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Ivano Matteoli, Sohn eines KP-Funktionärs, verlässt Anfang der sechziger Jahre sein toskanisches Heimatdorf gen Leningrad. Dort lernt er Bea kennen - Beate Ulbricht, das "erste Staatskind der DDR" und Tochter von Walter Ulbricht. Dies ist der Beginn einer Amour fou zwischen Ost und West, einer Liebe im politischen Geflecht zwischen Paris, Leningrad, Rom, Ost-Berlin und dem erzkatholischen Cigoli.
Die Erzählerin Anni kennt Ivano von Kindesbeinen an. Auf den Dächern der alten Häuser ihres toskanischen Heimatdorfes haben sie beide zusammen gesessen und den Männern beim Bocciaspielen zugesehen.
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Produktbeschreibung
Ivano Matteoli, Sohn eines KP-Funktionärs, verlässt Anfang der sechziger Jahre sein toskanisches Heimatdorf gen Leningrad. Dort lernt er Bea kennen - Beate Ulbricht, das "erste Staatskind der DDR" und Tochter von Walter Ulbricht. Dies ist der Beginn einer Amour fou zwischen Ost und West, einer Liebe im politischen Geflecht zwischen Paris, Leningrad, Rom, Ost-Berlin und dem erzkatholischen Cigoli.

