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Dicke Luft auf der Peninsula: Ein Vergewaltiger in Polizeiuniform treibt sein Unwesen. Eine Reihe von bewaffneten Raubüberfällen hält die Polizei in Atem. Eine gerissene Meisterdiebin spielt Katz und Maus mit den Sergeants. Einsparungen an allen Ecken und Enden drücken die Arbeitsmoral auf dem Revier. Als Hal Challis das alles auch noch einem Zeitungsreporter erzählt, sieht er sich an allen Fronten belagert.…mehr

Produktbeschreibung
Dicke Luft auf der Peninsula: Ein Vergewaltiger in Polizeiuniform treibt sein Unwesen. Eine Reihe von bewaffneten Raubüberfällen hält die Polizei in Atem. Eine gerissene Meisterdiebin spielt Katz und Maus mit den Sergeants. Einsparungen an allen Ecken und Enden drücken die Arbeitsmoral auf dem Revier. Als Hal Challis das alles auch noch einem Zeitungsreporter erzählt, sieht er sich an allen Fronten belagert.
  • Produktdetails
  • Inspector Hal Challis Tl.6
  • Verlag: Unionsverlag
  • Seitenzahl: 347
  • 2018
  • Ausstattung/Bilder: 2018. 352 S. 210 x 133 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 35mm
  • Gewicht: 492g
  • ISBN-13: 9783293005280
  • ISBN-10: 3293005284
  • Best.Nr.: 50282768
Autorenporträt
Garry Disher wurde 1949 im Süden Australiens geboren und wuchs auf einer Farm auf. 1978 erhielt er ein Stipendium für "Creative Writing" an der kalifornischen Stanford University. Nach weiteren Stationen in England, Italien und Afrika widmete er sich mehr und mehr dem Schreiben. Garry Disher lebt mit seiner Familie auf der Mornington-Halbinsel im Süden Australiens
Rezensionen
Besprechung von 05.03.2018
Verbrechen ist auch nur ein Beruf
Nachrichten von der inneren Zerrissenheit Australiens: Garry Disher schickt Inspector Hal Challis in mehrere Fälle

Es gibt Krimis, die frisst man, ohne weiter darüber nachzudenken, einfach weg. Es gibt Krimis, die bleiben wie ein Gefühl, das einen bestimmten Zeitabschnitt auf den Punkt bringt, in der Erinnerung haften. Sie animieren dazu, sich Sätze herauszuschreiben. Bücher dieser Kategorie liefert mit schöner Zuverlässigkeit der 1949 in Australien geborene Schriftsteller Garry Disher - gleichgültig, ob er seinen Berufskriminellen Wyatt auf die Piste schickt oder, wie diesmal wieder, seinen Detective Inspector Hal Challis. "Whispering Death" (2011) hat lange gebraucht, um den Weg ins Deutsche zu finden, aber zum Glück hat sich mit Peter Torberg wieder ein richtig guter Übersetzer der Sache angenommen.

Wir sind auf der Mornington-Halbinsel im Südosten von Melbourne, kleine hübsche Küstenstädte, ein Naherholungsgebiet für die Großstädter, Weinanbau, Gastronomie, protzige Neubauten von Neureichen in der Nachbarschaft von armseligen Behausungen abgehängter Provinzler. Soziale Spannungen sind an der Tagesordnung, soeben treibt ein Sprayer sein Unwesen und verunziert Einfahrtstore mit Sprüchen wie "Hier wohnt ein Proll mit Geld" oder "Penisprothese".

Ob die Aufklärung dieser Kommentare wirklich Polizeigeschäft ist, fragt sich nicht nur Detective Constable Pam Murphy. Aber wie stets bei Disher gibt es keinen Mangel an übleren Verbrechen, die der Lösung bedürfen. Da ist die junge nackte Frau, die mit Mühe ihrem Vergewaltiger entkommen ist, der in Polizeiuniform auftritt; da ist die Meistereinbrecherin, die Villen ausräumt und die selbst von ihrem wegen Korruption aus dem Polizeidienst entlassenen Ziehvater gejagt wird; da ist der Hehler, der im illegalen Kunsthandel Schiffbruch erleidet, und da ist schließlich der Bankräuber, der mit abgesägter Schrotflinte durch den Bundesstaat zieht.

