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easymarkt3
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Insgesamt 892 Bewertungen
Bewertung vom 01.04.2022
Engel, Nora

Gretas Erbe / Die Winzerin Bd.1 (1 MP3-CD)


sehr gut

Die 1970er-Jahre in der Pfalz - nicht nur im Weinberg!
Greta, auf ihrer Reise ab dem Alter von 17 Jahren im Roman folgend, erlebt bei der Winzerfamilie Hellert nicht nur glückliche Momente als Halbwaise, als fünftes Rad am Wagen. Eine Schulter zum Anlehnen findet sie bei dem rebellischen Sohn Robert. Neben vielen glücklichen Stunden zusammen mit ihm ist sie aber auch auf der Suche nach Freiheit, nach Selbstbestimmung, nach Wissen – alles ganz realistisch in ihrem Alltagsleben verankernd. Dabei wird auch die Problematik von Abtreibung erörtert.
Das großzügige, überraschende Erbe zum Schluss des Romans lässt den Leser in optimistischer Stimmung für Greta verharren, wohlverdient nach all den Zwängen, Erniedrigungen, Bosheiten und finanziellen Engpässen in ihrem jungen Leben ohne bisheriger, zugehöriger Familie.
Viele Informationen über den Weinanbau und den typischen Rebsorten in der Pfalz werden weitergegeben neben Traditionen wie z.B. die jährliche Wahl der Weinkönigin. Aber auch die allgemeinen Highlights in der BRD in den 1970er Jahren finden Erwähnung wie die Olympischen Spiele in München, beliebte Radio- und Fernsehsendungen neben Veranstaltungen wie ‚Holiday on Ice‘.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.03.2022
Cwiertnia, Laura

Auf der Straße heißen wir anders


ausgezeichnet

Gastarbeiter aus Armenien, gestrandet in Deutschland – ein nicht nur geschichtlich interessanter Rückblick!
Karlotta, auch Karla genannt, erzählt über die vielen Herkunftsorte ihrer deutsch-armenischen Familie, angefangen mit der Beerdigung der Großmutter, die als Gastarbeiterin in den 60ern in Deutschland ankommt bis abschließend zur Urgroßmutter Armine in den Straßen von Istanbul mit den Hintergrundinformationen zu deren goldenem Armreif und Lilit, ihrer jüngeren Schwester.
Diverse Fragen zum Grübeln werden aufgeworfen: Wie lange es wohl dauert, bis aus einem Zuhause eine Heimat wird? Hast du gewusst, dass man seine Muttersprache vergessen kann? Wie ist es, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann?
Geschichtlich sind folgende Fakten wichtig: Während des Ersten Weltkriegs ermordeten die Jungtürken im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier, wohl auch Griechen, Juden. Der Genozid fand hauptsächlich auf dem Gebiet der heutigen Türkei statt. Die deutsche Armee war mit den türkischen Soldaten verbündet.
Auf der Straße heißen wir anders: Zuhause hieß sie Maryam, draußen, Meryem. Hagop hieß Hüsein. Von seinem Vornamen stand über der Tür der Schusterei nur das H. vor Kunduracı, seinem Nachnamen, der nicht versteckt werden musste, weil er längst türkisch war. Sobald ihr Sohn laufen konnte, würde Maryam ihn draußen vor den Nachbarn Ali rufen. Darum hatte sie ihn Avedis getauft und ihm den Spitznamen Avi gegeben. Schon vor der Nacht vom 6. September 1955 sahen sich wohl viele Armenier dazu veranlasst, sich zum Schutz türkische Namen zu geben nach Enteignung, Konzentrationslager, Massaker, Todesmärschen. Vergewaltigung etc..

Bewertung vom 29.03.2022
Wendt, Lena

Danke, Afrika! Was ich zwischen Dschibuti und Marokko fürs Leben lernte.


gut

Ein Reisebericht, der mich leider nicht überzeugt hat!
Dass es in Afrika sehr viele schöne Abenteuer in der Natur zu geben scheint, lasse ich sehr gerne zu 100 % zu. Dass man an fremden Kulturen, Sprachen, Sitten und Gebräuchen interessiert ist, kann ich auch sehr gut nachempfinden. Auch eine längere Auszeit aus seinem normalen Umfeld kann ich mir sehr gut vorstellen, erst recht in jungen Jahren. Aus gewichtigen beruflichen Gründen im Ausland wie hier in Afrika zu leben, wäre auch akzeptabel für mich.
Verstehen kann ich sehr wohl all die Afrikaner, die aus diesem Kontinent fliehen, ob aus politischen, finanziellen oder privaten Gründen. Ich wollte nicht mit Lena Wendt tauschen. Neben vielen hier beschriebenen Glücksmomenten schrecken mich die aktuellen Lebensbedingungen in Afrika zu sehr ab. Lenas Großmutter kann ich sehr gut verstehen in ihrem Wunsch, die Enkelin in Deutschland wiedersehen zu wollen.

