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Benutzername: Kissss
Wohnort: Kirchheim/Teck
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Bewertungen

Insgesamt 116 Bewertungen
Bewertung vom 17.02.2013
Das Seil
Siepen, Stefan aus dem

Das Seil


sehr gut

Wie jeden Abend macht Bernhardt seinen Spaziergang am Wald entlang, seine Pfeife im Mund und in Gedanken bei der anstehenden Ernte. Doch etwas macht ihn stutzig. Ein Seil liegt auf dem Boden und schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch in den Wald...

Der Plot ist ganz simpel gestrickt und schnell zusammengefasst. Sämtliche männlichen Bewohner des Dorfes, von den Alten und Kindern abgesehen, machen sich auf, um das Geheimnis des Seils zu lüften. Auch als Leser ist man gespannt darauf zu erfahren, was es damit auf sich hat und was wohl am Ende auf die Leute warten würde. Man kann sich also sehr gut vorstellen, was die Männer antreibt, denn wie könnten sie einfach aufhören und mit dem Unwissen weiterleben? Aus dem kleinen Abenteuer werden Strapazen, aus Strapazen eine echte Gefahr für Leib und Leben, ganz zu schweigen von der Psyche. Man erlebt hautnah den Zerfall der Truppe mit und obwohl aus dem Siepens Stil sehr knapp ist und sich nicht mit wortreichen Dialogen oder aufwendigen Beschreibungen aufhält, fand ich die Lektüre bemerkenswert intensiv: "Jeder sah nur den Hinterkopf dessen, der vor ihm ging, selten sein Gesicht, so war er ihm zwar nahe und doch auch wieder allein für sich." Diese kleinen Beobachtungen genügen, um die Situation nachvollziehbar, nacherlebbar zu machen und wer die ruhigen, klaren Worte auf sich wirken lässt, kann nicht umhin, dem Rattenfänger von Hameln und dessen Flöte zu folgen.

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Bewertung vom 17.02.2013
Luftschiff
Siepen, Stefan aus dem

Luftschiff


gut

Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Reise mit dem Luftschiff quer über den Atlantik eine große Sensation. In nur drei Tagen soll die „Berlin“ in den Vereinigten Staaten ankommen und Passagiere wie der Oberregierungsrat Neise bedauern beinahe, jemals an ihrem Ziel ankommen zu müssen. Wie angenehm lebt es sich doch in dem Niemandsland zwischen Erde und All. Da verirrt sich die „Berlin“ tatsächlich in dichten Nebelschwaden und endlosen Wolkenmeeren...

Sobald Neise sich an Bord des Luftschiffes befindet, wird klar, dass er damit eine völlig andere Welt betreten hat. Sehr stimmungsvoll zeichnet aus dem Siepen das Bild eines engen, schummrig beleuchteten Korridors und kleinen Fenstern, welche die Aussicht, die sie bieten, zu etwas Unwirklichem, Unbedeutendem machen. Diese surreal anmutende Stimmung zieht sich durch den gesamten Roman. Die „Berlin“ scheint kein Ziel zu haben, ebensowenig die Passagiere, nachdem diese gemerkt haben, dass ihr Flug länger weilen wird als geplant. Die Ziellosigkeit schlägt sich nach einiger Zeit leider auch im Buch nieder und man nimmt eher unfreiwillig an den täglichen Ritualen des Herrn Neise teil, welche mich zu Anfang amüsierten und den farblosen Angestellten aus dem Justizministerium treffend charakterisierten. Dann jedoch begann mich dieser Müßiggang zu langweilen. Macht es den Leuten denn gar nichts aus, womöglich niemals anzukommen? Sie sind zwar frei von jeglichen Verpflichtungen, zumindest was die Reisenden angeht, nicht aber die Angestellten, die für deren Bequemlichkeit sorgen müssen, quasi unsichtbar. Allerdings sind die Passagiere stark eingeschränkt, was ihre persönliche Freiheit, den freien Willen angeht, das zu tun, was sie tun wollen. Nicht nur vom räumlichen Aspekt her gesehen. Oder will uns der Autor gerade das damit sagen? Dass uns Grenzen gesetzt sind, in dem, was wir unternehmen können, ohne dass sie so eng begrenzt sein müssen wie auf der „Berlin“?
Wie auch immer, nach dem ironischen, starken Beginn hatte ich das Gefühl, dass der Roman immer weiter abflacht. Die Personen, die man beziehungsweise Neise trifft, werden immer seltsamer und machen damit immer deutlicher, wie unecht sie wirken. Die meisten vermeiden das Thema ihrer ungewissen Ankunft in Amerika, obwohl doch gerade das Anlass zu den heftigsten Spekulationen geben müsste. Stattdessen wird schamlos über die Mitfahrer geklatscht, was sich mitunter äußerst komisch anläuft. Ansonsten lassen sich die Menschen treiben, genau wie das Luftschiff und letztendlich die Handlung des Romans.

