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2 Kundenbewertungen

Als Junge träumte Ibn Fattuma davon, es den großen Reisenden gleichzutun und die ganze Welt zu erforschen. Den erwachsen gewordenen Ibn Fattuma treiben schließlich nicht die Abenteuer- und Entdeckerlust in die Welt hinaus, sondern Liebeskummer. Er schließt sich einer Handelskarawane an und hofft, auf dem langen Weg durch die Wüste seine Enttäuschung zu vergessen. Doch die Reise durch fremde, heidnische Länder mit ihren unbekannten Sitten und Gebräuchen wird immer mehr zu einer Begegnung mit sich selbst und führt ihn zu den Grundfragen des Seins.
Nagib Machfus nimmt uns in diesem
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Produktbeschreibung
Als Junge träumte Ibn Fattuma davon, es den großen Reisenden gleichzutun und die ganze Welt zu erforschen. Den erwachsen gewordenen Ibn Fattuma treiben schließlich nicht die Abenteuer- und Entdeckerlust in die Welt hinaus, sondern Liebeskummer. Er schließt sich einer Handelskarawane an und hofft, auf dem langen Weg durch die Wüste seine Enttäuschung zu vergessen. Doch die Reise durch fremde, heidnische Länder mit ihren unbekannten Sitten und Gebräuchen wird immer mehr zu einer Begegnung mit sich selbst und führt ihn zu den Grundfragen des Seins.

Nagib Machfus nimmt uns in diesem märchenhaften Roman mit in ferne, vergangene Welten, die erstaunlich gegenwärtig sind - und er zeigt uns, wie absurd es ist, in einer Ideologie sein Glück zu suchen.
Autorenporträt
Nagib Machfus, geboren 1911 in Kairo, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart und gilt als der eigentliche »Vater des ägyptischen Romans«. Sein Lebenswerk umfasst mehr als vierzig Romane, Kurzgeschichten und Novellen. 1988 erhielt er als bisher einziger arabischer Autor den Nobelpreis für Literatur. Nagib Machfus starb 2006 im Alter von 94 Jahren in Kairo. Dokumente und Stimmen zum Tod von Nagib Machfus finden Sie hier.
Rezensionen
»Selbst wenn Machfus mit dem bereits 1983 auf arabisch erschienenen, gerade heute aktuellen und lesenswerten Buch vor allem ein politisches Märchen geschrieben hat, so ist 'Die Reise des Ibn Fattuma' gleichzeitig eine Reise zu sich selbst. Das Politische ist darin immer auch privat, und das Private immer auch politisch.« Joel Fokke Neues Deutschland

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Hochgelobt wird das "pädagogische Zartgefühl" und der "Mut zur Bescheidenheit", mit denen Nagib Machfus in seinem allegorischen Roman "Die Reise des Ibn Fattuma" auf die sogenannte "arabische Misere" (sprich die Wertekonflikte in der arabischen Welt) antwortet. Wie Rezensent Ludwig Ammann erzählt, bereist Machfus' Protagonist Ibn Fattuma die Hauptstädte von "vier Ländern, deren Gesellschaften auf jeweils einem Grundsatz fußen: Freiheit, Gleichheit, Zwang und Lust". Besonders das erste und das vierte Land haben den Rezensenten aufhorchen lassen, denn im ersten Land regieren Lust, "Nacktheit und entfesselte Sexualität". Was den "braven Muslim" zunächst erschrecke, erkenne er schließlich als Alternative an. Das vierte Land, das "Land der Freiheit", in dem "alle die gleichen Rechte genießen", gefalle Ibn Fattuma trotz seiner (klarsichtig dargestellten) Schattenseiten so gut, dass sein "verdutztes Lob" den westlichen Leser geradezu entzücken muss. Mit "Die Reise des Ibn Fattuma", so das lobende Fazit einer sehr wohlwollenden Besprechung, erklärt Machfus rücksichtsvoll, "welche Vorzüge ein bewusst liberaler, verinnerlichter, an der Minderheitenerfahrung gereifter Islam haben könnte", und dabei gelingt ihm eine "bewusst niederschwellig gehaltene Weisheitsliteratur, die weniger gebildete Leser nicht ausschließt vom großen geistigen Abenteuer des Romans", schreibt Ammann.

© Perlentaucher Medien GmbH
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.10.2004

Suche das Wissen, und sei es in China
Reise durch die Utopien: Nagib Machfus zieht es ins Reich der inneren Werte / Von Stefan Weidner

Wer schreibt heute noch politische Allegorien, Texte wie Morus' "Utopia" oder Montesquieus "Perserbriefe"? Dieses Genre ist ausgestorben, wahrscheinlich aus dem simplen und erstaunlichen Grund, daß wir die Staatsform, in der wir leben, für die beste der möglichen halten. Einen anderen, neuen Blick auf politische Systeme werden wir hierzulande nicht gewinnen. Wir müssen schon literarisch auswandern. Zum Beispiel nach Ägypten zu Nagib Machfus. Sein neuer Roman ist eine als Reiseerzählung verkappte politische Allegorie, die mit allen Selbstverständlichkeiten Schluß macht - also auch mit unseren eigenen.

