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Benutzername: Kissss
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Danksagungen: 10 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 116 Bewertungen
Bewertung vom 24.08.2013
Mein Bilderbuchschatz - Von Drachen, Bären und schönen Träumen

Mein Bilderbuchschatz - Von Drachen, Bären und schönen Träumen


weniger gut

"Mein Bilderbuchschatz" kostet € 14,90 und hat mit über 200 Seiten bunt bebilderter Seiten ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Allerdings lässt die Qualität der Illustrationen so manches mal zu wünschen übrig. Die Bilder bei Pippi Langstrumpf und "Linnea geht nur ein bisschen verloren" finde ich richtiggehend hässlich, da Pippis Stupsnase wie ein Schweinerüssel aussieht und die Perspektiven völlig verrutscht sind, während Linnea oft sehr finster dreinblickt und wohl ein Fan der unsäglichen 80er-Jahre-Mode ist. Die Tiere im "Bärenmärchen" wiederum sind zwar ganz nett gezeichnet, doch sieht man nicht viel mehr als die Bären selbst, was ziemlich öde ist und gleichfalls für "Bella geht einkaufen" gilt. "Kleiner, schrecklicher Drache" ist ganz gut, mit vielen Details und eher gedeckten Farben. Ergibt eine Gesamtnote von "nett". Printed in Germany.

So durchwachsen wie die Qualität der Bilder sind auch die Geschichten. Meine Favoriten sind "Kleiner, schrecklicher Drache" und "Bärenmärchen". Ersteres vermag zu überraschen, während letzteres im Stil alter Märchen gehalten ist, mit vielen Wiederholungen und einer Moral am Ende. Daneben gibt es allerdings viele völlig unspektakuläre Erzählungen, die teilweise ganz nett sind, aber nicht dazu verleiten, sie öfters als einmal zu lesen. Selbst Pippi hat mir nicht sonderlich gefallen, da zumindest die deutsche Übersetzung ab und an zu wünschen übrig lässt: "Das Pferd [...] kriegte Kuchen und Zucker." Außerdem ist die Geschichte sehr sprunghaft und der Spaß am Lesen war doch sehr getrübt von den unschönen Bildern. Ich hatte eigentlich auf mehr Drachen gehofft, aber die meisten Geschichten haben Alltagsprobleme zum Inhalt wie das selbständige Einkaufen, Lügen oder der ewige Vergleich mit anderen (der ist geschickter, die ist hübscher). Das ist löblich, die hier enthaltenen Werke jedoch oft geradezu uninteressant. Keine Empfehlung.

Bewertung vom 14.07.2013
Alice im Wunderland
Chauvelle, David; Collette, Xavier

Alice im Wunderland


sehr gut

Alice langweilt sich, da ihre Schwester nicht mit ihr spielen, sondern lieber in einem Buch ohne Bilder lesen will. Da erblickt das kleine Mädchen einen Hasen und folgt ihm kurzerhand. In einer Höhle fällt sie in ein tiefes Loch und landet in einer wundersamen Welt...

Was zunächst ins Auge fällt ist das große Format (325 x 233 x 13mm) der gebundenen Ausgabe des Splitterverlages, mit € 15,8 zwar nicht billig, aber gerechtfertigt und ein wahrer Augenschmaus. Eine etwas größere Farbvielfalt neben dem vielen Braun wäre ebenso wünschenswert wie ein besserer Blick auf die Umgebung, die entweder komplett ausgeblendet wird und nur wenig ausgestaltet ist. Dadurch wirkt die Welt nie so richtig lebendig und das trotz der Vielzahl skurriler Gestalten, auf die Alice trifft. Die sieht übrigens viel frecher und cleverer aus als die blonde Disneyversion. Schatten und Beleuchtung sind eher der Atmosphäre denn dem Realismus untergeordnet und ich hätte mir mehr solcher Farbflecken gewünscht wie bei der Raupe oder im Haus der Herzogin. Es gibt Seitenzahlen. Printed in Germany.
Die Geschichte ist wohlbekannt und ebenso konfus wie faszinierend, da Alice auf allerlei wundersame Gestalten trifft, die äußerst rätselhafte Dinge von sich geben, Doppelbödiges und oft wenig Hilfreiches. Eine durchgängige Handlung ergibt sich dadurch nicht, da Alice von einer Begegnung in die nächste stolpert und das Ganze meiner Meinung nach allzu abrupt endet. Außerdem hat der Verlag es versäumt, ein Wortspiel zu erklären, welches im Deutschen so überhaupt keinen Sinn macht: "Mine is a long and sad tale! said he mouse, turning to Alice, and sighing. It IS a long tail, said Alice." In vorliegender Ausgabe fasel Alice plötzlich irgendwas von einem Schwanz und der unkundige Leser weiß überhaupt nicht, warum. Aber egal, Chauvel hat den Charme des Buches wunderbar eingefangen und wäre das Ganze noch ein wenig bunter und detailreicher, wie es sich für eine Fantasiewelt gehört, hätte es mir noch besser gefallen.

