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Benutzername: mosaik
Wohnort: Neumarkt am Wallersee, Salzburg
Über mich: meine Leidenschaft gehört der Geografie, meine "zweite Heimat" war über Jahrzehnte Italien und alles rund ums Kulinarische interessiert mich immer. So versuche ich eben auf das eine oder andere Buch aufmerksam zu machen und hoffen, mit meinem Rezensionen ein wenig weiter zu helfen
Danksagungen: 26 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 410 Bewertungen
Bewertung vom 09.12.2019
Bacchus in Salzburg
Ammerer, Gerhard; Waitzbauer, Harald

Bacchus in Salzburg


ausgezeichnet

Eine Mischung aus Fachbuch und Spaziergang durch die jüngere Weinlokale-Geschichte Salzburgs

Schon die beiden Zeitbilder der Autoren am Anfang, in denen sie von ihren Wein-Erlebnissen in Salzburg in ihren Jugendzeiten erzählen, sind bereits Erinnerungsspaziergänge für uns Salzburger und wohl auch für etliche Touristen von seinerzeit. Bilder aus den 1970er-Jahren erinnern an Mode und Trinkkultur von damals.

Dann geben die beiden sehr sachkundigen Autoren einen Überblick über die Herkunft der einst importierten Weine. Diesem Kapitel folgen „Wein am fürsterzbischöflichen Hof“ und „Wein in der Bürgerschaft“. Beide Kapitel fallen unter „Fachbuch“ und bieten zahlreiche historische Dokumente mit Auflistungen von Verbrauch, Kosten und Besteuerung seit dem Mittelalter bis in die Neuzeit. Mit dem Kapitel „Salzburger Weinbau einst und jetzt“ begeben sich die beiden auf Spurensuche Salzburger Weingüter in Wien und Niederösterreich-Wachau (wo noch heute die Benediktiner-Erzabtei Weingärten besitzt) sowie über einstigen und seit Jahren wieder kultivierten Weinbau in der Stadt Salzburg und Umgebung.

Das folgende Kapitel über die Weingastronomie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist dann bereits eine Mischung aus Fachbeitrag und für den Salzburger schon teilweise bekannten Geschichten. Es geht um Wirtshäuser in der Altstadt, die wir namentlich schon gehört haben und um kulturgeschichtliche Beiträge. Mit der „Weingastronomie im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert“ sind wir dann in unserer Zeit der Erinnerung angekommen. Bilder wie vom „Weinkeller zur stillen Klause“, heute das Irish Pub O’Malleys, aus der bereits 100 Jahre alten „Andreas Hofer Weinstube“ an der Steingasse sowie andere Bilder und Geschichten lassen Erinnerungen wach werden. Schließlich führen die Kapitel „Trends der letzten Jahrzehnte“ und „Tour de Vin – Weinparcours durch die Stadt Salzburg“ auf Spuren einstiger und noch existierender Lokale mit Geschichten dazu. Zu den Texten gibt es viele Bilder, auch aus jüngerer Vergangenheit.

Das Lesen oder auch nur Blättern mit Bilderschauen bringt immer wieder Neues und Interessantes. Nicht zuletzt durch das Einfließen von persönlichen Erlebnissen der beiden Autoren seit den 1970er-Jahren ist es ein lebendiges und durchaus nicht nur fachtrockenes Buch. Die fachliche Sorgfalt dokumentiert sich auch im Anhang zahlreicher Endnoten und einem Literaturverzeichnis. Nach dem Buch über 600 Jahre Braukultur, in dem sich die beiden Autoren mit dem Bier beschäftigten, zeigt nun „Bacchus in Salzburg“, dass Wein eine ebenso bedeutende (Trink)Rolle im Leben der Salzburger gespielt hatte und auch noch hat.

