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Benutzername: Shanna
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Bewertungen

Insgesamt 120 Bewertungen
Bewertung vom 30.08.2017
Die Spur der Bücher
Meyer, Kai

Die Spur der Bücher


ausgezeichnet

Endlich geht es weiter mit der Bibliomantik in London. Wer die Trilogie "Die Seiten der Welt" mochte, wird dieses Buch lieben! Es ist definitiv mein Fantasy-Highlight des Jahres 2017. Kai Meyer hat es geschafft, mich mit dieser Vorgeschichte noch mehr für seine Thematik zu begeistern. Mit neuen Ideen, die auf einem schon bestehenden Gerüst aufbauen, lässt er den Zauber seiner Buchwelt erneut aufleben und man kann sich diesem Sog der faszinierenden Handlung nicht entziehen.

Mercy Amberdale wächst bei ihrem Ziehvater Valentine in dessen Buchladen in London auf und verdient sich mit der meist illegalen Beschaffung seltener Bücher für besessene Sammler ihren Lebensunterhalt. Als Bibliomantin besitzt sie ein persönliches Seelenbuch, mit dem sie ihre magischen Kräfte verstärken kann. Zusammen mit ihren Freunden gerät sie bei der Erledigung eines Auftrags in eine lebensbedrohliche Situation, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint...

Die Handlung setzt direkt in einer aufregenden Szene ein und man wird sofort von einer atemberaubenden Spannung gepackt und verfolgt, wie Mercy und ihre Freunde mit allen Mitteln versuchen, der Bedrohung zu entkommen. Erst nach und nach wird der Charakter von Mercy genauer beschrieben, doch man kann sich von Anfang an in sie hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen. Ich habe mich beim Lesen nicht ein einziges Mal gelangweilt, so interessant und bewegt wie Mercys Erlebnisse geschildert werden. Es gibt ruhige und actionreiche Passagen, die genau im richtigen Verhältnis dosiert sind und die Beschreibungen der Schauplätze sind informativ und anschaulich, aber nicht zu umfangreich.

Die Nebencharaktere sind durchweg interessant und es macht Spaß mit zu rätseln, welche Rolle sie bei der Auflösung spielen. Was mir schon bei der Trilogie so gut gefallen hat, sind auch hier wieder die skurrilen Geschöpfe aus der buchmagischen Welt. Da treibt eine alexandrinische Flamme ihr Unwesen und ein Besserwisser nervt mit seinen endlosen Vorträgen. Ich konnte es mir lebhaft vorstellen!

Es gibt einige Bezüge und Verknüpfungen zu der "Die Seiten der Welt" Trilogie, die man nicht erkennt, wenn man diese nicht gelesen hat, aber es ist auch kein Problem, dieses Buch ohne die Vorkenntnisse zu verstehen. Ich würde es aber unbedingt empfehlen, weil es sich einfach lohnt!

Bewertung vom 23.08.2017
Fangirl
Rowell, Rainbow

Fangirl


weniger gut

Die Zwillinge Cath und Wren waren bisher unzertrennlich, aber als sie aufs College gehen, möchte Wren neue Leute kennenlernen und nicht mehr so viel mit ihrer Schwester zusammen sein. So muss die introvertierte Cath das erste Mal in ihrem Leben alleine zurechtkommen. Ihre neue Zimmergenossin Reagan ist sehr direkt und schüchtert Cath ein, ihr Freund Levi ist dagegen immer nett zu Cath und so kann sie langsam ein vertrautes Verhältnis zu ihm aufbauen.

Caths Leben wird von Fanfiction bestimmt. Sie schreibt über eine Buchreihe in der es um Simon Snow, einen Zauberer geht. Es werden immer wieder Auszüge aus dem ebenfalls von der gleichen Autorin existierenden Buchs eingeschoben, die allerdings keinen Bezug zu der Handlung von "Fangirl" haben. Das hat den ohnehin etwas zähen Lesefluss gehemmt und mich nur verwirrt und gelangweilt. Die extreme Besessenheit von Cath zu dieser Buchreihe, die mir außerdem wie eine sehr schlechte Harry Potter Kopie vorkam, konnte ich nicht nachvollziehen und es fiel mir deshalb auch schwer, mich in ihre Gedanken und Gefühle hineinzuversetzen. Vielleicht sollte man zuerst "Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow" lesen, um einen besseren Zugang zu finden.

