Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias - Förster, Hans

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Die wissenschaftliche Diskussion um die Entstehung von Weihnachten und Epiphanias kreist meist um zwei Entstehungshypothesen: Vor allem im angelsächsischen Sprachraum wird in der theologischen Literatur ein innerchristlicher Entstehungszusammenhang aufgrund von frühchristlichen Berechnungen favorisiert, während sonst meist auf parallele heidnische Feiern als Anlass für die Entstehung der beiden Feste verwiesen wird. Hans Förster zeigt, dass diese gängigen Hypothesen für die Entstehung von Weihnachten und Epiphanias die Situation des vierten Jahrhunderts nicht erklären. Fest steht, dass die…mehr

Produktbeschreibung
Die wissenschaftliche Diskussion um die Entstehung von Weihnachten und Epiphanias kreist meist um zwei Entstehungshypothesen: Vor allem im angelsächsischen Sprachraum wird in der theologischen Literatur ein innerchristlicher Entstehungszusammenhang aufgrund von frühchristlichen Berechnungen favorisiert, während sonst meist auf parallele heidnische Feiern als Anlass für die Entstehung der beiden Feste verwiesen wird. Hans Förster zeigt, dass diese gängigen Hypothesen für die Entstehung von Weihnachten und Epiphanias die Situation des vierten Jahrhunderts nicht erklären. Fest steht, dass die Sonnensymbolik sicherlich zur Wahl des Festtermins entscheidend beigetragen hat. Sie konnte dies jedoch gerade deswegen, weil es kein paralleles römisches Sonnwendfest gab, das sich im vierten Jahrhundert besonderer Beliebtheit erfreut hätte. Das angeblich weit verbreitete und beliebte "Sol-Invictus-Fest" wurde vielmehr aufgrund einer höchst fragwürdigen Interpretation christlicher Quellen konstruiert.
  • Produktdetails
  • Studien und Texte zu Antike und Christentum Bd.46
  • Verlag: Mohr Siebeck
  • Erscheinungstermin: November 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 157mm x 22mm
  • Gewicht: 535g
  • ISBN-13: 9783161493997
  • ISBN-10: 3161493990
  • Artikelnr.: 22919409
Autorenporträt
Hans Förster ist ist Kirchenhistoriker und Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Er schreibt gelegentlich zu Fragen der Kirchengeschichte sowie für den Wissenschaftsteil der österreichischen Tageszeitung "Die Presse". Der Autor lebt in Wien.
Rezensionen
Besprechung von 24.12.2007
Mit und ohne Wagenrennen
Christus und Sonnengott: Wie entstand das Weihnachtsfest?
Der christliche Festkalender hat sich in Stufen entwickelt. Die ältesten Kirchenfeste sind jüdischen Ursprungs. Das Osterfest beruht auf dem Passahfest, das Pfingstfest auf dem Wochenfest. Ein alter Festtermin erhielt einen neuen Sinn und konnte daher in veränderter Form weitergefeiert werden. Die zweite Generation christlicher Feste orientiert sich nach demselben Muster an heidnischen Feiertagen, und erst eine dritte Serie von Festen ist genuin christlichen Charakters, so Himmelfahrt (seit etwa 400), Allerheiligen (seit etwa 900) und Fronleichnam (seit 1264). Die erste, jüdische, und die dritte, rein christliche Tradition waren stets unanstößig, aber die zweite Gruppe erschien theologisch bedenklich, weil doch immer abgöttisches Gedankengut und heidnisches Brauchtum weiterwirkten und somit die Reinheit des Glaubens zu beeinträchtigen drohten.
Zwar förderte die Anlehnung an ältere Formen der Religiosität die Akzeptanz der Frohen Botschaft und erleichterte die Mission, denken wir nur an die zahlreichen Entlehnungen aus den Mysterien, aus dem Kaiserkult und aus den Lokaltraditionen altheiliger Berge, Höhlen und geweihter Orte. Doch war dies den Frömmsten stets ein Ärgernis. Papst Gregor der Große jedoch hat um 600 die Anknüpfung an vorchristliche Traditionen aus praktischen Überlegungen empfohlen und die dagegen erhobenen theologischen Bedenken zurückgewiesen.
Solche gab es auch gegen das Weihnachtsfest, das der zweiten Kategorie christlicher Feiertage zugehört. Bekanntlich verraten die Schriften des Neuen Testaments uns nicht, an welchem Kalendertag Jesus geboren ist. Das wusste dieser vermutlich selber nicht, viel weniger seine Jünger, Apostel und Evangelisten. Nichts deutet darauf hin, dass in Nazareth Geburtsregister geführt worden wären. Zudem war das Feiern von Geburtstagen eine heidnische Sitte, die ein frommer Jude nicht mitmachte. Geburtstag feiert in der Heiligen Schrift lediglich ein verstockter Pharao, ein Frevler wie Antiochos IV. oder ein Halbjude wie Herodes Agrippa. Auch die frühen Kirchenväter polemisierten gegen das bei Griechen und Römern übliche Geburtstagsfeiern, denn das galt eigentlich dem Genius des Neugeborenen. Als wahrer Geburtstag des Christen galt sein Todestag, sein Eintritt in die Ewigkeit. Ein Geburtstagsfest für Jesus ist darum bei der Urgemeinde aus praktischen wie aus religiösen Gründen undenkbar.