Bewertung vom 28.03.2022
Läckberg, Camilla;Fexeus, Henrik

Schwarzlicht / Dabiri Walder Bd.1


ausgezeichnet

Magie voll von rätselhaftem, düsterem Ambiente – spannend!
Mit dem Mentalisten Vincent Walder im Team der Stockholmer Polizei bekommt dieser Krimi ein besonderes Ambiente, bei dem nicht nur bei den Leichenfunden besonders viel Kreativität versprüht wurde.
Auch bei der Entwicklung einzelner Charakteren wie z.B. der Kommissarin Mila mit ihrem krankhaften Umgang mit Keimen oder Ruben mit seiner extremen Einstellung zu Frauen lugt viel Ideenvielfalt durch, was insgesamt die Teamarbeit sicherlich nicht vereinfacht.
Bezweifeln möchte ich jedoch, dass ein siebenjähriger Junge nach Bauanleitungen allein schon kraftmäßig zum Bau von solchen Zaubertrickkisten fähig ist, das notwendige Geld für all dieses Material und notwendiges Werkzeug wohl auch kaum vorhanden war.
In meiner Vorstellungskraft habe ich etwas Schwierigkeiten mit der Umsetzung folgender Situation z.B. auf S. 591-592: Zwei Erwachsene (Vincent und Mila) zunächst eng stehend in Houdinis Water Torture Cell, im Glasbehälter mit dicken Scheiben, in einem mit Wasser gefüllten Becken konstruiert für eine hängende Person. Wie könnte die 2. Person sich schnell genug winden und tauchen, um rechtzeitig zum unteren Schnorchel zwecks Sauerstoffzufuhr zu gelangen bei dieser Enge?

Bewertung vom 25.03.2022
Gabriel, Micaela A.

Stimmen der Freiheit / Die Frauen vom Reichstag Bd.1


sehr gut

Wissen Frauen die heutige ‚Freiheit‘ noch genügend zu schätzen?
Zwei Tage bevor Kaiser Wilhelm II. seinen Thron verlor, verkündete Reichskanzler Max von Baden erstmals die Einführung eines Frauenwahlrechts. Damit war die Revolution natürlich nicht mehr aufzuhalten – mit einigen anderen Beschlüssen verkündete der regierende Arbeiter- und Soldatenrat aber auch am 12.11.1918 offiziell das allgemeine Stimmrecht für Frauen. Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands durften die Staatsbürgerinnen nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden.
Nach dieser teils trockenen, langatmigen Lektüre kann ich den langen, mühsamen Weg zu unserem aktiven und passivem Wahlrecht für Frauen, zu unseren Studienplätzen in Deutschland sehr gut nachvollziehen. Um 1918 war es ein sehr steiniger, strapaziöser Gang zur Wahlurne, zum Rednerpult für meist studierte Frauen, die etwas bewegen wollten: ‚Marlene wurde nicht von ihrem Wunsch nach Anerkennung angetrieben, sondern ihrem Ehrgeiz und unbedingten Willen, etwas zu verändern. Sie betete, dass es ihr gelingen mochte, das Leben der Menschen, die neben, vor oder hinter ihr in den geschnitzten Bänken saßen, wenigstens ein bisschen zu verbessern.‘
In der Handlung spielt die Ausbildung von Marlene eine wichtige Rolle. In ihrer ersten Rede vor den Parlamentariern in Weimar betont sie: «Der Revolution verdanken wir unsere Sitze, wir danken nicht im althergebrachten Sinne dafür. Die Revolutionsregierung tat damit nur ihre Pflicht, denn die deutsche Demokratie war ohne die deutschen Frauen nicht möglich. Die deutschen Frauen sind von ihrer politischen Unmündigkeit befreit. Für Deutschland ist die Frauenfrage damit gelöst. Die neuen Rechte können uns nicht wieder genommen werden!»
Für diese Frauen war eine Ehe ausgeschlossen. Das sogenannte Beamtinnenzölibat machte es nicht nur verheirateten Lehrerinnen unmöglich, im Staatsdienst tätig zu sein. Angeblich ließ sich die Rolle der Gattin und Mutter nicht mit der Arbeit für den öffentlichen Dienst verbinden. Erst Anfang bzw. Mitte der Fünfzigerjahre wurden diese Gesetze in der Bundesrepublik Deutschland endlich geändert.

