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Simon Marius und seine Forschung
Führen wir nicht mehr

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Der markgräfliche Hofastronom Simon Marius war Anfang des 17. Jahrhunderts einer der ersten, der Beobachtungen mit dem eben erfundenen Teleskop durchführte. Er entdeckte gleichzeitig mit Galileo Galilei die Jupitermonde, was aber erst drei Jahrhunderte später anerkannt wurde. Seine Forschungen an Kometen, Sonnenflecken, Jupitermonden und Venusphasen ließen ihn das ptolemäische Weltsystem überwinden und führten ihn zum tychonischen Weltsystem. Den letzten Schritt zum Heliozentrismus wollte er nicht gehen, doch hatte er dafür empirische Gründe aus dem Blick seiner Zeit. Die Astronomiegeschichte…mehr

Produktbeschreibung
Der markgräfliche Hofastronom Simon Marius war Anfang des 17. Jahrhunderts einer der ersten, der Beobachtungen mit dem eben erfundenen Teleskop durchführte. Er entdeckte gleichzeitig mit Galileo Galilei die Jupitermonde, was aber erst drei Jahrhunderte später anerkannt wurde. Seine Forschungen an Kometen, Sonnenflecken, Jupitermonden und Venusphasen ließen ihn das ptolemäische Weltsystem überwinden und führten ihn zum tychonischen Weltsystem. Den letzten Schritt zum Heliozentrismus wollte er nicht gehen, doch hatte er dafür empirische Gründe aus dem Blick seiner Zeit.
Die Astronomiegeschichte hat Marius lange Zeit vernachlässigt. Die in diesem Band anlässlich einer Tagung zusammengetragenen Aufsätze zeigen dagegen, dass ihn das Ringen um das richtige Weltbild besonders interessant macht. Sie geben den aktuellen Forschungsstand wieder, präzisieren seine Biografie und stellen Marius auch als Kalendermacher vor.
  • Produktdetails
  • Acta Historica Astronomiae Bd.57
  • Verlag: Akademische Verlagsanstalt (Ava), Leipzig
  • Seitenzahl: 481
  • Erscheinungstermin: 27. Oktober 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 148mm x 26mm
  • Gewicht: 632g
  • ISBN-13: 9783944913490
  • ISBN-10: 3944913493
  • Artikelnr.: 45820871
Autorenporträt
Gaab, Hans
Hans Gaab, geb. 1956, ist Lehrer für Mathematik und Physik in Nürnberg. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der lokalen Astronomiegeschichte, für die er eine Reihe von Arbeiten vorgelegt hat und 2006 von der Nürnberger Astronomischen Gesellschaft die Medaille "Bene Merenti de Astronomia Norimbergensi" in Silber erhalten hat. 2010 promovierte er mit einer Arbeit zum Altdorfer Hochschuldozenten Abdias Trew (1597-1669). Hans Gaab ist Vizepräsident der Simon Marius Gesellschaft.

Leich, Pierre
Pierre Leich, Jahrgang 1960, arbeitet freiberuflich in Wissenschaftskommunikation und Astronomiegeschichte. Seit 2003 ist er Projektleiter der Langen Nacht der Wissenschaften in Nürnberg/Fürth/Erlangen und für den Wissenschaftstag der Metropolregion Nürnberg tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich im Cauchy-Forum-Nürnberg, in der Nürnberger Astronomischen Gesellschaft und für das Planetarium der Stadt. Seit 2014 ist er Herausgeber des Marius-Portals und Präsident der Simon Marius Gesellschaft.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 17.01.2017

Simon Marius war präziser als Galilei

Es war 1608 auf der Frankfurter Herbstmesse, wo Hans Philipp Fuchs von Bimbach, der damals einflussreichste Beamte des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg-Ansbach in Franken, auf einen "Belgier" traf, der ihm eine neue Erfindung vorstellte: ein Teleskop. Bimbach berichtete davon dem Hofastronomen des Herzogs Simon Marius (Simon Mayr), dessen Gönner er war, und sorgte dafür, dass dieser ein eigenes Fernrohr bekam. Eine der Folgen: Ende 1609 entdeckte Marius, dass der Jupiter von Trabanten umkreist wird, was er aber erst 1614 in seiner Schrift "Mundus Iovialis" publizierte. Galilei hat eine entsprechende Entdeckung bereits 1610 in seinem "Sidereus Nuncius" veröffentlicht. Eitel, wie er war, denunzierte er Marius damals erfolgreich als Plagiator, woraufhin der zu Unrecht in Vergessenheit geriet.

Tatsächlich hat Galilei seine erste Beobachtung von Jupitermonden am 7. Januar 1610 (im gregorianischen Kalender) notiert, einen Tag vor Marius. Denn dessen älteste Aufzeichnung stammt vom 29. Dezember 1609 - im julianischen Kalender. Marius reklamierte aber für sich, die Monde schon früher gesehen, bloß nicht in Notizen festgehalten zu haben. Erst im Jahr 1903 zeigte sich, dass Marius auf jeden Fall kein Plagiator war: Seine Daten im "Mundus Iovialis" - 1988 erstmals als "Die Welt des Jupiter" in deutscher Sprache erschienen - sind viel präziser als jene Galileis. Auch seine Beobachtungen von Sonnenflecken und des Andromedanebels waren exzellent. Zu weiteren Themen von Marius gehörten die Kalenderreform und Kometen.

Ironie des Schicksals: Die heutigen Namen der hellsten - der Galileischen - Jupitermonde (Io, Europa, Ganymed und Kallisto) stammen aus der Schrift "Mundus Iovialis" von Marius. Deren 400. Jubiläum wurde im Jahr 2014 zu einer Tagung in Nürnberg genutzt, auf der der fränkische Hofastronom und seine Zeit ausführlich behandelt wurden. Die Vorträge, die auch außerordentlich interessante Randthemen wie die Frankfurter Messe zur damaligen Zeit behandelten, sind jetzt in einem lesenswerten Sammelband erschienen.

G.P.

Hans Gaab und Pierre Leich (Hrsg.): "Simon Marius und seine Forschung". Acta Historica Astronomiae Vol. 57.

Akademische Verlagsanstalt, Leipzig 2016. 481 S., br., 34,- [Euro].

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