Die Lage änderte sich mit Konstantin. Dem Ja des Kaisers zum Neuen Glauben entsprach das Ja der Kirche zur Staatsgewalt in allen ihren Formen. Weltliche Elemente erscheinen auf den verschiedensten Gebieten des religiösen Lebens: Kirchenbau, Kirchenprovinzen und Kirchenverwaltung, Konzilien und verschiedene Kultbräuche orientierten sich an säkularen und vorchristlichen Mustern, und eben dies gilt auch für den Festkalender. Auf den Jahresanfang, das höchste römische Staatsfest, verlegte man die Beschneidung Jesu. Dem ägyptischen Aions-Fest am 6. Januar folgte Epiphanias. An die Stelle der Lupercalien am 15. Februar trat Mariä Lichtmess am 2. Februar. Die Caristia am 22. Februar verwandelten sich in Petri Stuhlfeier, die Robigalia am 25. April in die Litania maior, die Sommersonnenwende in das Fest Johannes des Täufers, der Siegestag von Actium am 1. August in Petri Kettenfeier und das Fest des Unbesiegten Sonnengottes am 25. Dezember in das Weihnachtsfest. Dass hier Zusammenhänge bestehen, ist die communis opinio der Forschung.
Diese zu widerlegen, ist das zentrale Anliegen des Buches von Hans Förster, dem Wiener Koptologen und Papyrologen, der bereits im Jahre 2000 eine Untersuchung zur Feier der Geburt Christi in der Alten Kirche vorgelegt hat. So wie sein erstes Werk bezeugt auch das zweite eine stupende Gelehrsamkeit und eine umfassende Kenntnis der spätantiken patristischen Literatur. Alle erreichbaren christlichen Quellen zum 25. Dezember und zum 6. Januar werden herangezogen und eingehend interpretiert, eine höchst willkommene Fundgrube für die Fachwelt! Das Ergebnis dieser profunden Quellensichtung indessen überraschte den Autor angeblich selber: Die älteren Feste am 6. Januar haben mit dem späteren christlichen Epiphanias nichts zu tun, und ein „weit verbreitetes”, „äußerst beliebtes” heidnisches Vorgängerfest zu Weihnachten kann er nicht finden, ja er glaubt nachgewiesen zu haben, formuliert er abschließend scharf, dass „kein heidnisches Fest an diesem Tag gefeiert wurde”. Vielmehr habe ein „innerkirchliches Bedürfnis” nach einem Geburtsfest und die Bezeichnung des Messias als „Sonne der Gerechtigkeit” beim Propheten Micha die Wintersonnenwende als Termin empfohlen. Dass ein Weihnachtsfest entstehen musste, „lag in der Luft”. Hätte es ein heidnisches Jubelfest an jenem Tag gegeben, dann hätte sich doch dies unbedingt in der Polemik der Kirchenväter dagegen niederschlagen müssen. Die Spuren einer solchen Abwehrhaltung kennt und nennt er, aber sie seien so gering, dass die religionsgeschichtliche Kontinuität abzulehnen sei, die Annahme einer heidnischen Wurzel des Weihnachtsfestes beruhe auf der „Blindheit der Forschung” gegenüber dem nun erkannten Sachverhalt.
Die Überraschung Försters über den von ihm erkannten Tatbestand weicht einer Überraschung des Althistorikers über Förster, der unsere zentrale Quelle für das Sol-Invictus-Fest nur aus zweiter Hand in zwei Fußnoten erwähnt und bagatellisiert. Es handelt sich um den Festkalender im Chronographen des Filocalus aus dem Jahre 354, den Mommsen 1893 im ersten Band seines römischen Inschriften-Corpus publiziert hat. Das Verzeichnis enthält alle staatlichen und religiösen Feste, die damals gefeiert wurden und notiert zum 25. Dezember: „Natalis Invicti”, Geburtstag des Unbesiegten (Sonnengottes Mithras). Nicht nur die Tatsache, sondern auch der Rang des Festes ist in jenem Kalender bezeugt. Das Kriterium liefern die nach der Bedeutung des Tages abgestuften Circenses. Während an den übrigen Feiertagen, selbst bei den Parilien, dem Geburtstag Roms am 21. April, die Wagenrennen nur 24 Läufe zu je sieben Runden fahren durften, waren es am 25. Dezember dreißig. Diese Anzahl ist ungewöhnlich hoch; üblicherweise wurden nur 24 Runden gefahren. Auf diese Wagenrennen bezieht sich die Bemerkung Julians aus der Zeit um 360, zu Ehren des Unbesiegten Sonnengottes würden im letzten Monat des Jahres die glänzendsten Wettkämpfe durchgeführt. Dass dies nur für Rom galt, wie Förster meint, ist ebenso wenig wie für alle anderen Feste des Kalenders für das Sonnenfest anzunehmen. Jede größere Stadt im Reich hatte einen Hippodrom.
