Benutzername: Mikka Liest
Wohnort: Borgloh
Über mich: Bücher sind für mich wie Kartoffelchips... Eines ist nie genug! ;)
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Bewertungen

Insgesamt 632 Bewertungen
Bewertung vom 14.11.2017
Zorn - Wo kein Licht / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.3
Ludwig, Stephan

Zorn - Wo kein Licht / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.3


sehr gut

Dies ist der dritte Band der Reihe. Und da ich in meinen Rezensionen zu den ersten beiden Bänden schon einiges über Charaktere, Schreibstil und den ganzen Rest geschrieben habe, fasse ich mich nun kurz:

Originalität: Zorn und Schröder sind nach wie vor der Knaller – ein so schräges und doch irgendwie perfektes Ermittlerduo sieht man nun wirklich nur selten. Oder sind sie sogar einzigartig? Leider kann die Handlung da in meinen Augen nicht ganz mithalten: die fängt zwar stark an und hat enorm viel Potential, schöpft es aber nicht vollends aus.

Spannung: Der Autor lässt sich zu früh in die Karten schauen. Die Auflösung hat wohl auch unerwartete Aspekte zu bieten, vieles ist jedoch keine große Überraschung mehr.

Logik / Schlüssigkeit: Eigentlich ist der Fall ziemlich komplex, auch wenn das etwas untergeht, weil man als Leser zu früh zu viel erfährt. Obwohl die Spannung dadurch etwas verpufft, fand ich den Fall solide konstruiert, da passen die Puzzlesteine sauber und ohne Logiklücken zusammen.

Charaktere: Wie schon gesagt, Zorn und Schröder sind ganz großes Kino. Männerfreundschaft, wie sie rührender, witziger, absurder und problematischer nicht sein könnte. In meinen Augen sind die beiden als Charaktere stark genug, um auch einen mittelmäßigen Fall zu einem guten Buch zu machen – ich würde mir aber für den nächsten Band wünschen, dass sie in einem richtig erstklassigen Fall brillieren dürfen. Ewig lässt sich eine Reihe nicht nur durch gute Charakterzeichnung tragen.

Erstaunlich fand ich, was für düstere Aspekte Schröders Leben hat (wie es sich ja auch im zweiten Band schon abgezeichnet hat), da hoffe ich noch auf eine nähere Erklärung in den Folgebänden.

Schreibstil: Niemand kann einen faulen, überforderten Kommissar, der keinen Bock auf gar nix hat, so überzeugend schreiben wie Stephan Ludwig, und das noch so, dass es richtig Spaß macht. Dabei beherrscht er nicht nur den trägen Sarkasmus, den ich mit Claudius Zorn verbinde, sondern schüttelt bei Bedarf auch echte Tragik und zwischenmenschliche Nuancen aus dem Ärmel. Und der Humor ist vom Allerfeinsten (wenn man seinen Humor tiefschwarz und ein bisschen böse mag).

Fazit:
Ohne Zorn und Schröder wäre dies wohl ein Buch, das ich lese und dann achselzuckend in den nächsten öffentlichen Bücherschrank stelle. Der Fall an sich konnte mich nicht vollkommen überzeugen. Die beiden gegensätzlichen Ermittler sind jedoch so lebendig, authentisch, liebenswert, schwierig, witzig, tragisch und rührend, je nach Situation, dass ich auch den dritten Band der Reihe wieder sehr gerne gelesen habe.

Bewertung vom 13.11.2017
Kleine Stadt der großen Träume
Backman, Fredrik

Kleine Stadt der großen Träume


ausgezeichnet

Dies war mein erstes Buch des Autors. Aber nach dem, was ich zuvor über seine Bücher gehört hatte, und nach dem, was der Klappentext suggeriert, habe ich eine heitere, aufbauende Geschichte erwartet, in der kleine Außenseiter zu ganz großen Helden werden. Ein Wohlfühlbuch, das man mit einem Lächeln zuklappt und vielleicht seiner Mutter zum nächsten Geburtstag schenkt.

Bekommen habe ich stattdessen eine dramatische, aufwühlende Geschichte, in der sich in einer kleinen Stadt ganz große Abgründe auftun. Die Menschen von Björnstadt projizieren all ihre Hoffnungen und Leidenschaft auf die Junioren-Eishockeymannschaft, und das grenzt nicht nur an Fanatismus, das hat schon lange das Land des gesunden Menschenverstandes verlassen.

