25 Tod 

II ÜBERLEBEN 26 Trauer  27 Gutmenschen  28 Nähe  29 Verantwortung  30 Gefühle  31 Unfall  32 Sprache  33 Genie 34 Schrecken  35 Vergewisserung  36 Vertrauen  37 Einsamkeit  38 Sinn  39 Tabu  40 Geburt  41 Krankheit  42 Neid  43 Verzicht  44 Forschen  45 Schicksal  III ÜBER LEBEN 46 Neuanfang  47 Umwelt  48 Stadtkultur  49 Yeti  50 Politik  51 Schönheit  52 Kunst  53 Gott  54 Stil  55 Skandale  56 Rache  57 Wagnis  58 Selbstvertrauen  59 Stolz  60 Altern  61 Leiden  62 Religion  63 Seilschaft  64 Moral  65 Rituale  66 Freiheit  67 Familie  68 Nachbarschaft  69 Loslassen 

70 Zuletzt 
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Schön unschematisch und keinesfalls zur Nachahmung auffordernd erscheint dem Rezensenten der Extrembergsteiger Reinhold Messner in dem pünktlich zu seinem 70. Geburtstag erscheinenden Buch. Auch wenn Freddy Langer hier kaum Neues liest, es kommt doch augeglichener, distanzierter rüber, meint er. Gemeint ist der ganze Wahnsinn dieses Lebens, die Achttausender, die Unfälle, auch Messners Zeit als Politiker und Museumsmann. Und wenn der Autor seine Lebensphilosophie einfließen lässt, mal plaudernd, mal brillant erzählend, mal im Ton eines Unternehmensberaters, wie der Rezensent feststellt, dann hört Langer Nietzsches Übermenschen sprechen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 17.09.2014
Den Tod herausfordern, um ihm zu widerstehen
Grenzgang als Lebensform: Der Bergsteiger und Abenteurer Reinhold Messner buchstabiert zu seinem Siebzigsten den Begriff "Überleben" auf dreierlei Weise

Es gibt kein Maß für Reinhold Messner. Gleich einem Solitär steht er jenseits aller anderen Bergsteiger und Abenteurer. Als Ein-Mann-Sekte hat er sich bei Gelegenheit bezeichnet. Und einigermaßen nüchtern attestiert er sich "autistische Elemente". Was er tue, sagt er, tue er nur für sich. Und im Tun erst könne er sich erleben.

Die Aufgaben, die er sich dazu stellte, wagte niemand zuvor auch nur zu denken - und keiner außer ihm hätte sie zu jeweils ihrer Zeit lösen können. Man muss nur Andreas Nickels Kinofilm "Messner" anschauen (jetzt als DVD bei Movienetfilm), um etwas von dem Wahnsinn zu begreifen, den es bedeutete, als Reinhold Messner im Sommer 1969 zwischen Frühstück und Mittagessen die tausend Meter hohe Droites- Nordwand solo durchstiegen hat, nachdem frühere Bergsteiger-Teams stets mehrere Tage gebraucht hatten. Griff, Tritt. Griff, Tritt. Ungesichert. Nur mit Steigeisen an den Füßen und Eiswerkzeug in der Hand. Wie ein Tanz sieht das aus. Eine einzige elegante, fließende Bewegung. Tausend Meter senkrecht nach oben. Als sei die Schwerkraft aufgehoben.

Es war der Beginn seines "Verzichtsalpinismus", der Reduktion des Materials auf das absolute Minimum. Es war zugleich ein Wendepunkt in der Bergsteigerei. Und Reinhold Messner würde von nun an erst in den Alpen, dann im Himalaja und später in der Endlosigkeit von Sand- und Eiswüsten mit konsequent ausgelebter Hybris das Unmögliche möglich machen. Steiler, höher, weiter. Wenngleich, wie er sagt, es ihm nie um Rekorde gegangen sei. Ihm geht es um Erkenntnis im Grenzbereich zwischen Diesseits und Jenseits, im "Widerstand gegen den herausgeforderten Tod", wie er Gottfried Benn zitiert. Die Todesnähe wurde bisweilen zur Sucht, und jeder Erfolg forderte in logischer Konsequenz den nächsten, größeren heraus, weshalb der Euphorie unmittelbar die Depression folgen konnte. Überlebt zu haben aber glich ihm jedes Mal einer Wiedergeburt. Todessehnsucht hingegen verspürte er nie; im Gegenteil.