Bewertung vom 08.02.2013
Die Legende der scharlachroten Wolken - Die verborgene Blume des Scheusals
Tenuta, Saverio

Die Legende der scharlachroten Wolken - Die verborgene Blume des Scheusals


ausgezeichnet

Die Konfrontation zwischen Raido und der in den Wahnsinn abgleitenden Ryin steht kurz bevor. Und auch die Dorfbewohner wagen den öffentlichen Aufstand gegen den despotischen General Kawakami...

Leider ist mit diesem Band die Geschichte um den Ronin Raido abgeschlossen, findet jedoch einen sehr befriedigenden Abschluss. Bei dem spektakulären Endkampf zieht Tenuta nochmals alle Register seines Könnens, ob künstlerisch oder erzählerisch. Das ist nicht nur wunderbar anzusehen, sondern auch spannend, temporeich und todtraurig. Das Gute hat obsiegt, doch war das "Böse" niemals richtig schlecht. Ryins Motive, mögen die von ihr angewandten Mittel und Wege falsch sein, sind nachvollziehbar und es ist einfach schön, miterleben zu dürfen, wie alles seinen Platz findet. Eine fantastische Reihe!

Bewertung vom 08.02.2013
Die Legende der scharlachroten Wolken 03
Tenuta, Saverio

Die Legende der scharlachroten Wolken 03


ausgezeichnet

Die Wölfe haben Meiki mitgenommen und Raido wagt sich ihretwegen in den Eiswald, um sie zu suchen. Doch er findet weit mehr als erwartet...

Zu den wie immer beeindruckenden Illustrationen lese man mehr bei Band 1 und 2, ich konzentriere mich nunmehr auf den Inhalt. Endlich erinnert sich Raido an seine Vergangenheit und man wird Zeuge der Bilder, die ihm durch den Kopf gehen. Das Tragische daran ist, dass Raidos Retter gleichzeitig sein größter Feind sein sollte, schließlich ließ dieser das gesamte Dorf und somit auch Raidos Familie niederbrennen. Ein gemeiner Zug Tenutas, denn je mehr Seiten man von der facettenreichen Geschichte kennt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse und das ehemals Schwarz und Weiß verschwindet in einem diffusen Grau. Titelheld Raido ist davon nicht ausgenommen und das macht diesen Comic so faszinierend.

Bewertung vom 04.02.2013
Maries Drachen - Armance
Ange; Démarez, Thierry

Maries Drachen - Armance


sehr gut

In dem abgelegenen Dorf in den Bergen Frankreichs ist es Brauch, dass ein Kind in seinem 12. Lebensjahr alleine in den Wald geht und eine Nacht dort verbringt. Es soll ein Tier jagen, es töten und sein herausgeschnittenes Herz mitbringen. Jetzt ist Marie an der Reihe und sie schlägt sich gut, doch als sie ins Dort zurückkehrt, steht es in Flammen. Viele Einwohner sind getötet worden, darunter ihre Eltern. Die restlichen wurden verschleppt und versklavt. Marie gelingt es, einen Blick auf die Mörder zu erhaschen und schwört blutige Rache und 15 Jahre später soll sie ihre Gelegenheit bekommen...

