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Der Versuch sich dem Grauen zu entziehen Eines Morgens beschließt der sechzehnjährige Gymnasiast auf dem Schulweg spontan, sich seinem bisherigen, verhaßten Leben zu entziehen und sich im Keller, einem Kolonialwarenladen, eine Lehrstelle zu verschaffen. Im Keller, am Rande der Salzburger Scherzhauserfeldsiedlung, dem heruntergekommenen, tristen Wohngetto der Besitzlosen, der Asozialen und Kriminellen, lernt Bernhard all die von der Gesellschaft Ausgestoßenen kennen, verstehen und ergreift Partei für diese verlorenen, verstörten Existenzen.…mehr

Produktbeschreibung
Der Versuch sich dem Grauen zu entziehen
Eines Morgens beschließt der sechzehnjährige Gymnasiast auf dem Schulweg spontan, sich seinem bisherigen, verhaßten Leben zu entziehen und sich im Keller, einem Kolonialwarenladen, eine Lehrstelle zu verschaffen. Im Keller, am Rande der Salzburger Scherzhauserfeldsiedlung, dem heruntergekommenen, tristen Wohngetto der Besitzlosen, der Asozialen und Kriminellen, lernt Bernhard all die von der Gesellschaft Ausgestoßenen kennen, verstehen und ergreift Partei für diese verlorenen, verstörten Existenzen.
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.13960
  • Verlag: DTV
  • Seitenzahl: 143
  • Erscheinungstermin: 1. Februar 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 120mm x 15mm
  • Gewicht: 177g
  • ISBN-13: 9783423139601
  • ISBN-10: 3423139609
  • Artikelnr.: 29747434
Autorenporträt
Bernhard, Thomas
Thomas Bernhard, geboren am 9. Februar 1931, lebte in Ohlsdorf, Oberösterreich. 1951-54 Studium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Salzburg und an der Hochschule für Musik in Wien. Seit 1957 Schriftsteller. Thomas Bernhard starb am 12. Februar 1989 in Gmunden.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.05.2004

Mit Fahrrad und Klarinette, Honig und Milch
Hermann Beil liest im Frankfurter Schauspiel aus Thomas Bernhards Jugenderinnerungen

Ein Glas Milch auf dem Tisch. Ton in Ton mit dem Sommeranzug, in dem sich Hermann Beil im Kleinen Haus des Frankfurter Schauspiels die Ehre gab. Ob da wohl Honig drin war, wie in der Milch, die dem achtjährigen Thomas Bernhard von einer Gastwirtin verabreicht wurde, als er vom Regen durchnäßt hereingestolpert kam? Jedenfalls paßte die inszenierte Stärkung, die Beil verschmähte, zum Thema des Abends: diesem "Kind", dem der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard den fünften und letzten Band seiner Jugenderinnerungen gewidmet hatte. Zum dritten und letzten Mal las der Wiener Dramaturg, Regisseur und Autor, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert Claus Peymann als künstlerischer Ratgeber zur Seite steht, aus den Werken seines Landsmanns - ein brillantes Beiprogramm zu Bosses Bernhard-Inszenierung im Großen Haus.

Eine Parabel eröffnet das Buch, mit dem sich Bernhard 1981 unter dem Titel "Ein Kind" in seine ersten 13 Lebensjahre zurückgeschrieben hatte. Kurz nach dem Einmarsch in Polen muß es gewesen sein, als sich der Junge das Waffenrad seines "eingerückten" und damit "entrückten" Stiefvaters auslieh und nach Salzburg zu Tante Fanny aufbrach, um denen daheim in Traunstein zu beweisen, was für ein Kerl er sei. Leider hatte er die Rechnung ohne die Fahrradkette gemacht: Sie riß, verhedderte sich in den Speichen und warf den Radler kopfüber in den Straßengraben. Wer sein Rad liebt, der schiebt - oder heult, wie der kleine Gernegroß, als sich auf dem langen Heimweg auch noch Gewitterwolken über ihm entleerten.

Was wäre aus ihm geworden ohne die nette Gastwirtin, die beiden Burschen, die ihn nach Hause brachten, und den geliebten Großvater, der über dem kleinkrämerischen Traunstein in Ettendorf thronte wie der liebe Gott. Ein Bauer, der die Kleinbürger verachtete, ein heimlicher Anarchist und potentieller Terrorist, der als höchste Instanz das Bernhardsche Weltbild beherrschte und nun um gut Wetter bei der Mutter bitten sollte, die ihren unehelichen und daher unerwünschten Sohn ohnehin als "scheußliches Kind" empfand. Kaum hatte der Großvater den zerknirschten Enkel mit einem versöhnlichen Händedruck begrüßt, bekam dieser schon wieder Oberwasser: "Meine Mutter war mir nicht gewachsen."

Hinter diesem jäh erwachten Selbstvertrauen stand aber nicht nur der Großvater. Zuerst hatte der Heimkehrer in den frühen Morgenstunden nämlich seinen Freund Schorschi geweckt und ihm die Geschichte seiner Panne als Triumph ausgemalt. Als "dramatisches Kunstwerk", in dessen Mittelpunkt er stets selber stand und das vermutlich mit denselben Superlativen und Hyperbeln gesättigt war, die den Stil des Autors auch sonst kennzeichnen. Beil hat diesen Überlebensritus in beschwörendem Tonfall nachvollzogen, und Haruhi Tanaka unterstützte ihn dabei mit der Klarinette.

CLAUDIA SCHÜLKE

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