Bewertung vom 09.12.2019
Sagenreiches Kremsmünster
Fetz-Lugmayr, Dagmar

Sagenreiches Kremsmünster


sehr gut

Geschichten und Sagen von lokaler Bedeutung

Wer im oberösterreichischen Kremsmünster oder seiner Umgebung wohnt wird in diesem kleinen Buch etliche Geschichten über Orte und Bauwerke aus seinem Lebensraum finden. Sie sind inhaltlich größtenteils unspektakulär und bieten geschichtliche Hintergrundinformation. Fetz-Lugmayr schmückt sie sprachlich sehr gut aus und macht so aus eigentlich kurzen Informationen kleine literarische Dokumente. Ergänzt werden diese Geschichten und Erzählungen mit Bildern, die ein wenig die Orte des Geschehens oder örtliche Stimmungen zeigen.

Bewertung vom 31.10.2019
Leuchttürme
Guichard, Jean

Leuchttürme


ausgezeichnet

Interessantes und eindrucksvolles Bilderbuch mit guter Hintergrundinformation

Kern des Buches sind Bilder von Leuchttürmen und ihrer Umgebung. 14 in Frankreich werden ausführlich mit mehreren Bildern präsentiert sowie weitere Kurzportraits von Leuchttürmen in Deutschland, den USA, Kanada, Island, Finnland, Irland, Schottland und Großbritannien. Doch das 280seitige Buch bietet nicht nur eindrucksvolle Aufnahmen aus verschiedenen Jahres- und zu verschiedenen Tageszeiten, sondern auch interessante Beiträge über die Geschichte der Leuchttürme und Leuchtturmwärter in Frankreich.

Nach etlichen Bildern, die alle auch kurz die Geschichte des abgebildeten Turms schildern, kommt man zum ersten von vier mehrseitigen Beiträgen, der Geschichte des Berufes des Leuchtturmwärters. Obwohl es seit der Antike Leuchtfeuer gab, begann die französische Geschichte der Leuchttürme eigentlich erst nach der französischen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts. Es war das „Services des Phares“, die „Organisation der Leuchttürme“, die mit dem systematischen Aufbau, der Betreuung und Bemannung der Leuchttürme an der französischen Atlantikküste begann. Der Beitrag schildert den Alltag und die Aufgaben eines Leuchtturmwärters, die Beschaffenheit des Leuchtturmwärterhauses und die Entwicklung des Berufes vom Wärter zum Elektromechaniker.

Der Beitrag über die große Zeit der Leuchttürme erzählt von der Gefährlichkeit der Wachablösung auf den „offshore“-Leuchttürmen, berichtet aus alten Leuchtturm-Wachtagebüchern und von der Feuerwache. Zur Unterhaltung der Wärter richtete man im 19. Jahrhundert eine Leuchtturm-Bibliothek ein. Ob der Leuchtturm eine Erfindung der Bretagne war, damit beschäftigt sich der dritte Beitrag im Buch. Und er berichtet von der Entwicklung der Besichtigungsmöglichkeiten von Leuchttürmen, mit denen sich die Wärter ein Taschengeld zu ihrem sehr geringen Gehalt – sie waren Beamte des Staates – verdienten. Der Leuchtturm war auch in der Literatur zu finden wie beispielsweise in einem Roman von Jules Verne und Thema von Filmen. Die Automatisierung der Leuchtfeuer führte zum Ende der Leuchtturmwärter und zur Entdeckung der Leuchttürme als Fotomotive. Werden die Leuchtfeuer erlöschen wird im letzten Beitrag gefragt. Darin wird auch über den letzten Leuchtturm von Paris erzählt, der 1992 vom Dienstgebäude des „Service des Phares“ am Trocadéro-Platz abmontiert wurde.