Die anderen Charaktere waren bis auf Levi zu oberflächlich beschrieben, um interessant zu sein und die Entwicklung von Cath war für meinen Geschmack zu schleppend und nicht bemerkenswert genug, um sie sympathisch zu finden. Die Handlung zieht sich ohne große Spannung oder Höhepunkte in die Länge und konnte mich nicht fesseln.

Leider hat mich dieses Buch nicht überzeugen können, aber da ich generell mit dem Thema Fanfiction nichts anfangen kann, bin ich dafür auch die falsche Zielgruppe.

Bewertung vom 13.07.2017
Manchmal musst du einfach leben
Forman, Gayle

Manchmal musst du einfach leben


ausgezeichnet

Maribeth lebt das Leben, welches sie sich immer erträumt hat. Sie arbeitet in ihrem Traumjob mit ihrer Freundin als Chefin, sie hat einen Mann, der sie liebt und süße Zwillinge, die das Familienglück komplettieren. Doch dieses Idyll ist nur mit großer Anstrengung aufrechtzuerhalten. Gehetzt und aufgerieben zwischen Job und familiären Verpflichtungen, macht auf einmal ihr Herz nicht mehr mit und nun muss sie sich fragen, ob der Preis, den sie beinahe bezahlt hätte, nicht zu hoch ist. Mit Anfang 40 zieht sie die Reißleine und lässt Job und Familie im Stich, um sich endlich einmal nur um sich selbst zu kümmern...

Die Handlung beginnt direkt mit den ersten Anzeichen von Maribeths Herzinfarkt und liest sich sehr flüssig und realitätsnah. Der dramatische Verlauf wird sehr detailliert und eindringlich beschrieben und hat mich an eine der zahlreichen, amerikanischen Krankenhausserien erinnert. Da ist sofort eine atemberaubende Spannung spürbar, die den Leser hautnah in die Szene eintauchen lässt. Man kann sich sehr gut in die stressige Welt von Maribeth hineinversetzen und fühlt sich in ihrem chaotischen Leben sogar als Leser schon überfordert. Da geht es Schlag auf Schlag mit den zu erledigenden Aufgaben, bei denen aber viele Zeitprobleme auch selbstgemacht sind und zu vermeiden wären. Aber die Doppelbelastung einer arbeitenden Zwillingsmutter kommt hier sehr gut zum Ausdruck und man leidet förmlich mit ihr. Zuerst entstand bei mir der Eindruck, dass sie an ihrem Mann Jason keine große Hilfe hat, aber als ihm der Ernst der Lage bewusst wurde, hat er doch tatkräftigen Einsatz gezeigt (auch wenn ihr seine Lösungen nicht gefallen haben).

Leider halten die Beteuerungen von Jason, sie während ihrer Genesungszeit zu unterstützen nicht lange vor und auch ihre Adoptivmutter, ist ihr keine große Hilfe. Deren Ignoranz und Egoismus machen ihr im Gegenteil noch mehr Arbeit und ich kann Maribeth gut verstehen, dass sie bald an einem Punkt angelangt ist, wo sie einfach nicht mehr kann. Soviel Geduld, wie sie dieser Frau entgegenbringt, hätte ich nicht gehabt. Allerdings ist es meiner Meinung nach, keine faire Lösung, einfach zu gehen. Sie hinterlässt zwar eine Nachricht, teilt aber nicht mit, wohin sie geht und ist auch in der ersten Zeit nicht erreichbar. Mit kleinen Kindern, wäre mir das unmöglich gewesen. Sie hätte eine klare Ansage machen können, dass sie eine Auszeit zum Gesundwerden braucht und die dafür benötigte Ruhe nur fernab der Familie finden kann. Das verstehen sogar kleine Kinder und auch ihr Mann hätte sich nicht so vor den Kopf gestoßen gefühlt. Ich kann daher die trotzige Reaktion von Jason sehr gut verstehen und war von der weiteren Entwicklung dann doch positiv überrascht.