Die Erzählerin Anni kennt Ivano von Kindesbeinen an. Auf den Dächern der alten Häuser ihres toskanischen Heimatdorfes haben sie beide zusammen gesessen und den Männern beim Bocciaspielen zugesehen. Auch, als es sie wegen des Studiums in unterschiedliche Himmelsrichtungen verschlägt - sie nach Paris, ihn nach Leningrad -, verfolgt Anni aus der Distanz Ivanos Liebe zu der Deutschen Beate. Deren Eltern, Walter und Lotte Ulbricht, versuchen die Ehe der beiden zu verhindern. Das gelingt nicht, aber der Preis dafür ist hoch. Ines Geipel ist in ihrem ganz eigenen Ton ein raffinierter und kontrastreicher Roman darüber gelungen, wie das Autoritäre ins intimste Innere des Lebens eindringt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seitenzahl: 197
  • Erscheinungstermin: 5. August 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 131mm x 25mm
  • Gewicht: 318g
  • ISBN-13: 9783608983111
  • ISBN-10: 3608983112
  • Artikelnr.: 48088881
Autorenporträt
Ines Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach ihrem Germanistik-Studium aus Jena nach Westdeutschland und studierte in Darmstadt Philosophie und Soziologie. Bei Klett-Cotta erschien von ihr zuletzt das Sachbuch »Generation Mauer«.
Rezensionen
Besprechung von 26.09.2017
Ruhelos
Ines Geipel erzählt in ihrem Roman „Tochter des Diktators“
die traurige Lebensgeschichte der Beate Ulbricht
VON THOMAS MEDICUS
In Cigoli, einem kleinen Dorf in der Toskana in den Bergen zwischen Pisa und Florenz, explodiert im Juli 1946 eine Bombe. Die dreizehn Jahre alte Rosa kommt bei dem Anschlag ums Leben. Der Schuster Nello Matteoli, Mitglied der Kommunistischen Partei, wird als Tatverdächtiger verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Wer den Tod Rosas zu verantworten hat, wird offiziell nie geklärt. Auch die Leute von Cigoli interessieren sich nicht für den Täter, sie verweigern Auskünfte, schweigen vielsagend. Ein altbundesrepublikanisch sozialisierter Autor hätte, um Licht in dieses düstere Dorfgeheimnis zu bringen, sicherlich zurückgeblickt auf den Zweiten Weltkrieg in der Toskana. Er hätte sich gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass der Krieg im Nachkrieg weiterging, wie zerstörerisch sich deutsche Besatzung, SS-Terror, Kollaboration, wie sich der Bürgerkrieg zwischen Resistenza und italienischen Faschisten auf die Dorfgemeinschaft ausgewirkt haben. Die „Tochter des Diktators“ geht anders vor.
In dem Roman der 1960 in Dresden geborenen Autorin Ines Geipel geht es zwar auch um Vergangenheitsbewältigung, aber nicht um die Vergangenheit des nationalsozialistischen, sondern des DDR-Totalitarismus sowjetischer Prägung. Grund dafür ist die persönliche Betroffenheit der Autorin. Als Leichtathletin der DDR-Nationalmannschaft und eine der schnellsten Sprinterinnen weltweit war Ines Geipel unwissendes Objekt organisierten Staatsdopings. Nach der Wende juristisch als Opfer anerkannt, hat Geipel sich publizistisch mehrfach mit dem Doping der DDR auseinandergesetzt. Das SED-Zwangssystem war ihr buchstäblich in ihren Körper eingeschrieben worden, ihre Strafkolonie waren die Leistungssportzentren des ersten und letzten Arbeiter-und-Bauern-Staates auf deutschem Boden. Kein Wunder, dass es für Geipel bis heute kaum ein anderes Thema gibt als die von der DDR-Diktatur hervorgerufenen Traumata.
Darum geht es auch in ihrer geografisch wie zeitlich weitgespannten ostdeutschen Familienbiografie. Fast alle Personen dieser Geschichte sind authentische zeithistorische Figuren. Ein dokumentarisches Buch ist daraus nicht entstanden, sondern eine literarisch manchmal zu ambitionierte Rekonstruktion, dargeboten aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Anni Paoli. Im Mittelpunkt steht die so bizarre wie erschreckende Lebensgeschichte von Beate Matteoli alias Maria Pestunowa alias Beate Ulbricht. Aus der 1944 in Leipzig geborenen Tochter einer ukrainischen Zwangsarbeiterin wurde, als solle sie den neuen, glücklichen Menschen personifizieren, Beate, die Adoptivtochter von Walter Ulbricht, Vorsitzender des Zentralkomitees der SED von 1949 bis 1971.
Mit dem DDR-System stand die widerspenstige „Staatstochter“ bald auf Kriegsfuß. In der Schule weder linientreu noch folgsam, war sie für ihre Mitschüler das privilegierte Kind des unbeliebten „Satraps“, das gemobbt wurde. Auf Geheiß von Walter Ulbricht und dessen Frau Lotte wurde das Problemkind deshalb nach Leningrad geschickt, dort sollte sie ihr Abitur bestehen und anschließend studieren.
An dieser Stelle kommt Italien folgenschwer und lebensentscheidend ins Spiel. Während des Leningrader Studiums verliebt sich Beate in Ivano Matteoli aus Cigoli, Sohn des kommunistischen Schusters, der des Bombenanschlags verdächtig ist. Als Sohn eines Parteimitglieds genießt Ivano das Privileg, im Paradies der Werktätigen studieren zu dürfen. Die Liebe der beiden in den Zeiten der Sowjetherrschaft hat jedoch keine Chance. Freizügigkeit und Selbstbestimmung werden dem Paar auf Geheiß der obersten Staatsführung verwehrt. Nachdem Walter und Lotte Ulbricht die Eheschließung zunächst brüsk ablehnen, kommt sie unter zwei Bedingungen zustande. Beate muss ihr Studium in Leningrad abbrechen und in Ostberlin als Arbeiterin in die Produktion gehen, Ivano muss zum Zweck optimaler Überwachung ebenfalls in Berlin leben.
Schlussendlich erzwingen die Staatseltern die Scheidung. Zurück bleiben zwei für den Rest ihres Lebens tief unglückliche Menschen. Ihr jeweiliges Ende ist furchtbar. Ivano stirbt unter ungeklärten Umständen in Rom. Beate endet als Alkoholikerin, zwei Jahre nach der Wende wird sie erschlagen in ihrer Wohnung aufgefunden; auch ihr Tod bleibt unaufgeklärt.
Ines Geipel erzählt diese verstörende Geschichte weder linear noch chronologisch. Und anders, als sowohl der Titel als auch der Klappentext versprechen, steht die „Tochter des Diktators“ erzählerisch keineswegs im Mittelpunkt. Eine Zeit lang glaubt man, der Tod des Mädchens Rosa werde aufgeklärt, aber das ist eine den Leser etwas verwirrende falsche Spur, die die Autorin legt. Ambitioniert geht es ihr um sehr viel mehr, um das große Ganze der Weltrevolution nämlich. Die Lebensgeschichte der Tochter des Diktators steht nicht nur gleichnishaft für die Unmenschlichkeit realsozialistischer Lebensbedingungen, sondern auch für die Falschheit kommunistischer Revolutionsversprechen überhaupt. Nicht zuletzt durch ihre Gewalttätigkeit sind diese allesamt grundlegend desavouiert, in der Toskana, in Leningrad und Ostberlin, auch in Paris.
Dort lebt die Ich-Erzählerin Anni, eine Kinder- und Jugendfreundin von Ivano, während des Mai ’68, an dem sie als „Revolutionärin“ aktiv beteiligt ist. Eine Zeit lang sieht es so aus, als sei Paris unter dem Vorzeichen der „Phantasie an die Macht“ die bessere Revolution, aber es bleibt auch hier nur Resignation. Wo auch immer sie stattfinden, die roten Revolutionen hinterlassen nichts als Leid, Schmerz, Tod und Trauer. Auch im Italien der 1970er-Jahre, in dem die Brigate Rosse wüten. In Geipels immerhin die gesamte Nachkriegszeit bis zur Gegenwart umfassendem Abgesang findet auch dieser Terror seinen Platz.
Auf knapp zweihundert Seiten ist das ziemlich viel Holz, weshalb es manchmal erzählerisch ein wenig kursorisch und stilistisch salopp zugeht. Dennoch gelingen stimmungsvolle Szenen immer dann, wenn sich Ivano und Anni über die Jahre hinweg auf der Bank vor der Kirche in Cigoli wiedertreffen. Dieser Ort ist der eigentliche und einzige Ruhepunkt in dieser traurigen Geschichte.
Während des Studiums in
Leningrad verliebt sich Beate
in Ivano Matteoli aus Cigoli
In Paris verspricht die Parole
„Die Phantasie an die Macht!“
eine bessere Revolution
Walter Ulbricht mit Ehefrau Lotte und Tochter Beate (Mitte) in Wandlitz, vermutlich vor 1965.
Foto: Ullstein Bild
Ines Geipel: Tochter des Diktators. Roman. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2017. 198 Seiten, 20 Euro.
E-Book 15,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 28.10.2017
Mit Geschichte zu jonglieren ist riskant