Für die Herstellung von Recht und Ordnung soll das Personal der Waterloo Police sorgen, dem fiktiven Hauptort des Romans (der dem realen Ort Hastings nachempfunden ist), den die Leser der mittlerweile sieben (davon sechs übersetzten) Bände der Hal-Challis-Reihe gut kennen. Auf Ellen Destry, Challis' Freundin, müssen sie diesmal verzichten, sie ist zur Fortbildung in Europa und soll nach ihrer Wiederkunft eine Einheit zur Aufklärung von Sexualverbrechen leiten. Selbst wenn man einräumt, dass "Leiser Tod" nicht ganz an den zuletzt als Einzeltitel erschienenen Roman "Bitter Wash Road" (F.A.Z. vom 29. Februar 2016) heranreicht, erstaunt doch, auf welch konstant hohem Niveau Disher schreibt, wie viel Sorgfalt er Atmosphäre, Schauplatz und Wetter widmet: "Hier, fern der Touristen, fehlte jeder Seeufercharme. Die Häuser waren blasse Ziegelbauten aus den Siebzigern, schweigend, enttäuscht, so als schämten sie sich für die Männer, die sie entworfen hatten."

Der Autor kennt seine Landschaft, er kennt ihre Bewohner. Der Stoff, der mit etwas Streckung für einen Mehrteiler im Fernsehen hinreichen würde, wird gleichsam lasiert, in vielen dünnen Schichten übereinander aufgetragen. Da gibt es eben nicht den einen Fall, dem alles untergeordnet wird, es sind immer mehrere offene Flanken, an denen gleichzeitig gearbeitet wird. Hinzu kommt der Blick ins Privatleben der Ermittler, in ihre Sorgen und Anfechtungen, aber auch er ist nur eine weitere Farbschicht. Denn im Zentrum dieses Sittengemäldes steht ganz klassisch die Polizeiarbeit, die mühsame, schematische Routine bei Ermittlungen, Befragungen, Telefonaten, Ortsterminen, Vorladungen - Teamarbeit, in der jeder seinen Beitrag zum Lösungpuzzle beiträgt. Polizeilicher Alltag, der unter ökonomischen Zwängen knapper Etats und ständiger Unterbesetzung leidet. Als Challis das einem Reporter gegenüber zu Protokoll gibt, zieht er sich den Zorn seiner Vorgesetzten zu, ohne dass ihn das sonderlich interessieren würde.

Er fühlt sich ausschließlich seinem Job verpflichtet, und in dem hat er es mit ganz normalen Verbrechern zu tun, die getrieben werden von Geldgier, Rachsucht, Niedertracht - und manchmal von Schatten ihrer Vergangenheit, die sie selbst nicht verstehen. Wie etwa jene dubiosen aus Russland stammenden Kunsthändler, deren Familiengeschichte in den Wirren nach der Oktoberrevolution fußt und bis in die Gegenwart verbrecherische Früchte trägt. Manche dieser Erzählstränge berühren sich, stoßen einander ab, andere verknoten sich, so wie jener der cleveren Einbrecherin, der Disher eine Geiselnahme durch den Bankräuber verordnet.

Da Garry Disher den Blick des zeitunglesenden Soziologen mit der Phantasie des Geschichtenerzählers verbindet, ist auch "Leiser Tod" viel mehr als ein reines Polizeidrama (police procedural). Der Roman zielt auf den Zustand einer Gesellschaft, auf ihre innere Verfasstheit. Dort findet er so viel Reibungshitze, dass es an allen Ecken und Enden jederzeit zu brennen beginnen kann. Soeben hat "Leiser Tod" den ersten Platz der KrimiBestenliste aus dem Stand erobert.

HANNES HINTERMEIER

Garry Disher: "Leiser Tod". Kriminalroman.

Aus dem Englischen von Peter Torberg.

Unionsverlag, Zürich 2018. 347 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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