Ein Kind - Bernhard, Thomas
Zur Bildergalerie
12,90 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
Ohne Risiko: Verlängertes Rückgaberecht bis zum 10.01.2021
0 °P sammeln

    Gebundenes Buch

1 Kundenbewertung

Die Geschichte einer Erziehung ohne Erzieher Thomas Bernhards Kindheitsjahre, der Anfang am Ende, ein Martyrium beginnt: die Schande einer unehelichen Geburt und der Vorwurf der Mutter: Du hast mein Leben zerstört! Es sind Jahre des Schreckens und des Krieges. Und es ist eine Zeit fern der Idylle, wenn auch nicht ohne Augenblicke des Hochgefühls.…mehr

Produktbeschreibung
Die Geschichte einer Erziehung ohne Erzieher Thomas Bernhards Kindheitsjahre, der Anfang am Ende, ein Martyrium beginnt: die Schande einer unehelichen Geburt und der Vorwurf der Mutter: Du hast mein Leben zerstört! Es sind Jahre des Schreckens und des Krieges. Und es ist eine Zeit fern der Idylle, wenn auch nicht ohne Augenblicke des Hochgefühls.
  • Produktdetails
  • Verlag: Residenz
  • Seitenzahl: 113
  • Erscheinungstermin: September 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 133mm x 13mm
  • Gewicht: 240g
  • ISBN-13: 9783701715626
  • ISBN-10: 3701715629
  • Artikelnr.: 29782161
Autorenporträt
Bernhard, Thomasgeboren am 9. Februar 1931, gestorben am 12. Februar 1989 in Gmunden (Oberösterreich). 1952-1957 Musik- und Schauspielstudium an der Akademie Mozarteum Salzburg, ab 1957 freier Schriftsteller. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Österreichischer Staatspreis 1967, Georg-Büchner-Preis 1970.Kummer, Lukasgeboren 1988 in Innsbruck. 2007 zog er nach Kassel, um an der Kunsthochschule Illustration und Comic zu studieren. Von 2009 bis 2015 arbeitete er neben dem Studium für das Mechanische Institut der Uni Kassel als Illustrator und Gestalter. 2014 Studienabschluss und anschließendes Jahr als Meisterschüler bei Hendrik Dorgathen. Lukas Kummer arbeitet freischaffend als Illustrator und Comiczeichner. Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Fanzines. Seine erste Graphic Novel "Die Verwerfung" erschien 2015, "Die Gotteskrieger" 2017. Zuletzt bei Residenz erschienen: "Die Ursache" (2018) und "Der Keller" (2019).
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.05.2004

Mit Fahrrad und Klarinette, Honig und Milch
Hermann Beil liest im Frankfurter Schauspiel aus Thomas Bernhards Jugenderinnerungen

Ein Glas Milch auf dem Tisch. Ton in Ton mit dem Sommeranzug, in dem sich Hermann Beil im Kleinen Haus des Frankfurter Schauspiels die Ehre gab. Ob da wohl Honig drin war, wie in der Milch, die dem achtjährigen Thomas Bernhard von einer Gastwirtin verabreicht wurde, als er vom Regen durchnäßt hereingestolpert kam? Jedenfalls paßte die inszenierte Stärkung, die Beil verschmähte, zum Thema des Abends: diesem "Kind", dem der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard den fünften und letzten Band seiner Jugenderinnerungen gewidmet hatte. Zum dritten und letzten Mal las der Wiener Dramaturg, Regisseur und Autor, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert Claus Peymann als künstlerischer Ratgeber zur Seite steht, aus den Werken seines Landsmanns - ein brillantes Beiprogramm zu Bosses Bernhard-Inszenierung im Großen Haus.

Eine Parabel eröffnet das Buch, mit dem sich Bernhard 1981 unter dem Titel "Ein Kind" in seine ersten 13 Lebensjahre zurückgeschrieben hatte. Kurz nach dem Einmarsch in Polen muß es gewesen sein, als sich der Junge das Waffenrad seines "eingerückten" und damit "entrückten" Stiefvaters auslieh und nach Salzburg zu Tante Fanny aufbrach, um denen daheim in Traunstein zu beweisen, was für ein Kerl er sei. Leider hatte er die Rechnung ohne die Fahrradkette gemacht: Sie riß, verhedderte sich in den Speichen und warf den Radler kopfüber in den Straßengraben. Wer sein Rad liebt, der schiebt - oder heult, wie der kleine Gernegroß, als sich auf dem langen Heimweg auch noch Gewitterwolken über ihm entleerten.

Was wäre aus ihm geworden ohne die nette Gastwirtin, die beiden Burschen, die ihn nach Hause brachten, und den geliebten Großvater, der über dem kleinkrämerischen Traunstein in Ettendorf thronte wie der liebe Gott. Ein Bauer, der die Kleinbürger verachtete, ein heimlicher Anarchist und potentieller Terrorist, der als höchste Instanz das Bernhardsche Weltbild beherrschte und nun um gut Wetter bei der Mutter bitten sollte, die ihren unehelichen und daher unerwünschten Sohn ohnehin als "scheußliches Kind" empfand. Kaum hatte der Großvater den zerknirschten Enkel mit einem versöhnlichen Händedruck begrüßt, bekam dieser schon wieder Oberwasser: "Meine Mutter war mir nicht gewachsen."