Was ist schiefgegangen mit diesem Roman? Seine Autorin, Ines Geipel, ist eine ebenso gute Schriftstellerin wie Kennerin der DDR - war sie dort doch selbst Spitzensportlerin, ehe sie angesichts der Doping-Praktiken des Regimes in den Westen floh und dort eine Folge exzellenter Bücher publizierte, die literaturwissenschaftlich begannen, dann sich der eigenen Biographie annahmen und auch Romane umfassen, die hochgelobt und viel gelesen wurden. Doch wenn es in dem neuen Werk, "Die Tochter des Diktators", einmal heißt: "Was ich überhaupt nicht konnte, war erzählen. Wenn ich das musste, stand jedes Mal in meinem Kopf ein Jongleur herum, der aberwitzig viele Teller schleuderte. Es war absehbar, dass einer ihm aus der Hand fallen würden", dann trifft das leider genau das Dilemma des Buchs.

Dessen Titel verweist auf die adoptierte Tochter von Walter Ulbricht, des langjährigen Staatsratsvorsitzenden der DDR. Diese 1944 als Kind einer Zwangsarbeiterin geborene Beate heiratete 1963 gegen den Willen ihrer Adoptiveltern einen italienischen Studenten, den sie in Ost-Berlin kennengelernt hatte. Die Ehe war kurz, der Druck des Vaters zu stark, Beate wich vor ihm nach Leningrad aus und kehrte erst nach dem Tod Ulbrichts wieder in die DDR zurück. 1991 wurde sie in ihrer Berliner Wohnung erschlagen aufgefunden; die Umstände blieben ungeklärt.

Was für ein Stoff! Doch all das auf nicht einmal zweihundert Seiten? Wenn es nur so wäre: Ines Geipel entscheidet sich aber, die Geschichte aus italienischer Perspektive zu erzählen, und so gehört der weitaus größere Part dem toskanischen Ort Cigoli und dessen Bewohnern. Viel mehr als ein Romanporträt der DDR in einer ihrer interessantesten und unbekanntesten Phasen - dem Jahrzehnt zwischen Mauerbau und der Ablösung Ulbrichts durch Honecker - ist "Tochter des Diktators" eine italienische Provinzgeschichte, historisch angereichert durch Bombenattentate, Partisanenvergangenheit und der gesellschaftlichen Dialektik aus Katholizismus und Kommunismus, erzählt von einer nunmehr alten Dorfbewohnerin, die auf die Geschehnisse seit ihrer Kindheit zurückblickt.