Der Sport bewirkt viel Gutes im Leben der Kinder, denn er gibt ihnen Ziele, ein Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit, Träume und Zukunftsperspektiven. Aber der Leser lernt auch die Schattenseiten kennen:

Eltern nehmen in Kauf, dass ihre Kinder beim Training verletzt und gedemütigt werden. Sponsoren sehen diese sogar nur als Produkte, die ihnen Geld bringen sollen. Und den Jugendlichen selber wird suggeriert, dass das Eishockey sie zu Helden macht, denen eine Sonderbehandlung zusteht und die sich alles erlauben können. Jedenfalls den Jungen, denn von den Mädchen wird zwar erwartet, dass sie Eishockey lieben, aber bitte nur in der Rolle des anhimmelnden Fans – das jedoch nicht zu sehr, sonst sind sie [ hier denke man sich bitte ein negativ besetztes Wort für ein Mädchen, das angeblich "leicht zu haben" ist ].

Backman zeichnet mit subtilen und einfühlsamen Worten das Psychogramm einer Stadt, in der Eishockey nicht so wichtig ist – 'es ist einfach nur alles'. Da kreischen Mütter beim Spiel "Bist du schwul, oder was?!" Da führen Väter genau Buch über die Erfolge des Sohnes, können sich aber nicht überwinden, ihm mal anerkennend die Hand auf die Schulter zu legen. Und da passieren Dinge, wo ich das Buch erst einmal zur Seite legen musste, bis Blutdruck und Herzschlag wieder auf ein vertretbares Level gesunken waren.

Hier wird so unglaublich viel angesprochen, Positives und Negatives.

Nicht nur der Fanatismus, die absurd übersteigerte Leistungskultur, die Mauer des Schweigens, wenn etwas diese Leistungskultur bedroht... Ganz nebenbei geht es um Vorurteile und soziale Ausgrenzung, um moralische Prinzipien und deren Korruption – aber auch um Loyalität und Freundschaft und die Tatsache, dass beides seine Grenzen hat und haben muss.

Obwohl das Buch nicht das war, was ich erwartet hatte: es ist ein großartiges Buch mit einer bewegenden Geschichte, und es ist wirklich gekonnt und einzigartig geschrieben. Die Geschehnisse sind mal herzerwärmend, mal schockierend, mal tragisch, mal lustig, aber was auch immer sie vermitteln: man muss mitfühlen, mitfiebern, mitleiden, mitlachen und kann sich nicht einfach berieseln lassen.

Es ist ein Buch voller schwerer, ernsthafter Themen, aber der Schreibstil hat trotzdem immer eine gewisse Leichtigkeit, viel Wortwitz und einen feinen Humor. Der Autor hat ein wunderbares Gespür für das Zwischenmenschliche, und so wirken all seine Charaktere wie direkt aus dem Leben gegriffen. Man kann und muss nicht jeden davon mögen – aber wenigstens verstehen. Fredrik Backman ist kein Autor, der einem Pauschalurteile ermöglicht, und das ist auch gut so.

Bewertung vom 12.11.2017
Geheimnisvolle Bäume
Kruth, Maren

Geheimnisvolle Bäume


sehr gut

Die Papierqualität ist hervorragend, wie ich das von Malbüchern dieses Verlags gewohnt bin. Daher stellt es für mich auch absolut kein Problem dar, dass die Seiten beidseitig bedruckt sind, denn die meisten Stifte werden nicht durch das dicke Papier durchdrücken. Im Zweifelsfall, (also zum Beispiel bei stark nässenden Filzmarkern) empfehle ich jedoch, es auf der ersten Seite auszuprobieren, um ganz sicher zu gehen – diese Seite zeigt das Motiv vom Cover in Graustufen, das später im Buch noch einmal als Seite zum Ausmalen enthalten ist. So geht kein Bild verloren!

Das mit 25 mal 25 Zentimetern recht großformatige Buch besteht aus 96 Seiten, die sowohl einseitige Motive zeigen also auch solche, die sich über eine ganze Doppelseite erstrecken. Abgesehen vom Titelbild ist kein Motiv zweimal enthalten, das Buch bietet also eine große Auswahl, darunter auch eine Vielzahl von Bildern mit eher geringem Schwierigkeitsgrad, die für Menschen mit eingeschränkter Sicht oder Feinmotorik gut geeignet sein sollten.

Vor kurzem habe ich erst ein Postkartenbuch der Künstlerin auf meinem Blog rezensiert und war von ihrem einzigartigen Stil vollkommen bezaubert. Die Bilder in "Geheimnisvolle Bäume" ließen mich jedoch mit gemischten Gefühlen zurück!

