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Vom Wagnis, gesehen zu werden.
Ein Roman über einen, der sich gegen den Wandel der Zeiten auflehnt und dabei ins Wanken gerät.
Zwei Tage sind sie hinter Papier versteckt, dann werden die sieben großen Schaufenster feierlich enthüllt - und lassen die Waren des alteingesessenen Quatre Saisons in neuem Glanz erstrahlen. Für diese Momente lebt und arbeitet Schaufensterdekorateur Stettler, und das schon mehrere Jahrzehnte. Nun, mit knapp sechzig, wird ihm überraschend ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt - ein Rivale, ein avisierter Nachfolger, ein Feind!
Stettlers Welt beginnt zu
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Produktbeschreibung
Vom Wagnis, gesehen zu werden.

Ein Roman über einen, der sich gegen den Wandel der Zeiten auflehnt und dabei ins Wanken gerät.

Zwei Tage sind sie hinter Papier versteckt, dann werden die sieben großen Schaufenster feierlich enthüllt - und lassen die Waren des alteingesessenen Quatre Saisons in neuem Glanz erstrahlen. Für diese Momente lebt und arbeitet Schaufensterdekorateur Stettler, und das schon mehrere Jahrzehnte. Nun, mit knapp sechzig, wird ihm überraschend ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt - ein Rivale, ein avisierter Nachfolger, ein Feind!

Stettlers Welt beginnt zu bröckeln. Es ist das Jahr 1968, und es bröckelt auch sonst alles, die jungen Leute tragen Bluejeans und wissen nicht mehr, was sich gehört. Am Münsterturm hängt auf einmal eine Vietcong-Fahne. Stettler ist entsetzt. Immer mehr fühlt er sich bedroht, spioniert dem Rivalen sogar nach, sinnt auf Rache. Es ist auch ein zähes Ringen mit der Zeit und mit dem Alter, bei dem Stettler nur verlieren kann.

Allein mit einer von ihm bewunderten Radiopianistin, Lotte Zerbst, wechselt er Briefe und fühlt sich nicht so verloren. Er hofft sogar auf eine Begegnung ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Galiani-Berlin
  • Artikelnr. des Verlages: 4002473
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: 22. August 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 142mm x 27mm
  • Gewicht: 399g
  • ISBN-13: 9783869711942
  • ISBN-10: 3869711949
  • Artikelnr.: 56046118
Autorenporträt
Sulzer, Alain Claude
Alain Claude Sulzer, 1953 geboren, lebt als freier Schriftsteller in Basel, Berlin und im Elsass. Er hat zahlreiche Romane veröffentlicht, zuletzt die Bestseller »Zur falschen Zeit« (KiWi 1249) und »Aus den Fugen« (KiWi 1360). Seine Bücher sind in alle wichtigen Sprachen übersetzt. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, u.a. den Prix Médicis étranger, den Hermann-Hesse-Preis und den Kulturpreis der Stadt Basel.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Roman Bucheli taucht mit Alain Claude Sulzer ein in bewegte, gnadenlose Zeiten. Zurück ins Jahr 1968 führt ihn der Autor, zu zwei wenig spektakulären Figuren, einer Berliner Radiopianistin und einem Berner Schaufensterdekorateur, die von den Auf- und Umbrüchen der Zeit schlicht überrollt werden, wie der Autor laut Bucheli gewohnt unerschrocken gegenüber Klischees und Redensarten zu vermitteln weiß. Der Clou des Romans ist für den Rezensenten, wie Sulzer den Kippeffekt nutzt, wenn das Vertraute plötzlich fremd wird. Der Leser macht nämlich diese Erfahrung selbst, staunt Bucheli. Das genau ist Sulzers Kunst, findet er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 03.09.2019