Dabei ist der Roman gar nicht neu. Im Original erschien er 1983. Daß das Buch heute aktueller erscheint denn je, verdankt sich der phantastischen schriftstellerischen Weisheit seines Autors. Welcher andere Schriftsteller kann schon so viel auf einfache Weise sagen und dabei zugleich von einer unauslotbaren, erschreckenden Tiefe sein? Ibn Fattuma, der Held und Erzähler dieses Buchs, ist ein Nachfahre von Ibn Battuta (1304 bis 1368), dem berühmten arabischen Reiseschriftsteller, der getreu dem vielzitierten Ausspruch des Propheten Mohammed "Suche das Wissen, und sei es in China" die islamische Welt des Mittelalters bereiste und bis nach China gelangte. Nagib Machfus hingegen erweist sich sowohl als ein Nachfahre der mystischen Epik als auch von Al-Farabi (870 bis 950), dem arabischen politischen Denker, der in einigen Schriften nach Platos Vorbild die verschiedensten Idealgesellschaften entwirft.

Ibn Fattuma ist zwar nicht radikal, doch von der Überlegenheit und ultimativen Gerechtigkeit des Islam überzeugt. Aber was nützt die schönste und beste Staatsform, wenn sie nicht gerecht angewendet wird? Der Kammerherr des Sultans hat sich in seine Verlobte verguckt und zwingt den Vater des Mädchens, sie mit ihm zu verheiraten. Ibn Fattuma wird mit der despotischen Wirklichkeit des Islam konfrontiert und begibt sich, inspiriert von den Erzählungen seines Hauslehrers über das sagenhafte Gaballand, auf Reisen. Kurz bevor er es erreicht, brechen seine Aufzeichnungen ab: Wir müssen uns sein Ziel selbst ausmalen.

Das erste Land, das Ibn Fattuma kennenlernt, ist das Maschrikland. Wie der arabische Name sagt, liegt es irgendwo im Osten. Es ist eine primitive Feudalgesellschaft, die den Mond anbetet und sich an Vollmondnächten für Orgien zu Ehren des Gottes versammelt. Zwar ist der größte Teil der Bevölkerung verarmt, aber solange sie sich nicht gegen die fünf adligen Herrscher auflehnen, genießen sie alle möglichen Freiheiten. Zum Beispiel haben die Bewohner des Maschriklandes keine sehr entwickelten moralischen Vorstellungen, was den moralstrengen Muslim Ibn Fattuma in eine Mischung aus Empörung und Faszination stürzt. Aufklärung sucht er bei einem der Weisen des Maschriklandes. Dieser erläutert ihm mit schockierender Offenheit, daß die freie Liebe die bessere Lösung ist, denn die Maschrikbewohner sehen das Leben als Spiel. Als fröhliche Nihilisten entgegnen sie auf Ibn Fattumas Erklärung, daß Allah "über dem sinnlichen Begreifen" steht: "Dann ist er also ein Nichts." Im Zweifelsfall entblößt Machfus lieber seinen Ich-Erzähler Ibn Fattuma als dessen heidnische Gesprächspartner. Dadurch erhält das Buch eine intellektuelle Offenheit, die in der von ideologischen Grabenkämpfen zerfurchten arabischen Literatur der Gegenwart singulär dasteht.

Ibn Fattuma heiratet Arusa, die blutjunge Tochter eines einfachen Händlers auf dem Markt, die sich ihm bereits nach einem kurzen Wortwechsel hingibt; zu Ibn Fattumas Empörung fördert ihr Vater sogar noch das Stelldichein. Nun möchte er mit seiner Braut ins Islamland zurückkehren. Ohne erhobenen Zeigefinger inszeniert Machfus hier eine archetypische Situation, die zahlreichen Muslimen, die zum Studium in den Westen kommen, vertraut sein dürfte. Arusa willigt unter der Bedingung ein, daß beide noch eine Weile im Maschrikland bleiben und daß Arusa, wenn es ihr im Islamland nicht gefällt, jederzeit zurückkehren kann.

Sie bekommen ein Kind, und da Ibn Fattuma seinen Sohn islamisch erzieht, erweckt er das Mißtrauen der Behörden. Er wird ausgewiesen und nimmt die Karawane zu seiner nächsten Reisestation, dem Hairaland, wo der König zugleich als Gott verehrt wird. Das Hairaland ist, wie der arabische Name sagt, das Land der Verirrung, und in den folgenden politischen Wirren wird Ibn Fattuma verleumdet und eingekerkert, bis ein Staatsstreich einen neuen Gott-König an die Macht bringt und alle politischen Häftlinge entlassen werden. Darauf zieht er weiter ins Halba- und dann ins Amanland, immer auf der Suche nach seinem eigentlichen Ziel, dem Gaballand.