Es tauchen ein paar sehr interessante und sympathische Nebenfiguren in der Auszeit von Maribeth auf, die ihr helfen, mit ihrer Situation fertig zu werden. Die Nachbarn Todd und Sunita, Dr. Grant und auch Janice von der Adoptionsstelle sind warmherzig, liebenswert und stehen ihr mit Rat und Tat zur Seite. Sie bringen frischen Wind in die sonst etwas trübselige Stimmung, die Maribeth befällt und haben mich gut unterhalten.

Ich hätte gerne noch einen tieferen Einblick in die Familie gehabt, nachdem Maribeth sie verlassen hat. Was dort in der Zeit passiert ist und wie sie mit der Situation umgegangen sind, wird nur kurz am Ende erwähnt. Das hätte ich mir noch etwas ausführlicher gewünscht. Ebenso wurden die Gründe, warum Maribeth so eine schwierige Beziehung zu ihrer Adoptivmutter hat, nicht erklärt. Man kann nur vermuten, dass deren egoistische Charaktereigenschaften zu dem distanzierten Verhältnis geführt haben. Ansonsten hat mich dieser Selbstfindungs- und Befreiungsprozess, von einer im Hamsterrad gefangenen Frau, sehr beeindruckt und mir ein bemerkenswertes, wunderbares Zitat geliefert: "Narben sind nichts anderes als Tätowierungen mit besseren Geschichten."

Bewertung vom 30.06.2017
Bad Boys and Little Bitches / Bad Boys & Little Bitches Bd.1
Götz, Andreas

Bad Boys and Little Bitches / Bad Boys & Little Bitches Bd.1


sehr gut

Aufgrund des Covers und des Titels vermutet man eine seichte Teenie-Geschichte und zuerst dreht es sich auch um die üblichen Themen wie Mobbing, Zickereien und Liebeskummer. Doch ungefähr ab der Hälfte hat mich die spannende Handlung so in ihren Bann gezogen, dass ich das Buch bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Es geht um eine Clique von vier Jugendlichen, die seit ihrer Kindheit eng miteinander befreundet sind. Lissy, Elif, Finn und Leon halten zusammen und treffen sich regelmäßig in ihrem Stammcafé. Sie sind sehr verschieden und jeder von ihnen hat so seine Probleme. Lissy ist unsterblich in ihren Lehrer verknallt, Elif hat sich nach einer wilden Phase in eine Streberin verwandelt, Finn ist der witzige Typ und Leon kifft und trinkt gerne. Dieses eingeschworene Kleeblatt erweitert sich mit der Ankunft von Vanessa, die neu an die Schule kommt und sich mit Charme und netten Gesten dazu drängelt. Finn ist sofort von ihr hingerissen, aber Leon mag sie nicht und sieht die Gemeinschaft in Gefahr. Ist ihre Freundlichkeit wirklich nur gespielt und was ist an ihrer alten Schule passiert ?

Mich haben die Handlung und die Charaktere sofort an die Serie "Pretty Little Liars" erinnert. Es gibt da durchaus einige Parallelen. Ein Lehrer im Gewissenskonflikt, gekränkte Eitelkeiten und undurchsichtig verwobene Rachepläne kreieren eine interessante und faszinierende Story. Der etwas mysteriöse und unscheinbare Sohn des Hausmeisters hat ebenfalls seine Hand im Spiel und gibt zusätzliche Rätsel auf, bei einem perfide geplanten Komplott.

Der Schreibstil ist temporeich und leicht zu lesen und es kommt zu keinerlei Längen. Allerdings bleibt es bei nur sehr oberflächlichen Beschreibungen der Charaktere. Man kann sich nicht so richtig in sie hineinversetzen und mir blieben sie zu blass und fremd. Dadurch konnte ich auch eine Entscheidung von Lissy am Ende des Buches überhaupt nicht verstehen. Diese passte so gar nicht in das Bild, dass ich bis dahin von ihr hatte. Ansonsten besitzt die Geschichte aber eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann.