Ein Mann alter Schule
Der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer erzählt von einem Schaufensterdekorateur, der von der neuen Zeit überrollt wird
Unser Blick zurück auf die 1968er-Bewegung ist vorwiegend nostalgisch: Zeitzeugen erinnern sich im Jubiläumsdekadenrhythmus wehmütig daran, wie jung sie damals waren. Der Schweizer Alain Claude Sulzer wählt in seinem neuen Roman „Unhaltbare Zustände“ einen anderen Zugang und einen Helden, den ’68 mit voller Wucht erwischt – und zwar von vorne. Für ihn, den Mann alter Schule, ist die ganze Sache verwirrend, unbegreiflich, abstoßend. Die langen Haare, die nackte Haut, die unverschämten Forderungen!
Robert Stettler ist 58. Solange er denken kann, gestaltet er die Schaufenster des „Quatre Saisons“, des größten Warenhauses in Bern. Ein Junggeselle mit festen Gewohnheiten, ohne Verwandtschaft, ohne Freunde, der ganz für seine Arbeit lebt und das Ansehen, das sie genießt. Dann wird ein junger Kollege eingestellt. Dieser Bleicher sei der „frische Wind“, den das Warenhaus brauche, erklärt ihm sein Chef. Tatsächlich machen Bleichers Schaufenster Furore; besonders die Erfindung von „lebenden Bildern“ – Schauspielschüler räkeln sich in der Sommerdekoration – gilt als Revolution des Reklamewesens, große Magazine berichten weltweit.
Stettler ist klar: Er gehört nun zum alten Eisen; in solchen Formulierungen lässt ihn der Autor denken. Er ist ein Konservativer, und das ist auch sein Autor. Alain Claude Sulzer baut gern lange Satzperioden und hängt immer noch einen Relativsatz dran, wenn man den Punkt schon zu sehen meint (oder ersehnt). Er gebraucht Wendungen wie „das Zeitliche segnen“, „dem Vergessen anheimfallen“, Klischees wie die „waschechte Pariserin“ oder bildet Sätze wie „Die Herzen der Anwesenden hatten Feuer gefangen“.
Kurz, Sulzers Prosa klingt, als sei sie vor 1968 geschrieben, vielleicht von einem Autor Jahrgang 1910, wie sein Schaufensterdekorateur. Es ist eine Prosa mit Patina, und sie passt seinem Helden wie der geliebte Mantel, der durch jahrelangen Gebrauch fadenscheinig geworden ist. Sie schreitet im gemächlichen Schritt voran, nur in wenigen Szenen zum Trab beschleunigt. Rhythmus und Vokabular verhalten sich kongenial zum Helden, von dem es heißt, als er schließlich alle Brücken abbricht: „Man würde Stettler nichts nachsagen können.“
Auch Sulzer kann man nichts nachsagen, „Unhaltbare Zustände“ ist die perfekte Rekonstruktion eines Denkens und Fühlens, das wir uns kaum mehr vorstellen können, obwohl gerade mal fünfzig Jahre vergangen sind. Wunderbar getroffen etwa Stettlers Überlegung, ob er beim Erkundungsbesuch in „Amüsierlokalen“ seinen Hut mitnehmen soll (nein, denn dort gibt es sicher keine Hutablage, und an einen Haken hängen möchte er ihn nicht). Oder als er in ein Homolokal gerät, „einen Ort, für den er gar kein Wort hatte“. Wohl aber für die Besucher – es sind „Perverse“.
Sulzer nimmt zu diesem Helden eine geschmeidige Erzählhaltung ein, zwischen taktvoller Beobachtung und dezenter Einfühlung. Glaubhaft die Panik, die ausbricht, als die auf Gewohnheit und Anerkennung gegründete Existenz erschüttert wird. Aggression durchstößt die dünne Schicht Wohlanständigkeit. Die Persönlichkeit zerfällt. Stettler belauert Bleicher, sucht Verfehlungen aufzuspüren, schreibt gar einen anonymen Denunziationsbrief (den er allerdings nicht abschickt) und entschließt sich am Ende, Bleichers Installation zu „schänden“.
Alain Claude Sulzer hat sich auch in früheren Romanen gern in vergangene Verhältnisse versetzt. Er beherrscht das raunende Imperfekt, das mit der Vorgeschichte des Warenhauses und dem Exkurs zu den prächtigen Pariser Vorläufer zum raunenden Plusquamperfekt wird. Wer will, kann die Geschichte als Parabel lesen, als Gleichnis auf den Wandel, der sich Fortschritt nennt und manches Erhaltenswerte unter sich begräbt.
Auch das Warenhaus war einmal eine Neuerung und hat kleine Geschäfte vernichtet. In jenen 1968er-Jahren ist es bereits selber bedroht von den Discountern. Und auch Bleicher, dem Mann, der Werbung zur Kunst erklärt und das Happening ins Schaufenster trägt, ist bewusst, dass solche Effekte zwar knallen, aber auch schnell verpuffen.
„Unhaltbare Zustände“ wäre ein Novellenstoff, wenn Sulzer nicht eine Parallelhandlung eingeführt hätte. Er gibt Stettler eine Seelenverwandte, die Radiopianistin Lotte Zerbst (inspiriert wohl von Maria Bergmann, Rundfunkpianistin beim einstigen Südwestfunk), ein ebenso schüchternes, tugendhaftes, einsames Wesen wie er. Sie wechseln Briefe, hoffen auf eine Begegnung. Damit tut der Autor aber des guten Alten eine Spur zu viel. Freunde sorgfältig gebauter Prosa, historisch informierter Atmosphäre und plausibler Figurenpsychologie, also gut geschriebener Literatur alter Machart, sind indes mit diesem Roman glänzend bedient.
MARTIN EBEL
Alain Claude Sulzer: Unhaltbare Zustände. Roman. Galiani Berlin Verlag, Berlin 2019. 266 S., 22 Euro.
Soll man zum Erkundungsbesuch
in Amüsierlokalen
den Hut mitnehmen?
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.10.2019

Tête-à-Tête ausgeschlossen
Alain Claude Sulzers Roman "Unhaltbare Zustände"

Zu Wut und Verzweiflung hat Stettler allen Grund, muss doch der Schaufensterdekorateur eines Schweizer Kaufhauses - und Protagonist von Alain Claude Sulzers Roman "Unhaltbare Zustände" - hilflos zur Kenntnis nehmen, dass ihm ein jüngerer Kollege vor die Nase gesetzt und sogleich mit der Gestaltung der Weihnachtssaison betraut wird. Und damit nicht genug: Dieser junge Kollege entpuppt sich als veritable Koryphäe. Mit avancierten Skills weiß er die Kundschaft zu betören, seine spektakulären Dekorationen werden flugs zum Thema überregionaler Magazine. Allein die Lichteffekte! Modernste technische Möglichkeiten, die allesamt an Stettler vorübergegangen sind.