Dies ist der bunteste Comic, den ich diesen Monat gelesen habe. Vor allem der Anfang, als die Welt noch in Ordnung war, schien die Sonne, der Himmel war blau, die Menschen jubelten und die Kinder tollten umher. Später mischen sich sehr viele Brauntöne darunter, doch gibt es immer wieder Lichtblicke wie das Panorama von Paris oder die prächhtigen Gewänder der Adligen. Besonders gelungen finde ich die Monster, die faszinierend und schrecklich zugleich sind. Ich konnte mich kaum von ihnen lösen, so grotesk sehen sie aus. Die allesamt mehr als ansehnlichen Frauen wiederum sind mit einer sündigen Figur und Doppel-D ausgestattet, während die Männer leider nicht so attraktiv sind. Mein Geschmack sind sie jedenfalls nicht, aber immerhin hat jeder Protagonist ein unverwechselbares Äußeres, so dass man die einzelnen Charaktere stets gut erkennt. Gefühle sind eindeutig an der Mimik abzulesen, aber naturgemäß etwas übertrieben, ebenso die Gestik. Die Szenen sind sehr gut ausgeleuchtet, so dass es kaum Schatten gibt. Das Format ist sehr groß (325 x 234 x 10 mm), Seitenzahlen sind vorhanden, Printed in Germany.
Die Handlung beginnt in der Kindheit der Titelheldin, um nach ein paar Seiten in die Gegenwart zu wechseln. Marie ist also auf der Suche nach den Mördern ihrer Familie, doch weshalb diese überhaupt getötet worden waren, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel. Woher Maries Visionen kommen, ebenfalls, so dass ich mir den nächsten Band auf jeden Fall werden kaufen müssen. Dabei war mir der Kampf, der am Ende stattfindet, irgendwie zu schnell vorbei, obwohl er zweifelsohne den Höhepunkt darstellen sollte. Trotzdem haben mich die Autoren "Ange" an der Angel, weil sie vieles im Unklaren lassen und mit Marie eine schlagkräftige, selbstbewusste junge Frau erschaffen haben, von der ich gerne mehr erfahren würde.

Bewertung vom 27.01.2013
Kull Volume 1: The Shadow Kingdom
Nelson, Arvid

Kull Volume 1: The Shadow Kingdom


ausgezeichnet

Kull von Atlantis hat den Thron des Valusian Empire erobert, durch List und das bloße Schwert. Doch die Arbeit fängt jetzt erst an, da viele den Barbaren tot sehen wollen. Allen voran die Anhänger des Serpent Cult, die gefährlicher sind, als es den Anschein hat...

Mit seinen beeindruckenden Kriegsszenen entführt uns Will Conrad in eine düstere Welt voller prachtvoller Gemächer, wallender Roben und mordlüsterner Gestalten. Die Kämpfe sind dreckig und brutal, der König von Narben bedeckt und das Blut fließt rot und reichlich. Die Bewegungen wirken naturgetreu und wenn die Klingen sprechen fühlt man sich mittendrin im Geschehen. Wechselnde Perspektiven und Nahaufnahmen machen das Lesen zu einem fast cineastischen Vergnügen. Der warme Schein des Feuers, das geheimnisvolle Leuchten eines Edelsteins und die finsteren Gänge der Burg tragen viel zu der düsteren Grundstimmung bei. Die Figuren tragen solch markante Gesichtszüge, dass man sie gut wiedererkennen kann und jedem dadurch ein eigener Charakter verliehen wird. Darüber hinaus git es teils so viele Einzelheiten zu entdecken, dass man im Lesen innehält, um sich die Bilder genauer anzusehen.
Und das ist gar nicht so einfach, da der Drang so groß wird, mit der Geschichte fortzufahren. Ich jedenfalls fand es sehr aufregend mitzuverfolgen, wie Kull versucht, nicht nur sein Leben, sondern auch seinen Thron zu behalten. Nicht immer ist das Schwert die richtige Wahl und er muss erst einmal lernen, wie ein Herrscher zu agieren. Conan, sein Nachfolger im Geiste, der erst später von Robert E. Howard aus der Taufe gehoben wurde, hat es da leichter. Dieser Meinung ist zumindest der Autor des vorliegenden Buches, Arvid Nelson, dessen Nachwort drei Seiten umfasst. Man spürt die Zweifel Kulls eher, als dass sie ausgesprochen werden und der Fokus liegt ganz klar auf den Kämpfen. Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, was es mit dem Shadow Kingdom auf sich, was der Edelstein für eine Bedeutung hat und wer sich hinter der Maske des Hohepriesters verbirgt.