Die Schönen im Kino - Koebner, Thomas

36,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Broschiertes Buch

Jetzt bewerten

Was ist das Schöne, wer sind die Schönen - zumal im Kino? Fragen, deren Antworten nicht auf der Hand liegen. Immerhin ist die Zeit allmählich reif für einen Paradigmenwechsel in der ästhetischen Betrachtung des Films: Weg von einer klassisch geprägten Auffassung, dass das Schöne mit interesselosem Wohlgefallen zu tun habe. Vielmehr müssen wir uns eingestehen, dass wir die Schönen - weibliche wie männliche Projektionen - mit Interesse besetzen und mit Begehren verfolgen. So ergibt sich ein Paradox von Nähe und Ferne: Oft ziehen die Schönen ihre Betrachter gleichsam magisch an, bis diese ihnen…mehr

Produktbeschreibung
Was ist das Schöne, wer sind die Schönen - zumal im Kino? Fragen, deren Antworten nicht auf der Hand liegen. Immerhin ist die Zeit allmählich reif für einen Paradigmenwechsel in der ästhetischen Betrachtung des Films: Weg von einer klassisch geprägten Auffassung, dass das Schöne mit interesselosem Wohlgefallen zu tun habe. Vielmehr müssen wir uns eingestehen, dass wir die Schönen - weibliche wie männliche Projektionen - mit Interesse besetzen und mit Begehren verfolgen. So ergibt sich ein Paradox von Nähe und Ferne: Oft ziehen die Schönen ihre Betrachter gleichsam magisch an, bis diese ihnen förmlich mit allen Sinnen ergeben sind, bisweilen fordert die als schön "ausgezeichnete" Person aber auch eine Art Ehrfurchtsabstand ein. Das gilt auch für das Verhältnis zu den Schönen im Kino.
Es ist verlockend, sich bei dieser kniffligen Angelegenheit auf eine Vielzahl einzelner Fälle einzulassen. So ist mit diesem Buch eine Geschichte der Schönen, der zu "Ikonen" erhobenen oder stilisierten Schauspielerinnen und Schauspieler im Film, zustande gekommen; diese orientiert sich an ausgewählten Exempeln und Modellen - von Asta Nielsen bis zu Juliette Binoche, von Max Linder bis zu Johnny Depp. Manches Leinwandgesicht aus den 1920er Jahren, das damals für schön und anziehend erklärt wurde, wirkt heute merkwürdig altmodisch, wenn nicht sogar sonderbar skurril. Was als schön gilt, ist relativ. Es gibt viele Variablen bei der Anschauung von menschlicher Schönheit - Rückblicke auf die Kunstgeschichte und die Geschichte der Fotografie sollen bei der Überlegung "Was ist das Schöne, wer sind die Schönen?" helfen. Dabei stellt man auch fest, dass es Merkmale des Schönen zu geben scheint, die überzeitliche Geltung beanspruchen. Ewige Schönheit - eine Illusion? Unterscheidet sich der Körper einer antiken Aphrodite- Skulptur, vom Publikum seinerzeit bewundert, von dem einer jungen Schauspielerin aus einem Film der 1990er Jahren? Bei genauerer Betrachtung ergibt sich eine "Typologie des Schönen", die sich nicht nur kurz- und langfristig verändert, von Epoche zu Epoche, sondern auch unterschiedlichen Kulturmustern unterworfen ist. Schließlich: Wer über das Schöne spricht, darf das Hässliche nicht meiden. Also wird auch der "Entwicklungsgeschichte des Hässlichen" im Kino oder dessen, was dafür gilt, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Text Und Kritik
  • Seitenzahl: 268
  • Erscheinungstermin: April 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 220mm x 20mm
  • Gewicht: 796g
  • ISBN-13: 9783869161334
  • ISBN-10: 3869161337
  • Artikelnr.: 33391875
Autorenporträt
Koebner, Thomas
Thomas Koebner, geb. 1941, em. Professor für Filmwissenschaft an der Universität Mainz. Davor Musikkritiker in München, Professor für Germanistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Gesamthochschule Wuppertal, Professor für Neuere deutsche Literatur (Schwerpunkt: Medienwissenschaft) an der Universität Marburg, Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, zum Musiktheater, zur Filmgeschichte und zum Fernsehfilm.