"Über Leben" heißt sein jüngstes Buch, sein fünfzigstes ungefähr. Es erscheint zu Reinhold Messners siebzigstem Geburtstag, den er heute feiert. Es ist stiller, nachdenklicher als viele seiner anderen Bücher, auch wenn man letztlich wenig Neues erfährt. Und es hat einen milderen Ton. Wie aus der Distanz lässt Messner sein Leben Revue passieren. Die Kindheit im Villnöss-Tal und die wilden Klettereien mit seinem Bruder Günther, die Achttausenderbesteigungen und die Extremwanderungen, seine Zeit als Politiker und die Gründung seiner Museen. Zwei Unfälle - der Tod seines Bruders am Nanga Parbat und sein Sturz von der Schlossmauer, bei dem er sich das Fersenbein zertrümmert hat - gliedern den Band in drei Teile, für die er den Buchtitel jeweils neu buchstabiert: von der Aufforderung "Üb Leben" über das handfeste "Überleben" bis zum altersweisen "Über Leben".

Mit siebzig kleinen Kapiteln wird jede Lebensstation zugleich zum Anlass, den Grenzgang als eine Lebensweise, als seine Lebensphilosophie zu präsentieren, wenn die Erinnerungen in Auseinandersetzungen mit Mut und Angst, Instinkt und Risiko, Gott, Religion und Moral münden. Manche der Kapitel gleichen geschliffenen Vorträgen für Unternehmensführer, andere einer Plauderei, wieder andere zeigen Reinhold Messner als brillanten Erzähler. Geprägt sind sie allesamt von der Forderung nach einem von Moral befreiten, souveränen Individuum. Da ist es kein Wunder, wenn in seinem Weltbild Nietzsches Übermensch, den dieser als den sich selbst und seine Sinnsetzungen überwindenden Menschen definierte, zum Orientierungspunkt wird. Und noch in einem anderen Punkt überschneidet sich das Denken Messners mit dem des Philosophen.

Für Nietzsche verkörpert der Künstler die lebensbejahende Lebensform, die ästhetische Überwindung einer vernunftbestimmten Weltauffassung. Für Messner wird der Grenzgang zum Kunstwerk, zur Suche nach der vollendeten Komposition, nur für ihn von Bedeutung. Zugleich freilich gibt er ihm die Möglichkeit, im Moment der Lebensgefahr Einblicke in die Natur des Menschen zu gewinnen - bis hin zu jenem Moment, in dem ein fast urmenschlicher Instinkt aus ihm herausbricht und ihn jenseits all seiner früher gemachten Erfahrungen lenkt. So ist denn sein Buch auch weder Pamphlet noch Ratgeber. Man kann Messner nicht kopieren. Man kann ihn nur als Stellvertreter begreifen, der - dem mythischen Helden gleich - in Sphären vordringt, die sonst den Göttern vorbehalten sind.

Und jetzt? Mit siebzig? In ein Schema will sich Reinhold Messner nicht pressen lassen. Noch immer nicht. Den Wert Freiheit allerdings, schreibt er am Schluss im Kapitel, "Altern", gelte es nun neu zu interpretieren. Und unter "Leiden" sagt er: "Ich kann dem Nutzlosen ohne schlechtes Gewissen nachgehen und jetzt im Alter den Abstieg genießen." Doch muss man kein ausgefinkelter Hermeneutiker sein, um zwischen den Zeilen seines Buches die Anspielungen auf ein neues, großes Projekt zu erkennen.

FREDDY LANGER

Reinhold Messner: "Über Leben". Malik Verlag, München 2014. 336 S., Abb., geb., 22,99 [Euro].

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»Ein sehr einfühlsames Buch und auch der Autor wirkt nachdenklicher als in seinen anderen Büchern.«, Soester Anzeiger, 13.12.2014