Wüßte man nicht, daß das Buch Anfang der achtziger Jahre geschrieben wurde, man müßte die Schilderung des Halbalandes (das Land der "Kampfarena"; ärgerlicherweise wird keiner der sprechenden arabischen Namen erläutert) für die Welt von heute halten - zumal, wenn sie mit den weit aufgerissenen Augen eines staunenden Muslims gesehen wird. Das Halbaland ist eine liberale, kapitalistische Demokratie, und es dürfte gerade westlichen Lesern schwerfallen, dieses Land nicht tatsächlich für das ideale zu halten. Hier leben ebenfalls einige Muslime, aber sie gehen entspannter mit der Scharia um, als Ibn Fattuma das von seinen Landsleuten im Islamland gewohnt ist. Sie nehmen zum Beispiel an Demonstrationen für die Gleichberechtigung von Homosexuellen teil und schrecken nicht einmal davor zurück, sich zur Homosexualität zu bekennen.

Indem er auch hier nicht verurteilt, wagt Machfus das Äußerste. In der Reaktion seines Helden auf diese Homosexualität antizipiert er das Entsetzen seiner arabischen Leser. Und macht doch durch die Figurenrede klar, daß er sich nicht nur weigert, mit Ibn Fattuma die homosexuellen Muslime zu verurteilen, sondern daß er zudem durch seine objektive Darstellung ein stillschweigendes Plazet gibt. Ja, auch Nagib Machfus ist ein solcher Liberaler, wie es die Bewohner des Halbalandes sind und wie wohl auch der Islam denkbar wäre: Männer beten gemeinsam mit Frauen, essen sogar zusammen mit ihnen, Wein darf getrunken werden, solange man sich nicht betrinkt, und im Verhältnis zu den anderen Religion herrscht größtmögliche Toleranz. Selbst Ibn Fattuma fügt sich nach einigem Widerstreben ein, heiratet eine der Halbaland-Musliminnen, wird erfolgreicher Geschäftsmann - und reist dann doch auf der Suche nach dem Gaballand, dem "Bergland", weiter.

Einen entscheidenden Nachteil hat nämlich auch das Halbaland. Es meint, seine Freiheiten allen anderen Völkern aufoktroyieren zu müssen. Dagegen versinnbildlicht das Amanland (das Land der "Sicherheiten"), das der Leser nun vorgeführt bekommt, den real existierenden Sozialismus, in welchem jede Individualität ausgemerzt und alles verplant ist. Zu gerne hätte man gewußt, wie diese Gesellschaftsparabel in der DDR aufgenommen worden wäre, wo immerhin - 1979 - der erste Roman von Machfus in deutscher Übersetzung erschien. Ibn Fattuma jedenfalls weiß, was er davon zu halten hat, und zieht weiter. Vom Gaballand trennt ihn nur noch das nicht minder rätselhafte Ghurubland, das "Sonnenuntergangsland". Hier gibt es überhaupt keine Ordnung, die Leute leben von dem, was ihnen die Natur spendet, und verbringen ihre Zeit damit, unter der stillen Anleitung von Gurus zu meditieren, immer zur Vorbereitung auf die Reise ins Gaballand, denn dort "beruft man sich auf innere Schätze und legt auf körperliche Vorzüge keinen Wert".

Das ist, so wie es da steht, nicht weniger als die Summe von Nagib Machfus' Ethik. Es ist eine Ethik, die in der islamischen Mystik wurzelt. Sie erlaubt es, das Gesetz, die Scharia, nach dem Sinn und nicht allein nach dem Buchstaben auszulegen. Jedes Streben hingegen, das versucht, die Welt nach äußerlichen Kriterien zu ordnen, gilt als eitel und fehleranfällig. Die Frage nach politischen Systemen und nach Gesetzen ist, so wäre Machfus zu interpretieren, falsch gestellt, sie lenkt vom Eigentlichen ab.

Indem Machfus diesen pseudosufischen Roman über den Weg vom Äußeren zum Inneren, von der Welt zu Gott geschrieben hat, hat er auf zeitgenössische Weise eines der großartigsten Genres der mittelalterlichen islamischen Literatur wiederbelebt, das Epos von der Reise zur mystischen Erkenntnis, wie es sich mustergültig bei den persischen Epikern Nizami und Attar findet, wo die Reise durch die Welt auch immer eine ins eigene Innere ist. Dort aber haust niemand anderes als Gott. Das freilich sagt Machfus so nicht. Die beleseneren unter seinen muslimischen Lesern wissen es gleichwohl genau. Uns im Westen bleibt eine politische Parabel, die die schmerzhafte Frage stellt, ob wir auch jenseits individuellen Glücks und politischer und ökonomischer Aspirationen irgendein Ziel haben.

Nagib Machfus: "Die Reise des Ibn Fattuma". Roman. Aus dem Arabischen übersetzt von Doris Kilias. Unionsverlag, Zürich 2004. 185 S., geb., 16,90 [Euro].

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"Einer von Gwendoline Butlers besten Romanen, temporeich, voller schrulliger Helden und spannend bis zur letzten Zeile." (Kirkus Reviews)