Die Liaison zwischen Ivano und Beate bricht nach einem Drittel des Buchs wie ein Fremdkörper in die Handlung ein; nie mehr findet sie zu der gerade im Kleinen so beklemmenden Gewalt des Anfangs zurück, weil im Verhalten Beates und ihrer Eltern keine Rätsel sind. Und wenn man dann irgendwo im Buch von einem Sohn liest, "der seit Lichtjahren auf ihren Oberschenkeln prangte", dann waren Autorin und Lektorat auch von allen guten sprachlichen Geistern verlassen.

apl.

Ines Geipel: "Die Tochter des Diktators". Roman.

Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2017.

198 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»"Tochter des Diktators" ist ein intelligentes und sensibles Buch, voll mit originellen Bildern und Vergleichen.« Südkurier, 08.03.2018 »Ines Geipels Roman über die zerstörerische Kraft und die unbarmherzigen Mechanismen totalitärer Systeme präsentiert in seiner künstlerischen Komposition eine harmonische Mischung aus Dokumentation und Poesie.« Peter Mohr, Titel Kulturmagazin, 15.01.2018 »Ines Geipel [ist] eine große Erzählerin, eine, die beides kann: das essayistische, über das tatsächlich Geschehene reflektierende Schreiben, wie in ihren klugen Analysen über Amokläufer ("Der Amok-Komplex") oder in der Besichtigung der eigenen Generation ("Generation Mauer"), aber auch ein schwebendes, freies Erzählen in ganz eigenem Ton.« Christina Bylow, Der Tagesspiegel, 07.01.2018 »Genau das ist Ines Geipels Schreiben: der warme Blick einer Entkommenen auf die Untergegangenen.« Christina Bylow, Der Tagesspiegel, 07.01.2018 »Genau das ist Ines Geipels Schreiben: der warme Blick einer Entkommenen auf die Untergegangenen.« Christina Bylow, Der Tagesspiegel, 07.01.2018 »Frisch wirkt diese Sprache, weil sie nicht zu historisieren versucht, sondern die Geschichte zu uns heran holt, von hier und heute ist [...] Weil sie reich an treffenden Bildern ist, bekommt alles Kraft, Lebendigkeit und Farbe.« Tomas Gärtner, Dresdner Neueste Nachrichten, 1.12.2017 »Ines Geipel webt Wirkliches und Vermutetes zu einer anrührenden Geschichte über eine junge Frau, die nie eine wirkliche Chance im Leben hatte. Mit dieser Geschichte widerfährt ihr vielleicht späte Gerechtigkeit.« Magazin Märkische Lebensart, 12.2017 »Es ist eine verstörende Geschichte, die nicht chronologisch, sondern raffiniert aufgefächert erzählt wird. Eine gleichnishafte Geschichte für Unmenschlichkeit.« Roland Mischke, Sächsische Zeitung, 11.2017 »Ines Geipels Roman über die zerstörerische Kraft und die unbarmherzigen Mechanismen totalitärer Systeme präsentiert in einer künstlerischen Komposition eine harmonische Mischung aus Dokumentation und Poesie.« Peter Mohr, literaturkritik, 11.2017 »Ines Geipel [...] erzählt auf eindrucksvolle Weise von einer Liebe, die den falschen Idealen des realen Sozialismus zum Opfer fiel.« Welf Grombacher, Freie Presse, 03.11.2017 »Ein interessantes Schlaflicht auf ein Stück früher DDR-Geschichte.« Pauline Lindner, medienprofile, 10.2017 »Tatsächlich schafft Ines Geipel etwas Besonderes mit diesem Buch: Sie entwirft ein Zeitbild als einen Lebensraum für ihre Figuren und lässt ihnen ihre eigene Würde.« Cornelia Geissler, Frankfurter Rundschau, 30.08.2017 »Ines Geipels "Tochter des Diktators" ist eine gelungene literarische Erkundung jüngerer politischer Geschichte – und eine bewegende Erinnerung an ein dem Kalten Krieg geopfertes Schicksal.« Jörg Schieke, MDR, 10.2017 »Tochter des Diktators ist ein lesenswertes und gehaltvolles, gleichermaßen intelligentes wie sinnlich-sensibles Buch. « Stuttgarter Zeitung, 15.09.2017…mehr