Jean Guichard besuchte die Leuchttürme mehrmals und fing faszinierende Bilder ein. Den roten Backsteinbau des Leuchtturms auf dem Cap Fréhel in den rotbraunen Farben des Abendlichts, die felsenreiche Umgebung von Leuchttürmen bei Ebbe, bei Flut und bei Stürmen, Bauwerke auf Felsen mitten im Meer, bei denen man sich fragt, wie hier wohl die Wachablöse aufgrund der Brandung und Felsenhöhe erfolgen konnte. Es gibt aber auch Bilder von Leuchttürmen, die am Festland landeinwärts errichtet wurden und von kleinen Ansiedlungen umgeben mitten in Feldern stehen, wie beispielsweise auf der „Île de Batz“. Eindrucksvoll sind die Aufnahmen, auf denen die Gischt bis zur Laterne hinauf, 20, 30 oder mehr Meter, schäumt. Den Beiträgen kann man auch entnehmen, dass die Türme unter der Wucht der Naturgewalten wanken.

Die Bilder der Leuchttürme in den anderen Ländern sind ebenso interessant und abwechslungsreich. So sieht man einen roten Turm in der Schneelandschaft von Island, finnische Leuchttürme, die aus dem Eismeer herausragen oder Irische, die wie Schwalbennester an mächtigen Felsen in der See kleben. Am Ende des Buches gibt es Übersichtskarten mit den Standorten der nummerierten Leuchttürme.

Es ist ein interessantes und eindrucksvolles Bilderbuch mit Geschichten, das einen guten Einblick in einen Beruf bietet, der schon fast verschwunden ist.

Bewertung vom 23.10.2019
Vorbilder mit und ohne Heiligenschein
Putz, Gertraud

Vorbilder mit und ohne Heiligenschein


ausgezeichnet

Ein Kalenderbuch mit 424 interessanten Personenbeschreibungen aus der ganzen Welt

Schon die äußere Aufmachung des Buches - Hardcover mit Lesebändchen – deutet darauf hin, dass es ein Gebrauchsbuch sein soll. So finden sich dann auch auf den ersten Seiten Monatskalender. Auf der linken Seite die Tage mit den Geburts-, Gedenk- oder Sterbedaten jener Personen, die im Buch beschrieben werden. Auf der rechten Seite werden die Zeilen weitergeführt und man kann darin eigene Einträge vornehmen.

Nach einer mehrseitigen Einführung der Autorin werden 424 Persönlichkeiten von einst und jetzt aus Ländern rund um den Erdball kurz oder länger vorgestellt. Jede Personenbeschreibung beginnt mit dem Namen der Personen sowie Geburts- und Sterbedaten, darunter ein die Person charakterisierender kurzer Satz. Dann folgt die Beschreibung. Diese kann einmal nur einen Absatz, manchmal fast eine ganze Seite lang sein. Aber alle bieten einen Überblick über das Wirken und die Bedeutung dieser Personen.

Neben bekannten Persönlichkeiten finden sich auch Namen, die ich zum ersten Mal las, wie beispielsweise Anne de Xainctonge, Mary Wollstonecraft-Godwin, Ester Mujawayo oder Nadia Basee Taha. An meinem Geburtstag ist der Todestag von Friedrich von Bodelschwingh, ein deutscher Pastor im 19. Jahrhundert, der sich für Kranke und Arbeitslose einsetzte.

1532 Endnoten, sieben Seiten Literaturnachweise, eine Seite Abkürzungserklärungen sowie drei Seiten Personenregister, alle Seiten zweispaltig in Kleindruck, zeigen, dass die Autorin große Sorgfalt bei der Recherche aufgewendet hatte. Und noch eine interessante Übersicht hat die Autorin im Anhang zusammengestellt: eine Übersicht nach Themen, Auszeichnungen oder Kontinenten: Einsatz für Frauen, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Opfer des Nationalsozialismus, Vorbilder nach Kontinenten gereiht, natürlich Heilige und Selige sowie andere Themen listen die entsprechend passenden Namen auf, um gezielter im Buch nachschlagen zu können.

Es ist ein Buch, in dem ich sicherlich immer wieder blättern und Neues lesen werde.