Zum Teil liegt dies sicher am Format: was in Postkartengröße noch wirkt wie angenehme, sogar elegante Schlichtheit, führt in dieser Größe zu leeren Flächen, die meines Erachtens nicht immer genug Anreiz zum Ausmalen bieten. Es gibt allerdings auch zahlreiche Bilder, die dafür mit charmanten, liebevollen Details aufwarten!

Ein Kritikpunkt ist für mich die Darstellung von Tieren und Menschen, denn deren Haltung wirkt auf mich zum Teil etwas zu stark abstrahiert und dadurch leblos. Zum Teil – denn dem gegenüber stehen Bilder, wo die Rückführung auf das Wesentliche wunderbar funktioniert, weil es ins Gesamtbild passt. In meinen Augen eine Gratwanderung, die nicht immer gelingt.

Die Bilder mit Sprüchen und Zitaten waren für mich mal so, mal so. Mal bleibt der Hintergrund weiß und die Schrift extrem schlicht, mit nur wenigen Mustern oder Verzierungen, und das animiert mich persönlich nicht sehr zum Ausmalen. Dann gibt es wiederum Illustrationen, die den Text in einer ansprechenden Schriftart schön und stimmig ins Gesamtbild setzen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich zwar gemischte Gefühle habe, was die verschiedenen Motive angeht, dass das Buch aber trotz aller Kritikpunkte dennoch einige Seiten enthält, die mich persönlich sehr ansprechen und die auch gerne ausmalen möchte! Den Preis von €12,99 finde ich für ein großformatiges Malbuch mit dieser Papierqualität auch dann mehr als gerechtfertigt, wenn mich nicht alle Motive überzeugen.

Bewertung vom 10.11.2017
Ivy und der magische Schmetterling
Basford, Johanna

Ivy und der magische Schmetterling


ausgezeichnet

Wer Malbücher liebt, dem ist Johanna Basford mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon ein Begriff – immerhin verzaubert ihr detailverliebter und dabei zutiefst origineller Stil schon seit einigen Jahren Menschen auf der ganzen Welt.

Mit diesem Buch schlägt sie nun ein neues Kapitel auf: es enthält nicht nur zahlreiche Illustrationen, sondern erzählt auf 120 Seiten auch eine märchenhafte Geschichte, die von Stil und Atmosphäre her gelegentlich an "Alice im Wunderland" erinnert. Es gibt einige Seiten, die nur Illustrationen enthalten, auf vielen ergänzen sich Bilder und Text jedoch zu einem wunderbaren Gesamtkunstwerk. Ein schöner Nebeneffekt: wenn man gerade viel Zeit und Muße hat, kann man sich stundenlang in eine seitenfüllende Illustration voller liebevoller Details vertiefen, wenn man jedoch etwas Leichtes für zwischendurch braucht, finden sich auch kleine, einfachere Illustrationen auf Seiten mit viel Text.

Die Künstlerin zieht hier alle Register. Unter den Malbuchfans gibt es viele, die persönliche Vorlieben haben, was sie gerne ausmalen: manche bevorzugen Bilder von Tieren und Fabelwesen, andere solche von Pflanzen, wieder andere lieben es besonders, Juwelen, Glas und andere glänzende Materialien zu kolorieren und viele vertiefen sich gerne in Bilder von Alltagsszenen. Johanna Basford bietet in meinen Augen für fast jeden Geschmack das passende Bild.

Auch der Schwierigkeitsgrad variiert, jedoch sind fast alle Bilder sehr detailliert und damit vielleicht für kleinere Kinder oder Erwachsene mit Störungen der Feinmotorik weniger geeignet.

Die Seiten sind beidseitig bedruckt, was ich bei Malbüchern normal nicht so gerne sehe, weil dann die Gefahr besteht, dass die Stifte auf die Rückseite und damit das nächste Bild durchdrücken. Hier stellt es jedoch kein Problem dar, denn die Papierqualität ist phänomenal. Die letzten Seiten des Buches sind extra zum Austesten der eigenen Stifte gedacht, und ich habe eine dieser Seiten wirklich mit alle traktiert, was mir eingefallen ist. Buntstifte, Filzstifte, Textmarker, Stempelfarbe, Tinte und sogar Aquarellfarbe. Nichts davon hat auf die Rückseite durchgedrückt. Erst, als ich an einer Stelle absichtlich einen Tintenklecks gemacht und den Füller dann noch grob ins Papier gedrückt habe, zeigte sich auf der Rückseite ein winzig kleiner, schwacher Fleck.

