Redaktionstipp: Krimi des Monats

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Krimi des Monats August

Alles ihre Schuld

Andrea Mara

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Buch (Taschenbuch)

17,00 €

Krimi des Monats August

Krimitipp: Andrea Mara, „Alles ihre Schuld“

 

TEXT

Es ist der Albtraum aller Eltern. Für Marissa und Peter Irvine wird er wahr. Autorin Andrea Mara schickt uns in einen Thriller, der es in sich hat. Denn der vierjährige Milo verschwindet. Nicht von einem Spielplatz, nein, viel schlimmer. Seine Mutter denkt, er sei auf einem Playdate bei Jacob, einem Klassenkameraden. Diese Nachricht hatte sie jedenfalls auf ihrem Smartphone. Sie sollte Milo in der Dubliner Tudor Grove 14 abholen. Doch als Marissa dort klingelt, gibt es keinen Milo. Und auch Jenny, die Mutter, von der die Nachricht kam, lebt dort nicht. Panik. Die Frau, die in der Tudor Grove wohnt, heißt Esther und versucht, Marissa zu beruhigen. Vielleicht einfach ein Versehen mit einer falschen Adresse? Doch als Marissa die Nummer anruft, von der die Message geschickt wurde, tut sich ein Abgrund auf: eine unbekannte Rufnummer.

 

Lange hofft Marissa, dass alles ein Missverständnis ist. Vielleicht hat ihre Nanny den kleinen Milo von der Vorschule abgeholt, oder er ist bei einem anderen Klassenkameraden? Doch nach und nach wird klar: Milo ist wirklich verschwunden, und niemand weiß, warum. Der erste Verdacht fällt auf die Nanny: eine junge Frau aus Peru. Doch sie „war so lieb, so gut zu Milo, und so unkompliziert – sie hatte sich gleich nahtlos eingefügt, nachdem sie sie engagiert hatten.“ Oder war das zu schön, um wahr zu sein? Hatte die Nanny ihnen etwas vorgespielt, ihre Referenzen gefälscht? Nach einigen Ermittlungen wird klar: Milo wurde von der Schule von einer Person abgeholt, die er kannte. Einem Kindermädchen.

 

Warum nur wurde Milo entführt?

 

Marissa und Peter gehen durch die Hölle. Was ist hier überhaupt passiert, warum gibt es keine Lösegeldforderungen? Milo ist Marissa und Peters Ein und Alles – klein für sein Alter, flachsblonde Haare und ungewöhnlich intelligent. Das sagen viele Eltern über ihre Kinder, aber bei Milo stimmt es. Er hat eine besondere Begabung für Zahlen, und für ihn sind Farben sehr wichtig. Montag ist für Milo orange, Dienstag grün wie Gras. Milo ist Synästhetiker. Ein kleiner Engel, zart und unschuldig. Und dann gibt es Gerüchte über einen Kinderhändlerring …

 

Was die Entführerin antreibt, das bleibt lange das große Fragezeichen in diesem unfassbar spannenden Thriller. Andrea Mara erzählt „Alles ihre Schuld“ rasant, der Plot ist vielschichtig. Wie gut kennen wir die Menschen, die uns am nächsten sind, die wir täglich sehen? Das ist eine der großen Fragen, die immer wieder verhandelt werden.

 

Natürlich legt Mara dabei reichlich falsche Fährten und führt neue Verdächtige ein. Darauf einzugehen wäre böses Spoilern. Wie alles mit allem – und mit der Vergangenheit einer der Figuren – zusammenhängt, erfahren wir in einer Auflösung, die so wirklich niemand erwartet hätte. Auch die irische Gesellschaft und deren Klassenunterschiede schildert Mara ebenso spannend wie die Konflikte zwischen den Ehepaaren oder die sich anbahnende Freundschaft zwischen Marissa und Jenny.

 

„Alles ihre Schuld“ ist eine Achterbahnfahrt. Komplex, abgründig, mit hervorragend gezeichneten Charakteren. Lesen.