Bewertung vom 02.10.2019
Vergessen & verdrängt
Lux, Georg

Vergessen & verdrängt


sehr gut

Interessante, einige makabre Beiträge, aber gut geschrieben

Handelten die beiden ersten Bücher der beiden Autoren noch von vergessenen Paradiesen und „lost places“, also verlassenen Stätten, so beschäftigen sie sich in ihrem dritten Buch mit „dark places“, also dunklen Orten. Orte, an denen Grauenhaftes geschehen ist oder die in einem eigenartigen Besucher-Trend liegen.

Die Orte handeln u. a. vom Teufel, einem Giftmord, einem ehemaligen Schlachthof, Mumien, einer psychiatrische Klinik, dem einzigen KZ auf italienischem Staatsgebiet, einem „kopflosen“ Adelsgeschlecht, einem Totentanz, einem von der Pest leergefegten Dorf und dem Zug von Marschall Tito, in dem sein Sarg durch Jugoslawien gefahren wurde.

Bei den einzelnen Beiträgen gibt es auch allgemeine Informationen rund um den Ort oder das Objekt sowie unter dem Titel „am Rande“ Sehenswertes in der Umgebung und Restauranttipps. Die Texte sind durchaus spannend geschrieben und informativ. So gibt beispielsweise der Beitrag über den Untergang einer deutschen Sprachinsel in der Gottschee (heute Slowenien) einen guten Überblick über die Gottscheer, die als Hausierer einst sehr bekannt waren. Auch die Beiträge über die Mumien in Venzone oder über das Feld der steinernen Linsen im Görtschitztal bieten viel Information. Die Bilder sind von sehr guter Qualität und aussagekräftig. Sie schildern, dass sogenannte „escape rooms“ ‚boomen‘. Dabei lassen sich Menschen gegen Bezahlung z. B. in einem ehemaligen Schlachthof einsperren, in dem literweise Kunstblut an die Wände gespritzt wurden. Wie überhaupt der Besuch von „dark places“ offenbar recht aktuell ist.

Doch es gibt auch Schwachstellen. Der Beitrag über die Vajont-Katastrophe in Longarone war bereits im ersten Buch zu finden. Der Beitrag über die Insel Poveglia in Venedig ist „Alpen-Adria“ grenzwertig und jener über die psychiatrische Klinik Mombello in Limbiate bei Mailand schon weit außerhalb des Alpen-Adria-Gebiets. Es mag natürlich sein, dass sonst das Buch zu schmal ausgefallen wäre. Aber solche „Füller“ irritieren mich immer.

Die beiden weisen in ihren Büchern immer darauf hin, dass viele Orte eigentlich nicht offen für Besucher sind, dass es an manchen Orten gefährlich sein kann (Ein- oder Absturzgefahr u. a.). Trotzdem betreten die beiden auch in diesem Buch z. B. die für Besucher gesperrte Insel Poveglia in Venedig. Mit diesem Buch tragen die beiden aber auch dazu bei, das Interesse eines Besuches solcher verbotenen oder gefährlichen Orte zu wecken. Das finde ich jetzt weniger gut.

Das dritte Buch ist interessant, hat aber einige makabre Kapitel. Trotzdem finde ich, dass das Buch an sich gut recherchiert und geschrieben ist. Aber vielleicht sollte, wenn ein viertes Buch geplant ist, der Bogen der „Grauslichkeiten“ nicht überspannt werden.

Bewertung vom 09.08.2019
Mein Salzkammergut
Thurner, Patricia; Ammerer, Gerhard

Mein Salzkammergut


sehr gut

Ein Geschichtsbuch mit Personenportraits und Regionsbildern

Es als Bildband zu bezeichnen trifft ebenso nicht ganz zu wie es als Geschichts- oder Geschichtenbuch einzuordnen. Es ist von jedem etwas und in der Gesamtheit ein gutes Buch. Dafür sorgen Gerhard Ammerer als Universitätsprofessor am Fachbereich Geschichte der Salzburger Universität und Patricia Thurner, die als Fotografin und Liebhaberin der Region eine breite Palette an bildlichen Eindrücken beisteuert.