Bewertung vom 06.07.2013
Severed
Snyder, Scott; Tuft, Scott

Severed


ausgezeichnet

Jack Garran ist zwölf Jahre alt, als er beschließt, seinen Vater zu suchen. Der hatte ihn einst als Baby ausgesetzt und schreibt nun, er arbeite als Musiker in einem Chicagoer Club. Jack reißt von zuhause aus und trifft als blinder Passagier eines Zuges auf Sam, der ihm so einiges über das Leben auf der Straße beibringen kann. Doch auf was sie schließlich stoßen sollen, ist schlimmer als jeder Alptraum...

Die Figuren sehen relativ natürlich aus, was deren Bewegungen und Mimik, Schattenwurf und Gestik angeht. Gefühle sind deutlich zu erkennen und auch die Umgebung wirkt durch die vielen Passanten auf den Straßen lebendig. Die Räume jedoch wirken ein wenig leer, die Farbgebung ist ingesamt sehr trist, da Brauntöne überwiegen und die Bilder, passend zur Grundstimmung des Comics, oft düster gehalten sind. Außerdem ist das Monster, auf welches Jack und Sam stoßen, wirklich furchterregend, obwohl ich sagen muss, dass es oft so aussieht, als posiere es für ein Foto. Seitenzahlen fehlen.
Dieser Comic ging mir wirklich nach und das haben bisher nicht viele geschafft, insbesondere die aus dem Horrorgenre. Es sind nämlich keine namen- und gesichtslosen Opfer, die von dem Bösen gemeuchelt werden, sondern Kinder mit Träumen und einer, wenn auch geringen, charakterlichen Tiefe. Jack und Sam zum Beispiel wachsen einem richtiggehend ans Herz und man bangt mit jeder Seite mehr um das Leben der Beiden. Zum Glück werden einem die grausigen Details der Morde erspart und zwar sowohl bildlich als auch inhaltlich, so dass der Fokus des Horrors auf den Figuren liegt. Die Spannung entsteht nämlich dadurch, dass man sehr nah dran ist an den Protagonisten und man als Leser stets mehr weiß als diese - das nennt man wohl "suspense". Für mich eines der Highlights aus diesem Genre.

Bewertung vom 15.06.2013
Elephant
White Stripes,The

Elephant


gut

"Seven Nation Army" schlug 2003 ein wie eine Bombe und ist immer noch eines meiner Lieblingsstücke, dicht gefolgt von dem temporeichen "Black Math" und dem zunächst gewöhnlich klingenden "Ball And Biscuit", welches später richtig rockt. Auch "Hypnotize" und "Girl, You Have No Faith In Medicine" lassen sich demselben Genre zuordnen. Dazwischen gibt es immer wieder sehr ruhige Stücke, die lediglich Gesang und Gitarre beinhalten: "In the Cold, Cold Night", "You've Got Her In Your Pocket" und "Well It's True That We Love One Another", zusätzlich mit Tamburin. "I Want To Be The Boy To Warm Your Mother's Heart", "The Hardest Button to Button", "Little Acorns" und "The Air Near My Fingers" finde ich eher durchschnittlich. Die eingangs erwähnten rockigen Stücke sind daher immer noch die besten, obwohl "The White Stripes" mit diesem Album einiges an Abwechslung bietet.