Das Buch ist das erste einer geplanten Reihe und es gibt am Schluss einen kleinen Cliffhanger, der auf eine ebenso spannende Fortsetzung hoffen lässt.

Bewertung vom 28.06.2017
Stell dir vor, dass ich dich liebe
Niven, Jennifer

Stell dir vor, dass ich dich liebe


ausgezeichnet

Niemand ist perfekt!
Das Cover fällt gleich ins Auge, wegen seiner knalligen Farbe und auch der verspielte Inhalt des Sterns zeigt eine sehr romantische Szene. Doch die Handlung basiert auf problematischen Themen und ist nicht so rosarot und weichgespült, wie es das Cover vermuten lässt. Die Protagonisten bieten einiges an Zündstoff für eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle.

Jack erkennt nicht mal seine engsten Familienmitglieder am Gesicht und muss sich deshalb an Äußerlichkeiten orientieren, was man als neurologische Störung im Gehirn mit dem Namen Prosopagnosie bezeichnet. Libby hat schon Schlagzeilen als Amerikas dickster Teenager gemacht. Trotz einer sensationellen Gewichtsabnahme wiegt sie immer noch viel zu viel, um von anderen Jugendlichen akzeptiert zu werden. Zumal sie neu an die Schule kommt. Durch ein idiotisches und entwürdigendes "Spiel" treffen Jack und Libby im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander...

Den Anfang macht ein kurzer Brief, den Jack an Libby schreibt und man kann sich da bereits vorstellen, dass er Libby wehtun und sie enttäuschen wird. Wie es dazu kommt, wird in Rückblenden abwechselnd aus der Sicht von Libby und Jack erzählt. Dazwischen sind auch immer wieder Zeitsprünge, denen man aber gut folgen kann. Schon nach wenigen, kurzen Beschreibungen der beiden Hauptpersonen, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und ihre Probleme nachvollziehen, weil sie sehr ehrlich und schonungslos von ihren Erfahrungen berichten. Der Schreibstil ist direkt und ohne Schnörkel, mit einigen witzigen Sprüchen gewürzt, die sehr unterhaltsam zu lesen sind. Auch die authentischen und lebensnahen Dialoge sind glaubhaft. Über Jacks Listen, die manchmal passend zu dem gerade Gelesenen auftauchen, musste ich richtig lachen. Sie sind aufschlussreich, witzig und lockern die Kapitel zusätzlich auf.

Libby ist ein bewundernswert schlagfertiges Mädchen, die keine Opferrolle einnehmen will und sich in schwierigen Situationen hervorragend behaupten kann. Jack dagegen, hält seine Krankheit vor allen geheim. Er hat Angst vor Ausgrenzung und Mobbing, was ich im Hinblick auf seine Mitschüler noch verstehen kann, aber seine Familie und enge Freunde müssten doch Bescheid wissen. Das würde ihm das Leben erleichtern! Er ist sehr erfinderisch, wenn es darum geht, Menschen zu erkennen. Die Tricks, die er anwendet, zeugen von Intelligenz, aber er stößt damit bald an seine Grenzen.

Es treten einige sehr interessante und liebenswerte Nebencharaktere auf, die man gleich ins Herz schließt. So sind Jacks Bruder Dusty, der Gesprächskreisleiter Mr. Levine und Libbys Therapeutin Rachel wichtige Personen, die sie in ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen. Was mir an der Liebesgeschichte sehr gut gefallen hat, war die dezente Annäherung von Libby und Jack. Das Verlieben ist hier keine unrealistische Kitschromanze, sondern basiert auf einer langsam und behutsam aufgebauten Freundschaft. Das ist viel angenehmer zu lesen, als in den meisten Teenie-Romanen, wo sich die Paare schockverlieben. An manchen Stellen war die Handlung etwas unglaubwürdig, was mich aber nicht so gestört hat, weil es mit wunderbaren Lesemomenten wieder ausgeglichen wurde. So fand ich z.B. die ausdrucksstarken Zitate, die im Text immer wieder auftauchen und die es wert sind, gesondert aufgehoben zu werden, sehr inspirierend.