Die Menschen, die in diesem Buch portraitiert werden, sind ganz unterschiedlich, von bekannt wie Alfred Jaklitsch, dem Gründer der Gruppe „Die Seer“ über Philipp Schwarz, dem Marketing-Fachmann, der nun die berühmten Goiserer-Maßschuhe in Handarbeit herstellt bis hin zu Mikela und Patrick Endl, Hüttenwirte auf 1 738 m ü. A. mit drei Kleinkindern. Zwölf Personen sind es zwischen dem Grundlsee und Bad Ischl. Und über das, was dazwischen liegt, berichtet Ammerer Geschichtliches, manch Bekanntes, aber auch Unbekanntes wie von der Entstehung der Operette „Im Weißen Rößl “ oder über das Steinhauen von Schleifsteinen in Gosau.

Im Kapitel „Mit dem Herzen sehen“ beschreibt Thurner ihre Bilder, in denen sie auch Stimmungen zeigen möchte. Da naturgemäß jeder Mensch unterschiedliche Stimmungsbilder mehr oder weniger bevorzugt, wird wohl für jeden Leser sein Bild darunter sein. Bei manchen Aufnahmen habe ich das Gefühl, sie hätten noch ein wenig „stimmungsvoller“ nachbearbeitet werden können. Aber, wie geschrieben, jeder hat da seine persönlichen Vorlieben. Jedenfalls gibt es Bilder von Winter grau in grau über einen Fährmann, dessen Gesicht für den Betrachter im „Dunklen“ bleibt bis hin zu frühlingserwachenden Wiesen mit blühenden Obstbäumen.

Bewertung vom 09.08.2019
Weingeschichten aus Friaul
Gans, Johannes; Wrazdil, Eva

Weingeschichten aus Friaul


sehr gut

Geschichten über Winzer, deren Weingüter, über Weine und Landesgeschichte

40 Weingüter und deren Betreiber werden in diesem Buch vorgestellt. Die Hälfte von ihnen befindet sich im klassischen „Collio orientale“, also zwischen Cividale del Friuli und Görz. Die andere Hälfte teilt sich auf den Rest von Friaul-Julisch Venetien auf.

Bei den einzelnen Geschichten erfährt der Leser vieles über Familiengeschichten der Winzer, die Böden und Trauben sowie die Gegend. Es ist überwiegend die jüngere Generation an Weinbauern, oft auch weiblich, die hier vorgestellt wird. Sie erinnern sich an traditionelle Herstellung und alte Rebsorten, keltern seltene Weine wie beispielweise der ‚Pastello Bianco‘ von Margherita und Alessandro Bellio in Pinzano al Tagliamento. Der ‚Pastello‘ wird aus den Trauben ‚Ucelùt‘ und ‚Sciaglin‘ gekeltert und ist ein Perlwein. Auch eine ‚Balsameria‘ wird im Buch vorgestellt. Sie produziert Basamico Essig, darf die Produkte jedoch nur ‚Asperum Balsamico‘ nennen und nicht ,Aceto Balsamico‘. Von der edlen Verkosthalle wie bei Livio Felluga bis hin zur rustikalen Verkostecke bei ‚Le Due Torre‘ reicht die Palette an Winzerstuben in diesem Buch.

Die einzelnen Regionen werden durch einen geschichtlichen Beitrag eingeleitet. Es ist eben auch ein Lesebuch, das sich durchaus angenehm lesen lässt, ohne dass der Leser mit „Fachchinesisch“ überfrachtet wird. Die Bilder sind abwechslungsreich und zeigen nicht nur Wein, Winzer und Reben, sondern auch Gebäude und Landschaften. Das Buch hat seinen Platz in meiner Büchersammlung über das Friaul-Julisch Venetien in der Abteilung „Wein“ gefunden.

Bewertung vom 09.08.2019
Legende Salzburgring
Mrazek, Florian T.