Hinter diesem jäh erwachten Selbstvertrauen stand aber nicht nur der Großvater. Zuerst hatte der Heimkehrer in den frühen Morgenstunden nämlich seinen Freund Schorschi geweckt und ihm die Geschichte seiner Panne als Triumph ausgemalt. Als "dramatisches Kunstwerk", in dessen Mittelpunkt er stets selber stand und das vermutlich mit denselben Superlativen und Hyperbeln gesättigt war, die den Stil des Autors auch sonst kennzeichnen. Beil hat diesen Überlebensritus in beschwörendem Tonfall nachvollzogen, und Haruhi Tanaka unterstützte ihn dabei mit der Klarinette.

CLAUDIA SCHÜLKE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.11.2006

Wie er wurde, was er war
Thomas Bernhard: „Ein Kind”
SZ-Bibliothek der Erzähler
Einen größeren Schrecken kann es für ein Kind nicht geben: Weggeschickt zu werden, auch wenn es daheim noch so entsetzlich zugehen mochte, in einen Erholungsurlaub, an dem man gar nicht teilnehmen möchte – und dann, aus Traunstein in Oberbayern kommend, als vielleicht zehnjähriger Knabe, zu erfahren, dass die Reise nicht, wie angenommen, nach Saalfelden im Salzburger Land geht, sondern nach Saalfeld in Thüringen, weit, unendlich weit weg. „Flennend entfernte ich mich in der immer tiefer werdenden Nachtvom Zuhause, das jetzt sein wahres und entsetzliches Gesicht zeigte”, schreibt Thomas Bernhard in „Ein Kind”, der Geschichte seines Kinderlebens.
Diese Geschichte ist das vielleicht schlimmste Ereignis in diesen Erinnerungen, die nicht viel mehr als Schmerzen und Demütigungen birgt. Und doch kommt einer der größten Schriftsteller der deutschsprachigen Literatur nachdem Krieg aus diesem Leid hervor. Atemlos erzählt Thomas Bernhard diese Geschichte, ohne Absätze, geradewegs, wie ihm die Erinnerungen in den Kopf geraten, und erst, wenn er gar nicht mehr kann, wenn er Luft schöpfen muss,macht er einen Punkt.
Wer diesen Text spricht, muss diesem Diktat folgen, er darf erst dann innehalten, wenn Thomas Bernhard es zulässt. Dabei ist dieses Luftholen-Können etwas ganz Entscheidendes für diesen Schriftsteller – in ihm, oder genauer: unter der Last, dem Druck, der Not, die das Atemholen zumindest in der subjektiven Wahrnehmung verhindert, äußertsich die ganze Verzweiflung, die über Thomas Bernhards Leben liegt.
Mit kurzem Wellenschlag, aber ohne Pausen kommt dieser Text daher, und so muss man ihn lesen: als Ergriffener, als Mitgerissener. Deswegen ist es mir ganz unmöglich gewesen, dieses Buch ruhig zu lesen, sitzend, mit den Händenbrav auf dem Tisch. Ich musste mich bewegen, den imaginären Milcheimer um meinen Kopf kreisen lassen, ich musste erregt sein, wie Thomas Bernhard es war, als er dieses Buch schrieb. Und – in diesem Buch erzählt er seine eigene Geschichte, die Geschichte vom großen Unglück eines kleinen Jungen, der unehelich geboren war, der von seiner Mutter verflucht wurde, der ineinem Dorf am Rand der Alpen heranwuchs. Ich erkenne die Nachkriegszeit in dieser Geschichte, meine eigene auch, die Schläge mit dem Rohrstock auf dieHand, das In-der-Ecke-Stehen müssen. „Ich bin’s”, sagt Thomas Bernhard, und man will wissen, was ihm geschah, wie er wurde, was er war.„Ich bin’s”, sagen aber auch Leser und Hörer. Und wenn beides zusammenkommt, ist es großartig und ergreifend.
LAMBERT HAMEL
Thomas Bernhard
Foto: B. Hellgoth
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als Mittel gegen das in Mode gekommene Argument, Thomas Bernhard habe dazu beigetragen, dass die Welt ein falsches Bild von Österreich bekommen habe, scheint Franz Schuh die Lektüre der nunmehr in der 16. Auflage erschienenen Autobiographie zu empfehlen. "Ein selbständiges Meisterwerk" nennt er es, das "in Bernhards Vorstellungswelt am allerbesten einführt." Darüber hinaus erkennt Schuh in dem Buch "eine klassische Utopie des Subjekts," weil es zeigt, dass man wird, wer man ist, indem "man sich als einer durchsetzt, der gerade wegen seiner Abweichungen vom Konventionellen anerkannt wird."

© Perlentaucher Medien GmbH