Ein unterhaltsames und doch tiefgründiges Buch, mit eindrucksvollen Charakteren und einem romantischen Ende, was die Geschichte für mich befriedigend rund machte. Dieses Buch sollten alle lesen, die sich nicht erwünscht fühlen und auch gerade diejenigen, die ihnen dieses Gefühl vermitteln!

Bewertung vom 01.06.2017
Auweia!
Fauser, Nico

Auweia!


ausgezeichnet

Ich kannte bisher noch gar keine Cartoons von Nico Fauser und habe mich herrlich über diesen Sammelband amüsiert. Jede Seite erzählt eine kleine, witzige Geschichte in Bildform mit einem kurzen Text, die man sofort versteht und in der die Pointe genau auf den Punkt gesetzt ist. Bei vielen habe ich gelacht und gedacht: "Ja, genau so ist es!"

Der Autor/Zeichner beleuchtet Alltagssituationen, die man oft selbst schon erlebt hat, aber deren Komik gar nicht erkannt hat. Da werden geläufige Ausdrücke wie Frauenparkplätze, Mobbing, Fahrzeughalter und Stammkunde ganz wörtlich genommen und in unterhaltsamer Form präsentiert. Die Zeichnungen haben mich in ihrer auf das Wesentliche reduzierten Einfachheit sehr angesprochen, da sie trotzdem ganz liebevoll und entzückend dargestellt sind. Besonders gefallen haben mir die Tiercartoons, aber es ist eine schöne Mischung in der für jeden etwas dabei ist. Ob Vegetarier oder Taucher - sogar mein Mann als Modellflugzeugfan entdeckte ein Bildchen über sein Hobby. Auch ganz aktuelle Themen wie der Klimawandel und die moderne Technik finden ihren Platz.

Leider hat man es viel zu schnell "durchgelesen", aber ich werde es immer wieder mal zur Hand nehmen und mich darüber freuen. Außerdem wird es bestimmt noch viele weitere Cartoons von Nico Fauser geben - bei den sprühenden Ideen!

Bewertung vom 18.05.2017
Die Heuhaufen-Halunken Bd.1
Gerhardt, Sven

Die Heuhaufen-Halunken Bd.1


gut

Dies ist der erste Band einer neuen Kinderbuch-Reihe und das Cover ist optisch sehr ansprechend gestaltet. Man sieht die Mitglieder der Bande, die schon mit Blick und Haltung den Eindruck vermitteln, dass sie es faustdick hinter den Ohren haben. Die Geschichte spielt in einer heimeligen Bauernhofidylle, die den Kindern in ihren Ferien zu langweilig wird. In ihrem Dorf am Ende der Welt passiert nichts Spannendes und so kommt die Halunken-Anführerin Meggy (10) auf die folgenreiche Idee, an einem weiter entfernten See zu zelten - natürlich ohne Eltern. Doch dann taucht ein fremder Junge aus der Stadt auf, der die Pläne der Halunken zunächst stört oder ist er etwa doch ganz nett und hilfreich?

Die Kapitelüberschriften sind in Reimform und so wie Bauernregeln geschrieben. Das ist eine witzige Idee und gefällt mir sehr gut und auch die Illustrationen, die die Handlung veranschaulichen, sind liebevoll und detailreich gezeichnet. Die Eintragungen aus Meggys Notizbuch fassen die jeweiligen Ereignisse nochmals gut zusammen und lockern die leicht zu lesende und unterhaltsame Erzählung zusätzlich auf.