Bewertung vom 15.06.2013
Ophelia

Ophelia


gut

Natalie Merchant läutet das Album mit dem gleichnamigen Stück "Ophelia" ein und gibt damit die ruhige Grundstimmung vor, welche sie die ganze Zeit über halten wird. "Ophelia" ist schön, "My Skin" ist traumhaft, "Thick As Thieves" und "The Living" ebenfalls. Die Mischung aus Klavier, Cello und der wunderbaren, eher tiefen Stimme der Sängerin finde ich persönlich sehr entspannend. "Effigy" hat in den Gesangseinlagen einen asiatischen Einschlag, "When They Ring the Golden Bells" klingt nach Country, was vor allem an Duettpartnerin Karen Peris liegt, die sehr kindlich und ein wenig wie Stina Nordenstam klingt. Für mich persönlich das langweiligste Lied, neben der eher gewöhnlichen Popeinlage "Life Is Sweet", ist "Kind & Generous". Für einen ruhigen Abend auf dem Sofa ist dieses Album jedenfalls sehr gut geeignet. Anspieltips 1, 5, 8, 10.

Bewertung vom 01.06.2013
Chew Volume 1: Tasters Choice
Layman, John

Chew Volume 1: Tasters Choice


sehr gut

Detective Tony Chu hält sich stets strikt an die Regeln und hätte selbst seinen eigenen Bruder verhaftet, wenn ihm sein Partner nicht dazwischengefunkt hätte. Der An- und Verkauf von Hühnchen ist nämlich seit der großen Grippeepidemie verboten und so gibt es eine eigene Division, die sich mit solchen Vergehen beschäftigt. Diese sogenannte FDA zeigt indes großes Interesse an dem Detective, da Chu ein sogenannter Cibopathic ist. Das bedeutet, dass er, sobald er etwas isst, dessen komplette Geschichte vor Augen hat. Bei Steaks erfährt er den Werdegang von der Weide bis zum Schlachthaus, bei Menschen "sieht" er, wer ihn getötet hat...

"Chew" wartet mit gedeckten Farben auf, sowie mit Figuren, die ein wenig wie Karikaturen aussehen. Da wäre zum Beispiel Tonys Partner mit seinem riesigen Kinn oder der hünenhafte Savoy mit Händen wie Pranken. Mimik und Gestik ist entsprechend übertrieben, doch lassen sich die Figuren gerade durch dieses Überzeichnete sehr gut unterscheiden. Außerdem sind sie fast immer in die Umgebung eingebettet, so dass man das Gefühl hat, man stehe selbst inmitten der jeweiligen Szene. Kleine Details wie überquellende Müllcontainer, herumliegendes Papier oder Flaschen in den Regalen machen die Welt des Tony Chu lebendig. Mir gefällt's. Es gibt Seitenzahlen. Printed in the USA.
Gleich auf der ersten Seite wird's eklig und am Ende des ersten Bandes wohnt man gar einer Szene bei, die aus "Das Schweigen der Lämmer" stammen könnte. Wo sonst trifft man auf Kannibalen?! Jedenfalls habe ich zu diesem Zeitpunkt darüber nachgedacht, die Lektüre abzubrechen, es schien einfach zu geschmacklos. Aber das Geld für den Comic hatte ich ja bereits ausgegeben und allzu oft muss man solch eklige Szenen zum Glück nicht über sich ergehen lassen. Der Rest ist sehr amüsant, durchaus auf- und anregend, wenn zum Beispiel beschrieben wird, wie Tony ein Gericht erlebt. Mit dem aktuellen Pferdefleischskandal hier in Deutschland, bei dem in der Fertiglasagne Pferde- und anderes Fleisch nachgewiesen wurde, gewinnt dieser Comic eine ganz neue Bedeutung. Man beginnt darüber nachzudenken, woher das Essen eigentlich kommt und das ist zum Teil keine angenehme Vorstellung. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf zu erfahren, wie es mit der Journalistin weitergehen wird und was der Mann neben ihr gefunden hat. (Mai 2013)

Dieser Sammelband enthält die Ausgaben #1-5. Die deutsche Ausgabe erscheint bei Cross Cult.