Bewertung vom 08.11.2017
Griechischer Abschied / Kommissar Nick Zakos Bd.1
Bettermann, Stella

Griechischer Abschied / Kommissar Nick Zakos Bd.1


weniger gut

So leid es mir tut: den Klappentext würde ich so nicht unterschreiben. Dort ist die Rede von einem äußerst verwickelten Fall, aber tatsächlich hatte ich eher den Eindruck, es mit einer äußerst inkompetenten und/oder äußerst unmotivierten Mordkommission zu tun zu haben.

Laut diversen Statistiken sind die ersten 48 Stunden nach einem Mord die wichtigsten – finden die Ermittler in diesem Zeitrahmen nicht wenigstens konkrete Hinweise auf den Täter, halbieren sich die Chancen, den Fall aufzuklären. Dementsprechend ist in Krimis normalerweise Hochspannung und hektische Betriebsamkeit angesagt, die Kommissare hören auf zu schlafen und fangen an, literweise Kaffee zu trinken... Es gibt weder Feierabend noch Wochenende.

Dummerweise ist der Mord in diesem Buch jedoch schon ein paar Wochen her und die Ermittlungen sind mehr oder weniger im Sande verlaufen, als Kommissar Nick Zakos (zu seinem Unmut) aus München zur Unterstützung nach Griechenland geschickt wird.

Zakos fällt jedoch auch kein großartiger neuer Ansatz ein, und so passiert erstmal ganz lange ganz wenig – da wird ihm selber zwischendurch so langweilig, dass er schwimmen geht und danach ein Weilchen die Krebse beobachtet. Einmal schickt er an einem Freitagnachmittag auch einfach alle ins Wochenende.

Der Fall scheint ihm keineswegs unter den Nägeln zu brennen, stattdessen würde er irgendwann am liebsten einfach aufgeben und abreisen... Und so wie seine Frustration stieg, stieg auch meine, denn ich wartete die ganze Zeit auf die drastische Wendung, die innovative Ermittlung, das Einsetzen der Hochspannung. Ja, es gibt Fährten – auch falsche, manchmal wenig überzeugende –, ab und an wird jemand verhört,es passieren sogar noch weitere Verbrechen, die eine Ermittlung erfordern...

Und dennoch blieb die Spannung in meinen Augen immer halbherzig. Nicht mal der Ehemann des Mordopfers oder der Chef in Deutschland machen wirklich ernsthaft Druck. Stattdessen geht es viel um den Beziehungsstress zwischen Zakos und seiner Freundin, oder die (plötzliche) Anziehung zwischen Zakos und seiner Kollegin. Und natürlich das Leben auf den Inseln des griechischen Dodekanes. Die Lebensart, das Essen, die Feiern.

Also eher Urlaubsstimmung statt Hochspannung? Als Krimi konnte mich das Buch jedenfalls leider gar nicht überzeugen, auch wenn die Mischung an sich das Potential hätte, originell und spannend zu sein.

Die Auflösung hat mich dann vollends enttäuscht. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber sagen wir mal so: ohne Hilfe von 'Kommissar Zufall' wäre Zakos wohl nicht auf die richtige Lösung gekommen – dabei ist das Interessante an einem Krimi doch gerade, dass sich die Puzzleteile nach und nach zusammensetzen und man am Schluss das Gefühl hat, das Ergebnis guter Ermittlungsarbeit präsentiert zu bekommen. Hunderprozentig logisch und schlüssig erschien mir auch nicht alles, und zum krönenden Abschluss begeht Zakos noch einen absoluten Anfängerfehler.

Mit den Hauptcharakteren wurde ich bestenfalls lauwarm. Die Nebencharaktere sind vielfältig und bunt, aber gerade bei den wichtigsten bleibt das Buch meines Erachtens zu sehr an der Oberfläche, und so fiel es mir schwer, mit ihnen mitzufühlen. Möglicherweise lernt man sie aber in den Folgebänden noch besser kennen.

Der Schreibstil ist locker und legt viel Augenmerk auf detaillierte Beschreibungen des Ortes und des Lebens der Einheimischen. Das lässt sich flüssig lesen, verstärkt aber noch den Eindruck, einen sommerlichen Urlaubsroman zu lesen und keinen Krimi. Denn das Tempo zieht nur selten an, und auch die Atmosphäre bleibt über lange Strecken des Buches entspannt. Insofern würde ich nicht sagen, dass der Schreibstil schlecht ist, er passt in meinen Augen nur nicht immer zum Genre.