Legende Salzburgring


sehr gut

Ein Erinnerungsbuch mit Schwerpunkt Automobilrennsport

Man merkt beim Durchblättern des Buches, dass der Autor als Schwerpunktthema den Automobilrennsport gewählt hat. Fast 80 Seiten über Automobilrennsport stehen 20 Seiten über die Motorradrennsportgeschichte inkl. den Elefantentreffen am Salzburgring gegenüber. Natürlich berichtet Mrazek auch über die Anfänge des Rings (rund 20 Seiten) und was sonst noch interessant ist (rund 50 Seiten über Oldtimer-Rennen und den Histo Cup, über dunkle Stunden, über den Mann, der hinter der Erfolgsgeschichte des Ringes steht, Alexander Reiner, sowie über den Salzburgring heute und ein Blick in die Zukunft).

Subjektiv von mir empfunden wird die Darstellung der legendären Oldtimer Grand Prix der 1970er- und 1980er-Jahre, deren Mitveranstalter mein Vater war und ich sie selbst hautnah miterlebt hatte. In diesem Abschnitt gibt es ein einziges Bild zu sehen, das Niki Lauda (mit aufgesetztem Helm!) in einem Mercedes Benz Silberpfeil zeigt. Dafür aber fünf Bilder vom Histo Cup. Übrigens die bayrische BMW-Motorradlegende Georg „Schorsch“ Meier schreibt man nicht „Maier“, ebenso wenig wie man Krackowizer mit tz schreibt. Aber das mögen natürlich auch Flüchtigkeitsfehler des Lektors sein. Und auf Seite 152 sind auf einem Bild anlässlich 25 Jahre Salzburgring sieben Persönlichkeiten zu sehen, aber nur sechs Namen bei der Bildbeschreibung: Zwischen John Surtees und Dieter Quester steht Sammy Miller aus England, Trial-Europameister (insgesamt mehr als 1 300 Trial-Siege) und Straßenmotorradrennfahrer.

Bei der Entstehungsgeschichte, finde ich, sind die Bilder etwas unglücklich gewählt. Ein Bild von Martin Pfundner vor einem Zaun war jetzt nicht so von Bedeutung für den Ring. Unbedingt hätte ein Bild vom seinerzeitigen KURIER-Zeitnehmerturm ins Buch gehört samt der kuriosen Geschichte über das Bauwerk. Zwei Bilder von der Festrede vom damaligen Landeshauptmann, eines noch dazu von hinten (er hatte ja doch einen breiten Rücken) sind vielleicht auch nicht so aussagekräftig. Mir fehlen Bilder vom Bau (hier gibt es einige durchaus imposante Aufnahmen). Vom ersten Rennwochenende gibt es überwiegend Bilder von Automobilrennen, bei den wenigen Motorradbildern dafür gleich zwei Bilder vom Salzburger Manfred Stengl. Alles konnte der Autor wohl aufgrund des Buchumfangs nicht berücksichtigen. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass im Herbst 1969, dem Eröffnungsjahr, der Salzburger Stardirigent Herbert von Karajan einen Porsche 908/02 "Flunder" um den Kurs pilotierte

Doch insgesamt bietet das Buch einen guten Einblick in Ereignisse am Ring, über einige spannende Rennduelle und Hintergrundinformation. Interessant finde die zehn Gastbeiträge, in denen auch persönliche Erlebnisse geschildert werden. Dass es sich bei diesem Buch um eine um 17 Seiten erweiterte Neuauflage des bereits 2014 erschienenen Buches mit demselben Titel (damals mit dem Untertitel „im Windschatten der Geschichte“) handelt, wird auch beim Lesen sichtbar. Gastautor Dieter Quester schreibt „… in den 45 Jahren …“ und das war eben 2014 zur Erstausgabe.

Der Automobilrennsportteil ist recht ausführlich und bietet gutes Bildmaterial. Manche Details wären noch interessant gewesen, wie beispielsweise wann Niki Lauda, neben seinem Auftritt beim Oldtimer Grand Prix, am Start war (ein Hinweis jedenfalls, dass er gestartet war, findet sich im Text). Was Erinnerungen wach werden lässt, sind die Programmheft-Titelbilder längst vergangener Rennen im vorderen und hinteren Einband, allerdings vorne und hinten dieselben. Ein Stichworteverzeichnis wäre vielleicht auch ganz hilfreich gewesen.