Mir gefällt an der Handlung, dass der Konflikt zwischen den Landkindern und dem Stadtkind, der von Vorurteilen geprägt war, positiv aufgelöst wird. Es wird aufgezeigt, dass Diskriminierung und Ausgrenzung im Umgang miteinander, nichts zu suchen haben. Das Motto der Bande "Kannst du krumme Dinger dreh'n, bist du hier hoch angeseh'n" setzt meiner Meinung nach dagegen falsche Signale und verharmlost ihre gefährlichen (Straf)taten. Angefangen mit der Täuschung einer Ladenbesitzerin, über das Abzapfen von Benzin aus dem Auto der Eltern, bis zur lebensbedrohlichen Autofahrt. Die Strafe für ihr Vergehen fällt in meinen Augen viel zu milde aus und die Erwachsenen "belohnen" sie sogar noch mit einem Picknick danach. Von Reue ist bei den Halunken demnach auch nicht viel zu spüren, sie sind sogar stolz auf ihre Taten und schmieden bald schon wieder neue Pläne.

Man kann nur hoffen, dass kein lesendes Kind die Unternehmungen dieser fragwürdigen Vorbilder nachahmt und stattdessen besser die Dinge tut, die auch die Halunken dann bis zum Ende der Ferien betreiben. Durch Wälder und Wiesen stromern, Bäche stauen und Heuschlachten in der Scheune sind auf jeden Fall besser für die geistige und körperliche Gesundheit von Kindern geeignet. Leider wird das nur nebenbei in einem Satz am Ende erwähnt. Mir fehlt insgesamt eine deutliche Aussage darüber, dass das, was die Kinder angestellt haben, keine Streiche mehr sind, sondern gefährlicher Unsinn, auf den man nicht stolz sein sollte. Ich kann aus diesen Gründen nur empfehlen, das ansonsten lustige und kurzweilige Buch begleitend mit der vernünftigen Erklärung eines verantwortungsbewussten Erwachsenen, zu lesen.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.04.2017
Die zwei Leben der Florence Grace
Rees, Tracy

Die zwei Leben der Florence Grace


sehr gut

Das Cover erinnert mich an einen Jane Austen Roman und gefällt mir sehr gut, da ich die englischen Romane aus dieser Zeit gerne lese. Ich mochte das erste Buch der Autorin sehr und auch dieses konnte mich, mit kleinen Einschränkungen, überzeugen.

Die junge Florrie stammt aus einem kleinen Ort und hat eine besondere Verbindung zum sagenumwobenen Moor. So kann sie sich dort nicht verirren und besitzt auch die besondere Gabe, Menschen beim ersten Anblick einschätzen zu können. Als sie bei einer Abendveranstaltung der höheren Gesellschaft in der Stadt als Dienstmädchen aushilft, lernt sie die so unterschiedlichen, aber faszinierenden Brüder der Familie Grace kennen. Sie stammen aus einer gänzlich anderen Welt, aber Florrie hofft trotz aller Standesunterschiede, die beiden noch einmal zu treffen.

Die Szenerie des Buches erinnert zu Beginn an die englische Serie "Upstairs/Downstairs" und man kann die besondere Atmosphäre zwischen Dienstpersonal und Herrschaft spüren und sich ganz in sie hineinversetzen. Der Schreibstil ist so bildhaft und aussagekräftig, dass man die andächtige Florrie in ihren einfachen Kleidern direkt vor sich sieht, wie sie hinter dem Vorhang den prächtig gekleideten Damen und Herren beim Tanzen zusieht. Sie ist jedoch mutig genug, um sofort aus ihrer Deckung zu kommen und den gerade gestürzten Paaren zu Hilfe zu eilen. Ebenso keck und nicht auf den Mund gefallen, winkt sie anschließend den einen der Grace-Brüder sogar hinter ihren Vorhang und unterhält sich ohne Scheu mit ihm. Diese erfrischende und zupackende Wesensart gefällt mir ausnehmend gut und macht mir die Protagonistin sofort sympathisch. Im weiteren Verlauf der Handlung kommt ihr sturer und zum Widerspruch neigender Charakter immer deutlicher zum Vorschein. Sie will sich nicht dem Diktat der Familie Grace unterwerfen und bringt sich damit immer wieder in sehr demütigende Situationen.