Liptay, Fabienne
Fabienne Liptay, geb. 1974; Studium der Filmwissenschaft, Anglistik und Theaterwissenschaft an der Universität Mainz. 2002 Promotion im Fach Filmwissenschaft mit einer Studie zum Märchenfilm. 2002-2007 Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Filmwissenschaft an der Universität Mainz. Seit 2007 Juniorprofessorin für Filmgeschichte an der LMU München.
Rezensionen
Besprechung von 11.10.2012
Die Schönsten

Das Titelbild, das eine Einstellung aus Kubricks "Eyes Wide Shut" mit Nicole Kidman zeigt, führt in die Irre. Denn "Die Schönen im Kino" sind für Thomas Koebner, der bis 2007 Professor für Filmwissenschaft in Mainz war, eben auch Männer - von Humphrey Bogart und Charlie Chaplin bis Jean Gabin und John Wayne.

Und auch der Schönheitsbegriff wird bei Koebner durchaus elastisch gehandhabt, so etwa, wenn er Harrison Ford als "Mann, der nach nichts Besonderem aussieht", klassifiziert und an Jack Nicholson die wölfische "Natur-Maske" mit den gesträubten Brauen, dem aggressiven Grinsen und den kalt strahlenden Augen hervorhebt. Koebners Buch ist aus einer Vorlesung entstanden, die transkribiert und überarbeitet wurde; das merkt man dem Band an, manchmal zu seinem Schaden - die vielen Querverweise und Wiederholungen -, manchmal zu seinem Vorteil. Denn die assoziative Ordnung, die etwa Marcello Mastroianni hinter Alain Delon und Horst Buchholz direkt hinter Adolf Wohlbrück stellt, eröffnet gerade durch ihre Willkür ungewohnte Perspektiven auf das Schöne im Film.

Zum universitären Hintergrund gehört auch der lange Vor- und Nachspann, der mit ethnologisch und anthropologisch aufgerüsteten Betrachtungen zum Schönheitsideal der klassischen Kunst und der industriellen Moderne einen Bildungshorizont aufreißt, den das Buch eigentlich gar nicht braucht. Und schließlich muss man sich über manche Urteile und Patzer Koebners wundern, so wenn er Johnny Depp als Kreuzung zwischen Dionysos und Adonis ("unter dem Aspekt des Körpers") beschreibt oder den Starruhm von Michelle Pfeiffer mit Stephen Frears' "Gefährliche Liebschaften" beginnen lässt (statt mit Brian De Palmas "Scarface").

Aber das alles schmälert den Reiz dieses Bandes kaum. Wie Koebners im letzten Jahr erschienene Monographie über Fellini muss man auch das neue Buch kaleidoskopisch lesen, als Wundertüte einer Kinobegeisterung, die immer wieder überraschende Einsichten produziert. Etwa über Richard Gere, dessen Gesicht Koebner aus der Spannung zwischen dem vollen, sinnlichen Mund und den schlitzartig zurückgezogenen Augen heraus deutet: "Sie lässt den Sog verstehen, der für Frauen von diesem halb verheißungsvollen, halb geheimnisvollen Signalement ausgeht." Zum Weiterdenken empfohlen.

kil.

Thomas Koebner: "Die Schönen im Kino".

edition text + kritik; Richard Boorberg Verlag, München 2012, 268 S., Abb., br., 36,– [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Thomas Koebners Buch "Die Schönen im Kino" ist einem universitären Umfeld entwachsen, und das merkt man, findet Rezensent Andreas Kilb. Das mache das Buch aber nicht weniger lesenswert, die "assoziative Ordnung" (die noch aus Koebners Vorlesung stamme) wirke sich sogar vorteilhaft aus. Erfreut bemerkt der Rezensent auch, dass mit "die Schönen" nicht nur Frauen gemeint sind, Humphrey Bogart finde sich darin genauso wie Michelle Pfeiffer. Das ausführlichere Vor- und Nachwort mit "ethnologisch und anthropologisch aufgerüsteten Betrachtungen" sei aber unnötiger akademischer Ballast. Unnötig, weil das Buch schon ohne sie als "Wundertüte einer Kinogebgeisterung" funktioniere, meint Kilb.

© Perlentaucher Medien GmbH