Das Buch ist jedenfalls ein Erinnerungsbuch an 50 Jahre Salzburgring, das einen guten Einblick in die Geschichte gewährt.

Bewertung vom 01.07.2019
Hausmittel
Buchart, Karin

Hausmittel


sehr gut

Praktische, einfache Rezepturen, übersichtlich gestaltet

Was das Buch bietet, beschreibt die Autorin selbst in ihrer Einleitung: Die Zutaten müssen im Haushalt verfügbar sein, die Zubereitung in aller Regel sollte schnell möglich sein und sie kosten fast nichts. Und weil es sich um altüberlieferte Hausmittel handelt, wirken sie auch wirklich, meint Buchart.

Damit man auch für ein Hausmittel bei seinem Wehwehchen fündig wird, hat Buchart anlassbezogene 40 Kapitel erstellt (von Arteriosklerose über Füße, Herzbeschwerden, Juckreiz, Schwitzen bis Wunden). Auf der jeweiligen Kapitelstartseite gibt es eine Übersicht der betreffenden Hausmittel, die man auch in einem mehrseitigen Anwendungsverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge findet (insgesamt rund 350 Anwendungsmöglichkeiten). Wer nicht weiß, was Elektrolyse, Gingerole, Oligogalakturonide oder Tryptophan bedeuten, kann diese und andere Begriffe in einem Glossar nachschlagen.

Symbole bei jedem Hausmittel signalisieren die Anwendung, ob als Tee, zum Essen, als Auflage oder Bad usw. Manches Hausmittel scheint eine versteckte Wirkung zu haben, wie beispielsweise die „Gute-Laune-Kekse“, in denen sich nur Zimt, Nelken und Muskatnuss als Gewürze befinden. Heißes Bier soll bei Erkältung und Reizhusten helfen, in Milch und Honig baden erweicht die Haut, Kartoffelwasser-Waschung macht Hände weich und zart. Bei den getrockneten Pflaumen und Dörrpflaumenkugeln musste ich schmunzeln, ist doch die Autor Österreicherin und schreibt nicht Zwetschken. Die einzelnen Rezepturen bestehen aus einer Liste der Zutaten, den Beschreibungen für Zubereitung, Anwendungen und Notizen.

Knapp 400 Seiten hätten es vielleicht drucktechnisch nicht werden müssen – Riesenschriftgröße und viel leerer Platz auf den Seiten. Aber für Personen mit Leseschwächen natürliche wunderbar.

Wer also an Mund- und Rachenentzündungen leidet, findet vielleicht mit der Salbei-Sole-Spülung Linderung. Auf jeden Fall ein brauchbares Buch, das man griffbereit zu Hause haben sollte.

Bewertung vom 24.06.2019
Er ging voraus nach Lhasa
Mailänder, Nicholas

Er ging voraus nach Lhasa


ausgezeichnet

Ausgezeichnetes Zeitdokument zum besseren Verständnis von Tibet, Nepal und Aufschnaiter

Der Autor bringt über weite Teile des Buches Originalauszüge aus den Tagebüchern von Aufschnaiter und verbindet diese, wo notwendig, mit Erklärungen und Ergänzungen. So taucht der Leser unmittelbar in die Erlebnisse und Gefühle Aufschnaiters ein, wenngleich es manche Sätze gibt, die Rätsel aufgeben (weil der Zusammenhang fehlt). Aber jedes Kapitel bietet eine Fülle von Fußnoten zu Quellen und Hinweisen. Zum Unterschied zu Heinrich Harrers Buch beschreibt Aufschnaiter das Erlebte und Gesehene sachlicher. Dabei fällt besonders auf, dass er durchwegs alle Orte, Berge und Personen mit den tibetischen Namen und Bezeichnungen in seinem Tagebuch festhält. Aufschnaiter hatte an der Universität Landwirtschaft studiert und hält auch aus diesem Blickwinkel immer wieder Gesehenes fest. Nach seiner Flucht vor den Chinesen blieb Aufschnaiter bis zu seinem Tod in Nepal, wo für die FAO der Vereinten Nationen tätig war.