Bewertung vom 04.11.2017
Auf ewig dein / Time School Bd.1
Völler, Eva

Auf ewig dein / Time School Bd.1


gut

"Auf ewig dein: Time School" ist der erste Band einer neuen Reihe – und gleichzeitig der vierte Band einer alten, nämlich der "Zeitenzauber"-Trilogie von Eva Völler. Im Mittelpunkt stehen wieder Anna und Sebastiano, die beiden Protagonisten aus "Zeitenzauber", aber man kann die neue Reihe auch lesen, ohne die alte zu kennen.

Ich habe das gekürzte Hörbuch gehört, kann also in meiner Rezension nur darauf eingehen. Möglicherweise wäre mein Eindruck leicht anders ausgefallen, hätte ich das Buch gelesen oder ein ungekürztes Hörbuch gehört.

So richtig warm bin ich nämlich nicht mit dem (Hör-)Buch geworden, obwohl mir die Sprecherin sehr gut gefallen hat.

Ich fühlte mich mehrmals an andere Zeitreise-Geschichten erinnert, mir fehlte das Aha-Erlebnis – der Eindruck, etwas ganz Neues und Unverbrauchtes zu lesen. Ein paar Ideen fand ich zwar durchaus witzig und originell, aber im Großen und Ganzen war ich leider etwas enttäuscht.

Mir fehlte das Gefühl, wirklich einzutauchen in die Zeit Heinrichs des VIII, was vor allem daran lag, dass mir Heinrich selber sehr überzogen und auf wenige Charaktereigenschaften reduziert vorkam. Wir reden hier von einem Mann, der zwei seiner Ehefrauen hinrichten ließ und darüber hinaus zigtausenden von Menschen durch seine Erlasse den Tod brachte, aber im Buch wirkt er auf mich wie eine ziemliche Witzfigur. Etwas mehr Tiefgang hätte ich mir gewünscht, auch wenn es ein Kinderbuch ist. (Vielleicht wäre ein anderer Monarch da eine passendere Wahl gewesen?)

Die Charaktere fand ich überwiegend eher flach. Die junge Haremsdame Fatima ist natürlich eine glutäugige Schönheit, die die Männer geziert aufreizend um den Finger wickelt. Der Wikinger Ole ist ein Draufgänger, der schnell das Schwert zückt, gerne säuft und aussieht, wie man sich so einen Hünen von Wikinger eben vorstellt. Mit Anna und Sebastiano selber konnte ich mich auch nicht so recht anfreunden. Es ist zwar viel die Rede davon, wie sehr sie sich lieben und begehren, aber mitempfunden habe ich das nur selten. Das wäre vielleicht anders, würde ich die beiden schon aus der "Zeitenzauber"-Trilogie kennen?

Meine Lieblingscharaktere waren eher die schrulligen Randfiguren, die waren nämlich zum Teil wirklich toll geschrieben! Und der schüchternde Walter, den man einfach ins Herz schließen muss.

Die Handlung erschien mir oft wenig langatmig, ein Großteil des Konflikts aufgesetzt und unnötig. Viel des Herzschmerzes und des Dramas hätten sich in meinen Augen ganz einfach vermeiden lassen, so dass sich bei mir keine echte Spannung aufbauen wollte. Zwar wird an einer Stelle gesagt, dass man die nahe liegende Lösung nicht riskieren könne, aber das war für mich nicht schlüssig. Verstärkt wird das noch dadurch, dass die Protagonisten aus irgendeinem Grund nicht miteinander reden. So hat Anna eine Vision, erzählt den anderen aber nicht davon, weil... Ja, warum eigentlich?

Für ein Kinderbuch fand ich auch nicht passend, dass Anna und Sebastiano mehrmals am liebsten übereinander herfallen würden, weil zwei Tage Abstinenz anscheinend schon zu viel sind.

Viele Entwicklungen waren meines Erachtens sehr offensichtlich, aber es gab dann doch zwei große Wendungen, die ich nicht kommen sehen habe – oder jedenfalls nicht so. Mir war zwar klar, dass es gegen Ende eine Wendung geben muss, aber ich hatte sie mir anders vorgestellt! An sich ist das natürlich gut, aber es wirkte auf mich zu konstruiert.

Der Schreibstil ist locker und flüssig, mit einer guten Prise Humor und, man möge es mir verzeihen, jeder Menge Kitsch. Ich will das Buch hier wirklich nicht schlecht reden – ich kann mir vorstellen, dass der Schreibstil die Altersgruppe wunderbar anspricht und unterhält! Aber es gibt Kinderbücher, die kann man noch gut lesen, wenn man drei- oder viermal so alt ist wie die Zielgruppe, und es gibt Bücher, da ist es nicht unbedingt so.