 

GLOSSAR

 

MARISSA

Marissa Irvine beneiden viele – herausragend attraktiv, souverän, selbstbewusst, eine Erscheinung. Mit ihren tiefblauen Augen, dem olivfarbenen Teint und den perfekt verwuschelten dunklen Locken sieht sie aus wie ein Model. Zwischen Buchclub, Tennismatch und ihrem anspruchsvollen Job in der gemeinsamen Kanzlei wuppt sie ihre Ehe und die Erziehung ihres Sohnes Milo ganz wunderbar. So scheint es jedenfalls. Marissa ist ein Wirbelwind und denkt sich ständig neue Projekte aus, auch für die Familie, ob ein Yogakurs für alle – da hatte Peter deutlich „Nein“ gesagt – oder die Vorbereitung auf einen Marathon. So kommt ihr Spitzname „Wonder Woman“ nicht von ungefähr. Als Rechtsanwältin ist Marissa in viele Geheimnisse eingeweiht und witzelt manchmal darüber, dass es bei ihr so zugehe „wie bei Inspector Barnaby“. Aber nach dem Verschwinden ihres Sohnes Milo ist von Marissas Selbstsicherheit nicht mehr viel übrig.

 

PETER

Peter und Marissa Irvine wirken wie das perfekte Paar. Peter ist attraktiv und strahlt Souveränität aus. Mit seinem graumelierten Haar und dem ausdrucksstarken Gesicht fällt er vielen Frauen auf. Die schöne Marissa und Peter scheinen ein „goldenes Paar“ zu sein. Erfolgreich, wohlhabend und attraktiv – als ob sie nur die Sonnenseite des Lebens kennen würden. Sie leben im schönsten Viertel der Stadt und der vermutlich nobelsten Straße von Dublin. Das Haus der Irvines heißt „Maple Lodge“, wobei der Begriff „Haus“ echtes Understatement ist. Es ist ein Anwesen, dessen Torauffahrt auf ein edwardianisches Wohnhaus zuläuft. Daneben ein zweites kleineres Haus. Peter und Marissa scheint es sehr gut zu gehen. Peter ist Investmentbanker, genau wie sein Bruder Brian. Den behandelt Peter oft auffallend rüde. Warum sich Brian das gefallen lässt und sozusagen in Peters Schatten lebt, versteht man zunächst überhaupt nicht ...

 

DAS KINDERMÄDCHEN

Für die Eltern, bei denen sie als Kindermädchen arbeitet, scheint sie perfekt: still, schüchtern, aber wunderbar mit Kindern. Verständig und bodenständig, zugleich mit einer schwierigen Kindheit. Doch sind ihre Eltern wirklich gestorben, als sie noch eine Teenagerin war? Welche Geschichten wahr und welche erfunden sind, das enthüllt uns Autorin Andrea Mara Stück für Stück. Auch, dass das Kindermädchen seinen richtigen Namen nicht verwendet. Es scheint zwei Identitäten zu haben – die ideale Nanny mit Jeans und Hemden, unscheinbar, und die perfekt gestylte und modisch gekleidete junge Frau, die genau weiß, was sie will und wen sie dafür um den Finger wickeln und schamlos belügen muss. Denn sie verfolgt einen Plan, in dem Milo eine Rolle spielt ...

 

JENNY

Auf den ersten Blick war Jenny Kennedy in den Augen Marissas eine etwas scheue Frau, die aber sympathisch und lustig zu sein schien. Jenny ist mit Richie verheiratet. Leider ist Richies Mutter, Adeline Furlong-Kennedy, eine echte Plage, versnobt, konservativ und schrecklich von sich überzeugt. Jenny arbeite zu viel, sie sei nie zu Hause, das Kind brauche seine Mutter – Adeline lässt kein gutes Haar an Jenny. Früher haben Richie und Jenny über die Litaneien von Adeline gemeinsam gelacht. Nun scheint Richie immer mehr zu seiner Mutter zu halten. Auch sonst wird Richie distanzierter, die beiden entfernen sich immer mehr voneinander. Wie gut, dass Jenny in Marissa vielleicht eine neue Freundin gefunden hat. Auch wenn die Umstände, unter denen sich die beiden Frauen kennenlernen, schrecklich sind.

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