Doch bleibt ihr notgedrungen kein anderer Ausweg als klein beizugeben und so scheint sie sich den Gepflogenheiten anzupassen. Das wilde, freie Landmädchen mit dem deutlichen Akzent muss viel lernen, ehe sie in den Augen ihrer Tante vorzeigbar und präsentabel für die vornehme Londoner Gesellschaft ist. Dies hat mich sehr an Eliza Doolittle in "My fair Lady" erinnert und über einige der lustigen Begebenheiten konnte man Schmunzeln. Etwas langweilig war die Beschreibung der Geschichte aller Mitglieder der Familie, über die sie ihr Großvater Hawker aufgeklärt hat und die sie auswendig lernen musste. Zum Glück hat sie innerhalb und auch außerhalb des Hauses Verbündete, die ihr helfen, ihre schwierige Lage zu meistern.

Florries Gefühle zu ihrem vermeintlichen Cousin Turlington sind für meinen Geschmack etwas zu schwülstig dargestellt und man kann nur ungläubig über die Wandlung staunen, die dabei ihr Charakter erfährt. Die sonst so klar denkende Florrie wird von ihrer Liebe zu ihm total vernebelt und ihre Urteilsfähigkeit getrübt. Leider wird auch nur noch sehr wenig auf ihr Verhältnis zu den Dienstboten eingegangen. Ich hätte mir mehr Einblick über ihre Beziehungen zu diesen innerhalb des Hauses gewünscht, nachdem sie zu einer respektablen Lady aufgestiegen ist und somit die Seiten gewechselt hat.

Sehr gelungen fand ich dagegen einige Nebencharaktere, die man für ihre Taten hassen bzw. für ihre ungewöhnliche Weisheit einfach bewundern musste. Sie geben dieser Familiengeschichte die nötige Würze und sorgen für wohltuende Abwechslung. Eine überraschende Wendung bringt die Handlung zu einem befriedigenden und versöhnlichen Abschluss und macht damit diesen Roman für mich insgesamt zu einer interessanten und unterhaltsamen Lektüre.

Bewertung vom 27.03.2017
Ewig dein / Deathline Bd.1
Clark, Janet

Ewig dein / Deathline Bd.1


gut

Josie ist ein 16-jähriges Mädchen und lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrem Bruder auf einer Pferderanch in den USA. Ihre Mutter kam bei einem Autounfall ums Leben und seither ist es für die kleine Familie sehr schwer, die Ranch rentabel zu bewirtschaften, obwohl alle kräftig mit anpacken. In direkter Nachbarschaft liegt das Gebiet des Yowama-Volks, um das sich viele Mythen ranken, von denen aber nur sehr wenig bekannt ist, da sie sehr zurückgezogen leben. Als Josie auf den geheimnisvollen Ray trifft, weiß sie noch nicht, welche abenteuerliche Wendung ihr Leben nehmen wird.

Josie schreibt die Geschichte als Ich-Erzählerin und spricht den Leser am Anfang direkt an. Das schafft gleich eine Nähe zu ihrem Charakter und man kann sich sofort in sie hineinversetzen. Mir hat bei diesem Buch die Beschreibung des Lebens auf einer Pferderanch sehr gut gefallen. Die ganze Atmosphäre dort war authentisch und klar vorstellbar dargestellt. Man bekommt einen interessanten Einblick, welche Aufgaben dort anfallen und mit welchen Schwierigkeiten die Familie zu kämpfen hat. Stall ausmisten, Mustangs einreiten und Feriengäste betreuen bedeutet viel Arbeit und wenig Freizeit. Josie hat zum Glück zwei sehr gute Freunde, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen und deren Charaktere mir auf Anhieb sympathisch waren. Ihr Bruder und ihr Vater erschienen mir dagegen eher nicht so freundlich, was sich auch bis zum Schluss nicht geändert hat.