Bewertung vom 01.11.2017
Winterzauber - Postkartenbuch

Winterzauber - Postkartenbuch


ausgezeichnet

ACHTUNG: Der vollständige Klappentext ist sehr irreführend, denn er verspricht "inspirierende Sprüche und Verse zum Thema Winter". Tatsächlich enthalten aber nur 4 der 20 Motive überhaupt Text – und der ist nicht besonders winterlich. Auch Verse habe ich vergeblich gesucht!

Dennoch ist es ein wunderschönes kleines Büchlein, denn die Motive gefallen mir ausnehmend gut.

Im Malblock enthalten sind 20 Postkarten auf dickem, reinweißen Papier. Es fühlt sich glatt an – jedoch nicht so sehr, dass Buntstifte keinen guten Abrieb mehr hätten! – und ist dick genug, dass es sich beim Ausmalen nicht wellt und auch Filzstifte nicht auf die Rückseite durchdrücken sollten.

Jedes Motiv ist nur einmal enthalten, es gibt also keine Duplikate. Der Stil der Künstlerin ist zauberhaft: leicht und filigran und eher schlicht, also nicht zu überfrachtet mit Details, aber dennoch detailliert genug, um beim Ausmalen Freude zu machen. Es gibt auch Motive, die sich für Kinder oder Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik eignen könnten.

Bewertung vom 31.10.2017
Was wir dachten, was wir taten
Oppermann, Lea-Lina

Was wir dachten, was wir taten


gut

Über das Thema Amoklauf in Schulen wurde schon viel geschrieben. "19 Minuten" von Jodi Picoult. "54 Minuten" von Marieke Nijkamp. "Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl. Und ich könnte, ganz spontan aus dem Kopf heraus, noch weitere Bücher nennen. Es ist natürlich ein Thema, das in den letzten Jahren immer mehr an Brisanz gewonnen hat: früher kamen solche Amokläufe hauptsächlich in den USA vor, inzwischen haben sie leider auch Deutschland erreicht.

Diese Bücher werden zunehmend von blutjungen Autorinnen geschrieben, die noch ganz nah dran sind am Schulalltag. So war Anna Seidl erst 16, als sie ihren Roman schrieb, und Lea-Lina Oppermann war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Was wir dachten, was wir taten" 18 Jahre alt.

Man merkt, dass die Autorin sich noch gut hineinfühlen kann in ihre Protagonisten, denn die erschienen mir alle sehr 'echt' und glaubhaft. Auch die Gruppendynamik, die sich in Schulklassen entwickelt, stellt sie wunderbar authentisch und feinfühlig dar – inklusive ihrer dunklen Elemente, von Mobbing über Gruppenzwang bis hin zu Magersucht und... Nein, das verrate ich besser noch nicht. Der Schreibstil ist sehr authentisch und dabei auch unterhaltsam.

Lea-Lina erzählt ihre Geschichte auf kleinstem Raum, aufgeteilt auf drei Perspektiven: Lehrer, Streberin, Klassen-Assi. Aber man merkt schnell, dass die Charaktere sich nicht wirklich in diese Schubladen zwängen lassen, und durch ihre Augen bekommt man auch ein gutes Bild der anderen Schüler.

In den meisten Büchern über Amokläufe eskaliert die Situation extrem schnell, es dauert nicht lange, bis Schüsse fallen und Menschen sterben. Aber der Amokläufer in diesem Buch will mehr als das, die Waffe ist nur das Mittel, um Gehorsam zu erzwingen. Denn er hat Aufgaben vorbereitet, die Geheimnisse bloßstellen und Verborgenes ans Licht zerren...

Wer einen rasanten, blutigen Thriller sucht, ist hier sicher an der falschen Adresse, aber die Geschichte entwickelt ihren ganz eigenen Sog. Viele der Aufgaben erscheinen fast lachhaft harmlos und pubertär, andere decken auf, wie schnell der Mensch bereit ist, anderen weh zu tun, um sich selbst zu retten... Es gibt in meinen Augen zwischendurch leider auch Längen – Szenen, die mehr oder weniger Raum gebraucht hätten. Aber ich konnte das Buch dennoch kaum mal zur Seite legen.

Gut gelungen fand ich, wie die Autorin ihren drei Hauptfiguren jeweils eine ganz eigene Stimme verleiht. Ich habe erst das Buch gelesen, dann das Hörbuch gehört, und bei dem kommt noch dazu, dass die Sprecher wirklich großartige Arbeit leisten. Sie erwecken ihre Rollen sehr überzeugend zum Leben, besonders Birte Schnöink als Fiona fand ich großartig.