Das überrascht wenig, denn der knapp sechzigjährige Dekorationsveteran hat bislang so gut wie alles verpasst. Bis zu deren Tod hat er mit seiner Mutter zusammengewohnt, Stettlers Leben scheint ungefähr das Kolorit des grauen Kittels zu haben, den er während der Arbeit überstreift.

Auch jenseits des Warenhauses stehen die Zeichen auf Wandel: Die Achtundsechziger-Bewegung ist im vollen Gange, Stettler beobachtet die Proteste der nachwachsenden Generation mit ängstlichem Abscheu. Aufmunterung verschafft ihm einzig die sporadische Korrespondenz mit der deutschen Rundfunkpianistin Lotte Zerbst, deren Spiel er nur aus dem Radio kennt - sie ist die zweite Hauptfigur des Romans.

Und während Sulzers Darstellung des gedanklich und biographisch festgefahrenen Dekorateurs - seine Pedanterie und Verklemmtheit, seine immer wieder hervorbrechenden sexuellen Gelüste und Aggressionen - jedes Klischee passgenau erfüllt, sind die Episoden über die Pianistin schlichtweg ärgerlich. Wie der 1953 geborene Schweizer Autor und ehemalige Juror des Ingeborg-Bachmann-Preises hier das geteilte Nachkriegsberlin schildert, das Lotte Zerbst nach langer Zeit wieder einmal besucht, könnte man mit einigem guten Willen noch als bewusst naive Figurenrede verstehen. "Der Schutt war seit langem weggeräumt und in Grunewald zu einem Berg aufgeschüttet worden, auf dem die Amerikaner Abhöranlagen installiert hatten, mit deren Hilfe sie die militärischen Bewegungen des Feindes im Osten verfolgen konnten, darüber hatte sie in einer Illustrierten gelesen." Dass aber ein russischer, körperlich abstoßender, aber selbstredend genialer Klavierlehrer Lotte Zerbst einst als Schülerin annahm - obwohl er Frauen das Klavierspiel grundsätzlich nicht zutraut -, um sie dann regemäßig sexuell zu missbrauchen, mutet wie ein bestenfalls gedankenloses Aufspringen Sulzers auf die MeToo-Debatte an, zumal die Missbrauchsschilderungen auf kaum mehr als billigen Voyeurismus aus scheinen und zugleich bestürzend verdruckst daherkommen, ohne dass der Frauenfigur psychologische Tiefenschärfe zugestanden würde. "Er hatte ihren Kopf festgehalten und etwas Hartes, Gaumiges in ihren Mund geschoben, etwas, von dem sie bis zu diesem Augenblick nicht viel mehr gewusst hatte, als dass es Männern zum Urinieren und zur Fortpflanzung diente."

Lotte Zerbst, die nach eigenem Bekunden das Verdrängen erfolgreich gemeistert hat, fristet fortan ein Dasein, das ähnlich freudlos verläuft wie jenes von Stettler. Dass ihr nun selbst ein anvisiertes Tête-à-Tête mit Herrn Stettler nicht vergönnt sein soll, ist am Ende wohl eher als gnädiges Zugeständnis des Schicksals zu werten, und das nicht allein, weil sich der beruflich abservierte Dekorateur in seinem Furor zum finalen Coup gegen die Dominanz des jungen Kollegen aufschwingt. Die Motivation hierzu bleibt im Vagen, genauso wie der erzählerische Rahmen, in den Sulzer seine Geschichte bettet, wenig zwingend scheint. Aber das sind die geringsten Probleme dieses Romans.

Dass jedem Stereotyp ein Fünkchen Wahrheit innewohnt, ist keine überraschende Einsicht. Sulzer schreibt über gesellschaftspolitische Entwicklungen und damit verknüpfte individuelle Erfahrungen, wie das Herausfallen desjenigen, der mit dem gesellschaftlichen Wandel nicht Schritt halten kann, die symptomatischen Gehalt haben. Leider kommen aber die Figuren im Roman "Unhaltbare Zustände" über bloße Staffage nicht hinaus. Wenn doch wenigstens die Lichteffekte spektakulär wären.

WIEBKE POROMBKA

Alain Claude Sulzer: "Unhaltbare Zustände". Roman.

Galiani Verlag, Berlin 2019. 272 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Sulzers Roman ist gescheit und feinfühlig, präzise in der Sprache und wunderbar erzählt. Ruth von Gunten Schweizer Revue. Die Zeitschrift für Auslandschweizer 20191101