Bewertung vom 23.03.2022
Glaser, Brigitte

Kaiserstuhl (eBook, ePUB)


sehr gut

Deutsch-Französische Geschichte interessant fiktiv verwoben.
Aus dem Elsass, dieser Grenzregion – mal zu Deutschland, mal zu Frankreich gehörend in Zeiten der Weltkriege, aus dieser Region stammen auch meine Großeltern. Da ich sie aber leider nie kennengelernt habe, hege ich ein besonderes Interesse für Land und Leute, ihre Kultur und ihre besondere Sprache.
Mit dem Kaiserstuhl auf deutscher Seite verband mich bisher nur die Kenntnis über dortigen Weinanbau. Über diesen fiktiven Roman, verknüpft mit romantischen aber auch politischen Passagen, zieht ein interessanter Spannungsbogen mit Kriegserfahrungen aus dem 2. Weltkrieg beider Länder bis zum Élysée-Vertrag 1963 zwischen Deutschland und Frankreich. Auch ich hatte als Schülerin an einem Jugendaustausch mit einer französischen Partnerstadt teilgenommen und kann jetzt beim Lesen den damaligen Zeitgeist wieder erneut nachempfinden.

Bewertung vom 22.03.2022
Schwiecker, Florian;Tsokos, Michael

Der dreizehnte Mann / Eberhardt & Jarmer ermitteln Bd.2


ausgezeichnet

Spannend bis zur letzten Seite.
Sexueller Missbrauch an Kindern in dieser besonderen Konstellation – hier exemplarisch für die Stadt Berlin herausgestellt – all das geht tatsächlich auf absurde Theorien eines Psychologen namens Helmut Kentler zurück, der über 30 Jahre lang Jugendliche und Pflegekinder in die Obhut von pädophilen Männern gegeben hat.
Sehr realistisch wird im Thriller ein Szenarium aufgebaut, das wach rüttelt neben dem gewaltigen, überzeugenden Unterhaltungseffekt. Denn die sehr produktive Zusammenarbeit des Anwalts Rocco Eberhardt und des Mediziners Dr. Jarmer verhilft diesem Krimi in seiner sachlich fundierten Schreibweise zu viel informativer Tiefe, korrekter Beschreibung aller Sachverhalte neben allzu menschlichen, lieben Kontaktaufnahmen zum anderen Geschlecht.
Sehr angenehm finde ich die Darstellung der weiblichen Charakteren: Sowohl die Journalistin Anja Liebig von der Tagespost als auch die Staatsanwältin Claudia Spatzierer kommen als sehr qualifizierte, engagierte Frauen rüber.

Bewertung vom 21.03.2022
Hall, Georgie

Einatmen, ausrasten


gut

Wechseljahre der Frau – sprachlich witzig verpackt!
Wie geht es einer Frau um die fünfzig gesundheitlich, mental, emotional? Beschrieben wird das Familienleben mit drei Kindern, auch das Versterben des geliebten Hundes wird nicht ausgespart und läuft wie ein roter Faden mit durch den Roman. Hitzewallungen, Wutanfälle, überhaupt emotionale Unausgeglichenheit und Launen wechseln mit ihren Gedanken zum Sinn des Lebens, zum beruflichen Dahinplätschern, zum Familienleben im heutigen Großbritannien.
Als Leserin kann ich mich mit einigen Situationen bei Beschwerden während der Wechseljahre gut identifizieren, finde sie auch sehr humorvoll und kreativ herausgestellt. Nur leider kenne ich mich in der britischen Literatur-, Schauspiel- und Musikbranche nicht so aus, um mitreden zu können. Daher kann ich nichts mit den vielen Musiktiteln bzw. Namen von Künstlern anfangen, und daher mein Interesse für diesen Inhalt insgesamt geschmälert wird.
Das Cover lässt mich in der Interpretierung von Bild und Text unschlüssig zurück.

Bewertung vom 18.03.2022
Peck, Loraine

Der zweite Sohn (eBook, ePUB)


gut

Zu langatmiger Spannungsbogen für einen Thriller!

Das Leben, Klima und die multikulturelle Gesellschaft in Australien, speziell hier im Westen von Sydney ist gut skizziert: Die Bandenkriege, die vielen Biker-Gangs, die Drogengeschäfte, das heiße Klima auch um Weihnachten herum, die Brände in den Blue Mountains nahebei.
Insgesamt ist der Spannungsbogen rund um Johnny und Amy zu wenig gestrafft für einen Thriller. Die Textpassagen rund um Amys Rettung durch Johnny im 3. Stock am Kings Cross sind spannend gelöst.
Sehr wohl kommt folgende Botschaft aus diesem Buch rüber: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang, weg von Kriminalität, Gewalt, Rassismus, Klassenkämpfen. Gewalt sollte nie die Lösung aller Probleme sein. Jeder kann positive Entscheidungen für die Zukunft treffen, mit oder auch ohne reichlich angehäuftem Geld.