Das Ende hat mich sehr enttäuscht. Wenn ich dieser Enttäuschung jetzt nachspüre, liegt es wohl daran, dass man zwar andeutungsweise erfährt, was diese Tat ausgelöst hat, es aber nie wirklich in die Tiefe geht. Ja, ich weiß jetzt, wer in dieser Klasse ein Mobber ist, wer ein Mitläufer, wer das Lieblingskind des Lehrers... Und dass einer davon etwas viel Schlimmeres getan hat. Die Schlüsselfigur in diesem Drama, nämlich die maskierte Person mit der Pistole, blieb für mich jedoch wie ein großer weißer Fleck auf der emotionalen Landkarte. Erst ganz am Schluss gibt es eine Art Erklärung, die aber auf mich seltsam distanziert wirkte.

Vielleicht ist das Absicht. Vielleicht soll der Amokläufer eine Art Platzhalter sein, damit sich der Leser an an seine Stelle versetzen und sich fragen kann: Wie würde ich mich da fühlen? Wie hätte ich reagiert? Dann allerdings hätte ich mir am Schluss mehr kritische Reflexion der Tat gewünscht, damit jugendliche Leser nicht mit dem Eindruck aus dem Buch gehen, dass der Amoklauf die einzig richtige Reaktion war.

Als Schullektüre finde ich das hingegen gut geeignet, weil die Klasse dann über gemeinsame Diskussion viel erarbeiten kann!

Bewertung vom 22.10.2017
Flugschnee
Müller-Wieland, Birgit

Flugschnee


gut

Der Titel des Buches könnte nicht perfekter zum Inhalt passen.

Flugschnee ist nämlich ein ganz besonders feiner Schnee. Doch was so zauberhaft und harmlos klingt, kann den Schutz eines vermeintlich sicheren Daches heimtückisch unterwandern: die winzigen Eiskristalle werden bei starkem Wind noch durch die kleinste Ritze geweht, was mitunter zu gravierenden Schmelzwasserschäden führt.

Der Schnee ist ein Leitmotiv dieses Buches, das sich über mehrere Generationen einer Familiengeschichte erstreckt, erzählt aus verschiedenen Perspektiven, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Denn auf den ersten Blick erscheint diese Familie wie ein sicheres Gebäude, das die Unbilden schwieriger, sogar grausamer Zeiten in gemeinschaftlichem Zusammenhalt übersteht – doch wird mit jeder Seite klarer: Geheimnisse, Ungesagtes, halb Vergessenes, das sind die Ritzen, durch die das Unglück hereingeweht wird.

Meist wird dieses Leitmotiv von der Autorin wunderbar eingesetzt, manchmal empfand ich die Methaphorik jedoch als etwas zu forciert: so wird mehrmals betont, dass die Großeltern versuchen, die durch den Flugschnee an ihrem Haus entstandenen Schäden einfach zu ignorieren, als müsste man einem begriffsstutzigen Leser noch einmal deutlich vor Augen führen, wie es um diese Familie steht.

Denn deren Konstrukt gerät in der jüngsten Generation nun endgültig ins Wanken, seit der Sohn, Simon, spurlos verschwunden ist. Einen Großteil der Geschichte sieht der Leser durch die Augen seiner Schwester Lucy, die seit vielen Jahren den immer gleichen Schneetraum träumt: einen wiederkehrenden Albtraum, den sie sich selbst nicht erklären kann, dessen Ursprung aber möglicherweise das in Gang gesetzt hat, was letztendlich zu Simons Verschwinden führte.

Birgit Müller-Wieland erzählt eine Geschichte, in der das Unglück nicht als großes Drama auftritt, sondern leise und schleichend. Dennoch kann man sich dem als Leser immer weniger entziehen, denn die Art und Weise, wie sie es erzählt, ist wunderbar konstruiert und erzeugt dadurch seine ganz eigene Spannung. Vieles von dem, was diese Familie erlebt, findet sich so oder so ähnlich auch in der Geschichte unzähliger anderer Familien, und dennoch ist das Mosaik, das entsteht, durch und durch originell.

Ich musste mehr als einmal an ein Zitat aus Tolstoys 'Anna Karenina' denken: "Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich."