Damit war der Geburtstag des Sonnengottes ein besonders beliebter, ursprünglich „religiöser” Feiertag in der heidnisch geprägten Spätantike. Angesichts der Protektion, die der Sonnengott von Aurelian bis Konstantin genoss, verwundert das nicht. Erst Kaiser Honorius hat, wie der Codex Theodosianus bezeugt, am 4. Februar 400 alle Spiele (spectacula) und somit auch die Wagenrennen an Weihnachten verboten, um den Gottesdienst nicht zu entweihen. Der Bezug des Geburtstages Jesu zur Sonnenwende wird von den Kirchenvätern klar herausgestellt. Das sieht Förster wohl, trotzdem habe dies zwar mit dem astronomischen Faktum zu tun, nichts aber mit dem Fest für Sol Invictus. Wer wird ihm das abnehmen?
Wann und wie sich das christliche Glaubensfest durchgesetzt hat, ist im Einzelnen unklar. Konstantin, der als Schützling Jesu und des Sonnengottes zugleich 321 noch ohne Hinweis auf das Christentum den Sonntag zum Feiertag erklärt hatte, erhob seinen Sohn Constans am 25. Dezember 333 zum Mitkaiser – war das Zufall? Die auch von Förster zitierten Quellen, die das Weihnachtsfest auf Konstantin beziehungsweise seinen Sohn Konstantius II. zurückführen, lassen vermuten, dass es zuerst am Kaiserhof gefeiert, dann von der römischen Kirche übernommen und an den Osten weitergegeben wurde.
Es hat mitnichten, wie Förster meint, „im Sturm die Welt erobert”; der Prozess verlief schleppend. Selbst für Augustinus war der 25. Dezember nur ein Gedenk-, kein Feiertag. Gott habe den 25. Dezember als Geburtstag Jesu gewählt, weil er die „wahre Sonne” sei. Natalis Christi und Natalis Solis fallen darum zusammen. Staatlich anerkannt war Weihnachten– anders als Ostern – im weströmischen Reich nie, wie die 438 nochmals publizierte Ferienregelung des Theodosius von 389 beweist; im Osten gab es Gerichtsferien zu Weihnachten erst unter Justinian 534 – zuvor allerdings 506 bei den arianischen Westgoten in Spanien.
Voraussetzung für den Erfolg des Weihnachtsfestes war die Hochstimmung zwischen den Saturnalien, dem Jahreswechsel, und dem 6. Januar, dem altägyptischen Datum der Wintersonnenwende, auf das Eduard Norden 1924/1930 hingewiesen hat. Auch dieses für Epiphanias gewählte Festdatum hat eine heidnische Wurzel und wurde in profaner Weise mit den von den frommen Christen verabscheuten Schauspielen gefeiert. Das ist der Befund des Historikers. So wie das Weihnachtsfest ist das gesamte Christentum auf vorchristlichem, älterem Boden erwachsen. Eine solche komplexe Entstehungsgeschichte verbindet das Christentum mit allen anderen Religionen, die ausnahmslos auf benennbaren irdischen Voraussetzungen beruhen. Das spricht freilich nicht gegen den göttlich schönen Choral „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her”. ALEXANDER DEMANDT
HANS FÖRSTER: Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias. Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2007. 342 Seiten, 79 Euro.
Der christliche Kalender hat irdische Voraussetzungen
Gabriel sprach zu Maria: Deshalb wird auch das Kind heilig und der Sohn Gottes genannt werden. Der Engel der Verkündigung auf einem Altarflügel aus Bayern, um 1460, hängt heute in Dijon im Musée des Beaux-Arts. Abbildung: AKG/Erich Lessing
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Äußerst gelehrt findet Jürgen Kaube dieses Buch des Wiener Kirchenhistorikers Hans Förster, der ihm vor allem klar machte, wie wenig er über die Datierung des Weihnachtfestes wusste. Denn alles, was wir wüssten, sei schließlich, dass Jesus nicht im Jahr 0 geboren wurde. Förster geht mit zwei gängigen Thesen ins Gericht. Die erste ist bei Joseph Ratzinger und den Briten beliebt und beruht auf dem antik-jüdischen Glauben, vollkommene Menschen sterben am gleichen Tag, wie sie geboren werden im Falle Jesu möglicherweise am vierten Tag der Tagundnachtgleich. Dabei sei man von der Geburt zur Empfängnis übergegangen, und kommt so vom 25. März - neun Monate! - auf den 25. Dezember. Auch die zweite These, nach der Weihnachten die heidnischen Sonnenwendfeiern ablöst, nimmt Förster in den Augen des Rezensenten überzeugend auseinander: Ausfühlichst habe der Kirchgeschichtler spätantike Predigten und Traktat studiert, kein einziger Text weise auf bedeutende Feiern zu dieser Zeit hin. Man nimmt die Wintersonnenwende auf, das ja, glaubt der Rezensent nach der Lektüre, aber nicht um eine "römische Riesenparty" zu ersetzen", sondern "weil es draußen kalt ist und die Hoffnung etwas Schwaches".

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