Es passieren viele mysteriöse Dinge in der Stadt und auf der Ranch, die ein wenig für Spannung sorgen und über die man mit rätseln kann, allerdings hat mich Handlung nicht so begeistert, auch weil sie ab der Hälfte ziemlich vorhersehbar war. Ich habe schon einige, ganz ähnlich gestrickte Bücher gelesen, so dass es nichts wirklich Neues war. Auch die Liebesgeschichte, die bei solchen Büchern nicht fehlen darf, war ganz nett, aber mehr auch nicht. Wenn man nichts Besonderes erwartet, ist das Buch eine schöne Unterhaltung und es lässt sich auch leicht und flüssig lesen, aber mir fehlten ein wenig der Pep und die überraschenden Wendungen. Dies ist der erste Teil einer Reihe, aber es gibt am Ende eine befriedigende Auflösung der wichtigsten Fragen, so dass man ihn auch als Einzelband lesen kann.

Bewertung vom 12.02.2017
Den Mund voll ungesagter Dinge
Freytag, Anne

Den Mund voll ungesagter Dinge


ausgezeichnet

Inhalt:
Die siebzehnjährige Sophie muss kurz vor ihrem Abitur von Hamburg nach München umziehen, weil die neue Freundin ihres Vaters dort wohnt und er mit ihr zusammen leben möchte. Ihre Mutter hat die Familie kurz nach Sophies Geburt verlassen und sie hat kaum noch eine Erinnerung an sie. Ihr enger Freund Lukas hat sie ebenfalls verlassen, um zu seiner Freundin nach Frankreich zum ziehen und so hat Sophie niemanden mehr, dem sie sich anvertrauen kann. Zuerst will Sophie ihre Stiefmutter, die Halbbrüder, das neue Haus und einfach alles ganz schrecklich finden, aber sie wird so herzlich aufgenommen, dass sie ihre Haltung nach und nach ändert. Daran hat auch das Nachbarsmädchen Alex einen großen Anteil, die mit ihrer mitreißenden und offenen Art sofort ihre beste Freundin wird und ganz neue, aufregende Gefühle in ihr auslöst...

Meine Meinung:
Dieses Jugendbuch hat mich von Anfang an begeistert! Man taucht direkt in die Gefühlswelt eines sehr ernsten und sensiblen Mädchens ein, das viel zu früh die Liebe und Nähe einer Mutter entbehren musste. Der Vater hat ihr zwar, so weit es ihm möglich war, ein liebevolles und stabiles Zuhause gegeben, aber man merkt an ihren Aussagen, dass ihr dabei etwas Entscheidendes gefehlt hat. Nun wird sie auch noch kurz vor ihrem Abitur aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, was ich sehr egoistisch von ihrem Vater finde, der doch noch die paar Monate mit dem Umzug hätte warten können und aus Bequemlichkeit sie noch nicht mal ihr eigenes Bett mitnehmen lässt. Er wird mir im Laufe der Handlung immer unsympathischer und zum Glück gelingt Lena, der "Stiefmutter", eine feinfühlige und ehrliche Annäherung an die neue Tochter.

Die sehr lebendige Erzählweise der Protagonistin aus der Ich-Perspektive und die glaubwürdigen Dialoge lassen die Handlung nur so voran fliegen. Ich konnte mich sehr gut in Sophie und die anderen Charaktere hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen. Ohne falsche Scham werden die innersten Gedanken enthüllt und intime Handlungen dargestellt, ohne pornografisch zu wirken. Besonders gut hat mir gefallen, dass man am Ende auch Einblick in die Gefühle von Alex in ihren tagebuchartigen "Gedankenfetzen" bekommen hat. So konnte man die Geschichte noch mal aus ihrer Perspektive erleben. Kleine Details, wie zum Beispiel die Bildchen über dem jeweiligen Kapitel, haben eine schöne Bedeutung, die an Alex 18. Geburtstag erklärt wird. Ebenso bekommt die Zeichnung des Mädchens auf dem Cover zum Schluss noch einen ganz besonderen Sinn.

Die Botschaft des Buches kann man ganz klar auf einen Nenner bringen: Es kommt nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Wahrhaftigkeit der Liebe an! Der Autorin ist hier ein Jugendroman mit der richtigen Mischung aus der Problematik des Erwachsenwerdens, des Sich-selbst-Findens und der ersten Liebe ohne Kitsch und trotzdem voller Romantik gelungen.