Die Charaktere sind in meinen Augen bestechend lebensecht, obwohl man immer nur Fragmente aus ihrem Leben zu sehen bekommt. Die Autorin hat ein Gespür dafür, eine enorme Komplexität mit dem zu erreichen, was sie zwischen den Zeilen mitteilt. Und so stellt man irgendwann fest, dass das Buch eine Vielzahl von Themen vermittelt hat: nicht nur Generationenkonflikte und Familiengeheimnisse, sondern zum Beispiel auch Gedanken über Demenz, Abtreibung und die epigenetische Trauma-Vererbung.

Der Schlüssel zu allem, was geschieht, liegt in Lucys Traum(a), beziehungsweise dessen Ursache. Und hier hat das Buch mich sehr enttäuscht, denn die Auflösung erschien mir fast schon banal, die Ereignisse zusammenhaltslos – womöglich wurden aber für mein Empfinden am Schluss einfach zu viele Dinge noch schnell abgehandelt. Überhaupt sind die so sorgsam gehüteten Geheimnisse der verschiedenen Familienmitglieder zum Teil deutlich weniger bedeutungsschwer als erwartet.

"Überall war es weiß, als ich aufblickte, makellos weiß, eine Art grundloses Existieren – es zog einen Schmerz nach sich. Der Schmerz war wie etwas, das ich einmal gekannt aber irgendwann vergessen hatte.
Weißweißweiß."
(Zitat)

Der Schreibstil hat viele magische Momente, in denen er, ruhig und schwerelos, eine ungeheure sprachliche Schönheit entwickelt. Allerdings ist es hier ähnlich wie mit dem Leitmotiv: manchmal wirkten Formulierungen auf mich etwas überstrapaziert, und dann verlor sich für mich jeglicher Zauber.

Bewertung vom 17.10.2017
Meine wunderbare Yoga-Welt
Zipfel, Petra

Meine wunderbare Yoga-Welt


ausgezeichnet

Dieses Buch verbindet auf wunderbare Art und Weise zwei Dinge, die für mich Entspannung pur bedeuten: Ausmalen und Yoga. Beides kann ich nur empfehlen, wenn man sich ein Stück Ruhe, Achtsamkeit und Meditation in den Alltag holen möchte!

Petra Zipfel stellt die Verbindung dieser auf den ersten Blick eigentlich vollkommen verschiedenen Aktivitäten einfallsreich dar: jedes Bild zeigt eine Yoga-Position, mit liebevollen Details vor passendem Hintergrund in Szene gesetzt. Kleidung, Schmuck, Landschaften, Tiere und Mandalas laden zum Ausmalen ein, wobei der Schwierigkeitsgrad variiert. Mal sind die Details sehr filigran, so dass man den Stift sorgfältig führen muss, um nicht aus Versehen über die Linien hinaus zu malen, dann wiederum werden diese Details in manchen Bildern eher reduziert – so hat die Kleidung dann zum Beispiel weniger aufwendige Muster oder Falten, oder Finger und Zehen werden nur angedeutet.

So oder so haben die Bilder jedoch immer etwas sehr Charmantes, mit einer großartigen Atmosphäre.

Aber Achtung: so einladend die Bilder auch aussehen, wird doch direkt am Anfang des Buches darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um ein Anleitungsbuch handelt und man nicht versuchen sollte, die Positionen ohne Hilfe eines Lehrers oder erfahrenen Yogis nachzumachen!

Die Seiten sind doppelseitig bedruckt. Jeder der 44 Yoga-Positionen steht eine Seite mit einer kurzen Erklärung gegenüber, so dass auf der Rückseite eines Bildes immer nur Text abgedruckt ist, niemals ein anderes Bild. Insofern muss man sich keine großen Gedanken machen, ob die verwendeten Stifte und Farben durch das Papier durchdrücken!

Das Papier hat aber ohnehin eine hohe Qualität und ist dick genug, dass Farben nicht so leicht durchbluten. Ich habe das Papier wirklich bis aufs Äußerste strapaziert: ich habe Filzstifte, Buntstifte, Textmarker, Glitter-Gelstifte und 'wink of stella' (einen Pinselstift mit einer schimmernden Flüssigkeit) benutzt, und auf der Rückseite sieht man allenfalls einen ganz leichen Schatten.

Allenfalls wurde das Papier nach mehrmaligem Drübermalen etwas rauh, aber auch das hielt sich in Grenzen – bei schlechterem Papier hätte ich mir wahrscheinlich längst Löcher ins Papier gerubbelt!

Alles in allem ist "Meine wunderbare Yoga-Welt" für mich ein sehr gelungenes Ausmalbuch, das ich weiterempfehlen würde.