Über seinen ersten Lebensabschnitt als Student, Bergsteiger und „linientreuer“ Nationalsozialist handelt der erste Teil des Buches (fünf Kapitel, 100 Seiten) und es werden verschiedenen Expeditionen in den Himalaya so beschrieben, dass der Leser eine Vorstellung über die Strapazen und Entbehrungen dieser Bergtouren erhält.

Noch während sich Aufschnaiter und Harrer auf ihrer Rückreise nach Europa in Indien befanden, brach der Zweite Weltkrieg aus. Die britischen Kolonialherren in Indien internierten alle Deutschen. Das Buch beschreibt in diesem Teil das Lagerleben und die Fluchtversuche von Aufschnaiter. Der Zweite gelang. Aufschnaiter und seine drei Begleiter, die zeitweise getrennt unterwegs waren, erreichten Tibet. Auf 60 Seiten, nun auf der Basis von Tagebucheintragungen, wird dieser Lebensabschnitt beschrieben.

Nachdem Aufschnaiter 1952 Tibet schweren Herzens verlassen hatte, konnte er aufgrund seiner langjährigen guten Beziehungen zu britischen Beamten, die trotz seiner Flucht bestehen blieben, Anstellungen in Nepal, dann in Indien und später wieder in Nepal erhalten. Auf 100 Seiten berichtet das Buch über diese interessante Zeit aus dem Leben Aufschnaiters, in der er u. a. für die Briten kartografierte und das Königreich Mustang erforschte.

1958, nach über 20 Jahren, reiste Aufschnaiter erstmals in seine Heimat. Nach einem Verzicht auf die österreichische Staatsbürgerschaft zugunsten der nepalesischen (die er für seine Arbeit in Nepal benötigte), erlangte er sie, kurz vor seinem Tod, 1970, neuerlich. Zu diesem Zeitpunkt hatte er Harrer schon einige Male wiedergesehen und wurde erst spät mit ihm per-du. Aber das Verhältnis blieb aufgrund des Buches und der Vorträge von Harrer, bei denen und deren finanziellen Erfolge sich Aufschnaiter ausgeschlossen fühlte, angespannt. Noch kurz vor seinem Tod besuchte Harrer auf Anraten alter Bergkameraden, in der Hoffnung auf Versöhnung, Aufschnaiter im Innsbrucker Krankenhaus. Den mitgebrachten Blumenstrauß warf Aufschnaiter von sich und drehte sich zur Wand.

Am Ende des Buches gibt es eine Zeittafel zu Peter Aufschnaiters Leben, einen aufschlussreichen Beitrag über den Staat Tibet und den Tibetischen Buddhismus im Überblick. Nach einem Literatur- und Quellenverzeichnis hilft ein Personenverzeichnis bei der Suche im Buch. Auf der Rückseite des Umschlages befindet sich eine farbige Karte Südtibets und Nordnepals auf der die Routen von Aufschnaiter 1944 bis 1946 und 1951 bis 1952 eingezeichnet sind.

Das Buch ist eine sehr umfassende Biografie einer stets im Schatten von Harrer gestandenen Persönlichkeit. Für mich ist sie eine doch etwas andere Darstellung der Ereignisse in Tibet im Vergleich zu Harrers Buch. Das Buch schildert von Personen über Rituale und dörflichem Leben bis hin zu politischen Entwicklungen in Tibet und Nepal nicht nur das Leben des österreichischen Bergsteigers. Es ist ein ausgezeichnetes Zeitdokument über einen abgelegenen Winkel der Welt, das zum besser